Stark gewürztes Essen ist langweilig.

Es ist mittlerweile schon Konsenshumor, dass zentral/westeuropäische Küche langweilig und geschmacksfrei ist, weil hier sparsamer mit Gewürzen umgegangen wird. Für mich ist es genau andersherum.

Ich habe nichts gegen intensives essen ab und zu aber im Grunde ist es für mich wie bei Musik oder film: wenn die ganze Zeit nur Vollgas, laut, schnell angesagt ist, wird es langweilig und breiig, weil die Nuancen, die "leisen Töne" fehlen. Und oft ist das für mich ein Zeichen, dass die Regisseure, Musiker oder Köche nicht darauf vertrauen, dass die einzelnen Komponenten ohne dick aufzutragen funktionieren. Ich würde indische Küche zum Beispiel auch echt gerne mal subtil und gut dosiert schmecken, statt immer nur dieser konstanten explosion aller Gewürze auf einmal.

reddit.com
u/Acceptable-Camp-7251 — 9 hours ago

Zu denken, dass Deutschland im negativen oder positiven besonders ist, ist typisch deutsch

Sowohl bei der Betrachtung jüngerer Geschichte als auch aktuellen (konservativen Aufreger)Themen wird in Deutschland häufig versucht so zu tun, als stelle Deutschland einen Sonderfall dar. Als wäre Deutschland besonders verrückt oder folge einer besonderen Entwicklung.

Global betrachtet führt sich das alles aber relativ gut in Trends ein. Das heißt nicht, dass es deshalb gültiger oder weniger gültig ist, besser oder schlechter, hingenommen werden muss. aber wenn man die Themen weniger isoliert betrachtet, Kochen sich die meisten doch etwas runter.

"Wirtschaftswunder" nach WW2: nennen die Franzosen bei sich "trente glorieuses", die Spanier "Milagro español", die Italiener "Miracolo economico italiano"

"land der dichter und Denker": was lyrik angeht sind Iran (Persien), China, Indien wahrscheinlich ähnlich gewichtig. patente wurden per capita anderswo mehr angemeldet, auch wenn sie hier eine große Rolle spielten. Geistesgeschichtlich und in kultur gab es hier sehr sehr wichtige Köpfe, die aber natürlich auch Bezüge zu anderen Vorgängern haben.

"nur hier darf man nicht stolz auf Kultur und Geschichte sein": diese Debatte gibt es ebenso im Umgang mit kolonialdenkmälern etwa in belgien oder Frankreich oder dem Bürgerkrieg in den USA. Auch jeweils mit dem Versuch, die eigenen kritischen Geister als besonders irre darzustellen.

"wir nehmen die ganze Welt auf" im internationalen Vergleich spielt migration hier eine sehr kleine Rolle, für den Erhalt unserer Produktivität und population eher zu klein. Auch was Asyl nach 2015 angeht sind wir per capita gesehen jetzt kein krasser Sonderfall.

"wir verhunzen unsere Sprache": das was hier gemeint ist wird ähnlich scharf in frankophonen Ländern und den USA diskutiert

"wir deindustrialisieren uns!": wie alle ehemals starken industrieregionen Westeuropas aus ähnlichen strukturellen Gründen.

Es ist vollkommen okay, in Opposition zu bestimmten politischen Entscheidungen und Entwicklungen zu stehen. Aber der Versuch, historische Auseinandersetzung, Umweltschutz, Strukturwandel oder andere "Schmerzen mit der Moderne" zu rein deutschen marotten umzudeuten, um einen leichten Punkt zu machen, ist in der Regel so schief wie kontraproduktiv. Unsere Probleme, Debatten und Errungenschaften sind dann in der Regel selten deutsch sondern europäisch oder global.

reddit.com
u/Acceptable-Camp-7251 — 5 days ago

Wie oft und warum weint ihr?

Ich frage mich manchmal, ob ich seltener weine, als normal wäre.

Bei mir passiert das im Schnitt im drei-Jahres-Rhythmus bei sehr "großen Ereignissen" (zuletzt Geburt meines Sohnes vor zwei Jahren, vier Jahre davor Tod eines Freundes, drei Jahre davor bei einer Trennung) aber ich habe das Gefühl, dass es, wenn es denn passiert, eigentlich ganz heilsam ist.

Ich gehöre auch nicht bewusst zu Leuten, denen das unangenehm wäre oder die "gegen Tränen kämpfen". Aber wenn ich vor allem mit Freundinnen spreche habe ich das Gefühl, dass die alleine schon bei der Arbeit alle paar Monate weinen, das aber auch gar nicht als dramatisch empfinden.

reddit.com
u/Acceptable-Camp-7251 — 9 days ago

Geht es euch gut?

Ich kann dieses Jahr leider nicht dabei sein aber bei dem Wetter bin ich vielleicht gar nicht so traurig darüber.

Ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß? Trinkt ordentlich, macht schattenpausen und genießt die Zeit, meine lieben!

reddit.com
u/Acceptable-Camp-7251 — 10 days ago

Die meisten Leute hier sind voll in Ordnung

Das nörgeln über reddit allgemein oder die community im deutschen reddit ist hier standard. Egal auf welcher Seite man steht, für die Diagnose, hier tummelten sich nur idioten, bekommt man irgendwie immer applaus.

