u/Jaded-Mud2967

Herta die Monsterhecke

Nun meine lieben Mitredditoren traf es mich mit einem Nachbarn aus der Hölle.

Ich bekam im April 2024 die Möglichkeit, mir einen günstigen, kleinen Baugrund in einem kommunalen Neubaugebiet zu sichern.

Es sind kleine Bauplätze, der Größte hat 371m². Meiner hat 358m² in gekoppelter Bauweise, also Hausmauer an Hausmauer.

Den Bauplatz konnte ich mir im September 2024 aussuchen. Im April 2025 hab ich den Kaufvertrag unterschrieben.

Genau nachdem ich den Kaufvertrag zur Unterschrift der Bürgermeisterin bei der Kommune abgab, fuhr ich zu meinen Eltern.

Meine Mutter offenbarte mir da, dass der Nachbar (nennen wir ihn Mal Fritzl) nicht auf sein Waalrecht verzichten wollte.

Auf meinem Grund am Rand verlief nämlich ein Bewässerungswaal. Der Waal wurde im gesamten Neubaugebiet rausgenommen und wird jetzt unterirdisch geführt.

Der Nachbar will nicht drauf verzichten, weil er wollte mit seinem Güllefass dort von seinem Grund aus Wasser ansaugen.

Da gab's die erste Diskussion, die ich gewann. Ich hab das Grundstück ohne Lasten gekauft, die Gemeinde hat eine Entschädigung an ihn gezahlt.

Der Witz an der Sache. Er ist seit Jahrzehnten nicht mehr landwirtschaftlich tätig. Niemand weiß, für was er das Wasser bräuchte.

Jetzt geht's weiter, es geht um Herta die Monsterhecke. Ich nenne sie liebevoll so. Herta hat kolossale Ausmaße, ich kenne weniger voluminöse mittelalterliche Stadtmauern. Herta misst auf einer Länge von 140m ganz 5m in der Höhe und ist nirgends schmäler als 4m.

Die Hecke ist einfach anderthalb Mal so groß wie mein Grund. Die 140m ist übrigens nur die Länge entlang des Neubaugebiets, Herta ist in Summe noch viel länger.

Blöd nur, Herta hängt 2m in meinen Grund rein.

Und eigentlich war immer ausgemacht, dass Herta weichen muss. Herta blockiert einfach so von 8 Bauplätzen je 2m.

Früher war das kein Ding. Unter Hertas voluminösen Vorbau versteckte sich nämlich der Waal und da unter Herta kein Licht rankommt, wuchs der nie zu oder ist sonstwie verdreckt.

Herta hielt den Waal sauber, weswegen jeder Landwirt, der das Feld in den letzten 40 Jahren bewirtschaftet hat, Herta geduldet hat. Man hätte es eh nicht bewirtschaften können, da ist ja der Waal.

Nun ist Fritzl aber beleidigt, weil der Waal weg ist und stellt sich in Sachen Herta stur. Er würde die gesamte Länge von Herta von den Grundbesitzern die 2m abkaufen, will dann aber auch ein Duldungsrecht in unsere Gärten zu spazieren, um Herta zu pflegen.

Mehrere Gärtnereien haben angeboten, Herta um 2m zu versetzen. Das kostet zwar verdammt viel, ist aber billiger als uns alle auszubezahlen. Auszahlen geht aber gar nicht, weil wir alle ein Veräußerungsverbot von 25 Jahren unterschrieben haben.

Die Gemeinde würde die Kosten für Hertas Versetzung jetzt auch noch tlw bezahlen, aber er will immer noch nicht.

Jetzt ist sein Plan, das hab ich über Drittwege gerade erfahren, für Herta vor Gericht ein ersessenes Recht zu erstreiten, dass Herta da stehen darf. Herta muss aber weichen, weil sonst können wir alle nicht bauen Herta blockiert ein Achtel meines Grundstücks in m². Die Grundstücke sind eh schon nicht groß, aber Herta lässt das Fass echt überquellen.

Das macht mich dermaßen wütend. Der Typ sitzt auf seinem 4000m² luxusgrund in einem dekadenten 300m² Haus, welches ihm vermutlich ein Drittel von meinem künftigen Haus gekostet hat und gönnt anderen Menschen absolut gar nichts.

Immer nur ich, ich und wieder ich.

Und er bekommt ja fast immer was er will.

Er spielt den Deppen und bekommt eine finanzielle Entschädigung.

