Rattennest

„Geh nicht hinein in das Haus am Ende der Hauptstraße“, steht am alten Haus am Ende der Hauptstraße. Neben vielen anderen Verboten. Mach nichts davon!

„Brich dir kein Bein!“ Die Zeit hat die Stufen zur Veranda abgerundet. Sie sind rutschig. „Halt dich nicht fest!“ An den Blumen aus Schmiedeeisen klettern Ranken entlang. Die ersten sind rostig und haben scharfe Kanten. Die zweiten sind giftig.

Auf den Steinplatten der Terrasse wächst Moos. Darauf stehen Stühle und Sessel. Jeder kaputt und aus einer anderen Zeit. Manchmal brennt davor ein Feuer. Schatten wärmen sich daran.
Die Haustür ist halb offen. Ein Riss geht mitten durch sie. Auf ihr steht ein Name. Man kann ihn nicht mehr lesen.

Dahinter ist es dunkel und stickig. Der Holzboden hat Kratzer, Flecken, Löcher. Wie alte Haut. Drei Stockwerke und ein Dachboden. Viele Räume zum Schlafen, Essen oder Sterben. In jedem ein Wandbild. Vom Sterben, Leben und Lieben. Graffiti und bunt.
Die Türen klemmen. Sie lassen kaum jemanden rein und nichts raus.

„Fuck you“, steht auf der zur Küche.
„Hierher“, auf jener zum Treppenhaus.

Die Stufen der Treppe knarren, dann brechen sie, dann fehlen sie. Die feuchten Wände atmen, wenn sich die Ratten darin bewegen. Ihre Kinder sitzen in den Nestern. Blind und haarlos. Sie können nicht flüchten. Sie fiepen. Haben Angst. Das ist ihr Zuhause.

„Du bist zuhause“, steht auf der kaputten Eingangstür. Innen.

reddit.com
u/Maras_Traum — 10 hours ago

Blickkontakt

Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen. Aufgaben. Anrufe. Abgaben. Ich saß mit meinem Kaffee in einem Meeting, nippte daran und sah mir selbst beim Nippen zu - unten rechts im Kamerafenster. Ich konnte nur ans Essen denken.

Später, auf dem Weg nach Hause. Schmutzig und stickig war es in der Bahn. Nur die Fenster glänzten schwarz. Zumindest dort, wo keine fettigen Tapsefingerabdrücke die Fenster schmückten. Dazwischen: meine Augen. Irgendwie ungesund. Hungrig. Nur noch drei Stationen.

Das kalte Licht des Kühlschranks schien mir ins Gesicht. Ich hatte Hunger, aber alles da drinnen stank. Der Käse, das Huhn von gestern, die Torte. Warum roch das so komisch? Ich machte ihn zu, biss mir auf die Lippe und sah mich im polierten Weiß der Kühlschrankfront. Meine Augen waren rötlich. Irgendwie größer als sonst. Was ich mir alles einbilde, wenn der Tag lang ist.

Auf der Couch mit einem Bier. Flüssige Nahrung vertrage ich immer gut. Alles ist dunkel, bis auf den überdimensionierten Fernseher, der mir bunte Bilder ins Gesicht wirft. Meine Augen brennen, und ich bin müde. Ich hab Hunger und ich hab keinen. Das wird sicher eine Grippe.

Der Stream fällt aus. Mistprogramm! Eine Silhouette im Schwarzen des Fernsehers. Zwei Punkte. Irgendwas stimmt nicht. Der Stream geht wieder an. Ich drehe den Horrorfilm ab.

Ich liege im Bett und hab die Augen zu. Sie brennen und jucken. Sicher eine werdende Konjunktivitis. Alles ist dunkel. Wenn ich das Nachtlicht aufdrehe, ist alles warm und verschwommen. Wenn ich es abdrehe, sehe ich Schwarz und leuchtende Punkte.

Das ist der Router.
Das ist das Handy.
Das ist ein Auge.
Mit roter Pupille.
Es blinzelt nur nicht.
Bis es blinzelt.
Aus einem wird zwei.
Aus zwei werden vier.

