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Nachbar eskaliert wegen Sichtschutz – und bestellt den Schlichter statt zu reden

Ich muss hier mal kurz Dampf ablassen, weil ich langsam wirklich nicht mehr weiß, ob ich im falschen Film bin.

Wir wohnen seit knapp vier Jahren in einem neuen Vorstadthaus. Kleine Familie, eigentlich alles entspannt, im Viertel gut angekommen, mit den meisten Nachbarn ein normales bis gutes Verhältnis. Nur ein Nachbar ist… speziell. Und natürlich ist es ausgerechnet der Nachbar, dessen Grundstück uns an drei (!) Seiten umgibt.

Er ist Rentner, seine Frau ist schwer chronisch erkrankt, und entsprechend verbringt er sehr viel Zeit im Garten und bei ihr und nirgends sonst. Anfangs dachten wir: alles okay, man grüßt sich, man redet ab und zu, kein Problem.

Bis ich irgendwann einmal offenbar zu spät Rasen gemäht habe. Da wurde ich dann plötzlich angeschrien, was ich den beiden alles zumuten würde. Ich war ziemlich irritiert und bin am nächsten Tag rüber, um zu verstehen, was genau das Problem ist. Ergebnis: eine lange Aufzählung unserer Verfehlungen der letzten zwei Jahre. Ich habe mir das angehört und ihn gebeten, solche Dinge doch bitte direkt anzusprechen, statt zu sammeln.

Seitdem gab es immer mal wieder solche Ausbrüche. Wir haben zugehört, versucht ruhig zu bleiben und wiederholt gesagt: Kommt einfach direkt auf uns zu, wenn euch etwas stört. Ein Austausch kam aber nie zustande.

Dann haben wir an unserem bestehenden Zaun einen Sichtschutz angebracht. (Man fühlt sich ja doch beobachtet, wenn da ein Typ die ganze Zeit in seinem Garten ist und nicht mit dir redet.)
Der Zaun ist 1,20 m hoch und nur die Matten wurden nur am vorhandenen Zaun angebracht. Obwohl wir es also nicht gemusst hätten, haben wir vorher gefragt und sie hatten nichts dagegen. Trotzdem eskalierte es: Er kam mit einem Brief an, „weil es anders ja nicht gehe mit uns“, und fragte, wie ich nachts ruhig schlafen und noch in den Spiegel schauen könne.

Enthalten war eine Liste aller möglichen und unmöglichen Beschwerden. Konkret ging es unter anderem darum, dass die Sichtschutzmatten mit Draht befestigt sind – so wie vom Hersteller empfohlen. Er wollte stattdessen Kabelbinder. Wir fanden das nicht notwendig, haben aber sinngemäß zurückgeschrieben: Okay, wenn es dem nachbarschaftlichen Frieden dient, machen wir das eben. Gleichzeitig baten wir erneut um ein Gespräch. Keine Antwort. Stattdessen WhatsApp-Nachrichten.

Dann hieß es plötzlich, da wir ja nicht kooperieren würden, schalte er jetzt die Schlichtungsstelle ein. Er habe damit an anderer Stelle schon gute Erfahrungen gemacht. Ernsthaft? Wir bitten seit Wochen vergeblich darum, einfach miteinander zu reden und er will das eskalieren? Also haben wir nochmal um einen Terminvorschlag für ein Gespräch gebeten. Und wieder: keine Antwort.

Stattdessen kam gestern um 12 Uhr die Nachricht: Um 14 Uhr komme der Schlichter, ob ich dabei sein wolle. Zwei Stunden Vorlauf, wie kann das denn sein? Egal, ich habe Termine verschoben und bin also rüber gegangen. Thema natürlich: Der Zaun und nicht das nachbarschaftliche Verhältnis.

Der Schlichter machte dann mehrere Vorschläge. Und bei praktisch allem konnte ich nur sagen: „Haben wir bereits angeboten.“ „Haben wir bereits angekündigt.“ „Ist schon geplant und so kommuniziert.“ Ich habe auch erklärt, dass der Zaun nach Herstellerempfehlung montiert wurde und dass wir trotzdem bereits angekündigt haben, für den nachbarschaftlichen Frieden auf Kabelbinder umbauen werden.

Ich habe außerdem gesagt, dass ich das eigentliche Problem weniger beim Zaun sehe, sondern in der Kommunikation: Wir suchen immer wieder das Gespräch, aber es kommt nie eins zustande. Stattdessen werden Dinge gesammelt, irgendwann kommt ein Ausbruch, dann ein Brief, dann WhatsApp, dann die Schlichtungsstelle.

Der Nachbar war währenddessen knallrot, wütend, aber offenbar auch nicht wirklich in der Lage, konkret zu sagen, was jetzt noch fehlen soll. Er meinte noch, wir sollten mal Unkraut entfernen und der Schlichter entgegnete, er könne das ja für uns tun.

Und jetzt sitze ich hier und frage mich ernsthaft: Was soll man da noch machen?

Der Schlichter meinte am Ende nur sinngemäß: „Wenn das mit dem Zaun erledigt ist, trinken wir mal ein Bier.“ Schön wär’s ja. Ich bin nur wirklich gespannt, was der da zu erreichen hofft, wenn die eine Seite seit Monaten und Jahren Gesprächsbereitschaft signalisiert und die andere Seite da nicht drauf eingehen kann oder will.

TL;DR: Nachbar beschwert sich seit Jahren nicht sofort über Kleinigkeiten, sondern sammelt alles, explodiert dann irgendwann. Es eskaliert aktuell wegen eines Sichtschutzes am Zaun und nun bestellt er einen Schlichter statt mit uns zu reden. Und der hat nicht mal was zu tun, weil wir praktisch alles was er vorschlägt schon angeboten hatten.

/edit: Ich müsste hier vermutlich nochmal hinzufügen: Das waren drei solcher Ausbrüche in den letzten zwei Jahren... und der Brief kam dann vor zwei Wochen.

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u/Fun-Video4307 — 5 days ago