u/63702w

Wann und wie wusstet ihr, dass ihr Kinder wollt?

Moin,

TL;DR

Meine Frau will Kinder, aber ich habe extrem Schiss

(sorry, der Post wird wahrscheinlich extrem lang....)

Ich (m33) bin aktuell in einem persönlichen Dilemma:

Meine Frau (f29) möchte sehr gerne Kinder haben.

Der Wunsch besteht bereits seit ein paar Jahren bei ihr.

Wir haben letztes Jahr geheiratet und seitdem hat dieser Wunsch nur zugenommen.

Die Intensität ist bei ihr so groß, dass häufig, wenn wir darüber sprechen, Tränen fließen. Sie heult nicht richtig, aber man merkt, dass der Körper so voller Emotionen ist, dass hier das Nervensystem über Tränen reguliert.

Wo ist nun also das Problem?

Zum Thema Kinder stand ich eigentlich immer positiv und es war für mich selbstverständlich dass ich Kinder möchte.

Prinzipiell hat sich daran nicht geändert, aber vorher große Töne spucken ist immer was anderes als tatsächlich im Käfig mit dem Gorilla zu ringen.

Ich hatte ein paar psychisch sehr schwarze Jahre in meinem Leben, aus denen u. a. meine Frau mir heraus geholfen hat.

Gerade das Thema soziale Bindung, Emotionen und Erwartung/Verantwortung sind für mich persönlich mega kompliziert.

Aber es ging jetzt Jahre Lang gut bergauf:

Ich habe nach jahrelangem erfolglosen Studium mittlerweile eine abgeschlossene Ausbildung und eine unbefristete Stelle als Projektleiter. Wir haben eine schöne Wohnung, ein verlässliches Auto und sparen auf die Zukunft. Natürlich ist das Leben nicht perfekt, aber ich bin nach Jahren endlich glücklich damit!

Ich bin 4-facher Onkel und habe mehrere Patenkinder, ich habe also viele Kinder beim Aufwachsen begleiten dürfen.

Aber gerade deswegen habe ich extrem viel Schiss vorm Vater sein.

Ich habe viel von schlaflosen Nächten, anstrengenden Phasen wie Zähne kriegen, aber auch die brutalen Seiten des Alltags mitbekommen.

Klar erzählen Freunde und Verwandte auch viel schönes, aber mit "ich habe heute Nacht kaum schlafen können" kann ich mich identifizieren, da ich das Gefühl kenne. "Er hat Freitag das erste Mal Papa gesagt" ist bestimmt für den Vater ein toller Moment gewesen, mir persönlich aber eher schnuppe, da ich mich damit nicht identifizieren kann, weil ich keine Referenz habe.

Das führt dazu, dass ich, wenn ich an eigene Kinder denke nur die Probleme sehe:

- Finanzen

- Gesundheitssorgen beim Zwerg

- Der Alltag wird im mindestens 540 ° gedreht und die Richtung der Drehung wechselt alle 2 Tage, so dass man irgendwann nicht mehr weiß wo vorne und hinten ist

- permanente Verantwortung für dieses Wesen (ich habe es in die Welt gesetzt, also bin ich den Rest meines Lebens dafür verantwortlich)

- ich muss die Bedürfnisse dieses Wesen über meine stellen (zumindest in den ersten Jahren), da es zu 100 % von mir abhängig ist

- ich brauche viel Freiheit und Selbstbestimmung, da mich Dinge außerhalb meiner Komfortzone viel Kraft kosten. Das ist manchmal schön, weil man so neue Erfahrungen macht, aber es darf nicht Überhang nehmen, sonst merke ich dass es schlecht für meine Psyche ist und Kinder können (zumindest anfangs) natürlich keine Rücksicht nehmen

- ich habe auch Schiss, dass mein eigenes Kind mir dann egal ist, also dass ich es nicht schaffe diese Zuneigung und partielle Selbstaufgabe zu leben, sondern dieses kleine Wesen als Störfaktor wahrnehme und nicht als Geschenkgottes

- was wenn mein Kind trotz aller Bemühungen ein Arschloch wird? Oder jemand der erst Milch und Müsli in die Schüssel gibt?!

-usw, usw.

Hingegen habe ich nur wenig positive Assoziationen, da die schönen Momente mit "fremden Kinder" oberflächlich bleiben.

Ich genieße gerade mein Leben. Ich habe das Gefühl, dass ich die schwarzen Jahre gerade etwas aufhole, da ich in dieser Zeit nicht gelebt und nur funktioniert habe.

Jetzt kann man sagen "Das ist doch Klasse für Dich, genieß es noch ein wenig und dann kann die Genetik verbreitet werden" , allerdings redet meine Frau mittlerweile fast täglich mit mir darüber und man merkt dass sie es kaum noch aushält.

Freunde sind aktuell zum 2. Mal schwanger, als meine Frau das erfahren hat, sagte sie zu mir, dass sie nicht mitkäme zum gemeinsamen Grillen, da sie das nicht ertrage.

Die Sorgen die ich jetzt habe, werde ich wahrscheinlich auch in 1, 3 oder 54 Jahren noch haben.

Meine Freunde sagen "es gibt nicht den richtigen Zeitpunkt und man wird nie zu 100 % bereit sein "

Ich weiß weder ein noch aus.

Ich fühle mich irgendwie egoistisch und unreif, dass lieber "Party machen und bis 3 zocken" möchte (Anm. d. R. : Beispiel dient zur Dramatik; ich hasse Parties und bin meistens um 22:30 im Bett)

Vielleicht bin ich wie Cassandra und prophezeie das Unheil, das außer mir keiner sieht oder aber ich bin das Kind, das nachts Angst vor den Schatten hat, obwohl da nichts ist.

Springe ich über meinen Schatten und traue mich?

Aber was wenn ich im Anschluss nicht bereit war und die Beziehung an der Herausforderung / Belastung zerbricht?

Was wenn ich wieder kaputt gehe und meine Frau dann ein Kind und ein depressives Loch zu Hause hat?

Und dieses Spiel von "ja, aber.." könnte ich den ganzen Tag spielen und es ist extrem anstrengend und nervenaufreibend, sowohl für meine Frau als auch für mich.

Ich Versuche ein emotionales Problem rational zu lösen, das ist leider nur bedingt sinnvoll...aber ich weiß nicht was ich sonst tun soll.

Woher wusstet ihr dass ihr bereit seid Vater zu werden und welche Realitätsbomben sind bei euch im Anschluss geplatzt (die guten so wie die schlechten)?

Danke fürs Lesen dieses Textmonsters. Ich entschuldige mich für die wirre Struktur, aber das Thema muss Mal irgendwie raus und ich hoffe hier reale und objektive Einschätzung hören zu können.

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u/63702w — 3 days ago