Sie brennen sich durch die Dunkelheit in meine Netzhaut. In mich. Sie sind vor allem dort, wo nichts ist.
In den Ritzen zwischen den Möbeln.
Hinter den vier Zimmerpflanzen.
Am Stuhl mit den Klamotten.
Sie haben Hunger.
Sie kommen näher, werden größer.

Wenn ich meine Augen zumache, sind sie nicht weg. Sie sind vor meinen Augenlidern. Brennen sich in mich. Mir wird schlecht. Ich werde nicht mehr aufstehen.

——

Kontext: Nicht meine Idee - nur meine Umsetzung! Danke für die Inspiration! <3
Wie immer - fast nur Atmo. Was könnte die Backstory sein? Braucht es eine tiefere Bedeutung?

reddit.com
u/Maras_Traum — 19 hours ago

Blickkontakt

Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen. Aufgaben. Anrufe. Abgaben. Ich saß mit meinem Kaffee in einem Meeting, nippte daran und sah mir selbst beim Nippen zu - unten rechts im Kamerafenster. Ich konnte nur ans Essen denken.

Später, auf dem Weg nach Hause. Schmutzig und stickig war es in der Bahn. Nur die Fenster glänzten schwarz. Zumindest dort, wo keine fettigen Tapsefingerabdrücke die Fenster schmückten. Dazwischen: meine Augen. Irgendwie ungesund. Hungrig. Nur noch drei Stationen.

Das kalte Licht des Kühlschranks schien mir ins Gesicht. Ich hatte Hunger, aber alles da drinnen stank. Der Käse, das Huhn von gestern, die Torte. Warum roch das so komisch? Ich machte ihn zu, biss mir auf die Lippe und sah mich im polierten Weiß der Kühlschrankfront. Meine Augen waren rötlich. Irgendwie größer als sonst. Was ich mir alles einbilde, wenn der Tag lang ist.

Auf der Couch mit einem Bier. Flüssige Nahrung vertrage ich immer gut. Alles ist dunkel, bis auf den überdimensionierten Fernseher, der mir bunte Bilder ins Gesicht wirft. Meine Augen brennen, und ich bin müde. Ich hab Hunger und ich hab keinen. Das wird sicher eine Grippe.

Der Stream fällt aus. Mistprogramm! Eine Silhouette im Schwarzen des Fernsehers. Zwei Punkte. Irgendwas stimmt nicht. Der Stream geht wieder an. Ich drehe den Horrorfilm ab.

Ich liege im Bett und hab die Augen zu. Sie brennen und jucken. Sicher eine werdende Konjunktivitis. Alles ist dunkel. Wenn ich das Nachtlicht aufdrehe, ist alles warm und verschwommen. Wenn ich es abdrehe, sehe ich Schwarz und leuchtende Punkte.

Das ist der Router.
Das ist das Handy.
Das ist ein Auge.
Mit roter Pupille.
Es blinzelt nur nicht.
Bis es blinzelt.
Aus einem wird zwei.
Aus zwei werden vier.

Sie brennen sich durch die Dunkelheit in meine Netzhaut. In mich. Sie sind vor allem dort, wo nichts ist.
In den Ritzen zwischen den Möbeln.
Hinter den vier Zimmerpflanzen.
Am Stuhl mit den Klamotten.
Sie haben Hunger.
Sie kommen näher, werden größer.

Wenn ich meine Augen zumache, sind sie nicht weg. Sie sind vor meinen Augenlidern. Brennen sich in mich. Mir wird schlecht. Ich werde nicht mehr aufstehen.

reddit.com
u/Maras_Traum — 1 day ago

Fliegen lernen

Ich mag Fliegen. Ich fühl mich immer so frei. Das Blau über dem Flugzeug saugt meinen Blick ein. Die Wölkchen sehen aus wie Zuckerwatte. Wie sie wohl schmecken? Süß? Feucht und kalt? Nach Luft? Sie sehen so aus, als könnte man drauf treten. Alles eine Illusion. Auch die Freiheit.

