Ich habe über Jahre „Bitte nicht stören“-Schilder aus Hotels geklaut und erst beim Zählen gemerkt, dass ich offenbar damals eine sehr langweilige Verbrecherkarriere begonnen hatte
Zwischen 18 und 24 hatte ich eine völlig sinnlose Tradition: In jedem Hotel nahm ich das „Bitte nicht stören“-Schild mit. Keine Handtücher, keine Bademäntel, nur diese dünnen Türschilder.
Es fing an, weil das erste Schild eine lustige Übersetzung hatte. Danach wollte ich aus irgendeinem Grund aus jedem Aufenthalt eins. Ich hängte sie zuhause an einen Haken und erzählte Besuchern, das sei meine internationale Kunstsammlung.
Gestern habe ich beim Aufräumen die alte Kiste wiedergefunden. Darin liegen 23 Schilder aus sechs Ländern. Manche Hotels gibt es vermutlich nicht mehr, aber zwei existieren noch. Jetzt kommt mir die Sammlung nicht mehr charmant vor, sondern einfach wie sehr langsames Klauen mit Gepäck.
Zurückschicken wäre möglich, nur müsste ich dann erklären, warum ein erwachsener Mensch jahrzehnte lang Türschilder gehortet hat. Wegwerfen fühlt sich ebenfalls falsch an.
Ich beichte: Meine größte kriminelle Serie bestand aus laminierter Pappe.