Keiner interessiert such wirklich für Mode über "den look" hinaus

Mich nervt mittlerweile weniger Fast Fashion als die völlige Entkopplung von Form und Funktion. Jeder zweite redet von "quiet luxury", aber erkennt nicht mal den Unterschied zwischen einem voll canvassed Sakko und einem geklebten Frontaufbau. Dann werden Polyester-Gabardines gefeiert, als wären sie irgendwelche Wunderstoffe, obwohl man schon am Fall sieht, dass da nichts lebt. Das Verrückte ist, dass viele Trends einfach historische Arbeits- oder Militärkleidung recyceln, ohne zu verstehen, warum die Schnitte überhaupt entstanden sind. Raglanärmel kamen nicht aus ästhetischen Gründen, sondern wegen Bewegungsfreiheit. Die M-65 hat ihre Taschen nicht, weil sie "utilitarian" aussieht, sondern weil sie ein militärisches Lastenkonzept erfüllt. Gleichzeitig wird alles mit japanischer Americana vermischt, obwohl Leute oft nicht wissen, dass Marken wie Visvim, Kapital oder Real McCoy's jahrzehntelang Vintage-Konstruktionen auseinandergenommen haben, um Webarten, Nahtdichten und Stoffgewichte möglichst originalgetreu zu reproduzieren. Stattdessen kaufen Leute irgendeinen 300-g-Sweatshirt-Hoodie mit "heritage"-Marketing und denken, Gewicht wäre gleich Qualität. Dabei sagen Garnqualität, Stapellänge der Baumwolle, Strickbild, Schrumpfreserve oder die Art der Färbung deutlich mehr aus. Dasselbe bei Denim: Alle reden über Selvedge, aber kaum jemand interessiert sich dafür, ob Shuttle Loom, Rope Dyeing, Zimbabwe Cotton oder die tatsächliche Spannung beim Weben dahinterstecken. Mode ist inzwischen oft nur noch Markenidentität. Das eigentliche Handwerk interessiert erstaunlich wenige.

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u/aswertz — 1 month ago

Eltern jammern nur übers Elternsein

Ich muss das einfach mal loswerden.

Ich bin Vater einer zweijährigen Tochter. Ja, das ist manchmal verdammt anstrengend. Ich kenne schlaflose Nächte, Wutanfälle wegen komplett absurden Dingen und Tage, an denen ich einfach nur noch aufs Sofa fallen will.

Aber ganz ehrlich: Unterm Strich ist sie das Beste, was mir je passiert ist. Mein Leben ist mit ihr besser als ohne sie. Nicht einfacher, aber besser. Ich würde mich jederzeit wieder für sie entscheiden.

Und genau deshalb machen mich andere Eltern inzwischen oft traurig.

Sobald mehrere Eltern zusammen sind, wird eigentlich nur noch gejammert. Immer dieselben Themen: kein Schlaf, keine Zeit, keine Freiheit, alles teuer, alles nervig, das Kind hat schon wieder dies oder jenes gemacht. Es wirkt manchmal, als wäre Elternsein nur noch ein Wettbewerb darin, wer gerade am meisten leidet.

Ich verstehe das Bedürfnis, sich mal auszukotzen. Das mache ich auch. Aber wenn das *alles* ist, worüber man spricht, frage ich mich irgendwann, was da schiefgelaufen ist.

Wo sind die Geschichten darüber, wie unglaublich witzig Kinder sein können? Wie schön sich eine völlig unerwartete Umarmung anfühlt? Wie stolz man ist, wenn sie plötzlich etwas Neues können? Oder einfach dieses Gefühl, wenn sie einen ansehen, als wäre man die wichtigste Person auf der Welt?

Ich höre das fast nie.

Und irgendwann frage ich mich, ob manche überhaupt noch merken, wie viel Schönes ihnen da gerade passiert. Oder ob sie sich so daran gewöhnt haben, nur noch das Negative zu sehen.

Das macht mich traurig. Und ehrlich gesagt auch ein bisschen wütend.

Nicht, weil Eltern ehrlich über Stress reden. Sondern weil ich das Gefühl habe, dass wir uns gegenseitig kaputtreden. Als wäre es schon fast peinlich zu sagen, dass man sein Leben mit Kind trotz aller Anstrengung richtig gut findet.

Ich will niemandem sein Leid absprechen. Jede Familie hat ihre eigenen Baustellen.

