Ich habe gefühlt mental so abgebaut, seit ich 15 war
Habe neulich ein Gedicht gefunden, das ich meiner Mutter mit 15 zum Geburtstag geschenkt habe:
Farbverlauf
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Beige und Goldgelb schmelzen dahin
Wenn die Hügel sanfter fließen:
Denn nach Westen zieht die Sonne das Licht,
Das sich hinter purpurnen Wolken bricht,
Als wolle sie uns mit einer Schicht
Flüssigen Goldes begießen.
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Blau und Lila schmelzen dahin
Wenn die Hügel sich niederlegen:
Doch am Horizont strahlt noch gleißend die Glut,
Will uns weisen dahin, wo der Abend nie ruht,
Als könnten wir ewig entfliehen der Flut
Von schattengetränkten Wegen.
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Grau und Silber schmelzen dahin
Wenn die Hügel im Mondlicht funkeln:
Mit jahrhundertealter, schützender Hand
Wachen sie über das ruhende Land,
Das von Tausenden Sternen am Himmelsband
Entführt wird aus dem Dunkeln.
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….okay, peinlich halt, belanglos, kein richtiges Metrum und es hat ein bisschen was von Omis Romantikkalender, und wer the fuck schenkt seiner Mutter mit 15 noch ein Gedicht zum Geburtstag - aber irgendwie hatte ich damals ein so viel größeres Vokabular als jetzt mit 23.
Ich habe seitdem nie wieder irgendein Gedicht geschrieben, jedenfalls nicht auf Deutsch, und könnte es definitiv nicht mehr. Selbst wenn ich es versuche, mir fällt einfach nichts ein, ich habe nichts zu sagen. Wie kann man so mental abbauen, und kann man das irgendwie rückgängig machen? Durch viel Lesen bestimmter Sachen?
Ich würde schon gerne einfach flache, melodramatische, schwelgerische Zeilen schreiben können wie damals, denn Schlecht Machen ist ja immer noch kreativer als Nicht Machen und es hat erstaunlich viel Spaß gemacht, diesen Kram aus meiner Kindheit(?) zu lesen 😂