Ich sitze im Bauch eines Vogels aus Metall. Ich kann nicht erklären, warum er fliegt. Ob der Typ im Cockpit es kann? Oder ob er auch nur mit dem Vibe geht. Ich hoffe, er ist nicht so betrunken wie ich nach dem fünften Fingerhut billigem Flug-Inclusive-Wein. Sonst komme ich heute nicht mehr zum Klatschen …

reddit.com
u/Maras_Traum — 5 days ago

Vom Bohren und Hämmern

Jeder hat diesen einen Nachbarn, der nicht aufhören will zu bohren. Zu den irrwitzigsten Zeiten. Ich unterstelle einmal, dass es ein Mann sein muss. Der Typ packt also seinen Bohrer aus und bohrt sinnlos vor sich hin. Immer sonntagmorgens. Was mich immer wieder verwundert. Denn das Bohren ist eine Tätigkeit, die irgendwann an natürliche Grenzen stoßen sollte. Spätestens, wenn mehr Loch als Wand vorhanden ist. Vor allem nach drei Jahren des wochenendlichen Bohrens müsste der Zustand der vollkommenen Durchlöcherung erreicht worden sein.

So kreisen meine Gedanken im Rhythmus des Gewindes, während ich meinen Polster an meine Ohren drücke. Wenn der Nachbar um circa zehn Uhr dann mit dem Bohren fertig ist, fängt er an zu hämmern.

Das ist zwar weniger durchdringend, aber dennoch schlafraubend. Da Hämmern, im Gegensatz zum Bohren, eine konstruktive Tätigkeit sein kann, stelle ich mir in solchen Augenblicken oft vor, was da genau über meinem Schlafzimmer entstehen könnte: eine Kantholz-Installation, ein Panoptikum der BILLY-Regal-Serie oder eine von *Fifty Shades of Grey* inspirierte Kammer. Auf jeden Fall verwandelt der Arbeitslärm mein Schlafzimmer in einen Raum des Schmerzes.

Zu Mittag wird es dann langsam still. Der Nachbar, erschöpft von seinen handwerklichen Höchstleistungen, wird jetzt für eine Woche Bohrer und Hammer zur Seite legen. Er wird seine Geräte erst wieder in einer Woche - pünktlich um acht Uhr morgens - auspacken.

In diesem Sinne ist mein Nachbar so ähnlich wie Gott. Er erschafft Dinge und lebt irgendwo dort oben. Deswegen bete ich oft, er möge am Sonntag ruhen. Doch das Gebet wird nie erhört. Dann wünsche ich mir immer, Nietzsche hätte recht, und stelle wütend fest: „Man ist, was man tut.“ Denn wenn die Tätigkeit meines Nachbarn hauptsächlich darin besteht, zu unmöglichen Zeiten Löcher zu bohren, was ist er dann? Fängt mit A an … Na, erraten?

Kontext: Uralter Text neu überarbeitet. Krame ein paar Sachen raus und mache vielleicht was draus. Merkt man, das der älter ist?

reddit.com
u/Maras_Traum — 1 month ago

Vom Bohren und Hämmern

Jeder hat diesen einen Nachbarn, der nicht aufhören will zu bohren. Zu den irrwitzigsten Zeiten. Ich unterstelle einmal, dass es ein Mann sein muss. Der Typ packt also seinen Bohrer aus und bohrt sinnlos vor sich hin. Immer sonntagmorgens. Was mich immer wieder verwundert. Denn das Bohren ist eine Tätigkeit, die irgendwann an natürliche Grenzen stoßen sollte. Spätestens, wenn mehr Loch als Wand vorhanden ist. Vor allem nach drei Jahren des wochenendlichen Bohrens müsste der Zustand der vollkommenen Durchlöcherung erreicht worden sein.

So kreisen meine Gedanken im Rhythmus des Gewindes, während ich meinen Polster an meine Ohren drücke. Wenn der Nachbar um circa zehn Uhr dann mit dem Bohren fertig ist, fängt er an zu hämmern.

