u/MoistConversation505

Ich hab keine Lust mehr... die Branche nervt

Hallo zusammen,

ich glaube, ich muss einfach mal meinen Frust rauslassen.

Ich bin weiblich, seit einigen Jahren in dieser wunderbaren Branche unterwegs und wie wahrscheinlich viele von euch mehr oder weniger einfach reingerutscht und als Freelancerin hängengeblieben.

In der Vergangenheit habe ich gefühlt schon alles gemacht: von der technischen Leitung auf mittelgroßen Festivals über Messejobs und das ganze Business-Gedöns bis hin zum FOH. Also eigentlich die volle Bandbreite.

Ich bin mir für nichts zu schade, baue Bühnen bei 40 Grad auf freiem Feld auf und ziehe auch nach 18 Stunden nachts um 4 noch durch, wenn es brennt. Ich liebe diesen Job und eigentlich fast alles daran.

Aber jetzt kommt das große ABER: Ich habe langsam echt keine Lust mehr.

- Ich habe keine Lust mehr, mir von ALLEN anhören zu dürfen, wie dringend Leute gebraucht werden. Nur um sich dann für Jobs bereit zu erklären, monatelang nichts mehr zu hören und sich beim nächsten Treffen exakt das Gleiche wieder anzuhören.

- Ich habe keine Lust mehr, dauernd auf Abruf zu stehen à la: „Was machst du eigentlich morgen? Wir hätten da ein riesiges Festival, davon wissen wir auch schon seit zwei Jahren, aber uns fehlt noch die Crew.“

Ach und wäre cool, wenn du dich um die ganze Vor-Ort-Orga kümmern könntest...

- Ich habe keine Lust mehr, wegen jedem Cent Fahrtkosten mit dem privaten Auto in zähe Verhandlungen gehen zu müssen. Vor allem dann nicht, wenn es keine andere Option zur Anreise gab, sich keiner um ein Hotel bemüht hat und man sich nur erlaubt hat, die reinen Benzinkosten abzurechnen, mit dem Argument:"Du bekommst doch schon deinen Tagessatz für 10 Stunden.“

Der runtergerechnet auf den ganzen Mehraufwand langsam auch lächerlich wirkt.

- Ich habe keine Lust mehr, Leuten hinterherzulaufen, Telefonterror zu betreiben und Dauergast im Mail-Postfach zu sein, weil man zwei Tage vor einem versprochenen Job noch gar nichts weiß: Weder wann Anreise ist, noch wie sie stattfindet, ob es ein Hotel gibt oder was man vor Ort eigentlich genau tut.

Und dann wundert sich jeder, warum man keine guten Leute mehr findet. Wenn mir dieser Unmut wieder vorgejammert wird, würde ich den Leuten am liebsten direkt sagen: Ihr seid selbst schuld. Kaum jemand organisiert ordentlich, kaum jemand zahlt vernünftig, Wertschätzung gibt es selten und wehe, man braucht als Freelancer mal eine Info. Dann ist niemand erreichbar oder man wird mit einem „Ich rufe gleich zurück, ist grad stressig“ abgewimmelt.

Bis vor ein paar Jahren hatte ich eine wunderbare Firma: tolle Leute, geile Arbeit, perfekte Kommunikation. Dann musste der Chef aus privaten Gründen dichtmachen. Seitdem hangele ich mich von Hinterhof-Klitschen über Garagenverleiher bis hin zu den typischen Großfirmen. Und es wird gefühlt nicht besser.

Jetzt könnte man sagen: Geh doch in eine Festanstellung. Geregeltere Arbeitszeiten, planbares Geld und die Krankenkasse will nicht jeden Monat gefühlt eine Niere als Beitrag.

Klingt gut, oder?

Die Realität: Weiblich, ohne Ausbildung und mit „nur“ einem Dutzend Referenzen. Für viele Firmen ist man damit direkt raus. Wenn ich für jedes Ghosting und jede pauschale Absage einen Euro bekommen hätte, könnte ich jetzt Drinks auf Bali schlürfen.

Es ist wirklich erschreckend, wie wichtig am Ende eine Ausbildund ist und wie wenig offen die Branche bei Quereinsteigern oft bleibt. Man sieht Azubis frisch nach der Lehre, die formal sofort höher bewertet werden als jemand, der jahrelang echte Praxis und Verantwortung vor Ort gesammelt hat. Und wenn eine Verleihbude für ihre Dorffeste spezielle Anforderungen hat, dann bringt man es mir halt bei nichts ist unlernbar.

Aber mit mehrfacher technischer Leitung größerer Events hat man auf dem Papier ja angeblich kein Fachwissen. Schon gar nicht als jüngere blonde Frau, die vielleicht keine 120-Kilo-Cases alleine über Treppen wuchtet.

Ich möchte doch einfach nur diesen Job machen, den ich liebe und für den ich alles geben würde. Und nebenbei noch meine Miete bezahlen.

Aber langsam bin ich an dem Punkt, an dem ein Jobwechsel wie die sinnvollste Option klingt. Auch wenn ich das eigentlich nicht will.

ABER: Wir finden ja keine Leute mehr...

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u/MoistConversation505 — 8 days ago