

Geheimtipp: Schmüsi vs. Iven
Wer nochmal einen JBB Teilnehmer Geheimtipp haben will. Gebt euch Schmüsi vs. Iven.
Die Runde hat nur 96 Likes und 3500 Aufrufe, aber ist ein absolutes Kunstwerk. Ich hab noch nie eine Battlerunde gesehen, die auf einem so depressiven Instrumental ist, und gleichzeitig so gut vom Künstler bespielt wird. Absolute Battlerap-Heritage.
Top 3 Runden im letzten JBB
Moin liebe Reddit-Freunde,
Anlässlich des King-Finales, welches natürlich auf extrem hohen Erwartungen fußt, werde ich nochmal einen Recap zum letzten JBB mit den 3 meiner Meinung nach besten Runden aus dem Turnier machen. Das letzte JBB war in der absoluten Top-Riege von Battlerap und kann auf dem Kanal maximal durch das JBB 2015 übertroffen werden, dementsprechend stark waren auch die Runden in dem Jahr und wir haben extrem geile Battleleistungen, u.a. von Deal, Rapido, Flouw, Zodiac und weiteren gesehen. Es gibt jedoch 3 Künstler, welche eine Runde eingereicht haben, die über eine konventionell starke Battlerunde hinausgehen und etwas Besonderes in meinen Augen darstellen. Ich werde die Zeit hier nutzen, um etwas über diese Runden zu reden:
Platz 3: Schmüsi vs Incomplete
Incompletes Auftritt im diesjährigen JBB ist wohl die größte Kontroverse dieses Turniers gewesen und hat am meisten negatives Aufsehen erregt und ich kann das komplett verstehen, denn im Jahre 2025, nach der Bundestagswahl, mit politisch aufgeladenen und demensprechend sensiblen Inhalten zu kommen, ist wirklich keine schlaue Entscheidung, außer es ist die komplette Intention, einfach nur sinnlos reinzutriggern. Jetzt kommt aber nämlich der springende Punkt: Wenn es Incompletes Intention gewesen wäre, einfach nur reinzutriggern oder damit wirklich seine Werte zu repräsentieren, wäre das natürlich menschlich total verwerflich gewesen, aber seinen Charakter hätte es relativ unbeschadet gelassen, denn jemandem vorzuwerfen, dass er böse ist, stellt keine wirklich gute Degradierung dar. Man kann Leute verwerflich finden, aber das macht sie nicht per se „schwach“. Dem ist aber nicht der Fall. Incomplete musste nach seiner Runde gegen Signum ins Ruderboot steigen und hat sich so natürlich moralisch in den meisten unserer Köpfe rehabilitiert, aber er hat gezeigt, dass er versucht hat, jemand zu sein, der er nicht ist und musste sich dementsprechend für seine eigenen Taten entschuldigen, woraus man wunderbar einen schwachen Charakter konstruieren kann. Genau das macht Schmüsi in der Runde. Er hat enorm gute Pointen, wie „gradrücken ist kein Ersatz fürn Rückgrat“, „Gendersternchen“ oder „weil du nichts zu sagen hast“ (es gibt noch viele weitere, das könnte noch lange so weiter gehen), aber die Grundaussage von Schmüsi ist, wie gegen Kryo auch schon, das eigentlich besondere daran. Das sieht man sehr gut daran, dass Schmüsi schon mit seinen Aufbaulines (also ohne der Intention einer Pointe) schon enorm wehtut. U.a. folgende Aufbaulines degradieren einfach für sich betrachtet schon:
„ist ja ne Kunstfigur, du meinst es ja noch nicht mal“
„ich hab ne Meinung, ich steh hinter was ich rappe“
„er hat einen song den Leute nicht gehasst haben vor 10 Jahren“
„er macht es zu ner catchphrase als juckt es auf der welt“
„du bist komplett egal weil einfach keiner an deinen worten hängt“
Die letzten 3 Lines behandeln nicht einmal die Thematik des letzten JBBs, sondern beziehen sich (wie der gesamte 2. Part) auf Incompletes Werdegang und auch das ist eine hervorragende Angriffsfläche. Incomplete ist mit Abstand das unbekannteste Gesicht aus den Leuten, die eine Geschichte auf dem JBB Kanal hatten, und das nimmt er volley, um es ihm ins Gesicht zu schmettern und maximal degradierend zu formulieren. Auch die von Incomplete selbst thematisierte Alkoholsucht implementiert er hervorragend in das Konzept, z.B. in der Gendersternchen-Line. Er hat hier aus allen von Incomplete vorhandenen Angriffspunkten ein Bild konstruiert, welches enorm abwertend ist und welches quasi in dieser komischen Aktion des letzten JBBs folgerichtig endet. Den 3. Part nutzt er dann, um diese Aktion selbst nochmal in den Boden zu stampfen, in dem er schlussfolgert, dass Incomplete ein mangelndes Bewusstsein für gesellschaftliche Themen hat und er gleichzeitig nicht mal in der Lage ist, damit gut zu provozieren, weil er direkt eingeknickt ist. Schmüsi kombiniert seine ohnehin hervorragenden Fähigkeiten der Dekonstruktion von Charakteren mit im Gegensatz zur Kryorunde nochmal verbesserter Lyrik, um Incomplete zu zerstören. Diese Runde ist leider leider mal wieder komplett underhyped, teils von äußeren Umständen, teils aber auch, weil einige Menschen immer noch nicht in der Lage sind diese Genialität in Schmüsi zu erkennen, aber ich denke, wenn der Turnierleiter sich im Nachhinein für mangelnde Aufmerksamkeit bei der Community beschwert, sollte es Bände über die Leistung sprechen.