Das ist zwar weniger durchdringend, aber dennoch schlafraubend. Da Hämmern, im Gegensatz zum Bohren, eine konstruktive Tätigkeit sein kann, stelle ich mir in solchen Augenblicken oft vor, was da genau über meinem Schlafzimmer entstehen könnte: eine Kantholz-Installation, ein Panoptikum der BILLY-Regal-Serie oder eine von Fifty Shades of Grey inspirierte Kammer. Auf jeden Fall verwandelt der Arbeitslärm mein Schlafzimmer in einen Raum des Schmerzes.

Zu Mittag wird es dann langsam still. Der Nachbar, erschöpft von seinen handwerklichen Höchstleistungen, wird jetzt für eine Woche Bohrer und Hammer zur Seite legen. Er wird seine Geräte erst wieder in einer Woche - pünktlich um acht Uhr morgens - auspacken.

In diesem Sinne ist mein Nachbar so ähnlich wie Gott. Er erschafft Dinge und lebt irgendwo dort oben. Deswegen bete ich oft, er möge am Sonntag ruhen. Doch das Gebet wird nie erhört. Dann wünsche ich mir immer, Nietzsche hätte recht, und stelle wütend fest: „Man ist, was man tut.“ Denn wenn die Tätigkeit meines Nachbarn hauptsächlich darin besteht, zu unmöglichen Zeiten Löcher zu bohren, was ist er dann? Fängt mit A an … Na, erraten?

reddit.com
u/Maras_Traum — 1 month ago

Nasse Füße

Ständig laufe ich gegen Wände aus Regen.
In der Straßenbahn schien noch die Sonne durch die schmutzigen Scheiben. Jetzt pflügen Autos durch Pfützen, tiefer als meine Geduld.
Und ich war auf dem Weg zu einem Picknick.
Falsche Zeit. Falscher Ort. Nasse Füße.

reddit.com
u/Maras_Traum — 1 month ago

Ich bleibe …

Ich bleibe noch die Nacht, sage ich mir. Seit Jahren.

Ich hasse es, dass ich dich sonst vermissen würde.
Ich hasse es, wie du meine Zeit zu unserer machst.
Wie ich Termine verschiebe und Ziele vergesse. Ich liebe es, bei dir zu liegen. Dabei ist es viel entspannter allein. Aber aus ich wurde wir. Und aus Langeweile - Liebe.

Oder wie nennt man das,
wenn ich wütend in die Nacht hinausgehe,
mit dem festen Ziel, nie wiederzukommen,
und du anrufst
und ich nicht abhebe
und du schreibst
und ich in die U-Bahn steige
und du wartest
und ich müde werde
und vor der nächsten Bar umkehre,
weil es mir zu laut ist.
Wenn ich zurück bin, gibst du mir einen Kuss.
Und nervst mich weiter.
Dann schlafe ich wieder bei dir ein.

Kontext: Kurzgeschichte aus meiner neuen Sammlung zum Thema Beziehung.

reddit.com
u/Maras_Traum — 2 months ago

Ich bleibe …

Ich bleibe noch die Nacht, sage ich mir. Seit Jahren.

Ich hasse es, dass ich dich sonst vermissen würde.
Ich hasse es, wie du meine Zeit zu unserer machst.
Wie ich Termine verschiebe und Ziele vergesse. Ich liebe es, bei dir zu liegen. Dabei ist es viel entspannter allein. Aber aus ich wurde wir. Und aus Langeweile - Liebe.

Oder wie nennt man das,
wenn ich wütend in die Nacht hinausgehe,
mit dem festen Ziel, nie wiederzukommen,
und du anrufst
und ich nicht abhebe
und du schreibst
und ich in die U-Bahn steige
und du wartest
und ich müde werde
und vor der nächsten Bar umkehre,
weil es mir zu laut ist.
Wenn ich zurück bin, gibst du mir einen Kuss.
Und nervst mich weiter.
Dann schlafe ich wieder bei dir ein.

Kontext: Kurzgeschichte zum Thema Beziehung.

reddit.com
u/Maras_Traum — 2 months ago

Der schönste Tag

Es war Sommer und nichts war zu tun.
Wir fuhren mit den Rädern durch den Wald. Mit sechs meiner besten Freundinnen.