Aber ich wünsche mir einfach, dass wir aufhören, so zu tun, als wäre Elternsein ausschließlich eine Belastung. Es ist für mich das Anstrengendste, was ich je gemacht habe und gleichzeitig das Schönste.

Beides kann gleichzeitig wahr sein.

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u/aswertz — 2 months ago
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Fun Fact: in Bad Segeberg ist der Standstreifen der mehrstufigen Bundesstraße der offizielle Fahrradweg. Durchschnittliche Geschwindigkeit der Autos: 70km/h

u/aswertz — 2 months ago

Wieso bieten Fahrradläden allgemein Service und Wartung an, wenn sie es bei Fremdrädern eigentlich nicht machen wollen.

Ich war jetzt beim dritten Fahrradladen und wollte meinen alten Drahtesel auf Vordermann bringen lassen.

Dreimal wurde mir gesagt, dass man eigentlich keine Aufträge will. Das scheinen die ersten Läden zu sein, die keinen Umsatz wollen.

Bei freien Autowerkstätten muss ich das Auto doch auch nicht dort gekauft haben? Man zahlt und gut ist.

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u/aswertz — 2 months ago

Philosophie im Rückblick: Ist Stadtaffe nun rap?

Was würden Kant, Hegel, Wittgenstein sagen? Nicht weil die es am besten könnten, die kenne ich halt so halbwegs.

Hegel: Der Begriff des Rap ist nicht identisch mit seiner unmittelbaren Setzung als klangliche Gestalt, sondern realisiert sich einzig in der dialektischen Bewegung seiner eigenen Selbstaufhebung. Stadtaffe erscheint mithin nicht als äußerliche Abweichung, sondern als immanente Entzweiung des Begriffs, als dessen Äußerung in der Form seiner eigenen Überschreitung. Die vermeintliche Nicht-Zugehörigkeit ist selbst nur die Erscheinungsform der Begriffsdifferenz, nicht deren Widerlegung.

Kantisch zugespitzt: Was hier „Rap“ genannt wird, ist keine empirische Eigenschaft akustischer Phänomene, sondern die transzendentale Schematisierung rhythmisch artikulierter Sprache unter der Bedingung zeitlicher Einheit. Die Orchestrierung bei Peter Fox modifiziert nicht die Möglichkeit dieser Schematisierung, sondern lediglich die Mannigfaltigkeit der Erscheinung innerhalb derselben kategorialen Struktur.

Wittgensteinisch schließlich: Die Fixierung auf eine vermeintliche Essenz des „Rap“ ist ein Missverständnis der Grammatik unseres Sprachspiels. Denn die Bedeutung liegt nicht in einer metaphysischen Invariante, sondern in der regelgeleiteten Praxis seiner Verwendung. Und in eben dieser Praxis fungiert Stadtaffe, ob affirmiert oder exkludiert, bereits als signifikanter Grenzfall, mithin als konstitutives Störungselement des Begriffsgebrauchs selbst.

Somit gilt: Nicht Stadtaffe fällt aus dem Begriff des Rap heraus, sondern der Begriff des Rap wird an Stadtaffe seiner eigenen Unabgeschlossenheit überführt, eine dialektische Exposition, welche die vermeintliche Selbstidentität des Genres in produktive Inkohärenz überführt.

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u/aswertz — 2 months ago
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Vor Gericht selbst gegen miesen Vermieter vertreten und Mithilfe von KI gewonnen

Ich freue mich gerade riesig, weil ich mehrere längere Mietrechtsstreite komplett gewonnen habe.

Mit meinem Vermieter gab es Streit über gleich mehrere Themen: Nebenkosten, Mietminderung wegen Mängeln und die Kaution. Am Ende ging es mehrfach vor Gericht.

Statt viel Geld für Anwälte auszugeben, habe ich mich selbst vertreten und KI als Unterstützung genutzt. Das hat mir eine Menge Geld gespart. Allerdings möchte ich auch ehrlich sagen: Es war definitiv kein "KI, mach mal eben"-Fall.

Ich habe der KI immer ausdrücklich gesagt, dass sie kritisch sein soll und nicht einfach allem zustimmen soll, was ich denke. Ich habe nach Handlungsalternativen gefragt, Gegenargumente prüfen lassen und Dokumente analysiert. Wenn die KI meinte, dass eine bestimmte Forderung oder Argumentation vermutlich nicht durchgehen wird, habe ich das auch akzeptiert und nicht so lange gefragt, bis die gewünschte Antwort kam.

