u/Full_Bother227

Ausbildungen/Schulsysteme in Deutschland sind ein zu starres Konstrukt und nicht mehr zeitgemäß

Vorab: KMU, wir bilden handwerklich aus und nehmen auch (bzw. besonders gerne) Azubis aus Migrantenfamilien.
Hier am Beispielfall eines Ukrainers (u18).

Er hat vor ca. einem Jahr bei uns ein Praktikum gemacht. War absolut lernfähig, hat sich total für die Arbeit begeistert und wirklich einen gesunden Willen gezeigt.
Wir haben Ihm sofort gesagt, dass er nach der Schule gerne seine Ausbildung bei uns beginnen kann.

Es rief dann kurze Zeit darauf sein Lehrer an mit der Frage, ob das Angebot noch bestand hätte, weil er es wohl im Unterricht erwähnt hat.
Ich habe dies bejaht und den Schüler, samt Familie, mal eingeladen.
Die Deutschkenntnisse der Eltern sind natürlich nicht die besten, dennoch konnte ich Ihnen Vermitteln, dass der angehende Azubi eine ärztliche Erstuntersuchung benötigt und sie hierfür zuerst zum Bürgeramt müssen, um sich dort einen Untersuchungsberechtigungsschein abzuholen, mit welchem Sie dann zum Arzt können (alleine das ist ja schon unglücklich gelöst). Einen Personalfragebogen habe ich Ihnen ebenfalls ausgehändigt.
Das war am Mittwochmorgen.
Heute, am Freitag, liegen mir bereits alle Unterlagen ausgefüllt samt Erhebungsbogen die die ärztliche Erstuntersuchung vor.

Absolut vorbildlich. Das haben wir bei vielen Familien schon anders erlebt.

Jedenfalls liegt mir nun auch das Schulzeugnis vor.
Und es ist eine Katastrophe. Klar, wenn das Kind mit 12 o. 13 Jahren nach Deutschland kommt und hier im Unterricht mitmachen soll.

Nun denkt man natürlich an den Unterricht in der Berufsschule. Wir wissen alle, dass das nicht unbedingt einfach ist. Wie soll das gehen, wenn es schon in der normalen Schule solche Probleme gibt?

Wir haben das hier schon öfter erlebt. Wirklich lernfähige jugendliche, die Lust haben zu arbeiten. Die kognitiven Fähigkeiten sind auf jeden Fall vorhanden.
Und dann scheitert es an der Schule...

Ich meine WTF haben wir denn Bock, dass wir in 10-15 Jahren einen riesen prozentualen Anteil an ungelernten, oder gar arbeitslosen hier haben?!
Wieso zur Hölle bekommt es seit Jahren niemand auf die Kette entweder das System entsprechend anzupassen, oder einfach Extralinien zu schaffen, die es diesen jugendlichen vereinfachen eine Ausbildung abzuschließen?
Es sollte doch kein deutsches Kind ein Problem damit haben, wenn Kinder aus Migrantenfamilien eine vereinfachte Ausbildung bekommen..
Das pisst mich einfach nur gottlos an.
Mir tuts richtig leid zu wissen, dass da ein Kind richtig motiviert ist und Bock hat, aber nach den ersten Berufsschultagen bereits Probleme bekommen wird.

Wir Wissen doch, dass unser Land multikulturell geprägt ist und das nicht erst seit vorgestern.
Wir Wissen doch, dass die deutsche Sprache schwierig ist.
Kriegen wir es wirklich nicht hin, ein System zu etablieren, welches multilingual aufgestellt ist und sukzessive ins deutschsprachige übergeht?

An allen verschissenen Ecken und Kanten stoßen alle Systeme aus der Steinzeit an Ihre Grenzen. Und kein Schwein hält es für nötig mal was anzugehen.
Klar, wenn das auch mit bürokratischen Hürden verbunden ist, die mehre Berufsleben benötigen.
Ich schreibe schon seit Monaten immer mal wieder an Handwerkskammern, an politische Vertreter, an Schulen und Ämter. Alles, was man bekommt sind, wenn überhaupt, absolut generische Antworten. Kein Schwein will sich dieser Sache annehmen.
Perfekt, dann viel Spaß mit den ungelernten und Arbeitslosenzahlen in der Zukunft, wenn wir tausende Hilfskräfte haben. Und viel Spaß an die Arbeitgeber, wenn sie NOCH weniger ausgelernte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt haben.

ES KOTZT MICH LANGSAM ALLES NUR NOCH AN, DASS PROBLEME AUS DER NORMALEN MITTE NICHT MAL ANSATZWEISE ANGEGANGEN WERDEN! ÜBER EUCHEN FACHKRÄFTEMANGEL BRAUCHT IHR EUCH ALLE NICHT WUNDERN!

Ich weiß, wall of Text, aber ich bin einfach richtig salzig gerade.

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u/Full_Bother227 — 6 days ago