Ehrlich gesagt finde ich den Austausch hier im großen und ganzen sehr lohnenswert. Insbesondere wenn man in Betracht zieht, dass wir komplett pseudonymbasiert kommunizieren und hier eigentlich ähnliche Effekte wie bei anderen sozialen Medien greifen sollten. Die Qualität hier ist kein Vergleich zu Facebook, Instagram oder X. Es wird zwar auch Müll geschrieben, aber es wird auch oft Müll als solcher erkannt und eingeordnet.

Es ist natürlich nicht mehr wie vor fünfzehn Jahren, als auch reddit noch nischiger war und deshalb auch homogener und untereinander verschworener. Aber das ist meiner Meinung nach nicht nur schlecht. Wie "draußen" auch gibt es eben die reizwort-konfliktarenen, in denen man mal zusammengeführt werden kann, um sich wütend anzubrüllen, aber beim nächsten Thema kann man dann schon wieder einer Meinung sein. Es gibt halt Akteure, die von diesen aufregerthemen politisch zu profitieren versuchen, davon sollten wir uns nicht die Stimmung vermiesen lassen.

reddit.com
u/Acceptable-Camp-7251 — 14 days ago

Alle Gegner der Gender Studies, mit denen ich jemals gesprochen habe, hatten keine Ahnung von Gender Studies.

Es ist wirklich kurios, wieviele Menschen sich dazu berufen fühlen, eine wissenschaftliche Subdisziplin abzulehnen weil man es ihnen als Reizwort beigebracht hat. Wenn man dann etwas nachbohrt, kommt wahlweise "die behaupten, es gäbe keine Geschlechter!" oder "die behaupten, es gäbe 74 Geschlechter!" zusammen mit dem diffusen Hinweis, die Disziplin sei irgendwie unwissenschaftlich, ohne, dass das in irgendeiner Form konkretisiert werden kann.

​

Die GS haben sowohl als mischlehrstühle (zB GS/Geschichte, Neubewertung alter Quellen und Artefakte) als auch als eigene Disziplin (zB praktische Analyse von Männlichkeitskonzepten in Manosphere aber auch theoriebildung) sehr viel geleistet. Ich kann aber alle verstehen, die keinen Bock mehr haben, dort zu forschen, wenn sie bei jedem smalltalk damit rechnen müssen, dass irgendein dahergelaufener idiot meint erklären zu müssen, dass ihr Job Quatsch ist. Oder schlimmer noch: dass ihnen der Job gestrichen wird, wenn konservative Parteien wieder meinen, in die Wissenschaftsfreiheit eingreifen zu müssen.

reddit.com
u/Acceptable-Camp-7251 — 15 days ago

What do we call the beach house cultural aesthetic, not the genre?

I sort of struggle to describe this but I am not talking about the musical genre of course. Because it's close to dream pop and shoegaze but very distinct from the 90s records in that genre. Especially the first three albums really transport me back to the time I went to college in the late 00s, early 10s and I feel like they follow a certain millennial youth aesthetic in culture and a certain melancholic but not pessimistic outlook on life that I notice when i see it in culture but can't really grasp. Has this been described somewhere, are there other examples you could think of?

reddit.com
u/Acceptable-Camp-7251 — 1 month ago

Lebensmittel wegzuwerfen ist die egalste Form der Abfallerzeugung

- lebensmittel gehören aus abfallwirtschaftssicht zu den unproblematischeren müllvarianten, vor allem im Vergleich zu beispielsweise technikschrott.

- der Hunger in anderen Ländern steht im Zusammenhang mit dem Wirtschaftssystem, Konflikten oder Naturkatastrophen. Nicht damit, dass dein Onkel seine pommes nicht aufisst.

- ja, respektvoller Umgang mit Ressourcen und Erzeugung ist wichtig. Aber das ist er bei allen Arten von Müll.

Wenn einem diese Themen stören, sollte man sich an diesen Stellen dafür einsetzen, statt sich milde lächelnd darauf auszuruhen, dass man die alte paprika noch gegessen hat.

Ich komme aus einer links-ökologischen bubble und obwohl auch in meinem Freundeskreis die meisten einig sind, dass konsumkritik und Dinge wie co2-footprint das Problem verkehrt herum betrachten, ist zB das wegwerfen von gemüse eigenartig ideologisch aufgeladen. Wenn ich auf meine konservativen Freunde schaue wird diese Aufladung teilweise noch größer, auch religiös oder aus Nähe zu landwirtschaft bedingt.

Niemand sagt, dass es gut ist, tonnenweise essen zu verschwenden, aber nüchtern betrachtet ist lebensmittelmüll nicht anders als anderer müll.

reddit.com
u/Acceptable-Camp-7251 — 2 months ago

What's up with the swimwear restrictions at the piscines?

I've noticed that at multiple public swimming pools here they don't allow all kinds of swimwear. Typically swimming shorts are not allowed and they sell allowed ones at the entrance. As a non-Belgian this has surprised me, has it always been like that here? In other countries I've seen attempts to ban full-body swimwear to target muslim women, is this how that rule developed here because they needed a 'non-discriminatory' way?

The cashier explained me it was for hygiene purposes but I don't really buy it, I guess all swimwear can be dirty or clean and they don't check for example what kind of shoes people bring. I have seen lots of people walk around with sandals they probably could also wear on the street.

reddit.com
u/Acceptable-Camp-7251 — 2 months ago