u/abgefahrn

SEO vs GEO - Eine Branche gefangen zwischen Pennern und Lügnern

SEO vs GEO - Eine Branche gefangen zwischen Pennern und Lügnern

Mir geht in der SEO / GEO Branche aktuell so Einiges gegen den Strich! 😡

Statt konstruktiver, gewinnbringender SEO Arbeit besteht mein Arbeitsalltag momentan vor allem darin, Schaden von meinen Kunden fernzuhalten. Dabei geht es nicht um existenzbedrohende (Traffic-) Verluste durch AI Overviews, ChatGPT & Co. sondern um den Schaden, der durch hanebüchene Beratung von selbsternannten KI- und GEO-Experten entsteht.

In schöner Regelmäßigkeit kommen diese mit ihren (oft falschen/ ungeprüften) Otterly-Analysen um die Ecke und skizzieren absurde Schreckensszenarien über die Zukunft im Web. Anschließend muss ich mich durch hunderte Seiten KI-generierte Hochglanz-Präsentationen wühlen und meinen Kunden erklären, warum es vielleicht keine gute Idee ist, eine Produktkategorieseite mit einer Frage in der H1 sowie 500 Zeichen Erklärung zu beginnen und in einen Produktvergleich mit Wettbewerbsnennung zu konvertieren. 🤦‍♀️

Meinem Ärger habe ich im #OMT Magazin etwas Luft verschafft (Danke Mario Jung) und freue mich über eine konstruktive Diskussion, wie wir diese überhitzte SEO vs GEO Welt wieder in konstruktive, gemeinsame Bahnen lenken können. Darauf zu warten, dass man sich in der Branche wieder den Vorzügen von SEO besinnt, wenn die eigene Seite verbrannt ist, ist für mich keine Option.

Den Link zum Artikel findet ihr wie üblich in den Kommentaren. Schönen Wochenstart ☀️

u/abgefahrn — 3 days ago

Der große GEO Betrug - Ein SEO Campixx Recap

Ich komme mit sehr nachdenklicher Stimmung von der SEO-Campixx aus Berlin zurück und es geht wohl nicht nur mir so. Aus dem lustigen „Wir-feiern-uns-selbst“-Klassentreffen mit Bühnenunterhaltung ist ein „Wie-gehst-du-mit-der-Krise-um“-Branchenbarometer geworden. Angesehene Agenturen, die große Teile der Belegschaft freisetzen mussten, hochqualifizierte Freiberufler, die auf die ungeliebte Unternehmensseite zurückkehren, und „Wir-müssen-das-anbieten“-Buden, die irgendwie den Wert ihrer Dienstleistung zu verteidigen versuchen. Dazwischen feixen die „Hab-ich-doch-gesagt“-Glücksritter, die sich frühzeitig auf ein Monster eingelassen haben, das weite Teile der Branche gefährdet: GEO (Generative Engine Optimization).

GEO: Skill oder Scam?

Wer bei den GEO-Vorträgen genau hingehört hat, findet im Prinzip zwei Erzählungen:

  1. Diejenigen, die alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen, sprich: SEO-Best-Practices mit einem neuen GEO-Label versehen, und
  2. Diejenigen, die noch älteren (verdorbenen) Wein, d. h. längst vergessene SEO-Spam-Taktiken, als clevere GEO-Hacks anpreisen.

Beides fühlt sich für mich falsch an und ich habe nicht nur einmal das Wort „Betrug“ in den Ganggesprächen gehört, die sich um spezielle GEO-Taktiken und die Messung von GEO-Sichtbarkeit gedreht haben. Trotzdem ist die Optimierung für KI-Systeme der heiße Scheiß, wenn man nach der Zahl der Besuchenden geht. Großartige „SEO only“-Vorträge waren meiner Meinung nach viel zu wenig besucht und auch praxisnahe Brückenbauer wie Dixon Jones wollte fast niemand hören. Die Kluft scheint groß; die Branche ist auf der Suche nach einer gemeinsamen Identität.

Wie konnte es zu diesem GEOgeddon kommen?

Natürlich verändern ChatGPT, AI Overviews, Claude & Co. die Art, wie Menschen Informationen über das Internet beziehen, natürlich gab es bei vielen Unternehmen spürbare Trafficverluste und natürlich hat KI-Automatisierung dafür gesorgt, dass Unternehmen viele SEO-Jobs wie Keyword-Recherchen, technische Audits oder Content-Creation in ihrem Wert hinterfragen bzw. inzwischen selbst erledigen. Trotzdem ist es mitnichten so, dass reihenweise Online-Geschäftsmodelle zusammengebrochen sind oder kompetente SEO-Beratung an Relevanz verloren hat. Wohingegen niemand wirklich nachhaltig wirksame Strategien für die KI-Suche anbieten kann. Dennoch wollen Unternehmen auf breiter Front lieber GEO machen, manche Kunden wählen sogar bewusst Agenturen ohne SEO-Background. Aber warum? Aus Angst? Aus Gier? Aus Unwissenheit? Lily Ray sieht gar eine breite Schmutzkampagne der GEO-Schlangenölverkäufer. Aber können Unternehmer wirklich so dumm sein?

