u/Bernd-the-bread

Zukünftige Marktwerte Solar und Wind

Hallo allerseits,

man hört immer wieder, dass man wegen der Grenzkosten von Wind und Solar von 0ct/kWh das Börsen-System von Merit-Order mit Grenzkosten reformieren müsste. Ich stelle die These auf, dass es auch so geht, man also die Vorteile des aktuellen System behalten kann. Mich würden eure Gedanken dazu interessieren.

in der Vergangenheit sind die Marktwerte von Solar Jahr für Jahr tendenziell gesunken und auch für die nächsten Jahre soll es wohl weiter bergab gehen. Immer wenn das Thema besprochen wird, bekommt man den Eindruck in 10 oder 20 Jahren ist der Börsenstrompreis 80% der Zeit, wenn genug Solar und/oder Wind vorhanden ist, bei exakt 0ct und nur während der restlichen 20% bei den Kosten der thermischen Backup-Kraftwerke. Dementsprechend würden die Marktwerte immer weiter gegen null gehen. Das wiederum führe dazu, dass die EEG-Kosten steigen und letztendlich ein großer Teil der Gestehungskosten von Erneuerbaren aus dem EEG-Konto bezahlt werden müssen. In der Folge müsste man die Preisbildung an der Börse umstrukturieren, die EEG-Umlage wieder einführen oder Ähnliches.

Nun würde ich gerne die These aufstellen, dass sich das durch künftige Nachfrageflexibilität von alleine regelt oder zumindest entschärft. Künftig soll es ja große Mengen an Nachfrage geben, die auf Preissignale reagieren. Allen voran natürlich Batterien, aber auch Wärmepumpen, Power2Heat-Anlagen, Elektroautos mit dynamischen Laden, etc. Ich würde vermuten, dass, wenn diese flexiblen Verbraucher bei 0ct/kWh Gewinn erwirtschaften, viele auch bei 3, 4 oder 5 ct/kWh wirtschaftlich sind. Das heißt in der Folge, der Börsenstrompreis fällt nicht direkt auf 0ct/kWh, sobald die unflexible Nachfrage gedeckt ist, sondern erst, wenn die unflexible und die preissensitive Nachfrage gedeckt ist. Dazwischen entsteht ein Preis zwischen 0ct und dem Preis des billigsten thermischen Kraftwerks, abhängig davon, wie viel die Nachfrager bereit sind für den vorhandenen eneuerbaren Strom zu zahlen.

Im Prinzip wäre das eine Art Mini-"Knappheitspreis", der natürlich durch den Preis des billigsten thermischen Kraftwerks gedeckelt ist, aber trotzdem zur Deckung der Fixkosten von Wind und Solar beitragen kann. Die Gestehungskosten für Solar und Wind liegen inzwischen ja bei wenigen Cent pro kWh, dementsprechend könnte das schon reichen um die Kosten zu decken.

Was denkt ihr? Wird dieser Effekt sichtbar werden oder steigen die Kapazitäten für Solar und Wind zu schnell als das die Nachfrageflexibilität mithalten könnte?

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u/Bernd-the-bread — 1 day ago