Hab nach meinem Abi einen freiwilligendienst gemacht und sobald ich sattelfest mit der Arbeit war, hieß es volle Verantwortung übernehmen. Ich sollte die Arbeit nicht nur erledigen, sondern wissen warum ich sie tue, sie vor externen rechtfertigen können, immer mitdenken und dadurch selbst Entscheidungen treffen können. Fehler waren einkalkuliert und nie ein Problem, sofern der Weg bis dahin logisch war und das Grundgerüst funktioniert hat. Nach 9 Monaten war ich fast vollwertige Vertretung für etablierte Kräfte.
Es gab auch nicht wirklich Kontrolle - wenig Fehler, Fehler sind behebbar, Ziele werden eingehalten - kein Bedarf für Interventionen.
Das System war effizient und die Arbeit hat einfach Spaß gemacht. Ich konnte große und wichtige Entscheidungen selbstständig treffen und mir wurde vertraut, wodurch viel Kapazitäten gespart wurden. Mit 19.
Bachelorabschluss und Einstieg ins Berufsleben als Akademiker:
pure Überwachung, keine Entscheidung darf selbst getroffen werden, kein Mut für Entscheidungen, für alles Einbindung der nächsthöheren Ebene, bei Fehlern ist man nachtragend, Rückfragen werden als fehlendes Wissen interpretiert.
Wiedereinstieg ins Studium, masterabschluss und Arbeit danach:
Totalschaden. Meetings über Meetings, ohne das Entscheidungen getroffen werden. Wöchentliche Besprechungen mit Vorgesetzten, die mich im Stil einer mündlichen Prüfung ausfragen. Junior und Seniormodell: nach 5 Jahren darf man irrelevante Entscheidungen ohne Nachfragen treffen. Meine Vorgesetzten würden am liebsten alles selbst machen und entscheiden und halten jeden im Team für nicht kompetent.
Ich bin hart angepisst und hoffe, dass meine Erfahrungen nicht repräsentativ sind…
Alle Unternehmen waren in vergleichbaren Branchen und meine gehaltssprünge zwischen den Stationen enorm.
Ich habe durch mein Studium nur andere Bereiche und neue Titel bekommen. Die Arbeit ist nicht wirklich schwieriger oder wichtiger geworden.