Aber Hauptsache seit neuestem wegen seiner hebephilen Neigungen vor Gericht hocken...

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u/Jaded-Mud2967 — 6 days ago

Ich bin ein emotionaler Parasit

Die Kurzfassung:

Mir geht es gut, wenn ich merke, dass es anderen Menschen um mich herum auch schlecht geht.

Das heißt nicht, dass ich kein Mitleid hätte, ihnen nicht helfen würde oder es genieße, wenn es anderen schlecht geht. Ich fühle mich nur weniger schlecht, wenn ich sehe, dass es anderen schlecht geht.

Die Langfassung,:

Meine Kindheit war geprägt von einem Haufen negativer Dinge, die aufzulisten hier des Umfangs wegen gar nicht möglich wäre. Ich hab mir aber immer eingeredet, dass es anderen Menschen auch oft nicht gut geht und hab mich so durch meine Jugend gekämpft. Ich hab aber gleichzeitig immer weniger von mir erzählt.

Irgendwann war dann der Punkt Beziehung gekommen. Ich hatte davon ganze Drei, keine hielt wirklich lang. Ich hab eigentlich nur den drei Frauen wirklich alles erzählt, bzw. versucht. Eine ließ mir nie Platz für meine Probleme, die Zweite meinte, sie wolle niemanden mit so einer Familiengeschichte. Bei der letzten Beziehung hatte ich auch ein gutes Gefühl, die ging aus anderen Gründen auseinander. Jedenfalls hat sie aber meine Geschichte mit einem Satz kommentiert, denn ich wohl nie vergessen werde und der bei mir eine schwere Depression auslöste.

Ich hab dann Jahre meines Lebens absolut nichts gemacht, wirklich nichts. Niemand wollte mir helfen und Psychologen haben mich auf eine jahrelange Warteliste gesetzt. Ich sei nicht selbstmordgefährdet, ergo könne ich ja mindestens vier Jahre warten. Unter anderem hab ich mich so gehen lassen, dass sich mein Körpergewicht verdoppelt hat, auf staatliche 180kg in nur drei Jahren...

Das Ganze fand mit Putins Angriffskrieg ein Ende.

Ja, ihr habt richtig gehört. Die größte Katastrophe des Jahrhunderts so weit war mein Rettungsanker.

Ich hab Lehramt studiert und bekam einen Anruf. Man bräuchte Hilfe, um die Flüchtlingskinder zu unterrichten.

Ich weiß nicht warum, es war bei mir Arsch-vor-Friedrich. Noch ein paar Monate und ich hätte unter der Brücke schlafen müssen. Jedenfalls hab ich es irgendwie geschafft zuzusagen.

Ich hab Kinder unterrichtet, die hatten Verwandte in Butscha. Ich hab mit Müttern geredet, deren Häuser standen in Kharkiv, usw. Ich hab die Schrecken des Krieges in den Kindern wiedergefunden und mir selbst ging es dadurch besser. Der täglich selbe Ablauf hat mir Struktur gegeben und die Geschichte aus der Ukraine beruhigten mein Gemüt. Ich merkte, auch anderen geht es schlecht.

Ich musste dann aus anderen Gründen die Schule wechseln und entschied mich mit Absicht für eine Brennpunktschule.

Und es geht mir gut.

Ich hab Klassen erlebt, da waren vier von 24 Kindern im Frauenhaus.

Ich hab Kinder kennengelernt, deren Eltern öfters die Hand auskam (Präteritum weil beendet).

Ich kenne zwangsverheiratete Eltern.

Ich bin dazwischengegangen, als ich Wind davon bekam, wie ein Kind in den Sommerferien verheiratet werden soll.

Ich hab die Hälfte der Privatnummern der Mitarbeiter_innen des örtlichen Jugendamtes im Handy eingespeichert.

Ich hab so viel erlebt, gehört und mitbekommen, ihr würdet mir nicht glauben. Würde Netflix daraus eine Serie machen, die Leute würden sagen, es sei Fake und ich verstünde sie.

Aber es geht mir besser. Es geht mir besser, wenn ich mitbekomme, dass es anderen schlecht geht. Ich helfe ihnen, das ist klar. Ich sorge mich um sie. Aber ich könnte nie woanders arbeiten, dort gäbe es nicht genug Leid.

So gesehen bin ich ein emotionaler Parasit.

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u/Jaded-Mud2967 — 12 days ago