Platz 2: Kryo vs Flouw
Diese Runde stellte (zumindest in den eher auf Battle geschulten Kreisen der Community) einen Wendepunkt im Ansehen von Kryo dar. Gleichzeitig war es aber wahrscheinlich die Entscheidung von Julien, welche am meisten kritisiert wurde und was soll ich sagen… die Kritik war kompletter Nonsens. Ich finde es bezeichnend, dass sich die Leute genötigt sahen, mit irgendwelchen Flow- und Videopunkten zu argumentieren, statt sich einfach mal von dem System zu lösen und ein Battle als Ganzes zu bewerten, denn dann wäre es sehr einfach gewesen, zu erkennen, warum Kryo absolut verdient ins Finale gekommen ist. Damit möchte ich auch nicht die durchaus gute Leistung von Flouw schlechtreden, aber das, was Kryo gemacht hat, gleicht an Genialität. Ich möchte hier nicht so viel auf einzelne starke Zeilen eingehen, obwohl es die auch zu Haufe gab, sondern mal wieder das Bild beschreiben, welches Kryo von Flouw zeichnet.
Vorab: Neben dem Formulieren von einzelnen starken Punchlines, gibt es eine weitere enorm wichtige Textdisziplin und diese heißt „Textstringenz“ oder „Textstruktur“. Hier geht es darum, seine Zeilen stark im Text miteinander zu verbinden, um ein Gesamtbild des Kontrahenten zu konstruieren. So gibt es Battletexte mit vielen starken Einzellines, die aber nicht miteinander verbunden wurden, sodass kein gutes Bild entsteht. Die Runde von Flouw ist ein Paradebeispiel dafür. Dann gibt es Rapper, die es hervorragend schaffen, in einem Part eine Thematik aufzumachen, zu bearbeiten und dann mit Highlightlines zuende zu bringen. Deals 3. und 4. Part gegen Gary sind gute Beispiele. Zu guter Letzt gibt es Runden, welche einen Text beinhalten, in dem wirklich jede einzelne Zeile ein Baustein ist, auf dem aufeinander aufgebaut wird und genau das macht Kryo in seiner Runde. Es wird wahrscheinlich einigen aufgefallen sein, jeder 8er, also jeder halbe Part behandelt eine eigene Thematik und im Gesamtverlauf der Runde wandert der Angriffspunkt von Äußerlichkeiten zu Charakterschwächen. Hier eine Struktur (ohne Signum):
Zeilen 1-8: Maske
Zeilen 9-16: Masken-Battle vs. Damage
Zeilen 17-24: Maske / Name
Zeilen 25-32: Heuchlerei vs Tamarillo
Zeilen 33-40: Inneres + Konklusion
Zeilen 41-48: Arbeit mit der Konklusion
Kryo fängt an, die Maske von Flouw, welche nun mal komplett bleich ist, zu dissen und macht das mit enorm guten Lines. Im Zuge dessen bindet er das Masken-Battle gegen Damage in sein Konzept mit ein. Auch im 2. Part geht er auf Äußeres, doch genau zur Hälfte der Runde wandelt sich der Tenor in ernstere Fuhrgewässer und er greift Flouw mit seinen eigenen Aussagen gegen Tamarillo an. Im 3. Part führt er dann neben dem Tamarillo-Angle mehrere Punkte an, welche Flouws Charakterschwäche betonen (u.a. anbiedern, Nostalgie erwecken), um dann zur absolut überragenden Konklusion zu kommen, dass das Innere von Flouw, wie auch sein Äußeres, kreidebleich ist. Diese überragende Erkenntnis kombiniert er mit einer Analogie zu Videospielen, um daraus eine der besten Zeilen des letzten JBB zu formen (ich vergesse das mit MzudemK mal ganz deutlich). Das, was Kryo sich da zusammenarbeitet, ist nicht nur sehr überragend getextet und begründet, sondern ergibt ein hervorragendes Bild, da man sich das einfach perfekt durch Flouws Maske bildlich vorstellen kann. Zum Ende hin bearbeitet er dieses Thema nochmal, bringt weitere krasse Lines und dann kommt leider der einzige Schwachpunkt der Runde und das ist die letzte Zeile. Kryo wollte in der letzten Zeile vermutlich seine Abneigung gegenüber Flouw maximieren, doch ich hätte mir gewünscht, dass er diese Zeile viel mehr nutzt, um sein Konzept nochmal zusammenzufassen, denn das, was ich gerade beschrieben habe, ist wahrscheinlich durchaus an einigen vorbeigegangen und mit so einer Zeile sollte man dann doch die ganze Arbeit nochmal auf den Punkt bringen. Man hätte z.B. mit sowas wie „weil du innerlich genau bleich wie äußerlich bist“ oder „setz die Maske ab, damit die Leute sehen, da ist nichts“ oder so enden können, damit auch jeder versteht, was der Text aussagen soll.