Er wartete schon am See, nass vom Wasser. Zur Begrüßung warf er mich hinein. Ich war schneller als er. Zuerst auf der schlammigen Insel, später im überfüllten Lokal und irgendwann bei ihm zu Hause.

Die Party war laut.
Am Ende stand er betrunken auf den Knien. Ich dachte, es wird ewig halten. Hat es auch.

reddit.com
u/Maras_Traum — 2 months ago
▲ 186 r/wien

Summer in Wien

Nackte Pensionisten auf jedem Balkon. Die Sonne hat sie alle gleichzeitig auf „Auftauen“ gestellt. Sie schleppen weiße Plastikstühle raus, öffnen Fenster und lassen Radio Arabella auf die Straßen erklingen. Männer in Unterhosen betrachten Tomaten und Nachbarn. Frauen mit Dauerwelle rauchen und husten. Die schönste aller Jahreszeiten beginnt….

reddit.com
u/Maras_Traum — 2 months ago

Sommer in Wien

Nackte Pensionisten auf jedem Balkon. Die Sonne hat sie alle gleichzeitig auf „Auftauen“ gestellt. Sie schleppen weiße Plastikstühle raus, öffnen Fenster und lassen Radio Arabella auf die Straßen erklingen. Männer in Unterhosen betrachten Tomaten und Nachbarn. Frauen mit Dauerwelle rauchen und husten. Die schönste aller Jahreszeiten beginnt.

reddit.com
u/Maras_Traum — 2 months ago

Sommer in Vienna

Nackte Pensionisten auf jedem Balkon. Die Sonne hat sie alle gleichzeitig auf „Auftauen“ gestellt. Sie schleppen weiße Plastikstühle raus, öffnen Fenster und lassen Radio Arabella auf die Straßen erklingen. Männer in Unterhosen betrachten Tomaten und Nachbarn. Frauen mit Dauerwelle rauchen und husten. Die schönste Zeit des Jahres.

Kontext: Situationslyrik

reddit.com
u/Maras_Traum — 2 months ago

Die Nachtwache

Kontext: Man hat mir gesagt, ich soll Dark Romance schreiben. Ich hab’s probiert. Sollte witzig sein. Überlege weiter zu schrieben…

„Du weißt, wer ich bin. Ich kann tun, was ich will. Mit dir. Mit allen hier. Also gib mir jetzt bitte die Krücke da. Ich muss aufs Klo.“ Viktor humpelte an den Männern vorbei, die sich um das Krankenbett versammelt hatten. Der Zorn in seinen Augen hielt sich nur so lange, bis seine Hand Rados starken Arm fand. Erst in seiner Nähe wurde er ruhiger.

Emalialuisa spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog. Eifersucht. Angst, ihre Position zu verlieren. Das lange Warten auf Viktors Röntgenbefund und der grauenhafte Krankenhauspisskaffee hatten etwas in ihr ausgelöst. Medizinisch war es vermutlich eine Gastritis. Es fühlte sich aber eher nach einem gebrochenen Herzen an. Ihre Gedanken überschlugen sich. Ihr Herz raste.

Die Infusionsmaschine piepte dramatisch und beschwor damit die Nachtschwester herbei. Mit der Autorität einer Frau, die seit zwanzig Jahren sterbende Männer anschrie, jagte sie sämtliche Klanmitglieder unter Verweis auf die Wochenendbesuchszeiten aus dem Zimmer.

Einer von ihnen war so verwirrt, dass er seinen „Get Well Soon“-Ballon wieder mitnahm.

Emalialuisa wollte bleiben. Nach allem, was passiert war. Sie sehnte sich nach Viktors feurigem Blick. Wenigstens aus dem einen Auge, das ihm noch geblieben war.

Doch dieses Auge hing nur an Rado.

„Heute Nacht wachst du über mich.“

Der schrankgroße Bodyguard blickte kurz auf den unbequemen Krankenhaussessel. Dann wieder zu Viktor. Es war der Blick eines Mannes, der eher auf dem Boden schlafen würde, als seinen Boss allein zu lassen.

