u/Adventurous_Road_822

Mir wurd Leberkas gschnidden

Es ist 22:30 Uhr, habe endlich Feierabend und habe HUNGER! Es ist kälter als ich dachte, gehe also in strahlend heller Arbeitsmontur eingezwiebelt zum nahen 24/7 Shop und bestelle mir ein LKW. Der Typ macht die Klappe auf, setzt das Messer an, guckt mich noch einmal an, mustert mich und danach in die Augen, zwinkert und setzt letztendlich das Messer für einen deutlich breiteren Schnitt an. Danke lieber Shopangestellter, danke!

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u/Adventurous_Road_822 — 9 days ago

Ich starre schon seit fünf Minuten von der Hinterbank unseres Autos aus dem Fenster und stelle voller Unmut fest, dass wir am Ziel angekommen sind. 

Wir stiegen stumm aus dem Auto und während ich mir eine Zigarette drehte, holte jemand anderes einen Parkschein und als dieser in der Hutablage verstaut war, war ich auch mit Drehen fertig. 

Der ganze Himmel ist in einem einheitlichen Grau. Es nicht unbedingt kalt - obwohl es Dezember ist - doch der Wind geht einem in die Knochen. 

Ich schützte mein Haar vor der Flamme und die Flamme vor den relativ starken Windstößen, als ich mir mein eben vollendetes Werk entzündete. 

Einen tiefen Zug und ein Husten später waren wir bereits unterwegs. Unsere Schritte hatten einen eigenartigen Rhythmus, welcher durch die anhaltende Stille zwischen uns mehr Gewicht bekam. 

Hat jemand gefragt, ob das Auto auch verschlossen ist? Möglich. 

Ich nahm es kaum wahr, fokussiert auf meinen Gang und das Knistern der Zigarette bei jedem Zug, den ich nahm. Es fiel mir schwer nicht zu zittern und die Kippe wackelte leicht – oder eventuell auch stark – immer, wenn ich die Hand zum Mund führte. 

Wir waren nun am Haupteingang angekommen. 

Als ich die anderen beiden ansah, sah ich Angst, Verzweiflung – Unsicherheit. 

“Schmeiß die Kippe weg, wir gehen jetzt”, sagte sie schroff, woraufhin ich auch ebendies tat. 

Schweren Herzens nahm ich die wenigen Stufen hoch zur Pforte, den anderen folgend. 

Sie wussten, wohin wir mussten, also blieb ich mit gesenktem Haupt an dritter Stelle. Geradeaus, links, das Foyer entlang. Ein paar desinteressierte Blicke zur Seite offenbarten generische Kunstwerke und triviale Kleinigkeiten. 

“Treppe oder Aufzug?” 

“Treppe.” 

Wir gingen langsam die um den Aufzugschacht geschwungene Treppe hinauf. Noch immer stumm unseren Aufstieg bewältigend, begann Musik zu ertönen. Eine Orgel begann ein langsames und wie ich fand, schwermütiges Kirchenlied zu spielen. Die Musik klang durch den Hall des Treppenhauses sphärisch, ja, tatsächlich irgendwie spirituell möchte ich meinen. 

Oben angekommen - welches Stockwerk weiß ich nicht mehr - fanden wir uns vor einer schweren metallenen Doppeltür wieder. Auf der anderen Seite des Gangs Sitzbänke. 

Jemand klingelte. 

Wir warteten. 

Die Tür ging auf und eine verhüllte Gestalt bat uns hinein. 

Wir folgten. 

“Bitte setzten Sie sich noch einen Moment, wir werden Sie in wenigen Minuten holen.” sagte die vermummte Gestalt und zeigte dabei auf das nächste Paar Bänke. 

Wir warteten erneut. Wie lange kann ich nicht sagen. Von rechts nahm ich ein paar für mich momentan unwichtige Fragen wahr. 

“Hast du ein Taschentuch für mich?” Hast du dies, ist es blablabla... 

Als wir abgeholt wurden, stand ich mit zitternden Knien auf. Nichts von meiner Umgebung wahrnehmend, taumelte ich den anderen wieder hinterher, wohlwissend was nun folgen würde. 

“Ich lasse Sie nun alleine”, sagte die vermummte Gestalt. 

Und da waren wir nun: In einer offenen Kabine eine Vielzahl von Geräten, die dies und das überwachen sollten. Meine Begleiterinnen und ich im Kreis stehend und im Zentrum des ganzen meine im Sterben liegende Mutter. 

Ich musterte sie. 

Die Haare waren wie klitschnass an den Kopf geklebt und akkurat nach hinten gekämmt worden. Ihre Arme wirkten noch viel schmächtiger als sie es ohnehin bereits vorher getan haben. Die Schläuche... ignorierte ich. Mein Blick fiel auf ihre Hände, welche den Fortschritt ihres unaufhaltsamen Verschwindens mehr als deutlich machten. 

Die Fingerspitzen schon schwarz, wurde sie aktuell wohl eher durch die Maschinen als durch sich selbst am Leben erhalten. Der Anblick brach mir mein Herz. 

Ob, oder was die anderen sagten, weiß ich nicht mehr. Mein Fokus galt dem friedlichen Gesicht und dem unausweichlichem. Ich legte meine Hand auf ihren Arm und sagte in Gedanken alles, was ich nie sagen konnte, dachte an Momente, die mich für immer begleiten werden und somit ihr Wesen, welches ihren Stempel auf mich gedrückt hat. Eine zusätzliche Zeit allein habe ich nicht benötigt, in Gedanken war alles bereits gesagt, war alles bereits beendet. 

Wie sehr ich sie vermissen werde? Wie sehr ich sie liebte? Wie sehr ich vieles bereute? 

Fragen für die Zukunft. 

Also löste ich meine Hand von ihrem Arm und meinen Blick von ihrem Gesicht und machte mich auf den Weg wieder hinaus aus der Station. Meine Schwester und meine Cousine weinten bitterlich, wie ich durch meine durch Tränen getrübte Sicht ausmachen konnte. 

Haben wir uns dann umarmt? Ich kann es nicht sagen. 

Als wir wenig später zuhause ankamen, war keine Stunde vergangen, bis der Anruf vom Krankenhaus kam. Die Orgel jedoch war bereits verstummt, als wir gingen. 

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u/Adventurous_Road_822 — 20 days ago