Partner war 3 Jahre mit Depressionen zu Hause und lügt nun bei angeblicher Jobsuche. Wie mit allem umgehen?
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Ich (w34) bin mit meinem Partner (m41) seit 10 Jahren zusammen, ca. 9 davon wohnen wir zusammen. Er hat aufgrund eines Missbrauch Erlebnisses beim Zahnarzt als Kind massive Angst vorm Zahnarzt (eher vorm Kontrollverlust als vor Schmerzen, daher war z.B. eine Narkose nie eine Option). Jahrelang konnte er nicht hingehen, Zysten und Entzündungen etc. häuften sich. Vor ein paar Jahren zur Corona Zeit ist es dann völlig eskaliert, neben vielen kaputten Zähnen im hinteren Bereich ist sein Scheidezahn ist abgebrochen. Er hat sich durch die Scham komplett isoliert von Allen. Wenn er mit jemanden sprechen musste war es maximaler Stress. Freunden hat er sich nicht anvertraut. Praktisch war die Corona Zeit wo er auf der Arbeit (Krankenpfleger auf einer Intensivstation) sowieso immer eine Maske tragen musste und das auch noch lange nachdem die Hochphasen vorbei waren Standart war.
Vor 3 Jahren sind wir nachdem ich mein Studium beendet hatte umgezogen in eine andere Stadt und ab hier ging es erstmal bergab. Er hatte es nicht geschafft sich einen neuen Job hier zu suchen und war erstmal lange krank mit Depressionen. Seine beiden Eltern zu denen er zuletzt keinen Kontakt mehr hatte sind im Jahr darauf gestorben, was nicht leicht war zu verarbeiten. Ich habe es immerhin geschafft einen Therapeuten für ihn zu suchen und er ist auch einige Zeit hingegangen.
So vergingen dann 2 Jahre, dann hat er es tatsächlich vor ca. einem Jahr geschafft zum Zahnarzt zu gehen und eine Behandlung anzufangen. Es muss eine Art komplett Sanierung gemacht werden, einige Zähne wurden gezogen und aktuell hat er eine Prothese und wird demnächst anfangen dann Implantate, Kronen und Brücken einsetzen zu lassen. Ich bin sehr stolz auf ihn, dass er das geschafft hat. Allerdings geht er immer noch nicht arbeiten. Das Problem mit jemanden nicht reden zu können ist kein Thema mehr, auch wenn er sich natürlich unwohl fühlt. Er sagt mir zwar er will arbeiten gehen (das glaube ich ihm auch) aber ich musste ihn wirklich dauernd nerven damit und ihm quasi hinterherlaufen. Ich habe ihn auch ermutigt drüber nachzudenken was er gerne machen möchte, er kann ja auch was Neues machen, aber das war alles kein Thema für ihn. Er sagte er muss erstmal wieder Geld verdienen. Ich habe empfohlen, dass er erstmal irgendwas machen soll, nicht wieder in Vollzeit auf einer Intensivstation anfangen, weil das zu viel ist und er vielleicht erstmal wieder Kontakt zu Menschen haben muss um seine Stresstoleranz wieder aufzubauen. Das hat ein paar Monate gedauert bis er das eingesehen hat. Ich wurde immer ungeduldiger und wir haben oft gestritten.
Angeblich hat er nichts gefunden, Firmen würden sich nicht melden oder so, so dass er sich dann wieder auf Pflege konzentriert hat. Erst in einem Altenheim, da war er zu einem Vorstellungsgespräch, aber das war wohl nicht dolle dort. Dann bei einem Pflegedienst, die auch Intensiv-Einzelbetreuungen machen (er hat keinen Führerschein, daher könnte er nicht zu anderen fahren), dort war er angeblich zwei mal zum Probearbeiten und man wollte sich entscheiden ob das klappt ohne Führerschein, bisher hat sich wohl keiner gemeldet. Nun hat er sich bei zwei Krankenhäusern beworben und war gestern zu einem Vorstellungsgespräch. Mein Problem ist, dass ich ihm kein Wort glaube.
Es ist natürlich nur ein Bauchgefühl aber er reagiert direkt nervös, wenn ich nach diesen Terminen frage, sagt nichts konkretes, erzählt überhaupt erst wenn ich nachbohre, ich muss jedes Wort aus der Nase ziehen und sonst ist er nicht so. Ich habe ihm auch nach ein paar Monaten nachdem er es zum Zahnarzt geschafft hat, aber nicht in der Lage war zu arbeiten, gesagt er solle sich wieder einen Therapeuten suchen (zum vorherigen ging er nicht mehr weil der ihm vorm Zahnarzt Termin im Stich gelassen hatte und nicht mitgekommen war obwohl er das ankündigte) und angeblich hat er das nach viel Diskussion gemacht, aber genauso vage und nicht ehrlich drüber geredet. Mittlerweile erzählt er gar nicht mehr er wäre da gewesen und ich frage nie weil ich es halt nicht glaube. Wenn ich anspreche, dass er irgendwas machen muss und ich versuche zu helfen (habe ihm Hilfsangebote rausgesucht für Beratungen, etc.) lehnt er immer ab und wird irgendwann wütend. Er macht mir dann den Vorwurf ich würde denken er hat ja keinen Lust zu arbeiten und für ihn wäre das nun mal auch frustrierend nichts zu finden. Ich weiß einfach dass es Unsinn ist. Ich habe vor meinem Studium selbst als Krankenschwester gearbeitet, ich weiß wie leicht es ist was zu finden weil alle suchen. Da geht man nicht erst zum Gespräch und wartet 3 Wochen auf eine Antwort um dann nochmal zum Probearbeiten eingeladen zu werden um dann wieder nichts zu hören. Er verfällt schnell in eine Opfer Rolle und kann sich selbst gar nicht als handelnde Person sehen die proaktiv was macht. Für ihn tut er doch schon alles was geht. Er ist generell nicht der Macher und geht gerne Dinge an, sondern findet sich dann lieber damit zurecht. Ich bin da anders, vielleicht auch etwas ungeduldig, aber ich denke nach der langen Zeit auch zu Recht.
