Yves Arievich: Vom Filmfan zum Marktschreier mit viel Ragebait
Ich muss mir echt mal Luft machen, weil es mir mittlerweile so gegen den Strich geht, denn man kann wirklich sagen, dass seine "Kritiken" und "Meinungsvideos" nur noch eine Verpackung für möglichst viel Ragebait ist.
Nicht nur die Thumbnails, auch die Überschriften lesen sich inzwischen wie irgendwelche Clickbait Artikel. Alles muss maximal dramatisch klingen. Entweder ist etwas eine Katastrophe, beschissen, komplett daneben oder der nächste Beweis dafür, dass Hollywood endgültig den Verstand verloren hat.
Das Lustige daran ist, dass er sich regelmäßig über X und die Leute dort aufregt, weil sich angeblich alle über alles aufregen. Gleichzeitig ist sein eigener Content mittlerweile ziemlich genau darauf ausgelegt indem er provokante Überschriften, entsprechendes Thumbnail und ab in die Kommentare, wo sich alle darüber aufregen können.
Das ist halt Ragebait!
Und deshalb finde ich auch die Nummer mit den Hasskommentaren ziemlich ironisch. David Hain hat in seinem Video "Ihr geht mir auf den Sack!" selbst ziemlich offen darüber gesprochen, dass Clickbait funktioniert und man Inhalte entsprechend auf Aufmerksamkeit trimmt.
Natürlich sind persönliche Beleidigungen und Hass scheiße. Aber wenn man seinen Content bewusst auf maximale Aufmerksamkeit und Aufregung trimmt, kann man sich nicht jedes Mal völlig überrascht zeigen, wenn genau diese Aufregung zurückkommt. Das ist ein strukturelles Problem, denn wenn Empörung die Reichweite bringt, ist sie irgendwann nicht mehr nur ein Nebeneffekt, sondern Teil des Produkts.
Und dann kommen die Krokodilstränen, weil die Leute tatsächlich so reagieren, wie man es vorher mit Überschrift, Thumbnail und Zuspitzung provoziert hat. Ich sehe die Tränen schon langsam die Wangen runterlaufen. Aber hey, zum Glück stimmt die Kohle.
Der Witz daran ist einfach, dass Yves meiner Meinung nach sowieso nie der große Kritiker war/ist, er war unterhaltsam und das war eigentlich seine Stärke.
Mittlerweile ist selbst das ziemlich weg. Wenn gefühlt jede zweite Veröffentlichung zum Desaster erklärt wird, jede Überschrift nach Clickbait klingt und jede Meinung maximal zugespitzt werden muss, nutzt sich das einfach ab.
Dazu kommt die herrliche Kombination aus ständigem Austeilen und gleichzeitig erstaunlich dünner Haut bei Kritik an den eigenen Aussagen, was er ja auch immer wieder durchscheinen lässt, sei es im Podcast oder bei seinen Videos. Wenn er einen harten Backlash bekommen hat, dann sagt "ist doch schön, wenn euch XY gefällt", nur um dann wieder draufzutreten und seine Meinung durchdrücken zu müssen, dann ist das einfach nur erbärmlich. Es ist schon fast Satire, wenn er sich über eine Kultur der Empörung beschwert aber gleichzeitig Content produziert, der genau von dieser Empörung lebt (ja, damit meine ich auch David Hain, wobei man bei ihm sagen muss, dass er nach seinem Beschwerdevideo deutlich moderater geworden ist).
Mann kann wirklich sagen, dass Yves inzwischen vor allem laut ist und laut ist halt nicht dasselbe wie kompetent. Genauso wenig wie 5000 gesehene Filme automatisch 5000 gute Argumente ergeben, weil er mal meinte, dass er viele Filme gesehen hat, was aber einfach kein Argument dafür ist, dass er auch kompetent dafür ist Kritiker zu sein.
Vielleicht wäre es deshalb mal ganz erfrischend, wenn ein Film bei BelYves einfach nur mittelmäßig wäre, nicht die größte Katastrophe der Filmgeschichte. Nicht der Untergang des Kinos. Einfach ein Film oder Serie, das man okay findet.
So, Rant vorbei....