Krankenhaus
Seine nassen Schuhe quietschen auf dem sterilen weisen Boden. Der hell ausgeleuchtete Flur verbreitet eine Kälte. Er verlässt das Krankenhaus durch eine Schiebetür. Es riecht nach Regen. Mit dem Blick auf den Boden geht er Richtung Raucherbereich. Die Kälte des Winters scheint ihm nichts auszumachen, obwohl er nur ein T-Shirt trägt. Er nimmt eine Zigarette in den Mund und versucht sie anzuzünden. Doch seine zittrigen Hände machen es ihm schwer. Der warme Rauch der Zigarette füllt seine Lunge. Sein Blick versucht das Krankenhaus zu meiden. Er nimmt noch einen Zug. Gänsehaut — die Kälte wird deutlich. Er umschlingt seinen Körper mit seinen Armen, als würde er so verhindern auseinander zu fallen. Seine Sinne trügen ihn nicht — Regen. Dunkele Wolken schlucken den Himmel, Regentropfen fliegen auf seinen Haut.
„Mein Gott“, beschwert sich der man.
Schnell versteckt er sich in der kleine Kabine im Raucherbereich. Eine Kombination von nassem Holz und erloschenen Zigaretten trifft auf seine Nase. Das Rauschen des Regens wird lauter. Seine Sicht wird wässerig, seine Nase verstopft. Er schnieft und schaut auf den Boden. Eine line von Ameisen bewegen sich auf dem steinernen Grund. Er beobachtet sie. Eine Gruppe von ihnen trägt eine Leiche. Ungewollt fliesen Tränen aus seinen Augen und fliegen zu den Ameisen nieder. Sie fliegen in der Menge, wie der Regen außerhalb der Kabine. Donner übertönt sein schniefen. Sein Körper zittert. Wieder ein donnern. Jeder Donner lässt ihn noch mehr weinen, als würde er der Grund für seine Trauer sein. Er kämmt sich dass Haar mit seinen Händen zurück und nimmt sein Handy aus seiner Tasche. Mit den Nikotin beruhigten Händen gibt er sein Passwort ein. Er ruft einen Freund an. Es klingelt — Donner. Noch ein klingeln. Der Geruch der Zigaretten bewegt ihn dazu noch eine rauszuholen.
„Hier ist die Mailbox von —“, er legt auf.
Er schaut auf die Uhr, 16:34 Uhr. Sein Atem bildet langsam Wolken. Zwei tiefe Atemzüge helfen ihm die Tränen zu stoppen , etwas Mut zu fassen und die Kabine zu verlassen. Er taumelt zur Straße, wobei die Bäume ihm etwas Schutz vor dem Regen geben. Er schaut in den Himmel.
Kalter Regen, dunkle Wolken. Schritt nach Schritt geht er die Straße entlang. Einzelne Autos rauschen an ihm vorbei. Seine klitschnassen Klamotten kleben sich an seine Haut. Wasser tropft von Ohren und Nase. Er läuft ihm familiäre Straßen entlang und erinnert sich, wie er diese zu seiner Jugendzeit, mit seiner Freundin entlang ging. Eine Wärme füllt seine Brust. Die Erinnerung an schöne Zeiten gibt ihm sogar ein leichtes Lächeln. Seine schweren Augen führen seinen Blick wieder Richtung Boden. Er weis nicht wie lange er schon geht, die Beine bewegen sich automatisch, als wüsten sie wo sie hinwollten.
Alles fühlt sich surreal an. Er konzentriert sich auf seinen Atem. Ein, aus. Ein, aus.
Er schaut wieder auf sein Handy, auf welchem ein Foto von ihm und seiner Frau zu sehen ist. Seine Lippen wimmern. Schnupfen läuft ihm die Nase runter. Sein Atem stockt und er bleibt stehen.
„Ganz ruhig, atme“, murmelt er sich selbst zu.
Er massiert sein Gesicht. Er reibt sich die Augen. Er gewinnt gegen seine Tränen. Der Geruch eines Restaurants bekommt seine Aufmerksamkeit. Wärme, Teig im Ofen, etwas Rauch, geschmolzener Käse.
Die Pizzeria. Ihr erstes Treffen. Er hatte einen Anzug angezogen, weil er dachte das er dadurch älter aussehen würde. Sie hatte ihn dafür ausgelacht. An dem Abend küssten sie sich, er konnte die ganze Woche nicht mehr aufhören zu lächeln.
Er wendet seinen Blick ab — die Wärme verläßt ihn genauso schnell. Schritt nach Schritt geht er weiter. Er geht weiter, der Regen wird weniger, die Wolken bleiben. Eine Nachricht auf seinem Handy. Ihr Paket ist angekommen — der Kinderwagen. Stunden verbrachten sie damit Rezensionen zu lesen. Niemals hätte er gedacht das Kinderwägen so teuer werden könnten. Er wischt die Nachricht weg. Sein Griff wird fester. Die Zähne knirschen. Er will nach Hause.
Nach einer Zeit entstehen ein paar Strahlen zwischen den dunklen Wolken. Sie erwärmen ihn etwas. Die Regentropfen werden weniger und der man wischt sich das Wasser so gut es geht weg. Der Himmel wird heller, die Wolken verschwinden. Er biegt in die Straße seiner Wohnung ein. Er hört ein paar Stimmen von Balkonen. Das Handy zeigt 17:21 Uhr. Der typische Geruch nach einem Regen füllt seine Nase. Die Sonnenstrahlen erfüllen den so grauen Tag mit etwas Farbe. Und der man öffnet die Tür und betritt sein Treppenhaus.