Rattennest
„Geh nicht hinein in das Haus am Ende der Hauptstraße“, steht am alten Haus am Ende der Hauptstraße. Neben vielen anderen Verboten. Mach nichts davon!
„Brich dir kein Bein!“ Die Zeit hat die Stufen zur Veranda abgerundet. Sie sind rutschig. „Halt dich nicht fest!“ An den Blumen aus Schmiedeeisen klettern Ranken entlang. Die ersten sind rostig und haben scharfe Kanten. Die zweiten sind giftig.
Auf den Steinplatten der Terrasse wächst Moos. Darauf stehen Stühle und Sessel. Jeder kaputt und aus einer anderen Zeit. Manchmal brennt davor ein Feuer. Schatten wärmen sich daran.
Die Haustür ist halb offen. Ein Riss geht mitten durch sie. Auf ihr steht ein Name. Man kann ihn nicht mehr lesen.
Dahinter ist es dunkel und stickig. Der Holzboden hat Kratzer, Flecken, Löcher. Wie alte Haut. Drei Stockwerke und ein Dachboden. Viele Räume zum Schlafen, Essen oder Sterben. In jedem ein Wandbild. Vom Sterben, Leben und Lieben. Graffiti und bunt.
Die Türen klemmen. Sie lassen kaum jemanden rein und nichts raus.
„Fuck you“, steht auf der zur Küche.
„Hierher“, auf jener zum Treppenhaus.
Die Stufen der Treppe knarren, dann brechen sie, dann fehlen sie. Die feuchten Wände atmen, wenn sich die Ratten darin bewegen. Ihre Kinder sitzen in den Nestern. Blind und haarlos. Sie können nicht flüchten. Sie fiepen. Haben Angst. Das ist ihr Zuhause.
„Du bist zuhause“, steht auf der kaputten Eingangstür. Innen.