Für Emalialuisa blieb nur die Tür.

Als sie das Krankenhaus verließ, wollte sie nur noch den Mond anheulen.

reddit.com
u/Maras_Traum — 2 months ago

Klappentext für Anthologie „Rollenspiele“

Kontext:
Klappentext für Kurzgeschichtensammlung.
Genre: Kurzgeschichten, Gegenwartsliteratur, (Erotik)

Titel: Rollenspiele - Wer bleibt, verliert

Küssen, bevor die U-Bahn kommt.
Den besten Freund mit dem zweitbesten Freund betrügen.
Eine emotionale Bindung zu Hotelsesseln entwickeln.

Zwanzig Kurzgeschichten über Sex, Macht, Vertrauen und Kontrollverlust. Bitter, komisch, erotisch und manchmal so dumm wie Entscheidungen nach Mitternacht.

Finde, dem gibt es nichts hinzuzufügen?
Oder doch?
Wer würde lesen?
Wer nicht und warum?

u/Maras_Traum — 2 months ago

Klappentext für Anthologie

Kontext:
Klappentext für Kurzgeschichtensammlung.
Genre: Kurzgeschichten, Gegenwartsliteratur, Erotik

Titel: Rollenspiele - Wer bleibt, verliert

Küssen, bevor die U-Bahn kommt.
Den besten Freund mit dem zweitbesten Freund betrügen.
Eine emotionale Bindung zu Hotelsesseln entwickeln.

Zwanzig Kurzgeschichten über Sex, Macht, Vertrauen und Kontrollverlust. Bitter, komisch, erotisch und manchmal so dumm wie Entscheidungen nach Mitternacht.

Finde, dem gibt es nichts hinzuzufügen?
Oder doch?
Wer würde lesen?
Wer nicht und warum?

reddit.com
u/Maras_Traum — 2 months ago

Totalschaden

Bei einem Autounfall kann man nicht wegsehen. Konnte ich auch nicht. Ich bekam mit, wie die Frontscheibe sprang. Ein eleganter Riss, der am Armaturenbrett startete, sich nach oben zog und sich teilte, teilte, teilte … Ich hatte nicht mitbekommen, dass mein Kopf alles in Gang gesetzt hatte, als er gegen die Scheibe knallte. Das erfuhr ich erst später im Krankenhaus.

Als sich das Spinnennetz der Risse fertig ausgebreitet hatte, sah ich zu Michi. Seine ohnehin großen Augen waren gefühlt dreimal so groß wie sonst. Blut rann ihm in einem dünnen Strahl aus der Nase. Ich drehte meinen Kopf nach hinten. Tat sehr weh, aber erst gegen Ende der Bewegung. Andi hatte die Augen zu und zitterte.  

„Andi!“ Keine Reaktion.  
„Andi!“ Schaum vor dem Mund.  
„Fuck, Andi, was ist los mit dir?“

Eine Dame mittleren Alters klopfte an die Scheibe. „Alles in Ordnung?“  
„Andi!“, schrie ich ihr ins Gesicht. Das Radio knackte und lief wieder. Michi verwischte das Blut in seinem Gesicht, versuchte, sich umzudrehen, ohne sich abzuschnallen, und zerrte an Andis Jacke, die er gerade so erreichen konnte. Der sackte zusammen.  
„Andi!!!“, schrie ich ihn an. Er machte die Augen auf, schielte seltsam und machte sie wieder zu.

Irgendwer fragte mich nach dem Namen. Ich schrie Andis Namen. Michi wurde rausgeholt. Ich auch. Andi wurde auf eine Trage gepackt. Sah mich an. Sah mich nicht. Michis alter grüner BMW sah aus wie eine Ziehharmonika, wie er an diesem Baum stand. Irgendetwas tropfte aus ihm.

Die Einsatzkräfte versuchten, ein Gespräch mit mir zu führen. Ich fragte sie nach den beiden Idioten und was passiert war. Das fragten sie mich auch.
Passiert war Folgendes: Es hatte geregnet, und die Straßenbahnschienen waren nass. Michi war übermütig. Er war zu schnell und dann zu zaghaft, und dann sind wir in eine Linde gefahren. Es war Frühling, und die duftenden Pollen flogen auf den Totalschaden herunter.

