380V auf Erde gemessen
Hallo zusammen,
zuallererst: ich lebe nicht in Deutschland, wir haben ein altes Haus im Ausland gekauft und unsere Elektrik ist generell sehr wild, wirkt größtenteils selbst gemacht und muss dringend generalüberholt werden.
Da der Innenumbau sich verzögert haben wir vorerst FIs vom Elektriker nachrüsten lassen. Dazu haben wir vor circa einem halben Jahr eine Solaranlage mit Speicher installieren lassen. Seitdem zeigt der Wechselrichter (Sungrow SH6.0RS) in unregelmäßigen Abständen den Fehler E106 und es gibt einen teilweise über Stunden anhaltenden Warnton.
Die Installateure / Elektriker haben seitdem 5 Versuche unternommen das Problem zu identifizieren, scheinen aber einfach nicht weiterzukommen. Soweit ich das einschätzen kann sind sie aber auch nicht die kompetentesten, Überspannungsschutz (den ich gerne nachrüsten lassen wollte) war für sie ein neues Konzept.
Gestern Abend kam der Piepton schon wieder, diesmal wirklich äusserst lang und es ist ziemlich nervig, da der Warnton im ganzen Haus wie Tinnitus zu hören ist. Also kam mir die Idee mal selber zu messen. Mit Multimeter:
- Zwischen Phase und Neutralleiter ~230 V, soweit so gut
- Zwischen Phase und Schutzleiter 380 V
Ich denke mir erst ich habe das Multimeter falsch eingestellt, teste also nochmal mit Duspol (nur ein sehr billiges Modell ohne Lastzuschaltung), ebenfalls ~400 V.
Großer Schock, erstmal alle Verbraucher vom Strom getrennt, also Stecker aus Steckdose + Sicherungen raus. Nochmal direkt an unserem Hausanschlusskasten gemessen mit dem selben Ergebnis. Wir haben nur eine Phase / TT, also sollten an sich nur 230V haben.
Das ist das erste mal das ich selber gemessen habe, der Warnton kam aber schon sehr häufig, teilweise jeden Tag, manchmal einmal die Woche. Meistens nur Nachts gegen 22 Uhr, allerdings nicht direkt nach Sonnenuntergang (also keine offensichtliche Korrelation zur Solaranlage).
- Gedanke 1: irgendein N ist loose, eventuell durch Abkühlung am Abend verstärkt. Was etwas dagegen spricht ist das der Fehler aber schon in der Nacht wieder aufhört, also meistens nach 30 Minuten.
- Gedanke 2: irgendein Gerät ist Defekt, allerdings konnte ich die ~400 V trotzdem noch messen obwohl alle großen Verbraucher abgesteckt waren und Sicherungen aus.
- Gedanke 3: irgendein altes Kabel von dem wir nichts wissen geht direkt in die Erde in Nähe eines der Erdungsstäbe. Zumindest nach Sichtung eher unwahrscheinlich und dann sollte es eigentlich eine direktere Korrelation zwischen feuchtem Boden also zb Regen und dem Fehler geben?
Was mich noch mehr verwirrt, wir haben eine Wasserpumpe. Hier geht ein betoniertes Kabel ohne Schutzleiter hin. Die Pumpe selbst hat einen eigenen Erdungsstab, ist also separat geerdet (ich weiß - auch nicht gut). Auch hier habe ich 380V gemessen.
Ich habe 0,0 vertrauen in unsere Hauselektronik, und ich will nicht mal ausschließen, dass es noch Stromkreise gibt die hinter keiner Sicherung liegen. Da ich aber alles vom Haus soweit ich es erkennen kann vom Netz getrennt habe und direkt am Anschlusskasten gemessen habe, frage ich mich inzwischen ob es vielleicht eher am Netzbetreiber liegen könnte?