
Am Mittwoch wurde das GKV Sparmaßnahmen Pakt im Kabinett beschlossen. Die erste Aufschreie gab es schon, natürlich auch von den Linken. Der Fokus liegt da aber relativ klar auf Pflege und Versicherten. Wie so oft in linker Gesundheitspolitik werden die Apotheken vergessen.
Dabei sei vorne weg gesagt: eigentlich sind Apotheken in vielen Punkten ein Traum! Jeder kann jeder Zeit dort mit Fachpersonal ohne lange Zeit seine Probleme besprechen. Egal wie die Person versichert ist, egal woher sie kommt. Das was wir uns ja im Idealfall auch von Arztpraxen wünschen.
Dennoch beobachte ich, wie das nicht anerkannt wird. Als der Entwurf für das Wahlprogramm für die Landtagswahl in Baden-Württemberg kam, stand das Wort Apotheke genau ein einziges Mal drin. Aber nicht im Bereich Gesundheit, sondern im Abschnitt ÖPNV mit dem netten Satz, dass ja jeder einen Bus brauch mit dem er zur nächsten Apotheke kommt. Das diese Fahrt immer länger wird, war nicht thematisiert. Anfang der 2000er Jahre hatte Deutschland einmal 22.000 Apotheken. Nun sind wie bei 16.xxx. Viele Gemeinden in Deutschland verlieren ihre letzte Apotheke. Durch das Sparpaket werden vermutlich weitere tausende Apotheken für immer ihre Türen schließen
Das ist ein Witz, wenn man bedenkt, dass in Baden-Württemberg Wahlplakate hingen mit der überspitzten Forderung jedem Ort ein Krankenhaus hinzustellen.
Heute am 1. Mai möchte ich aber noch ein Auge auf die Gewerkschaft richten. Apothekenangestellte haben eine eigene Gewerkschaft, die ADEXA. Auch wenn nicht alle Angestellten dort Mitglied sind, sind die Mehrheit der Angestellten im Arbeitsvertrag an den Tarif angebunden.
Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte verdienen nach aktuellem Tarifvertrag im ersten Berufsjahr ungefähr 14,85€ pro Stunde (2.375€ im Monat) Das ist trotz Ausbildung nur knapp über Mindestlohn. Und bei den studierten Apothekern sieht es wiederum im Vergleich zu anderen akademischen Berufen mager aus. Hier ein Artikel falls sich jemand näher mit den Löhnen auseinander setzen will.
Aber warum macht die Gewerkschaft dann nichts? Weil sie nichts tun kann. Es ist kein Geld mehr in den Apotheken. Viele davon stehen wirtschaftlich schlecht da. Immer mehr schließen, es gibt mehr Insolvenzen. Wenn kein Geld mehr im Topf ist, kann man auch nicht mehr daraus verlangen. Stattdessen hat sich die ADEXA an die Seite vieler Apothekenorganisationen wie die ABDA, die Kammern und die Verbände gestellt und mit protestiert für ein höheres Apothekenfixum (das was die Apotheke am Rezept verdient). Weil es hier eben nicht die Arbeitgeber sind, die das Gehalt niedrig halten sondern der Staat. Hier ein Statement der ADEXA zu den Sparmaßnahmen. Die Sparmaßnahmen im Bereich der Apotheke wird sich unmittelbar auf das angestellte Personal auswirken. Ein Beruf mit rund 90% Frauenanteil!
Nun kann eine kleine schnuckelige Gewerkschaft wie die ADEXA nicht auf die Koalition in Berlin einwirken. Sie braucht politische Hilfe. Und das können wir als DIE LINKE ja tun. Immerhin sind wir doch sonst immer so groß im Gewerkschaftsbereich drin.