Zusätzlich habe ich mir immer die Originalquellen zeigen lassen und die verlinkten Gesetze, Urteile oder offiziellen Informationen selbst nachgelesen. Ich habe außerdem zwei Semester Wirtschaftsrecht im Studium gehabt, sodass ich zumindest die Grundlagen verstanden habe und die Antworten einordnen konnte.

Trotzdem war es viel Arbeit. Die KI hat mir die Arbeit nicht abgenommen, aber sie hat mir geholfen, mich besser vorzubereiten, Schriftsätze zu strukturieren und Fehler zu vermeiden.

Am Ende habe ich die gesamten Fälle gewonnen und bin einfach nur glücklich darüber. Einerseits wegen des Ergebnisses, andererseits weil ich dabei gemerkt habe, wie hilfreich KI sein kann, wenn man sie als Werkzeug nutzt und nicht als Ersatz für eigenes Denken.

Jetzt der Clou: mein Vermieter ist Anwalt :D Zwar für ein sehr nischiges Gebiet und nicht Mietrecht, aber Trotzdem...

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u/IntrepidWolverine517 — 2 months ago

Die deutsche Übersetzung von dark souls 1 ist besser als die englische

Ich weiß, bei FromSoftware-Spielen gilt oft automatisch: Englisch > Deutsch. Aber bei Dark Souls 1 halte ich die deutsche Fassung tatsächlich für sprachlich stärker als die englische, zumindest an einigen entscheidenden Stellen. Und nein, das ist nicht nur Nostalgie.

Nehmen wir Klaffdrache statt Gaping Dragon.

„Gaping“ ist im Englischen ein solides Wort. Es beschreibt etwas, das weit offensteht, aufgerissen ist. Funktional, klar, grotesk. Aber klaffen im Deutschen hat eine ganz andere Wucht. Das ist ein Wort mit Gewicht. Bergtäler klaffen. Wunden klaffen. Erdspalten klaffen. Es evoziert etwas Gewaltiges, Urzeitliches, Unheilvolles.

Klaffdrache klingt nicht einfach wie ein Drache mit offenem Maul, sondern wie ein Wesen, das selbst eine klaffende Wunde in der Welt ist. Fast schon etwas Wagnerianisches liegt darin: schwer, archaisch, donnernd. Schon die Lautstruktur arbeitet mit: dieses harte „Kl“, das aggressive „ff“, die Härte des Wortendes. Man hört förmlich etwas Aufgerissenes darin. Gaping Dragon wirkt dagegen fast nüchtern beschreibend.

Oder Schandstadt statt Blighttown.

„Blight“ ist ein gutes englisches Wort. Krankheit, Verderben, Seuche. Aber es bleibt relativ spezifisch: biologischer oder materieller Verfall. Schande hingegen trägt eine viel umfassendere Bedeutungsschicht in sich. Nicht nur körperlicher Niedergang, sondern auch moralischer, sozialer, beinahe spiritueller Verfall.

Schandstadt klingt wie ein Ort, der nicht einfach verfault ist, sondern vergessen, verstoßen, erniedrigt wurde. Eine Stadt, die man nicht nur meidet, sondern fürchtet und verachtet. Gerade in der Welt von Dark Souls, wo Ruinen immer auch Geschichten von Fall und Entwürdigung erzählen, trifft das den Ton erstaunlich präzise.

Dazu kommt die etymologische Nähe zu schinden. Leid, Ausbeutung, Zerstörung. Ob bewusst oder unbewusst mitschwingend: Das Wort trägt Schmerz in sich. blighttown ist eine verseuchte Stadt. Schandstadt ist ein Ort existenziellen Niedergangs.

Und genau hier zeigt sich für mich etwas Unerwartetes: Die deutsche Übersetzung von Dark Souls hat ein erstaunliches Gefühl für Sprache. Sie übersetzt nicht bloß Wörter, sondern Atmosphäre. Sie sucht Begriffe, die archaisch, schwer und mythisch klingen, also genau die Tonlage, von der *Dark Souls* lebt.

Nicht alles ist perfekt übersetzt. Aber ausgerechnet bei den ikonischen Orts und Bossnamen wirkt Deutsch manchmal literarischer als Englisch.

klaffdrache und Schandstadt klingen wie Dinge, über die man in einem alten Epos flüstert. Gaping Dragon und Blighttown eher wie präzise Spielbegriffe.

Vielleicht wirklich eine unpopuläre Meinung, aber ich finde: Dark Souls 1 ist auf Deutsch sprachlich besser.

