r/Energiewirtschaft

BASF sucht CO₂, Dow baut schon AKW
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BASF sucht CO₂, Dow baut schon AKW

Während BASF im Auftrag der Bundesregierung das unsichtbare CO₂ jagt, machen andere einfach ihren Job.

  • Dow spart sich den Klingelbeutel und lässt vier Xe-100-Reaktoren direkt neben dem Werk bauen.
  • Strom und Prozesswärme? Kommen künftig aus eigener Fertigung.

Der US-Atomaufsicht war’s recht – die Umweltprüfung ist schon durch. In Seadrift tickt die Uhr wohl nach einer anderen, eher praktischen Zeit.

Und bei BASF? Man kämpft weiter tapfer gegen Emissionen, die niemand sieht, während die Konkurrenz einfach die Reaktoren anmacht.

📎 Quelle 1: https://x.com/Rainer_Klute/status/2057353575064297983?s=20

u/aotto1968_2 — 13 hours ago

Rosenow: We modelled three Hormuz closure scenarios. Europe never physically runs out of gas in any of them. But under the worst shock, LNG hits $54.9/MMBtu, above the 2022 peak.

bsky.app
u/d-otto — 12 hours ago

Rosenow vor den 27 EU-Energieministern: "Europa steht am Scheideweg". Hat jemand seinen Vortrag verfolgt?

Hab letzten Monat zufällig mitbekommen, dass Jan Rosenow (Oxford, Environmental Change Institute) am 20.10. vor dem EU Energierat in Luxemburg gesprochen hat. Eingeladen von der dänischen Präsidentschaft, vor allen 27 Energieministern. Sowas passiert eigentlich nie, dass ein Akademiker da direkt reinkommt.

Hab mir dann seinen Medium Artikel dazu durchgelesen und das Video gesucht. Was er sagt ist nicht radikal neu, aber die Zuspitzung hat es in sich. Vier Punkte, die er den Ministern vor die Füße gelegt hat:

  1. Strompreis Strukturen, die saubere Energie systematisch teurer machen als Gas
  2. Netzanschluss Zeiten von 18 bis 36 Monaten für industrielle Anlagen
  3. Investitionszyklen, die mit jeder neuen Gasanlage die Elektrifizierung um eine Dekade verschieben
  4. Fehlende Fachkräfte

Sein Vergleich war: während wir uns hier mit Pipelineverträgen und LNG Terminals beschäftigen, baut China gerade den ersten Elektrostaat der Welt. Heißt massive Investitionen in Netze, Speicher, E Mobilität, elektrifizierte Industrieprozesse. Wenn wir nicht in den nächsten paar Jahren aufholen, sind wir industriepolitisch raus.

Was mich umtreibt: diese Botschaft kommt nicht von Greenpeace oder irgendwelchen Klima Aktivisten. Das ist ein Oxford Professor, der von der EU eingeladen wird und dem die Energieminister zuhören. Und seine Forderungen sind ja eigentlich nüchtern. Steuerreform, schnellere Netzanschlüsse, Förderung industrieller Speicher. Nichts davon ist ideologisch.

Genau beim letzten Punkt, Speicher, wird es interessant. Rosenow hat den Ministern explizit gesagt "support for industrial storage" als eine der vier Sofortmaßnahmen. Parallel dazu ist in Deutschland gerade die MiSpeL Festlegung der BNetzA in der Konsultation. Die löst genau ein Problem, das den Industriespeicher Markt seit Jahren ausbremst. Bisher durftest du keinen Graustrom in einen geförderten Speicher laden, sonst fiel die Marktprämie weg. Damit war für die Industrie Schluss mit Arbitrage und Multi Use.

Mit MiSpeL und der sogenannten Abgrenzungsoption wird das nach mathematisch eindeutigen Formeln getrennt. Heißt Industriespeicher können künftig wirtschaftlich tragfähig betrieben werden. Eigenverbrauchsoptimierung plus Lastspitzenkappung plus Stromhandel im selben System.

