Komplexe Erbsache - drei Kinder (eines davon mit Behinderung)
Hallo, ich lese hier gerne die Posts zum Thema Erbe und möchte euch nun meinen Fall vorstellen:
- wir sind drei Geschwister (Mitte bis Ende 30)
- ein Elternteil besitzt zwei Immobilien und möchte eine davon schon jetzt an uns Kinder weitergeben
- Haus ist ein Mehrparteienhaus in einer entfernten Großstadt (vermietet)
- wir Kinder wohnen alle bei meinen Eltern (die irgendwann auch ihre Immobilie vererben wollen, aber das ist erst mal außen vor) in der Gegend (Kleinstadt) und haben nicht vor in die Großstadt zu ziehen, wollen das Haus auch nicht verkaufen
- Wunsch der Eltern/des Elternteils: alle sollen gleichermaßen an der Schenkung "verdienen" und das Haus soll nicht verkauft werden (wir wollen das Stand jetzt auch nicht)
Jetzt zum "Problem":
- mein Bruder ist schon seit Jahren psychisch krank (er ist Autist mit Depressionen, Angststörung, vielleicht auch bisschen Persönlichkeitsgestört), er kann aufgrund seiner Erkrankung überhaupt nicht mit Geld umgehen (er ist Suchtkrank und hat auch schon meine Eltern bestohlen...), er wohnt bei meinen Eltern im Haus und geht einer minimalen Anstellung nach (um Geld für seinen Drogenkonsum zu haben) und wird langfristig von Sozialleistungen leben (sein "Traum" war laut ihm schon immer "Harz 4 bekommen und nie arbeiten müssen")
- er ist leider auch nicht in Therapie, da er zum einen schlechte Erfahrungen in Kliniken gemacht hat und zum anderen nicht daran "glaubt"
- er ist wirklich ein anstrengender Mensch mit dem man leider nicht auf Augenhöhe vernünftig sprechen kann. Er ist entweder total depressiv und suhlt sich in Selbstmittleid (und Hass auf Ausländer), oder aufgrund von verschiedenen Drogen total überdreht, wahnhaft, zieht alles ins Lächerliche und Absurde. Teilweise aber auch unfassbar aufbrausend, bedrohlich und aggressiv. Ich hatte schon ein paar mal wirklich Angst vor ihm (das nicht zu Unrecht)
- auf jeden Fall kann man mit ihm nicht wie mit dem anderen Geschwister über ernsthafte Sachen wie Finanzen oder Erbe reden. Er versteht es womöglich kognitiv auch nicht (das meine ich ernst - er hat sich durch den Konsum sicher einige Gehirnzellen geraubt). Wenn es mal um die Erbverteilung ging meinte er nur, dass er sich von den Mieteinnahmen einen schicken Anzug kauft und einen auf reich macht. Er kann das mental einfach nicht fassen, was es bedeutet die Verantwortung für mehrere Wohnungen zu tragen und ein Haus langfristig als Vermieter zu unterhalten (Stichwort: man muss Mieteinnahmen auch reinvestieren und kann sich davon nicht einfach ein "Luxusleben" gönnen. Das würde ohnehin nicht funktionieren, da wir nicht viel Miete verlangen)
- ich habe auch immer ein bisschen Angst, dass er mal an die falschen Leute gerät (wobei er das eh schon hat) und die ihn so manipulieren, dass er seinen Teil frühzeitig einfordert und uns damit das Leben schwer macht... wahrscheinlich hört sich das total gemein an, aber er ist wirklich nicht überlebensfähig alleine und bringt sich selbst (und andere) auch immer wieder unnötig in Gefahr. Er wirkt auf mich oft, als wäre er gerade 16 Jahre alt geworden und eben noch nicht ganz reif. Dabei wird er bald 30.
- kurz gesagt: er ist psychisch behindert/eingeschränkt und wird sich wohl auch langfristig nicht verändern (obwohl wir die Hoffnung nie aufgeben werden...), er möchte aber auch keine gesetzliche Betreuung, oder überhaupt diese Form der Behinderung anerkennen lassen (meine Eltern meinen nur, dass sie ihn ja nicht zwingen können). Da blockt er genau so ab wie wenn es darum geht, dass er auf eigenen Beinen stehen soll und ausziehen muss (er findet auch keine Wohnung), oder in ein betreutes Wohnen ziehen soll (absolut unmöglich für ihn, wahrscheinlich auch aufgrund vom Autismus)
Wie können wir die Immobilie also grundsätzlich so in unserem Besitz halten, dass
A: mein Bruder nicht vorzeitig an das Geld kommt (er würde alles sofort für Konsum ausgeben und wir stünden doof da, weil wir ihn nicht ausbezahlen können) - das wollen meine Eltern auf jeden Fall verhindern, wenngleich sie natürlich wissen, dass er ein Erwachsener ist, der grundsätzlich mit seinem Teil machen könnte, was er wöllte
B: der Staat diesen "Besitz" nicht bei den Sozialleistungen anrechnet, die mein Bruder potentiell irgendwann erhalten wird (aktuell finanzieren meine Eltern ihm das Nötigste wie Unterkunft bei ihnen, Essen, Fahrten mit Auto/Bus/Bahn, etwas Taschengeld hier und da, eine Zeit lang sogar die Krankenkasse)
C: wir uns nicht viel mit ihm auseinandersetzen müssen und Entscheidungen ohne ihn treffen können (z.B. mit einer GbR in der wir alle ein Stimmrecht haben, Entscheidungen aber von mindestens zwei getroffen werden müssen - nur, wie macht man es, falls eine Person stirbt und mein Bruder dann doch wieder mit involviert wäre?)
Das Thema zieht sich schon seit Jahren und es braucht endlich eine Lösung, weil meine Eltern nicht jünger werden. Wenn nichts geregelt ist (so wie aktuell) haben wir irgendwann ein großes Problem und das wird richtig böse enden... mein Bruder ist leider wirklich kein angenehmer Zeitgenosse und auf Drogen unberechenbar (hat schon mal mit einem Baseballschläger in seinem Zimmer alles kurz und klein geschlagen und mir gedroht mich umzubringen...)
Der Plan wäre, dass wir alle einen Teil der Mieteinnahmen erhalten, nachdem ein gewisser Betrag für Investitionen davon abgegangen ist (auf die mein Bruder keinen Zugriff hat). Doch wie lässt sich sowas am besten (rechtlich/notariell) festhalten?
Hat jemand Erfahrungen mit psychisch Kranken Geschwistern und Erbe?
Wir wollen ihn nicht grundsätzlich benachteiligen, oder paternalistisch vorschreiben, wie er zu leben hat, gleichzeitig ist er einfach nicht in der Lage die Verantwortung zu tragen und braucht tatsächlich eine Art Rahmen, den er einzuhalten hat, um ihn vor sich selbst zu schützen (so blöd es klingt)
Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen und Ratschläge!