Was denkt ihr, wie viele eine ADHS-Diagnose erhalten, obwohl sie in Wirklichkeit gar kein ADHS haben?
Edit: Ich meine es nicht negativ, angreifend oder herablassend. Ich will lediglich nur sagen, dass man sich mehr informieren sollte und des Weiteren interessiert es mich einfach, was andere für eine Meinung dazu haben, wie viele Fehldiagnosen es geben könnte und ob man bei sich selbst überzeugt ist, dass es bei sich ne Fehldiagnose war. Hier geht es nicht um Fakten. Wie gesagt, es interessiert mich einfach und dachte das würde auch nicht verwerflich oder negativ rüberkommen aber anscheinend schon. Tut mir leid, wenn es euch sauer/negativ aufstößt, ich meine es aber definitiv nicht so. 🥲🥲🥲
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Durch viele Reels, TikToks oder andere Social-Media-Inhalte, in denen Leute über ADHS sprechen, erkennen sich viele Menschen selbst darin wieder. Das ist auch vollkommen normal und gut, wenn man Dinge sieht, die auf einen selbst zutreffen und sich dadurch die Frage stellen, ob sie das auch haben könnten.
Allerdings sehe ich oft, dass Symptome genannt werden, die auch auf viele andere psychische Erkrankungen zutreffen, aber kaum Dinge erwähnt werden, die ADHS wirklich von anderen Störungen unterscheiden. Ich weiß nicht, ob ihr versteht, was ich meine, aber für mich ist ADHS mehr als nur Konzentrationsprobleme oder ähnliche typische Symptome die hier immer genannt werden von Leuten die hier in diesem Subreddit eine Einschätzung haben möchten.
Ich finde, man sollte sich schon genauer damit auseinandersetzen, was alles dazugehört. Meine Empfehlung wäre: Schreibt euch eure aktuellen Verhaltensweisen auf, aber auch Dinge aus eurer Kindheit. Ebenso eure Gedanken, Gewohnheiten und alltäglichen Verhaltensmuster. Danach kann man schauen, ob das tatsächlich mit ADHS zusammenhängen könnte.
Viele der typischen Symptome, die hier oft erwähnt werden, treffen eben auch auf andere psychische Erkrankungen zu. Deshalb sehe ich es kritisch, wenn Leute sofort davon ausgehen, ADHS zu haben, ohne sich intensiver damit beschäftigt zu haben. Oft fehlen bei solchen Beiträgen einfach genauere Informationen, wodurch man den Leuten auch schwer helfen oder eine Einschätzung geben kann.
Ich denke außerdem, dass sich manche Menschen extrem hineinsteigern und sich eventuell auch Dinge einreden. Das ist nicht böse gemeint. Wichtig ist am Ende immer, sich professionelle Hilfe bei einem Psychiater oder Therapeuten zu suchen, wenn man Probleme bei sich bemerkt oder verstehen möchte, warum man bestimmte Verhaltensweisen hat.
Natürlich ist es heutzutage leider extrem schwer, überhaupt einen Termin zu bekommen. Wenn ich daran denke, dass ich damals nach zwei Wochen bereits einen Termin bekommen habe und das nicht einmal privat, hatte ich WIRKLICH großes Glück. Das weiß ich sehr zu schätzen.
Ich selbst habe mich davor jahrelang intensiv mit meinen Verhaltensweisen beschäftigt und vieles aufgeschrieben. Am Ende kam tatsächlich heraus, dass ich ADHS habe und zusätzlich eine Zwangsstörung. Ich konnte über 20 konkrete Gründe und Beispiele nennen, die klar dafürgesprochen haben.
Außerdem habe ich mich auch damit beschäftigt, wie sich ADHS von Depressionen, Angststörungen, Anpassungsstörungen oder PTBS etc. unterscheidet. Nicht unbedingt, weil ich dachte, dass ich diese Dinge habe, sondern weil ich es einfach genauer verstehen wollte. Viele Symptome überschneiden sich eben.
Ich kann zum Glück sagen, dass ich nie depressiv war oder negative Gedanken über mich selbst oder die Welt hatte. Ich bekomme oft mit, dass viele Menschen mit ADHS leider zusätzlich Depressionen haben, so wie auch meine Mutter.
Im Kern geht es mir einfach darum, dass man sich vorher intensiver mit sich selbst auseinandersetzen sollte. Nur so kann man euch (die Leute die hier nach Hilfe und Einschätzung fragen) auch wirklich sinnvoll weiterhelfen.
Deshalb frage ich mich auch: Wie viele Menschen denken, dass sie ADHS haben, bekommen vielleicht sogar die Diagnose, obwohl sie es in Wirklichkeit gar nicht haben? Natürlich kann man das schwer herausfinden, aber die Frage interessiert mich gerade sehr.
Gibt es hier vielleicht Leute, die mittlerweile glauben, dass ihre ADHS-Diagnose doch nicht richtig war? Ich rede dabei nicht vom Impostor-Syndrom oder gelegentlichen Zweifeln, sondern wirklich von der Überzeugung, dass die Diagnose falsch gewesen sein könnte.
Und nur weil Medikamente wirken oder nicht wirken, heißt das am Ende ja auch nicht automatisch, dass jemand wirklich ADHS hat. Ich habe zumindest mal eine Studie gesehen, laut der Menschen mit und ohne ADHS ähnlich auf die Medikamente reagieren können.
Bitte nicht böse oder angreifend auffassen, mich interessiert einfach eure ehrliche Einschätzung dazu. 🥹