GEO ist der schlechteste Marketingkanal ever!

Ich hatte unter der Überschrift „GEO ist tot!“ bereits beschrieben, wie das Generative Search Optimization Game fachlich einzuordnen ist: Niemand hat einen Plan (und kann diesen auch nicht haben), das Spielfeld ändert sich permanent und man kann Erfolge nicht sinnvoll messen. Das stimmt weiterhin. Im Podcast-Gespräch mit Jörg habe ich kürzlich zudem die Geschäftspraktiken der großen LLMs angeprangert, die euren Content ungefragt für ihr Geschäft nutzen und euch weder Traffic noch Insights im Gegenzug bieten. Freiwillig würde niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat, mit solchen Verbrechern zusammenarbeiten oder einen Kanal mit dieser unsäglichen Intransparenz bespielen. Die vermutete wirtschaftliche Relevanz der Optimierung für LLM-Systeme bleibt bis heute eine Wette auf die Zukunft; belastbare Positiv-Cases gibt es nicht, dafür zeigt sich bereits, dass schlechter GEO-Rat teuer werden kann, sogar sehr teuer. Lily berichtete in Berlin von dutzenden Fällen, in denen Big-Brand-Domains dank unseriöser GEO-Hacks komplett im SEO abgeraucht sind und in der Folge auch ihre anfänglichen GEO-Gewinne einbüßten. Vermutlich braucht es diese Fälle auch in Deutschland, bis einige der Entscheider realisieren, dass ihre Webseite kein reines Bot-Futter sein sollte und GEO kein isolierter „On-Top-Kanal“ ist, sondern – falsch betrieben – eine viel größere Bedrohung für SEO als das, was Google mit seinem Suchschlitz plant.

Quo vadis, SEO-Branche?

Ich hätte gern eine Antwort oder ein Fazit, das ich an dieser Stelle präsentieren kann, doch ich beende meinen Artikel, wie ich ihn angefangen habe: mit Unverständnis und Unsicherheit. Ich fühle mich derzeit nicht in der Lage abzusehen, was kommt, wie es in der SEO-Consulting-Branche weitergeht und wie der Schaden durch die GEO-Gangster wieder eingefangen werden kann. Meine Hoffnung ist indes, dass sich Unternehmen irgendwann wieder der Erfahrung echter Experten bedienen werden, die ihr Online-Produkt für Menschen verbessern wollen und die Herausforderung sowie das Zusammenspiel diversifizierter Kanäle durchdringen.

Was denkt ihr?

u/abgefahrn — 1 month ago
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AI Content: Feed the Beast or Keep the Pearls?

"Google no longer wants to be the gateway to the web. They want to be the web."

Sehr lesenswerter Blogpost von Rand Fiskin der im Kern eine Ausweichstrategie für Content Creation empfiehlt. (Link im 1. Kommentar)

Ich persönlich denke, dass für viele Unternehmen eine Doppelstrategie sinnvoll sein könnte:

  1. Feed the Beast: Digitalisiere deine objektiv bewertbare Expertise und stell sie gut strukturiert für die Contentdiebe zur Verfügung.

  2. Keep the Pearls: Erschaffe zusätzliche Formate, die in der KI Suche nicht replizierbar sind, inhaltlich, ggf. auch technisch.

Nur einem Pfad zu folgen, wird für webbasierte Services nicht reichen. Ein Ende als Botfutter oder in der Irrelevanz.

Darüber hinaus wird es eminent wichtig sein, seine Search KPI auf diese neue Welt anzupassen.

Standardgrößen, wie die Gesamtzahl von Impressions und Visits werden zwangsläufig abnehmen, egal wie deine SEO Sichtbarkeit sich im Wettbewerbsvergleich entwickelt. AI Visibility ist hier aber keine sinnvolle Ersatzmetrik und sollte nicht das Ziel sein.

Nachhaltigen Erfolg im Web sollte man an individuellen, fürs eigene Business relevanten Metriken festmachen. Das kann die Markennachfrage sein, die sich in Brand Searches oder Direct Traffic ausdrückt, Kundentreue (Return Rate, Interaktion) oder der Zufluss in Direktmarketing-Tools (Newletter, Whatsapp, Follows).

Wichtig wird IMO auch sein, die Silo-Denke der klassischen Online-Marketing Kanäle aufzubrechen. Der Nutzer unterscheidet nicht zwischen deinem Social Team und dem Kundenservice oder ob die Google Antwort durch SEO oder GEO erzeugt wird. Die Herausforderung wird sein, alle Touchpoints geeignet zu bespielen.

Soweit meine Gedanken zu Randfishs Post - was sind Deine?

u/abgefahrn — 2 months ago