Was mich verwundert: in Deutschland sind aktuell 1,4 GWh Industriespeicher installiert. Zum Vergleich, 20,8 GWh Heimspeicher. Das ist das industriestärkste Land Europas und wir haben weniger Industriespeicher als deutsche Privathaushalte zusammen. Bis 2030 brauchen wir laut Fraunhofer ISE über 100 GWh über alle Segmente hinweg.

Und gleichzeitig liegt der Industriestrompreis bei 27,5 ct/kWh, dreimal so hoch wie in den USA. Die Wirtschaftlichkeit für Industriespeicher ist da. Amortisationszeiten von drei bis vier Jahren sind realistisch (eigene Beobachtung aus Projekten, die ich aus der Branche mitbekomme). Trotzdem zögert die Industrie.

Frage in die Runde: warum eigentlich? Liegt es wirklich nur an MiSpeL und den unsicheren Netzentgelten? Oder ist es eher ein Kapital oder Risiko Thema? Wer hier hat konkrete Erfahrung mit Industriespeicher Projekten, also keine Heimspeicher, sondern 500 kWh aufwärts? Vor allem die Netzanschluss Zeiten würden mich interessieren. Stimmen die 18 bis 36 Monate? Oder ist das je nach Netzbetreiber sehr unterschiedlich? Ich höre von Projekten in NRW ganz andere Zahlen als in BaWü.

Falls jemand das Originalvideo vom EU Rat sucht, ist auf der Consilium Website verfügbar. Sein Medium Artikel heißt "My case to the 27 EU energy ministers".

reddit.com
u/PerceptionAsleep2697 — 12 hours ago

Energy Towers nutzt Auftrieb zur Stromproduktion aus Abwärme

Während ein herkömmliches Wasserkraftwerk die Energie von fallendem Wasser nutzt, hat das deutsche Startup Energy Towers eine technische Lösung entwickelt, um die Energie von aufsteigenden Körpern im Wasser in Strom umzuwandeln. Die mechanische Lösung wird mit Abwärme aus z.B. industriellen Prozessen angetrieben und kann eine klimafreundliche Grundlastversorgung sicherstellen.https://www.energie-experten.org/news/energy-towers-nutzt-auftrieb-zur-stromproduktion-aus-abwaerme

u/energie-experte — 17 hours ago

Zukünftige Marktwerte Solar und Wind

Hallo allerseits,

man hört immer wieder, dass man wegen der Grenzkosten von Wind und Solar von 0ct/kWh das Börsen-System von Merit-Order mit Grenzkosten reformieren müsste. Ich stelle die These auf, dass es auch so geht, man also die Vorteile des aktuellen System behalten kann. Mich würden eure Gedanken dazu interessieren.

in der Vergangenheit sind die Marktwerte von Solar Jahr für Jahr tendenziell gesunken und auch für die nächsten Jahre soll es wohl weiter bergab gehen. Immer wenn das Thema besprochen wird, bekommt man den Eindruck in 10 oder 20 Jahren ist der Börsenstrompreis 80% der Zeit, wenn genug Solar und/oder Wind vorhanden ist, bei exakt 0ct und nur während der restlichen 20% bei den Kosten der thermischen Backup-Kraftwerke. Dementsprechend würden die Marktwerte immer weiter gegen null gehen. Das wiederum führe dazu, dass die EEG-Kosten steigen und letztendlich ein großer Teil der Gestehungskosten von Erneuerbaren aus dem EEG-Konto bezahlt werden müssen. In der Folge müsste man die Preisbildung an der Börse umstrukturieren, die EEG-Umlage wieder einführen oder Ähnliches.

