u/IllustriousEye5115

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Wie findet ihr euch in komplexen Code zurecht?

Hallo,

ich weiß nicht, ob das der richtige Subreddit ist, aber ich muss irgendwie mal ein Feedback von jemandem Außenstehendem haben. Ich bin vor ca. 5 Jahren als Quereinsteiger in die Softwareentwicklung gerutscht. Ich habe anfangs bei einem Startup gearbeitet und nach bestem Wissen und Gewissen vor mich hin programmiert. Zuerst eine WinForms-Anwendung zur Visualisierung bestimmter Messdaten und später dann eine WPF-Anwendung zur Steuerung und Datenaufnahme eines neuen Messsystems. Das hat zunächst auch richtig Spaß gemacht und es gab neben mir nur zwei Informatikstudenten, sonst kannte sich niemand richtig mit Coding aus. Das Gefühl, etwas zu „beherrschen", was gebraucht wird und besonders ist, war richtig erfüllend. Naja, nach einiger Zeit gab es Probleme im Management und private Veränderungen, und ich habe mich entschieden, das Unternehmen zu wechseln.

Jetzt arbeite ich seit etwa 2 Jahren in einem neuen Unternehmen und schreibe immer noch an WPF-Anwendungen für bestimmte Messgeräte. Da ich jetzt Teil eines Teams bin, das voll erfahrener Entwickler ist, hat sich einiges verändert. Ich habe wirklich tolle und hilfsbereite Kollegen, fühle mich aber immer etwas „dümmer" als alle anderen. Ja, ich neige auch zum Imposter-Syndrom. Anfangs habe ich das immer noch damit abgetan, dass die Kollegen das ja studiert haben oder viel länger dabei sind. Aber mittlerweile tue ich mich sehr schwer damit.

Kommen wir jetzt zum eigentlichen Kernproblem (sorry für die lange Einleitung). Ich habe das Gefühl, mir Codestrukturen nur extrem schwer merken zu können. Ich muss ständig alles wieder nachschauen und habe es zwei Tage später wieder vergessen. Wenn ich ein Work Item bearbeite, schaue ich, ob wir etwas in der Form schon haben, und versuche dann entsprechend zu adaptieren. Da der Code aber in viele kleine Teile gebrochen ist und verschiedene Patterns etc. zum Einsatz kommen, verliere ich schnell den Faden und tue mich schwer, logische Stränge nachzuvollziehen. Oft denke ich bei einer Änderung: „Hoffentlich habe ich an alles gedacht und nicht irgendeine Logik/einen Teil übersehen." Man könnte jetzt vermuten, dass eventuell die Codebase einfach nicht gut strukturiert ist, aber das glaube ich eigentlich nicht. Zudem sehe ich, wie meine Kollegen dann schnell mal sagen: „Für das Problem gibt es Klasse XY und Interface XY, und das funktioniert so." Ich staune dann immer darüber, wie die sich das merken können. Ich merke auch bei Teilen, die ich selbst geschrieben habe, dass ich eine Woche später nicht mehr genau sagen kann, wie ich das eigentlich gebaut habe. Klar, wenn ich dann schaue, kommt es wieder, aber irgendwie habe ich das Gefühl, anderen fällt das viel leichter. Zudem schauen meine Kollegen teilweise auf Code und scheinen viel schneller zu erkennen, was eigentlich Sache ist. Gibt es da irgendeinen Trick? Ist mein Gehirn einfach nicht dafür gemacht?

Ein weiteres Problem, was ich auch an mir feststelle: Ich interessiere mich außerhalb der Arbeit nicht wirklich doll für die Softwareentwicklung. Ich höre zwar hier und da mal einen Podcast, aber auch eher aus schlechtem Gewissen als aus ernsthaftem Interesse. Ich habe immer das Gefühl, meine Kollegen lesen den Code noch das ganze Wochenende privat und lesen sich alles Mögliche durch. Bin ich für diesen Beruf vielleicht einfach nicht gemacht? Momentan, mit der zusätzlichen Entwicklung mit KI, mache ich mir echt so meine Gedanken, ob ich nochmal komplett umschwenken soll (M30).

Sorry für den langen Post. Ich habe gerade beim Schreiben gemerkt, wie viel sich eigentlich angestaut hat momentan. Ich danke im Voraus für alle hilfreichen Tipps und Anregungen.

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u/IllustriousEye5115 — 11 days ago