Blickkontakt
Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen. Aufgaben. Anrufe. Abgaben. Ich saß mit meinem Kaffee in einem Meeting, nippte daran und sah mir selbst beim Nippen zu - unten rechts im Kamerafenster. Ich konnte nur ans Essen denken.
Später, auf dem Weg nach Hause. Schmutzig und stickig war es in der Bahn. Nur die Fenster glänzten schwarz. Zumindest dort, wo keine fettigen Tapsefingerabdrücke die Fenster schmückten. Dazwischen: meine Augen. Irgendwie ungesund. Hungrig. Nur noch drei Stationen.
Das kalte Licht des Kühlschranks schien mir ins Gesicht. Ich hatte Hunger, aber alles da drinnen stank. Der Käse, das Huhn von gestern, die Torte. Warum roch das so komisch? Ich machte ihn zu, biss mir auf die Lippe und sah mich im polierten Weiß der Kühlschrankfront. Meine Augen waren rötlich. Irgendwie größer als sonst. Was ich mir alles einbilde, wenn der Tag lang ist.
Auf der Couch mit einem Bier. Flüssige Nahrung vertrage ich immer gut. Alles ist dunkel, bis auf den überdimensionierten Fernseher, der mir bunte Bilder ins Gesicht wirft. Meine Augen brennen, und ich bin müde. Ich hab Hunger und ich hab keinen. Das wird sicher eine Grippe.
Der Stream fällt aus. Mistprogramm! Eine Silhouette im Schwarzen des Fernsehers. Zwei Punkte. Irgendwas stimmt nicht. Der Stream geht wieder an. Ich drehe den Horrorfilm ab.
Ich liege im Bett und hab die Augen zu. Sie brennen und jucken. Sicher eine werdende Konjunktivitis. Alles ist dunkel. Wenn ich das Nachtlicht aufdrehe, ist alles warm und verschwommen. Wenn ich es abdrehe, sehe ich Schwarz und leuchtende Punkte.
Das ist der Router.
Das ist das Handy.
Das ist ein Auge.
Mit roter Pupille.
Es blinzelt nur nicht.
Bis es blinzelt.
Aus einem wird zwei.
Aus zwei werden vier.
Sie brennen sich durch die Dunkelheit in meine Netzhaut. In mich. Sie sind vor allem dort, wo nichts ist.
In den Ritzen zwischen den Möbeln.
Hinter den vier Zimmerpflanzen.
Am Stuhl mit den Klamotten.
Sie haben Hunger.
Sie kommen näher, werden größer.
Wenn ich meine Augen zumache, sind sie nicht weg. Sie sind vor meinen Augenlidern. Brennen sich in mich. Mir wird schlecht. Ich werde nicht mehr aufstehen.