Glaubt ihr weiterhin an langfristig steigende Aktienkurse?
Mich beschäftigt aktuell ein Gedanke, den ich in Finanzdiskussionen erstaunlich selten lese.
Die letzten 100–200 Jahre waren wirtschaftlich gesehen eine absolute Ausnahmesituation. Fast durchgehend ist die Weltbevölkerung gewachsen – und mit ihr Arbeitskräfte, Konsumenten und letztlich auch die Wirtschaft. Mehr Menschen bedeuteten meist mehr Nachfrage, mehr Produktion und mehr Wachstum.
Jetzt könnte erstmals etwas völlig Neues passieren: Die Weltbevölkerung wird voraussichtlich in einigen Jahrzehnten ihren Höchststand erreichen und danach langfristig schrumpfen. Viele Länder wie Japan, Südkorea, Italien oder Deutschland haben diesen Trend bereits. Gleichzeitig verändert der Klimawandel ganze Regionen, verursacht steigende Kosten und könnte die Produktivität beeinträchtigen.
Natürlich gibt es Gegenargumente: KI, Automatisierung und technischer Fortschritt könnten einen Teil davon ausgleichen oder sogar überkompensieren.
Aber trotzdem frage ich mich: Ist die Annahme, dass Aktien langfristig “immer” steigen, vielleicht zu stark von einer historischen Phase geprägt, die es so nie wieder geben wird?
Wenn Bevölkerung langfristig nicht mehr wächst oder sogar schrumpft, fehlt dann nicht ein wesentlicher Wachstumstreiber der letzten Jahrhunderte? Oder ist Produktivitätswachstum am Ende viel wichtiger als Bevölkerungswachstum?
Mich würde interessieren, wie ihr das seht – gerade diejenigen, die sich intensiver mit Makroökonomie beschäftigen.