u/Cyber_Kauz

Sparen als Azubi wird zum Nachteil – aber ein Auto auf Kredit wäre okay?

Meine volljährige Tochter macht eine Ausbildung und lebt bei ihrer Mutter, die krankheitsbedingt Leistungen vom Jobcenter erhält. Ich bin der Vater und lebe nicht in diesem Haushalt. Meine Tochter bekommt ergänzend zu ihrem Ausbildungsgehalt ebenfalls Leistungen.

Sie hat angefangen, sich etwas aufzubauen. Statt ihr Ausbildungsgehalt jeden Monat komplett auszugeben oder zu verfeiern, legt sie regelmäßig etwas zurück.

Eigentlich genau das, was man jungen Menschen immer empfiehlt: Geh arbeiten, geh vernünftig mit Geld um und spare für später.

Durch die neue Vermögensgrenze von 5.000 € kommt sie damit aber absehbar an einen Punkt, an dem ihre Rücklagen den Leistungsanspruch beeinträchtigen können. Für mich fühlt sich das wie eine Bestrafung dafür an, dass sie früh anfängt, verantwortungsvoll mit ihrem Geld umzugehen.

Hätte sie das Geld jeden Monat für Feiern, Kleidung und Freizeit ausgegeben, wären diese Rücklagen gar nicht vorhanden. Ich gönne jedem seine Ausgaben. Aber welchen Anreiz setzt man damit für junge Leute, die bewusst sparen?

Besonders widersprüchlich finde ich das beim Auto:

Nach meinem Verständnis darf sie ein angemessenes Auto im Wert von bis zu 15.000 € besitzen, ohne dass es auf den normalen Vermögensfreibetrag angerechnet wird. Will sie sich dieses Auto aber erst zusammensparen, zählt das Geld auf dem Konto grundsätzlich zum Vermögen. Einen zusätzlichen Freibetrag für den geplanten Autokauf gibt es offenbar nicht.

Wie soll sie dann während der Ausbildung dafür sparen, wenn schon oberhalb von 5.000 € der Leistungsanspruch betroffen sein kann?

Ein finanziertes Auto könnte dagegen geschützt sein. Sie könnte also – sofern sie überhaupt einen Kredit bekommt – monatlich Raten und Zinsen bezahlen. Vorher dieselbe monatliche Summe zurückzulegen und dafür selbst Sparzinsen zu bekommen, wird dagegen durch die Vermögensgrenze erschwert.

Erst kaufen und Kreditzinsen zahlen kann damit günstiger behandelt werden als erst sparen und ohne Schulden kaufen. Das ergibt für mich keinen Sinn.

Mir ist klar, dass Grundsicherung bedarfsabhängig ist und vorhandenes Vermögen grundsätzlich eine Rolle spielt. Ich fordere auch nicht, dass man unbegrenzt Vermögen aufbauen und gleichzeitig Leistungen beziehen können soll. Mich stört dieser konkrete Unterschied: Das Auto darf vorhanden sein, aber das Ansparen dafür wird zum Problem.

Und ganz praktisch: Was soll sie jetzt mit den knapp 5.000 € Rücklagen machen?

Einfach weiterzusparen, wenn dadurch ihre ergänzenden Leistungen wegfallen können, kommt für uns unter diesen Bedingungen nicht infrage. Soll sie den Sparplan stoppen und ihr künftig verfügbares Geld lieber ausgeben? Eigentlich wollten wir ihr vermitteln, dass Sparsamkeit und Rücklagen sinnvoll sind. Jetzt fragen wir uns, welchen legalen und finanziell vernünftigen Weg es für sie noch gibt.

Übersehe ich eine Regelung? Gibt es einen Schutz für nachweislich geplante Anschaffungen? Oder hat jemand diese Situation schon erlebt – insbesondere als Azubi mit ergänzenden Leistungen?

Mich interessieren sowohl Erfahrungen mit dem Jobcenter als auch eure Meinung zu diesem Unterschied zwischen Sparen und finanziertem Kaufen.

reddit.com
u/Cyber_Kauz — 8 days ago