Nun würde ich gerne die These aufstellen, dass sich das durch künftige Nachfrageflexibilität von alleine regelt oder zumindest entschärft. Künftig soll es ja große Mengen an Nachfrage geben, die auf Preissignale reagieren. Allen voran natürlich Batterien, aber auch Wärmepumpen, Power2Heat-Anlagen, Elektroautos mit dynamischen Laden, etc. Ich würde vermuten, dass, wenn diese flexiblen Verbraucher bei 0ct/kWh Gewinn erwirtschaften, viele auch bei 3, 4 oder 5 ct/kWh wirtschaftlich sind. Das heißt in der Folge, der Börsenstrompreis fällt nicht direkt auf 0ct/kWh, sobald die unflexible Nachfrage gedeckt ist, sondern erst, wenn die unflexible und die preissensitive Nachfrage gedeckt ist. Dazwischen entsteht ein Preis zwischen 0ct und dem Preis des billigsten thermischen Kraftwerks, abhängig davon, wie viel die Nachfrager bereit sind für den vorhandenen eneuerbaren Strom zu zahlen.

Im Prinzip wäre das eine Art Mini-"Knappheitspreis", der natürlich durch den Preis des billigsten thermischen Kraftwerks gedeckelt ist, aber trotzdem zur Deckung der Fixkosten von Wind und Solar beitragen kann. Die Gestehungskosten für Solar und Wind liegen inzwischen ja bei wenigen Cent pro kWh, dementsprechend könnte das schon reichen um die Kosten zu decken.

Was denkt ihr? Wird dieser Effekt sichtbar werden oder steigen die Kapazitäten für Solar und Wind zu schnell als das die Nachfrageflexibilität mithalten könnte?

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u/Bernd-the-bread — 1 day ago
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[OC] China added a Germany-sized electricity grid last year

We’ll often see headlines quoting how many gigawatts of new solar farms or coal plants China is building. But it’s hard to get a meaningful sense of scale for how electricity generation in China is changing.

The chart puts it in perspective.

In 2025 alone, China’s electricity generation increased by almost 500 terawatt-hours (TWh). This is compared here to the total amount of electricity that whole countries generate each year.

Germany generates almost exactly that amount. That means China effectively added a Germany-sized grid to its electricity system in just one year.

What’s also quite staggering is that almost all of this new generation came from solar and wind. China generated 340 TWh more electricity from solar than the year before.

Low-carbon sources grew so much that coal power in China actually fell slightly.

u/Famous-Scratch-5581 — 3 days ago
▲ 275 r/Energiewirtschaft+3 crossposts

Renewable energy fucking won. It's over for nuclear. Got that, nukebros? It's over for your obsolete techhnology. Stop shilling it.

u/StreetVirtual3037 — 3 days ago
▲ 217 r/Energiewirtschaft+3 crossposts

Battery storage boom will contribute to Germany’s energy security if it is given fair access to capacity auctions

Germany has the EU’s biggest battery pipeline. Ember's new analysis sets out the state of play. Over 2.5 GW of large-scale batteries are operational in Germany, more than double two years ago, and around a quarter of the EU total. The announced pipeline is 10.5 GW / 26.3 GWh. One in six German homeowners already has a home battery, and 30% are considering one in the next five years.

If Germany's announced battery pipeline had been operational in 2025, it could have avoided around a third of the 8 TWh of wind and solar curtailed last year. This level of curtailment underscores why closing nuclear plants was viewed as a step to speed up the transition; their inflexible "always-on" nature often crowded the grid, forcing renewables to be switched off during peak production. By removing this baseload "clog," Germany paved the way for a more flexible system where batteries can now capture that excess green energy.

The estimated savings from this shift are significant: roughly €0.8 billion in redispatch costs and avoided gas purchases—more than the cost of the batteries themselves. Had Germany deployed its current battery pipeline in 2025, it could have avoided those €800 million in gas purchases and redispatch costs.

“Amid Germany’s current fossil fuels crisis, eliminating policy barriers to batteries and other non-fossil flexibility solutions will fortify energy security and prevent costly long-term reliance on gas imports,” notes report co-author, Ember’s Beatrice Petrovich.

“We are seeing a sharp rise in demand for battery storage systems among local authorities and private households. The focus now must be on creating the right framework conditions to ensure that investment plans can become a reality – in terms of cost-efficiency, flexibility and security of supply,” adds Clara Mewes, report co-author from Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND).

https://ember-energy.org/latest-insights/germanys-battery-opportunity/

u/LaBe94 — 3 days ago

Tibber Simulator Home Assistant

Hallo zusammen,

ich frage mich schon länger, ob sich Tibber für uns rentiert und welchen durchschnittlichen Strompreis ich erreichen würde.

