u/Hatai8

Hitzeschutz (nicht vorhanden) und keiner will es wahrhaben

Hitzeschutz (nicht vorhanden) und keiner will es wahrhaben

Ich würde mir wünschen, dass Rick und Steven das Thema der extremen Hitze einmal in einem Video aufgreifen.
Dieses Video von Lois, Rettungssanitäter - Man kennt ihn -, bringt das Problem aus meiner Sicht sehr gut auf den Punkt:
https://youtu.be/ygibISG5KK0

Ich persönlich arbeite zwar nicht mehr direkt in der Pflege, bin aber weiterhin bei einem größeren freigemeinnützigen Träger im Gesundheits- und Sozialwesen tätig. Dadurch bekomme ich auch heute noch mit, was in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und anderen Bereichen des Gesundheitswesens passiert.

Was mich jedes Mal aufs Neue erschüttert: Nach einer Hitzewelle reden wir ein paar Tage darüber – und dann verschwindet das Thema wieder aus der öffentlichen Debatte.

Dabei geht es nicht um ein paar unangenehm warme Tage. Hitzewellen sind inzwischen eine der tödlichsten Naturgefahren in Deutschland. Jedes Jahr sterben tausende Menschen an den Folgen extremer Hitze – vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke und andere vulnerable Gruppen. Trotzdem wird das Thema häufig behandelt, als wäre es lediglich ein unangenehmer Teil des Sommers.

Besonders frustrierend finde ich, dass diejenigen, die die Folgen unmittelbar auffangen müssen, ohnehin schon am Limit arbeiten: Rettungsdienst, Notaufnahmen, Krankenhäuser, Pflegeheime, ambulante Pflegedienste, Feuerwehr, Polizei und viele weitere Bereiche der kritischen Infrastruktur. Wenn mehrere Tage extreme Temperaturen herrschen, steigen Notrufe, Einsätze und Krankenhauseinweisungen deutlich an. Die Belastung für die Beschäftigten ist enorm.

Und genau hier sehe ich das eigentliche Problem: Wir diskutieren regelmäßig über steigende Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, über Defizite der Krankenhäuser und über immer höhere Eigenanteile in der Pflege. Trotzdem fehlt vielerorts das Geld, um Einrichtungen und Einsatzorganisationen wirklich auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten.
Ein wirksamer Hitzeschutz kostet Geld. Gebäude müssten besser gegen Hitze geschützt werden, Aufenthaltsräume gekühlt werden können, es bräuchte zusätzliche Personalressourcen an besonders belastenden Tagen, Schulungen, Notfallpläne und eine verlässliche Finanzierung. Stattdessen arbeiten viele Einrichtungen schon im Normalbetrieb an ihrer Belastungsgrenze.

Hinzu kommt, dass die Pflegeversicherung finanziell ohnehin massiv unter Druck steht. Neben dem demografischen Wandel und steigenden Leistungsausgaben wurden nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes pandemiebedingte Kosten in Milliardenhöhe bis heute nicht vollständig vom Bund ausgeglichen. Das verschärft die finanzielle Lage zusätzlich und lässt immer weniger Spielraum für dringend notwendige Investitionen.

Mich stört vor allem die Diskrepanz: Nach schrecklichen Einzelfällen gibt es tagelang Sondersendungen und politische Debatten. Wenn jedoch innerhalb weniger Tage tausende Menschen an den Folgen extremer Hitze sterben und das gesamte Gesundheits- und Rettungswesen an seine Grenzen gerät, ist das Thema nach kurzer Zeit wieder verschwunden.

Ich finde, wir müssen endlich anfangen, Hitzewellen nicht mehr als gewöhnliches Sommerwetter zu betrachten, sondern als das, was sie inzwischen sind: eine wiederkehrende Gesundheitskrise und eine Herausforderung für unser gesamtes Gesundheits- und Rettungswesen.
Deshalb würde ich mich freuen, wenn Rick und Steven diesem Thema einmal die Aufmerksamkeit geben würden, die es verdient.

Fernab davon habe ich in meiner Wohnung gerade das Problem, dass mein Vermieter keine Split-Anlage zulassen will, weil es die Fassade beschädigt und nicht hübsch ist (die vermooste Fassade ist hübsch). Ich soll lieber bei 35° schwitzen. Mono-Block ist Müll! Ich bin also für ein Recht auf Klimatisierung (aber jetzt erst mal auf Wohnungssuche)!!

u/Hatai8 — 6 days ago