Dann gibt es noch die Hook von Signum und auch über diese hat sich Julien sehr positiv geäußert und das auch zurecht, weil die Einzellines hervorragend sind. Aber was einigen vielleicht nicht aufgefallen ist: Die Lines, die Signum in der Hook bringt, haben eine Art „deckelnde Funktion“ für das Konzept, welches Kryo in seiner Runde ausgearbeitet hat. Signum nimmt die Konklusion dieses Konzepts, nämlich dass Flouws Innerlichkeiten, wie seine Äußerlichkeiten, kreidebleich sind und baut daraus Lines, die den Kontrast zwischen beiden Elementen darstellen. So ist Flouw außen und innen „monochrom“, nicht nur die Maske ist glattgebügelt und anhand des Namens Flouw erkennt man die Fließbandarbeit. Also hat man nicht nur das Strichfadenkonzept von Kryo, sondern auch eine Hook, welche quasi wie als Überschrift dafür fungiert und alles mit mega krassen einzelnen Zeilen durch die Bank weg. Das ist textlich so ziemlich das fortgeschrittenste, was man in der Lage ist, zu leisten und es wird von Kryo auch noch akustisch untermauert, in dem er von Part zu Part ernster wird und auch der Beat wandelt sich über den Verlauf der Runde. Das ist mit das Beste, was man in einer Battlerunde leisten kann, und dementsprechend gibt es auch nur eine Runde im letzten JBB, welche sich darüber hinwegsetzen kann:
Platz 1: Gary vs Zodiac
Und ich glaube bei dieser Runde muss ich nicht enorm viel darüber philosophieren, denn es sollte absolut klar sein, warum das etwas ganz Besonderes ist. Wenn selbst der komplett auf Lyrik fixierte Julien seine enorm auf Lines fixierte Art, Battlerunden zu bewerten, aufgibt, um eine Runde stärker zu machen, als es mögliche Texte allein hergeben, dann weiß man, dass da etwas Krasses passiert ist. Auch das Rating dieser Runde ist folgerichtig enorm gut. Diese Runde ist keine Battlerunde allein, sondern viel mehr als das: Es ist quasi ein Theaterstück. Gary nimmt die Erwartungen an das Battle, welche doch sehr pessimistisch ihm gegenüber waren, summiert sie mit seiner Legacy und projiziert das ganze auf Zodiac, um ihn so klein wie möglich darzustellen. Er hat eine über einminütige Einleitung, in der er Zodiac auf sein Level hebt, in dem er erklärt, wie gut er eigentlich ist und dass er alle für einen guten Künstler wichtigen Attribute hat, nur um ihn anschließend mit all seiner Gewalt zu bearbeiten und wie einen Winzling aussehen zu lassen. Quasi so wie Kryo neben Zodiac in der echten Welt aussieht. 4 Minuten pure Ekstase, 4 Minuten pure Degradierung, 4 Minuten pures Pathos, ohne dass es verkrampft oder uncool wirkt. Diese Runde ist eine Reizüberflutung und es wäre fast schon egal gewesen, was er überhaupt sagt, weil er seine Macht durch seine Kunst auch ohne Text vermittelt. Doch auch dann, hat er sehr gute Sachen gefunden, um sie gegen Zodiac zu verwenden. So greift er ihn mit seinem Namen Zodiac und den Tierkreiszeichen an, woraus er enorm viele Lines mit „astronomischem“ Bezug bastelt oder wo er über seinen Kleidungsstil und sein Gangsterimage herzieht und es funktioniert alles. Denn Zodiac erscheint so klein neben Gary, dass so gut wie alles trifft. Wie gesagt, es gibt gute Battlerunden, es gibt außergewöhnliche Battlerunden und es gibt, wie hier, Filme. Er hat uns alle in seinen Film gezogen. Wenn sich ein Jay Jiggy für 10-12 Lines nicht traut, zu stoppen, weiß man hoffentlich, auf welcher Ebene wir uns bewegen. Kein Wort der Welt kann sich gegen die pure Kraft von Reizen durchsetzen, wenn sie so stark sind. Ich hatte mich beim ersten Mal hören der Runde ein bisschen unwohl gefühlt. Das ist genau das, was Battles heutzutage noch leisten können und ich bin froh es erlebt zu haben. Damit cheerio. Für die, die es interessiert: Hier noch Platz 4 und 5:
Platz 4: Rapido vs Deal
Platz 5: Deal vs Gary