Um dieser Frage "gefahrlos" nachzugehen, habe ich mir heute ein HomeAssistant Dashboard gebaut. Es simuliert anhand der laufend ermittelten Verbrauchswerte meiner Stromzählerintegration den durchschnittlichen Strompreis für:

  • letzter Tag
  • letzte Woche
  • letzter Monat
  • letztes Jahr

Um es mir für die Zukunft zu sichern, habe ich es in ein Repo gepackt. Falls es jemand nachbauen möchte, oder Verbesserungsvorschläge hat, kann es sich gerne ansehen.

https://codeberg.org/Pixel-Pete/HAOS-Tibber-Sim

Ich hoffe es funktioniert. Das sehe ich erst in zwei Tagen :-)

Liebe Grüße und einen schönen Abend

u/Pixel-Pete — 2 days ago
▲ 81 r/Energiewirtschaft+2 crossposts

Wie Katherina Reiches Energiepolitik die deutsche Industrie nach Spanien treibt

Beitrag von Patrick Graichen

Kurzzusammenfassung:

  1. Kritik an Reiches Energiepolitik: Ihre Pläne bremsen den Ausbau erneuerbarer Energien und gefährden das 80%-Ziel bis 2030, obwohl sie nur marginale Systemkosten (3 Mrd. Euro) sparen will.
  2. Energiekosten als Hauptproblem: Fossile Importe (92–99 Mrd. Euro) und Stromkosten (100 Mrd. Euro) belasten die Wirtschaft – die Redispatch-Kosten sind dabei irrelevant (1,5 %).
  3. Lösung: Schneller Ausbau erneuerbarer Energien (wie in Spanien) würde Strompreise senken, Gasabhängigkeit verringern und über 20 Mrd. Euro sparen.

Die aktuelle Energiepolitik von Katherina Reiche ist Gegenstand heftiger Kritik (auch von mir) — bis dato verläuft die Diskussion über ihre verschiedenen Gesetzentwürfe aber weitgehend erwartbar: Umweltverbände, Erneuerbare-Energien-Verbände und Grüne kritisieren die Vorschläge massiv, die Energiewirtschaft ist hin- und hergerissen und der CDU-Wirtschaftsrat begrüßt sie. Interessant ist: Die deutschen Industrievertreter sind bislang bemerkenswert zurückhaltend. Ich will in diesem Beitrag darlegen, warum das, was Reiche vorgelegt hat, so gar nicht im Interesse der deutschen Wirtschaft und speziell der deutschen (energieintensiven) Industrie.

Versetzen wir uns also in die Rolle eines deutschen Industrie-Kapitäns (ja, das ist eine weitgehend männliche Veranstaltung), werfen einen Blick auf die Auswirkungen der Gesetzentwürfe für die deutsche Wirtschaft und stellen uns die Frage: Welche Energiepolitik wäre denn im Interesse der deutschen Wirtschaft? Dabei gehe ich jetzt mal streng betriebswirtschaftlich davon aus, dass Gewinnmaximierung das oberste Ziel der Unternehmen ist — nicht Klimaschutz, aber auch nicht Ideologie.

Wenn es also um das Interesse der deutschen Wirtschaft geht, dann heißt das im energiepolitischen Kontext kurz und bündig: Energiekosten senken!

Mit diesem Ziel ist vordergründig auch Katherina Reiche unterwegs: Sie rechtfertigt ihre Gesetzentwürfe damit, dass sie die Energiesystemkosten senken wolle. Kernpunkt ihrer Argumentation, u.a. in einem Video des Ministeriums oder in der FAZ: Erneuerbare seien zwar günstig, aber wir müssten die Systemkosten senken! Der oft wiederholte Beleg: Jedes Jahr würden 3 Milliarden Euro Redispatch-Kosten für die Abregelung von Erneuerbare-Energien-Anlagen gezahlt. Die hierdurch entstehenden Netzkosten seien Systemkosten, deren dringend Einhalt gegeben werden müsste. Deswegen, so der Kern des Netzpakets, sollen neue Wind- und Solarparks in allen Stromnetzregionen, in denen mehr als 3% des Erneuerbaren-Stroms abgeregelt wird, keine Entschädigung mehr erhalten — und zwar für die kommenden 10 Jahre. So lange bekommen Netzbetreiber Zeit für den Netzausbau.