Es geht nicht nur um das finanzielle, wobei er kein Krankengeld oder Arbeitslosengeld bekommt und ich alles finanziere, inkl. seiner Krankenkassenbeiträge die nicht wenig sind, obwohl das schon ein großes Problem für mich ist, da ich wirklich viel arbeite und durch hohe Kosten der Miete etc. eigentlich nichts von meinem Gehalt habe. Aber er muss wieder raus hier weil ich nicht mehr so leben kann. Es ist auch völlig verrückt, dass er mit den Leuten mit denen er vorher zu tun hatte keinen Kontakt aufrecht hält, ich bin damit die einzige Person die ihm sein Verhalten spiegeln kann und bin selbst ja auch total involviert und werde langsam verrückt.
Er macht zu Hause alles (Einkaufen, Haushalt, Kochen), ich bin auch dankbar aber ich brauche das nicht. Wir haben keine Kinder, keine Haustiere, es ist nicht so viel Arbeit, die man nicht hinbekommt neben einem Job. Er sagt oft er hat ein schlechtes Gewissen weil ich so viele arbeite und wirklich viel Stress habe aber kommt nicht ins Handeln.
Er hat sicher Hemmungen, seit 3 Jahren redet er ja praktisch mit niemanden außer mit mir. Aber so kann es ja nicht weiter gehen. Ich will ihn aber auch nicht verlassen weil ich es nicht übers Herz bringe. Ich liebe ihn und er würde an sich alles für mich tun, er ist immer für mich da, wir harmonieren eigentlich so gut. Außerdem hat er ja sonst niemanden. Was kann ich tun wenn er in der Beziehung nicht ehrlich zu mir ist? Wenn ich ihn konfrontiere und ich einfach so sicher bin, dass er lügt (weil er es auch nicht gut kann), wie kann ich damit umgehen? Ich habe das Gefühl ich muss ihm irgendwann ein Ultimatum stellen, aber ich habe auch Angst dass er wieder in ein tiefes Loch fällt weil alles für ihn weg bricht.
Mir tut er so Leid er ist ein toller Mensch und hat wirklich viel Mist erlebt in seiner Kindheit und Jugend. Ich bin so stolz auf ihn, dass er es bis hierhin geschafft hat und diese krasse Angst zumindest so überwunden hat, dass er eine Behandlung machen kann. Aber ich schaffe es nicht länger so zu leben und gehe kaputt daran. Es ging mir den letzten Winter richtig dreckig. Ich war sehr depressiv und wirklich völlig fertig. Eine Therapeutin habe ich leider nicht gefunden, maximal Wartelisten Plätze und irgendwann aufgegeben mit der Suche. Irgendwie ging es dann so und ich war froh aus dieser dunklen Zeit heraus sein. Ich musste wirklich lange lernen mit der Situation und auch Reaktionen von außen umzugehen, mir fiel das nicht leicht.
Guten Kontakt zu Leuten in der neuen Stadt herzustellen war für mich praktisch unmöglich weil immer dieses "mein Partner ist psychisch krank, nein er geht nicht arbeiten, nein ich kann auch nicht konkret sagen was er hat, ja er sitzt nur zu Hause" dazwischen stand. Meine Eltern haben es mir sehr schwer gemacht aber das ist ein anderes Thema, da kann ich mittlerweile mit umgehen. Aber all das waren schwierige Prozesse für mich und sind es immer noch. Ich denke es ist okay das bis zu einem gewissen Grad mitzumachen für den Partner, aber im Moment bin ich eher wütend weil er was ändern könnte aber es nicht tut und auch keine Hilfe annimmt. Wie soll ich damit umgehen wenn er einfach stur darauf beharrt, dass er angeblich alles tut um zu arbeiten aber es nicht klappt? Er wird auch für die Zahnarztbehandlungen die demnächst folgen einen Kredit aufnehmen müssen und erwartet/will auch überhaupt nicht, dass ich das tue, aber dafür muss er einfach arbeiten. Ich habe Angst das das alles wieder stagniert weil er da nicht voran kommt.