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u/aswertz — 3 months ago

"Das muss Sinn ergeben heißen"

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Ich kann dieses reflexhafte „Ähhh, Sinn machen ist falsch, es heißt Sinn ergeben!“ echt nicht mehr hören.

Es ist immer dieselbe Sorte Mensch. Irgendwo einmal Bastian Sick gelesen und seitdem wird sich aufgeführt, als wäre man persönlich vom Rat der deutschen Sprache ernannt worden. Hauptsache, man kann sich kurz über andere erheben und sich kultiviert fühlen, obwohl man in Wirklichkeit nur einen uralten Sprachmythos aus den frühen 2000ern nachplappert.

Und das Lustigste daran ist, dass die Leute, die sich über „Sinn machen“ lustig machen, sprachhistorisch oft selbst erstaunlich ahnungslos sind.

Nein, „Sinn machen“ ist kein modernes Sprachverbrechen und auch nicht einfach irgendein dummer Anglizismus, der aus dem Englischen eingeschleppt wurde. Diese Behauptung wird ständig wiederholt, stimmt aber so nicht. Die Wendung ist im Deutschen deutlich älter als ihre Kritiker oft glauben. Die Idee, dass etwas Sinn „macht“, existiert schon lange im Sprachgebrauch und lässt sich historisch nachweisen. Sprache funktioniert nicht wie ein Naturgesetzbuch, in dem irgendwann der Duden auf Steintafeln beschlossen hat, was auf ewig erlaubt ist.

Aber was mich wirklich aufregt, ist diese unfassbare Arroganz, mit der Leute anderen Sprachfehler vorwerfen, obwohl sie selbst nicht einmal verstanden haben, wie Sprache oder Bedeutung funktionieren.

Denn philosophisch betrachtet ist „Sinn machen“ sogar oft die deutlich bessere Formulierung.

„Sinn ergeben“ klingt so, als wäre Sinn bereits objektiv in der Welt vorhanden und müsse nur entdeckt werden. Dinge „ergeben“ Sinn, als gäbe es da draußen eine feste Ordnung der Bedeutung, die unabhängig von uns existiert.

Aber warum sollte man das überhaupt annehmen?

Nietzsche zerlegt genau diese Vorstellung. Wenn „Gott tot ist“, dann meint das eben auch: Es gibt keine letzte metaphysische Instanz mehr, die Bedeutung garantiert. Werte und Sinn liegen nicht fertig im Universum herum. Menschen erschaffen sie. Wir interpretieren, wir bewerten, wir konstruieren Bedeutung. Sinn wird gemacht.

Sartre geht noch weiter. Für Existenzialisten kommt erst die Existenz und dann die Bedeutung. Menschen haben keinen vorgegebenen Zweck, sondern schaffen ihn selbst durch Entscheidungen und Handlungen. Auch hier wird Sinn nicht entdeckt, sondern gemacht.

Und jetzt kommt der Punkt, den die selbsternannten Sprachpäpste wahrscheinlich besonders hassen würden: Selbst Kant hilft ihnen nicht wirklich.

Ja, Kant glaubte an Gott. Aber gleichzeitig argumentiert er gerade nicht, dass Menschen objektive Wirklichkeit einfach unmittelbar erkennen könnten. Im Gegenteil. Wir haben laut Kant keinen direkten Zugriff auf die Dinge an sich. Wir erleben die Welt nur durch die Strukturen unseres Verstandes und unserer Wahrnehmung. Raum, Zeit und Kategorien formen unsere Erfahrung. Das bedeutet: Selbst für Kant erscheint uns die Welt niemals als reine objektive Wahrheit, sondern immer vermittelt durch menschliche Erkenntnis.

Mit anderen Worten: Selbst wenn man religiös oder metaphysisch denkt, bleibt Bedeutung für Menschen etwas, das durch menschliche Begriffe, Perspektiven und Deutungen entsteht. Das macht „Sinn machen“ sprachlich ziemlich plausibel.

Und Wittgenstein würde über die ganze Debatte wahrscheinlich sowieso nur müde lächeln. Bedeutung entsteht durch Gebrauch. Wenn Millionen Menschen „Sinn machen“ verwenden und verstanden werden, dann ist die Formulierung Teil der Sprache. So funktioniert Sprachgebrauch. Sprache ist kein Museum, das von gelangweilten Pedanten bewacht wird.

Aber nein, irgendein Typ, der vor zwanzig Jahren einmal Bastian Sick gelesen hat, muss immer noch so tun, als hätte er exklusiven Zugang zur einzig wahren deutschen Sprache.

