Mein Freund (M34) zieht sich bei Überforderung komplett zurück und ich (W21) weiß nicht, wie lange ich ihm Raum geben soll
Ich musste den Beitrag leider nochmal neu hochladen, weil der vorherige entfernt wurde, da ich die Altersangaben vergessen hatte.
Mein Freund (M34) und ich (W21) sind seit fast zwei Jahren zusammen. Gestern hat er das Ergebnis einer für ihn sehr wichtigen Prüfung im Rahmen seiner beruflichen Fortbildung bekommen. Er hat bestanden, war mit seiner Note aber sehr unzufrieden, weil er extrem viel gelernt und sich deutlich mehr erhofft hatte.
Danach ging es ihm emotional ziemlich schlecht. Er hat sich selbst sehr fertiggemacht, gesagt, dass er nichts hinbekommt und sich wertlos fühlt. Ich habe lange versucht, ihn aufzubauen, ihm gesagt, dass ich stolz auf ihn bin und dass diese Note für mich überhaupt nichts daran ändert, wie ich ihn sehe.
Gleichzeitig war ich selbst schon ziemlich angeschlagen. Das Wochenende davor war familiär sehr turbulent und psychisch extrem belastend für mich und ich bin davon immer noch ziemlich gerädert. Zusätzlich steht meine Periode an, bei der es mir vorher emotional sowieso häufig nicht besonders gut geht, und sie verspätet sich jetzt auch noch. Mein Freund weiß von all diesen Dingen.
Irgendwann hat es mich deshalb verletzt, dass ich den ganzen Tag versucht habe, für ihn da zu sein, er aber überhaupt nicht gefragt hat, wie es mir eigentlich geht. Ich habe ihm das dann auch gesagt. Rückblickend glaube ich, dass ich damit in einem Moment, in dem er selbst komplett überfordert war, zusätzlich Druck aufgebaut habe. Dafür habe ich mich mittlerweile auch bei ihm entschuldigt.
Unser letzter richtiger Kontakt war gestern gegen 21 Uhr. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört und mittlerweile sind es fast 24 Stunden. Heute habe ich mir zeitweise sogar große Sorgen gemacht, ob ihm etwas passiert sein könnte, weil unser letzter Kontakt war, als er mit dem Auto unterwegs war. Mittlerweile weiß ich zumindest, dass es ihm offenbar gut geht, weil er bei WhatsApp online war. Er reagiert aber weiterhin nicht auf mich.
Ich habe ihm heute Nachmittag noch einmal geschrieben, dass ich mittlerweile besser verstehe, dass er gerade überfordert und frustriert ist und vielleicht einfach Raum braucht. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm diesen Raum geben möchte, dass es mir leid tut, wenn ich zusätzlichen Druck aufgebaut habe, dass ich ihn liebe, für ihn da bin und trotz allem, was er gerade selbst über sich denkt, sehr stolz auf ihn bin. Außerdem habe ich ihm gesagt, dass er sich melden soll, wenn er soweit ist. Seitdem schreibe und rufe ich nicht mehr an.
Ich möchte sein Bedürfnis nach Rückzug wirklich respektieren. Gleichzeitig fällt mir dieses komplette Schweigen unglaublich schwer – insbesondere weil solche Situationen bei uns nicht zum ersten Mal vorkommen. Vor etwa sechs Wochen hatten wir schon einmal eine ähnliche Dynamik.
Ich frage mich deshalb gerade, wo die Grenze zwischen „meinem Partner Raum geben“ und „meine eigenen Bedürfnisse komplett zurückstellen“ liegt. Ich erwarte gar nicht, dass er sofort ein langes Gespräch mit mir führt oder mich auffängt, wenn er selbst keine Kapazität dafür hat. Aber ein kurzes „Mir geht es gut, ich brauche gerade Zeit und melde mich“ würde für mich einen riesigen Unterschied machen.
Wie würdet ihr jetzt an meiner Stelle damit umgehen? Würdet ihr einfach warten, bis er sich von selbst meldet, auch wenn das mehrere Tage dauert? Und wie kann man langfristig mit so unterschiedlichen Bedürfnissen nach Nähe und Rückzug umgehen?