u/AdResident2462

Die Kritik an Massentourismus ist unfassbar scheinheilig

Ich war 2012 in Kuba und schon damals haben mir Leute erzählt, ich hätte noch das „echte Havanna“ gesehen. Das ist jetzt 14 Jahre her. Anscheinend hat jede Generation noch das „echte“ Havanna gesehen und alle danach nicht mehr.
Irgendwie klingt das für mich oft nach Leuten, die einfach stolz darauf sind, früher da gewesen zu sein als andere.

Was ich auch nicht verstehe: Jemand fliegt nach Bali, findet es geil, macht Fotos, erzählt jedem davon und fünf Jahre später beschwert er sich, dass zu viele Leute nach Bali fliegen….
Ja Bruder. Du warst einer davon.

Natürlich gibt es Probleme durch Tourismus. Die gab es auch schon damals. Aber dieses ständige „früher war alles authentisch und dann kamen die Touristen und haben alles zerstört“ ist mir viel zu vereinfacht. Und ganz ehrlich: das ist halt auch einfach eine Konsequenz der Globalisierung. Man kann nicht immer nur Vorteile haben wollen (und da gibt es durchaus einige), aber sich dann aus seiner privilegierten Position raus über jegliche Nachteile beschweren.

Vor allem wird dabei oft so getan, als hätte Tourismus nur Nachteile. Komischerweise beschwert sich selten jemand darüber, dass Hotels, Restaurants, Taxis, Touranbieter und ein halber Ort davon leben. Das wird dann gerne ausgeblendet.

Und wenn irgendwo Einheimische verdrängt werden oder alles zugebaut wird, dann frage ich mich manchmal, warum die Wut immer bei den Touristen landet und nicht bei den Leuten, die solche Entscheidungen treffen. Kein Tourist enteignet die Einwohner…

Was mich am meisten nervt, ist dieses Gerede vom „echten“ Bali, „echten“ Tulum oder „echten“ sonstwas und für mich endet eine Diskussion sobald so ein Satz fällt, weil es einfach von unreflektiertem Schwarz-Weiß Denken zeugt.

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u/AdResident2462 — 6 days ago