Das Ironische ist ja: Die Leute, die sich über andere lustig machen, wirken meistens selbst erschreckend ungebildet, sobald man auch nur fünf Minuten über Sprachgeschichte, Linguistik oder Philosophie redet.

Dieser zwanghafte Drang, andere wegen „Sinn machen“ korrigieren zu wollen, ergibt für mich jedenfalls wenig Sinn.

Oder sollte ich sagen: Er macht keinen Sinn.

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u/aswertz — 3 months ago

Findet ihr Sex mit Kondom auch soviel schlechter?

Moin Zusammen,

Ich bin seit ca. 15 Jahren mit meiner Frau zusammen und sie ist bisher meine einzige Sexualpartnerin gewesen.

Am Anfang hatte sie die Pille genommen, dann die Spirale und irgendwann vor ein paar Jahren sind wir auf Gummis umgestiegen, da wir hormonfrei verhüten wollten ( außerdem war es besser für mein Portemonnaie:D )

Und ja, ist irgendwie nicht so toll. Alle Marken und Größen durchprobiert, bei mysize viel zu viel Geld gelassen.

Irgendwie ist das alles nicht das wahre. Es geht so weit, dass ich inzwischen keine Lust auf penetrativen Sex mehr habe.

Geht es nur mir so? Machen wir irgendwas "falsch?"

Aktuell freue ich mich richtig auf die Vasektomie nach dem zweiten Kind :D

P.S. benutzt außerhalb fester Beziehungen trotzdem immer Gummis!

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u/aswertz — 3 months ago

Die Fakestellen VT ist typisch reddit

Ich kann diese Reddit-Theorie von wegen „Firmen schreiben absichtlich Fake-Stellen aus, damit sie nach außen gesund wirken“ langsam echt nicht mehr hören.

Das ist so ein klassischer Reddit-Moment, wo Leute eine Erklärung gefunden haben, die sich emotional richtig anfühlt, und plötzlich wird daraus die große Wahrheit, obwohl sie spätestens nach 10 Sekunden Nachdenken auseinanderfällt.

Also mal ernsthaft: Wer denkt sich sowas aus und vor allem, warum glauben das plötzlich alle?

Erster Punkt: Stellenanzeigen kosten Geld. Viel Geld.

Das hier ist nicht 2009 auf eBay Kleinanzeigen, wo man kostenlos irgendeinen Müll inseriert. Recruiting ist teuer. Je nach Plattform, Reichweite, Zusatzoptionen und Laufzeit reden wir über hunderte bis tausende Euro pro Anzeige. Dazu kommt die Zeit von HR, Hiring Managern, Leuten die Bewerbungen sichten, Termine koordinieren, Gespräche führen oder wenigstens Absagen verschicken.

Und jetzt soll ich glauben, Unternehmen verbrennen freiwillig Geld und Arbeitszeit, nur um symbolisch zu sagen: „Hey schaut mal, uns geht’s gut“?

Für wen eigentlich? Wer soll der Adressat sein?

Investoren?

Als ob Investoren oder Analysten da sitzen und denken:

„Hmm, Umsatz stagniert, Prognose schwach, aber warte mal… auf Xing haben sie gerade drei Java-Stellen offen. Bullish.“

Nein. Die schauen sich Zahlen an. Umsatz, Cashflow, Auftragslage, Kundenentwicklung, Forecasts. Kein Mensch mit Verantwortung bewertet ein Unternehmen über random Stellenanzeigen.

Kunden?

Kauft ihr irgendwas, weil ihr vorher schaut, ob die Firma gerade einen „Senior Talent Acquisition Specialist (m/w/d)“ sucht?

„Boah geil, die Versicherung sucht gerade zwei Controller, da schließe ich direkt mal eine Police ab.“

Komplett absurd.

Mitarbeiter oder Bewerber?

Auch da: Warum sollte eine Firma absichtlich hunderte Bewerbungen erzeugen, die niemand bearbeiten will? Schon mal erlebt wie langsam Recruiting sowieso oft läuft? Genau. Weil da nicht 50 Leute rumsitzen und Langeweile haben.

Das wirklich Lustige ist: Hinter dieser Theorie steckt oft ein echter Kern, aber Reddit macht daraus sofort wieder irgendeine globale Master-Erzählung.

Ja, es gibt Stellen, die ewig online bleiben.

Ja, manche Firmen sammeln Lebensläufe.

Ja, manchmal ist die Stelle intern schon halb vergeben.