Ich machte mir Sorgen. Es war aber alles gut. Keine bleibenden Schäden.  

Michi - Gehirnerschütterung.  
Andi - auch, dazu ein offener Bruch und ein epileptischer Anfall. Er hatte sich nicht angeschnallt. Sah ihm ähnlich.   
Ich - Prellungen und für immer Angst vor dem Autofahren.

Ich habe Andi im Krankenhaus besucht. Der Anfall war ihm peinlich. Am zweiten Tag verlangte er schon Bier und Zigaretten. Es dauerte eine Woche, bis Michi sich bei Andi melden konnte. Wir hatten einen Schaden.

Kontext: Teil meines dritten Buchs. Abschnitt einer Kurzgeschichte.

reddit.com
u/Maras_Traum — 3 months ago

Couchgespräch
Andi: Was machen wir heute Abend?
Lena: Wir versuchen, die Weltherrschaft an uns zu reißen.
A: Ich meine es ernst.
L: Ich auch. Wir könnten aber auch ins Kino gehen.
A: Ich mag keine Komödien.
L: Dann eben Horror.
A: Gibt keinen guten.
L: Nicht meine Schuld.
A: War aber dein Vorschlag.
L: Dann halt Billard?
A: Da bin ich schlecht.
L: Bowling?
A: Da bist du schlecht.
L: Fick dich.
A: Schon heute früh erledigt.
L: Schön für dich. Dann schlag halt du was vor.
A: Spazieren, Cocktails, auf einer Baustelle einbrechen?
L: Einbrechen.
A: Zu spät. Und zu gefährlich. Erinnerst du dich ans letzte Mal?
L: Klar. Alex war plötzlich verschwunden - und wir hatten eine Katze?
A: Du hättest sie nicht „Kotzi“ nennen müssen. Ich weiß schon, dass du sie nicht magst.
L: Es passt aber so gut. Sie hat mir auf den Laptop gekotzt.
A: Das war konstruktive Kritik zu deinem Text.
L: Du durftest sie behalten. Ich durfte den Namen wählen. Also: Spazieren?
A: Mein Knie tut weh.
L: DU hast’s vorgeschlagen!
A: Damit du’s merkst. Und mich davon abhältst.
L: Dein Ernst?
A: Ja. Du solltest besser auf mich aufpassen.
L: Ich bin kein Pflegeheim.
A: Du bist mein sicherster Ort.
L: Und du mein größter Schatz. Noch ein Wort, und ich vergrab dich im Garten.
A: Typisch. Du nimmst mich nicht ernst.
L: Aha. Also Streit als Abendprogramm?
A: Ja. Weil dir alles egal ist.
L: Das hier ist mir nicht egal - es nervt mich - und zwar gewaltig.
A: Dann entscheide du.
L: Cocktails?
A: Wenn du mich wirklich kennen und lieben würdest …
L: Ich kenn dich.
A: … dann wüsstest du, was ich brauch.
L: Sex?
A: Ja, auch.
L: Dann zieh dich warm an, wir gehen spazieren.

Aus „Verlässlich kaputt“

u/Maras_Traum — 3 months ago

Meine erste Zigarette zündete ich wie eine Kerze an, indem ich sie in Bauchhöhe an ein brennendes Feuerzeug hielt. Ich kam aus einem Nichtraucherhaushalt und kannte Rauchen nur episodisch … nicht als Prozess.

Die Zigarette wollte nicht brennen.
Ich wunderte mich, warum.
Alle lachten.
Fragten mich, ob das meine erste wäre.
Ob es das erste Mal sei.

Ich sagte mit ruhiger, harter Stimme:
„Nein, das mache ich ständig.“

Das Rad des Feuerzeugs drehte sich wieder verzweifelt. Der Stängel glimmte.

Der erste Zug schmeckte.

Blöd gelaufen….

Aus „Kleiner Systemfehler“

u/Maras_Traum — 3 months ago