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The West Wing - ein unbekanntes Meisterwerk

The West Wing - ein unbekanntes Meisterwerk

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Ich möchte heute mal ein Plädoyer für die hier größtenteils unbekannte Serie "The West Wing" halten. Vorneweg: Zuschauer und Kritiker waren und sind sich nach wie vor einig dass es sich dabei um eine der besten Serien aller Zeiten handelt, die es problemlos mit "The Wire", "Sopranos", "Breaking Bad" oder "Game of Thrones" aufnehmen kann.

Wie kann das sein, wenn sie hierzulande doch so gut wie niemand kennt? Das lässt sich wohl hauptsächlich damit erklären, dass die Serie bis Anfang April ausschließlich auf einem Spartensender im Pay-TV lief und auch das ist jetzt schon über 15 Jahre her. Seit April hat die Serie nun auch endlich im deutschsprachigen Raum die Möglichkeit von einem großen Publikum gesehen zu werden - bei HBO Max.

Warum aber lief die Serie hier nie? Das ist eine sehr gute Frage. Ich weiß nur dass ich sie vor über 10 Jahren zum ersten Mal gesehen habe und direkt überzeugt war. Von den Figuren und den Beziehungen dieser zueinander, den von Ethik und Moral geleiteten Vorstellungen, dem insgesamt positiven Weltbild, der Erhabenheit und der Inspiration, die diese Serie mir geboten hat.

Ja, es geht um alle erdenklichen Themenkomplexe der US-amerikanischen Innen- und Außenpolitik, von denen auch 25 Jahre später noch überraschend viele ungelöst sind. Es geht um Schwangerschaftsabbrüche und Waffengesetze. Es geht um die Todesstrafe und um internationale Konflikte. Man lernt verschiedene Positionen kennen, aber im Grunde bilden diese Themen nur einen Anlass dazu, die Figuren besser kennenzulernen und sie irgendwann als einen familiären Wohlfühlhort zu betrachten, zu dem man immer zurückkehren kann, wenn die eigene oder - wie in diesen Zeiten - die gesamte Welt verrückt spielt.

Da ist zum Beispiel der väterliche Präsident Josiah Bartlet, der als Universalgelehrter und Nobelpreisträger das komplette Gegenteil dessen ist, was die USA heute anzubieten haben und trotzdem nicht unfehlbar ist. Und dann ist da sein Mitarbeiterstab - eine Gruppe von hochintelligenten Charakteren, die alle ein familiäres Verhältnis zueinander pflegen und jede Krise gemeinsam durchstehen, auch wenn sie sich zuvor leidenschaftliche Wortduelle geliefert haben. Ergänzt wird diese Gruppierung von Hauptfiguren durch Reporter, Generäle, Mitarbeiter des Geheimdienstes und Bekanntschaften der Figuren.

Es ist ein Drama, aber in den meisten Folgen wird dieses durch aufheiternde Momente gebrochen, sodass nicht nur mitgefühlt und geweint, sondern auch gelacht oder zumindest geschmuzelt werden darf. Die gelieferten Dialoge von Schöpfer Aaron Sorkin sind wortgewaltig, jedoch trotzdem geschliffen und präzise auf den Punkt.

Viermal hat die Serie - vor den Sopranos - den Emmy für die beste Dramaserie erhalten, für jede weitere Staffel war sie dafür nominiert was für die Konstanz spricht. Und die Darsteller um Martin Sheen, Allison Janney, Rob Lowe und John Spencer haben ebenfalls zahlreich abgeräumt.

Vertraut mir, Ihr werdet es nicht bereuen euch auf dieses Meisterwerk bestehend aus 7 Staffeln und 154 Folgen (+3 Spezialfolgen) einzulassen. Die Chancen stehen sogar ziemlich gut dass ihr gleich nach dem ersten Durchlauf wieder von Beginn an starten wollt, um dem realen Wahnsinn zumindest zeitweise zu entkommen und an eine bessere Welt zu glauben.

u/f0el0ix — 3 days ago