Ja, Budgets werden eingefroren und die Anzeige bleibt trotzdem online.

Ja, manche Recruiter ghosten Leute komplett.

Das alles passiert. Arbeitsmarkt ist teilweise chaotisch, ineffizient und frustrierend.

Aber daraus dieses „NEIN NEIN, DIE STELLEN SIND GAR NICHT ECHT, DAS IST NUR EIN IMAGE-DING“ abzuleiten, ist so peak Reddit-Akchually.

Es ist diese typische Dynamik:

Jemand macht eine persönliche Erfahrung („Hab mich 30-mal beworben und nix gehört“), jemand anders wirft eine spekulative Erklärung rein („Das sind alles Fake Jobs“), dann kommen 500 Kommentare mit anekdotischer Evidenz und plötzlich wird aus „könnte vereinzelt vorkommen“ ein „JEDES UNTERNEHMEN MACHT DAS“.

Und wehe jemand sagt: „Vielleicht ist das nicht die plausibelste Erklärung“, dann kommt sofort:

„Äh actually 🤓☝️ Unternehmen machen das um Wachstum zu signalisieren.“

Ja klar. Der DAX wird demnächst anhand von Stepstone-Anzeigen bewertet.

Ich verstehe wirklich den Frust am Arbeitsmarkt. Gerade wenn man wochenlang Bewerbungen schreibt und ignoriert wird, sucht man nach einer Erklärung. Das ist menschlich.

Aber manchmal ist die langweilige Wahrheit halt einfach die richtige: Viele Unternehmen haben beschissene Prozesse, schlechte Kommunikation, langsame Entscheidungen und ineffizientes Recruiting.

Das ist nervig genug.

Man muss daraus nicht direkt eine LinkedIn-Xing-Fakejob-Verschwörung basteln.

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u/aswertz — 3 months ago

Am deutschen Vertrieb soll die Welt genesen

Ich leite beruflich größere Digitalisierungsprojekte und vergebe regelmäßig sechsstellige Aufträge. Also nichts völlig kleines, wo man erwarten würde, dass sich keiner zuständig fühlt.

Aber deutscher B2B Vertrieb ist teilweise wirklich komplett kaputt.

Mit US Firmen ist das jedes Mal ein Unterschied wie Tag und Nacht. Anfrage rausgeschickt, paar Stunden später Antwort. Wenn irgendwas nicht Standard ist, wird nicht direkt abgeblockt, sondern die überlegen halt kurz. „Interesting use case“, „lass uns mal schauen“, Termin am nächsten oder übernächsten Tag, fertig. Nicht schleimig, nicht dieses Linkedin-Sales-Geschwurbel. Einfach normale professionelle Kommunikation.

Und hier?

Hier hast du teilweise das Gefühl du bittest um einen Privatkredit.

Erstmal überhaupt jemanden erreichen. Dann dauert es drei Tage bis eine Mail beantwortet wird. Dann heißt es „dafür müssten wir intern mal sprechen“. Dann hörst du wieder ne Woche nichts. Dann kommt irgendwann ein Terminvorschlag Dienstag 11:30 in zwei Wochen.

Junge ich will euch gerade einen Auftrag im mittleren sechsstelligen Bereich geben und ihr benehmt euch als hätte ich gefragt ob ihr mit mir beim Umzug helfen könnt.

Und wehe irgendwas ist nicht exakt Standardprozess. Sofort komplette Schockstarre.

„So haben wir das bisher noch nicht gemacht.“

„Das ist bei uns aktuell nicht vorgesehen.“

„Da müssten wir prüfen ob das möglich ist.“

Ja dann PRÜFT halt. Dafür seid ihr doch da?

Ich renne teilweise dem Vertrieb hinterher damit mir jemand ein Angebot auf Basis des Listenpreises schickt. Nicht irgendein Sonderdeal. Einfach literally ein Angebot.

Und Verbindlichkeit existiert gefühlt gar nicht mehr. Zusagen werden vergessen, Rückrufe passieren nicht, man muss überall dreimal nachfassen damit überhaupt Bewegung reinkommt.

Aber gleichzeitig wundern sich dieselben Firmen dann über internationale Konkurrenz und warum amerikanische Anbieter ihnen die Kunden wegnehmen.

Vielleicht weil man dort verstanden hat, dass Vertrieb bedeutet Kunden gewinnen zu wollen und nicht jede Anfrage wie eine lästige Störung zu behandeln.

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u/aswertz — 3 months ago