u/AdPitiful9561

Umgang mit Dauerpatienten/Daueranrufer ohne feststellbare Symptome

Hallo miteinander,

ich wollte euch fragen, ob ihr Erfahrungen mit Dauerpatienten/Daueranrufer habt. Aktuell gibt es in unserem RD-Bereich folgenden Fall.

Seit einigen Wochen/Monaten ruft eine Dame jeden Tag – teils mehrfach am Tag – den Rettungsdienst. Der Ablauf ist an jedem Tag derselbe. Sie wählt den Notruf, schildert dann irgendwelche Symptome, die nun mal leider beschickt werden müssen, was dann einen RTW- oder NA-Einsatz auslöst. Jedes Mal werden diffuse Symptome geschildert wie Dyspnoe, zuschwellender Hals, Thoraxschmerz, Abdominalschmerz, etc. pp.

Vitalparameter, körperliche Untersuchung, EKG, usw. sind jedes Mal (wenn sie denn noch richtig untersucht wird) blande.

Sie ist jedes Mal davon überzeugt, an einer schweren Erkrankung zu leiden – meist irgendwelche super seltenen Syndrome/Krankheiten, die sie halt gegoogelt hat. Daher „weiß“ sie ja schließlich auch, dass sie die Erkrankung hat. Wenn im Gespräch ein Transport angeboten oder forciert wird, dann lehnt sie entweder ab oder sie wechselt einfach das Thema um dann das nächste Symptom zu schildern. So ziehen sich die Einsätze oft über 20, 30, 40 Minuten in der Wohnung, bis die Patientin sich dann für einen Transport entscheidet.

Mittlerweile sind wir so weit, dass es teils NA-Kollegen gibt, die sich weigern zu der Patientin in die Wohnung zu gehen und diese von außen nur lautstark auffordern, herauszukommen, dass man gleich in die Klinik fahren kann. Dem leistet sie manchmal Folge, manchmal aber auch nicht. Dann zieht sich das wieder ewig. Wenn der RD eintrifft ist es mittlerweile jedes Mal dasselbe. Sie öffnet ferngesteuert die Haustür, sodass der RD diese aufmachen kann und oben öffnet sie selbst die Wohnungstür, die von der Haustür aus einsehbar ist. Unmittelbar nach dem Öffnen der Wohnungstür rennt/läuft die Patientin aber sehr zügig wieder in die Wohnung. Dort wartet sie dann sitzend auf die Besatzung. Aufforderungen, dass sie gleich runterkommen soll werden ignoriert. Wenn sie ihr heutiges „Hauptsymptom“ geschildert hat und auf die Frage, was sie sich vom Rettungsdienst oder der Klinik erhofft antworten soll, antwortet sie in der Regel nicht und schildert dann einfach das nächste Symptom. So geht es dann immer mehrfach pro Einsatz. Die Klinik weigert sich teils, T-Scheine auszustellen, da „keine med. Transportindikation“. Einfach daheimlassen ist halt bei geschildertem Thorax- oder Abdominalschmerz auch kritisch. Irgendwann hat sie dann doch wirklich was und dann ist man schuldig weil man sie ja daheimgelassen hat.

In einer psychiatrischen/psychosomatischen Einrichtung war sie lt. Eigenen Aussagen mehrfach – hat aber ja nichts gebracht, da es bei ihr ja eine körperliche Ursache sei. In der Notaufnahme wird sie wie gesagt immer sofort entlassen. Hausärzte musste sie schon mehrfach wechseln, da sie dort wohl jeden Tag in der Praxis aufgetaucht ist. Aktuell ist sie ohne Hausarzt – bei der letzten Praxis „durfte“ sie einmal die Woche noch kommen, bis sie sich kritisch gegenüber der Hausärztin geäußert hat, die dann auch das Behandlungsverhältnis mit ihr beendet hat.

Die Klinik und die Kollegen sind mittlerweile hart angenervt von der Situation. Wenn du seit 6,7 oder 8h durchfährst und dann der Melder klingelt mit Namen und Adresse, dann liegen die Nerven blank. Aber irgendwie fühlen sich hier alle irgendwie hilflos (Patientin, RD, Leitstelle,…) außer die Klinik. Die Patientin sagt auch, dass sie sehr frustriert sei und dass das alles ja kein richtiges Leben mehr sei - sie sterbe ja langsam. Sie merke es ja an Ihrem Körper. Auf die Frage ob sie denn Suizidgedanken hege antwortet sie nur grinsend/zynisch i.S.v. "Ich bin doch nicht dumm und antworte auf sowas mit ja. Dann bringen Sie mich in die Geschlossene."

Habt ihr Erfahrungen mit solchen Patienten? Was ist/was eure Vorgehensweise? Wie wurde sowas bei euch gelöst

reddit.com
u/AdPitiful9561 — 12 days ago