Belugas im Duisburger Zoo
Hey Leute, ich hatte heute Abend einige interessante, aber umso unglaublichere Flashbacks aus meiner Kindheit, die ich gerne mit euch teilen würde, um herauszufinden, ob es sich dabei nur um kindliche Fantasien oder um echte Erinnerungen handelt, die in dieser Form im Duisburger Zoo auch tatsächlich mal stattgefunden haben könnten. Ich entschuldige mich jetzt schon einmal im Voraus für den etwas längeren Text, aber der ein oder andere wird ihn vielleicht ganz witzig finden und auch einige ähnliche Kindheitserinnerungen zu erzählen haben.
Folgendes:
Als ich im Grundschulalter war (Mitte der 90er), gab es im Zoo eine Walshow, mit zwei Belugas und einem kleinen, schwarz-weiß-farbigen Delfin, von denen Geburtstagskinder regelmäßig in einem kleinen Boot durchs Becken gezogen wurden; was ich wie alle anderen Kinder natürlich echt aufregend und faszinierend fand. Wie es das Schicksal wollte (oder wie es mein Vater eingefädelt hatte), war ich auch mal an der Reihe. Da ich recht tollpatschig bin, fiel ich nach der Bootsfahrt kurz vor dem Aussteigen tatsächlich mal ins Becken, was mein Vater mir vor einiger Zeit auch unter schadenfrohem Lachen bestätigte. Glücklicherweise hatte ich jedoch Schwimmflügel an, da ich noch nicht schwimmen konnte. Aber das war noch nicht der unglaubwürdige oder „verstörende“ Teil der Geschichte.
Es ist natürlich nichts weiter Schlimmes passiert. Die Tiere waren sehr ruhig, sodass auch ich mich recht schnell beruhigte, obwohl sie mich im Boot sehr wild und ungestüm durchs Wasser gezogen hatten, weshalb mir das ganze eher wie eine Art Rodeo vorkam, da ich mich schon während der Fahrt kaum auf den Beinen halten konnte. Der Dompteur zog mich langsam wieder an einem Seil aus dem Wasser, nachdem ich vergeblich versucht hatte, von alleine wieder in diese wacklige Nussschale von Boot zu steigen. Als ich dann wieder festen Boden unter meinen Füßen hatte und klitschnass war, wollte ich mich vor Scham einfach nur schnell verdrücken, aber ich wurde nochmal auf die Bühne geholt. Ich glaube, dass der gute Herr Dompteur dem ganzen noch ein einigermaßen gutes Ende bereiten wollte. Ich durfte den Wal dann aus nächster Nähe füttern und sogar meine Hand auf seine Zunge legen.
Aber dann passierte etwas total Surreales, was ich anscheinend über Jahre hinweg verdrängt hatte, weil es so schnell ging und selbst für mich unglaublich klingt. Der Dompteur steckte einfach seinen Kopf in das Maul des Wals, was ich total absurd fand. Bevor er mich gehen ließ, forderte er mich dann auch noch auf, es ihm gleichzutun. Ich dachte mir, dass es nur ein Witz sein könne, und weigerte mich natürlich, weil ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, wie man so selbstverständlich seinen Kopf in das Maul des Wals stecken kann, ohne dabei verletzt zu werden. Es ging mir wirklich nicht in den Kopf (no pun intended), und ich glaubte, ernsthaft veräppelt zu werden.
Aber er ließ nicht nach, und da ich sowieso schon ins Becken gefallen war, wollte ich mich nicht noch ein weiteres Mal blamieren. Als ich dann diesen dicken, knuffigen Kopf des weißen Riesen unmittelbar vor meiner Nase beobachtete und schrittweise mit dem Dompteur an meiner Seite vorsichtig kriechend an den Beckenrand geführt wurde, verschwand allmählich meine Angst. Im Nachhinein betrachtet war die Show psychologisch echt geschickt gemacht, da ich durch die Gruppendynamik, dem Vertrauen zum Dompteur und meiner kindlichen Beeinflussbarkeit keinen anderen Ausweg sah, als meinen Kopf einfach übers Becken zu strecken, während der Dompteur mich dabei festhielt und mir Mut zusprach.
Ich hielt die Luft an und dann ging alles ganz schnell. Der Wal hob sich aus dem Wasser und umfasste plötzlich meinen ganzen kleinen Kinderkopf mit seinen weichen, speckigen Lippen, so als wenn er mich umarmen würde. Bis zum Schluss dachte ich noch, dass es nur ein Scherz sei, und der Dompteur mich noch rechtzeitig zurückziehen würde. Ich hielt meinen Kopf auch nur hin, weil ich niemanden enttäuschen wollte (vor allen nicht meinen Vater) und glaubte, einfach nur etwas bei der Show mitspielen zu müssen, damit ich wieder auf die Tribüne darf.
Es war eine Mischung aus Mutprobe, Hypnose und einer dieser Vertrauensübungen, bei der man sich nach hinten fallen lassen soll. Ich hatte bis dahin noch nie so etwas Mutiges und Verrücktes getan, da ich ein eher schüchternes Kind gewesen bin. Nachdem mein Kopf wieder an der frischen Luft war, wurde ich vom Applaus der Zuschauer total überwältigt, woran ich mich auch noch gut erinnern kann, da das Publikum sich sichtlich darüber amüsierte, dass ich nicht nur ungeschickt ins Becken fiel, sondern auch noch etwas getan hatte, was niemand und erst recht nicht ich selbst mir bis dahin zugetraut hätte. Ich habe mich davor noch nie so adrenalingeladen und stolz gefühlt, und konnte bis zum letzten Moment nicht begreifen, wie ich sowas überhaupt machen konnte (natürlich hat der Dompteur mich ganz sachte, aber suggestiv gepushed, und ich habe einfach mitgemacht, ohne wirklich zu wissen, was tatsächlich passieren würde).
Naja, das war meine kleine Geschichte, die ich bis gerade auch nicht glauben konnte (bis auf die Bootsfahrt und meinen Sturz ins Wasser). Ich habe etwas recherchiert und anscheinend waren diese Tiershows damals wirklich etwas verrückt (und ethisch fragwürdig) für heutige Verhältnisse. Ich weiß, dass Erinnerungen sich mit der Zeit auch verändern, aber irgendwas hat in mir diese intensiven Flashbacks getriggert, sodass ich jetzt ziemlich sicher bin, das alles ungefähr so abgelaufen sein muss, da ich noch heute förmlich die dicken, weichen Lippen des Wals an meinem Hals spüren kann, genauso wie das unheimliche Gefühl in mir, plötzlich nichts mehr zu sehen, weil mein Kopf komplett vom Wal umfasst wurde.
Der laute Applaus und die Erleichterung, die ich danach wahrnahm, könnten auch nicht lebhafter und greifbarer vor meinem inneren Auge erscheinen. Es war an sich eine sehr emotionale und skurrile Erfahrung, weshalb ich mich möglicherweise nicht mehr so genau daran erinnern konnte, die ich aber auch nicht missen will, da ich bis heute eine tiefe Faszination für Meeressäuger habe, aber auch eine unbestimmbare Furcht vor ihnen. Aber selbst wenn ich mir den letzten Part wirklich nur retrospektiv eingebildet haben sollte, finde ich es unfassbar und irgendwie auch komisch, dass solche Shows und Kunststücke wirklich mal normal gewesen sind, was man im Internet noch auf Fotos nachschauen kann.
Hat jemand eine ähnliche Erfahrung gemacht? Ich war ja bestimmt nicht das einzige Kind in den Neunzigern, das diese Walshow im Duisburger Zoo gesehen und interaktiv an ihr teilgenommen hat. Gibt es sowas im Duisburger Zoo heute noch? Und wie gefährlich waren diese Kunststücke wirklich?
Danke fürs Lesen. Ich wünsche euch allen noch einen schönen Vatertag.