De facto bedeutet Reiches Pläne, wie Gutachter wie Enervis (für Green Planet Energy) und Consentec (für Agora Energiewende) berechnet haben, dass etwa die Hälfte des geplanten Wind-Zubaus und ein großer Teil der geplanten PV-Freiflächen nicht stattfinden würden — denn in weiten Teilen Deutschlands wurde 2025 bereits etwa 3% des Erneuerbare-Energien-Stroms abgeregelt. Verbunden mit anderen geplanten Regelungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz und dem Aussetzen der Wind Offshore-Ausschreibungen bedeutet dies: Die nach wie vor als Ziel postulierten 80% Erneuerbare Energien bis 2030 werden, wenn Katherina Reiche ihren Willen bekommt, ganz sicher nicht erreicht werden. Vielmehr dürfte Deutschlands Stromsystem in der Region von 60-65% Erneuerbare verharren.

Nun könnte man aus Industrie-Sicht sagen: So what? Uns interessieren (im Gegensatz zu Euch Energiewende-Fans) weder der Erneuerbaren-Anteil noch die CO2-Emissionen — wichtig sind allein die Energiekosten!

Ebend. Und jetzt wird es spannend. Ich will an dieser Stelle jetzt nicht in die Diskussion einsteigen, ob die 3 Milliarden Redispatch-Kosten wirklich vollständig auf die Erneuerbaren Energien zurückzuführen sind (sind sie nicht), sondern das Augenmerk darauf richten, dass dieser Fokus komplett am Thema vorbei geht.Denn Deutschlands Energiekosten sind zunächst mal die Energie-Importkosten — der allergrößte Teil unserer Energie wird ja importiert. Diese beliefern sich laut KfW im Schnitt der letzten 15 Jahre auf 81 Mrd. Euro, letztes Jahr waren es 72 Milliarden Euro. Aufgrund des Preis-Schocks durch den Iran-Krieg werden diese Importkosten für Öl und Gas deutlich steigen — zwar nicht auf das Wahnsinns-Niveau von 2022, als sich die Kosten verdoppelten, aber laut KfW-Prognose deutlich um etwa 30% auf 92 bis 99 Milliarden Euro (siehe Grafik).

Das ist eine Menge Geld, immerhin über 20 Milliarden Euro Mehrausgaben gegenüber 2025. Geld, das einfach abfließt und in der deutschen Volkswirtschaft keine Wertschöpfung mehr generieren kann — ein Grund dafür, dass die Wirtschaftsprognose für 2026 nach unten korrigiert werden musste.

Nun ist das ja ein bisschen erwartbar, dass der grüne Graichen auf die fossilen Importkosten abhebt — aber was ist denn mit den berühmten Systemkosten des Stroms, die durch die Erneuerbaren so nach oben getrieben werden?

Die Stromsystemkosten belaufen sich interessanterweise auf eine ähnliche Grüßenordnung, nämlich letztes Jahr auf etwa 95 Milliarden Euro. Größter Kostenblock hier war die Strombeschaffung mit über 41 Milliarden Euro, gefolgt von den Netzkosten in Höhe von 30 Milliarden und 17 Milliarden Euro für die Erneuerbaren Energien. Auch im Stromsystem wird es dieses Jahr teurer, denn die gestiegenen Gaspreise wirken als Kostentreiber bei der Strombeschaffung. Für 2026 muss man mit gut 100 Milliarden Euro Stromsystemkosten rechnen.

Wenn man jetzt die beiden Energiekostenblöcke addiert — also fossile Importkosten plus Stromsystemkosten — landet man bei sagenhaften rund 200 Milliarden Euro Energiekosten für Deutschland im Jahr 2026. Jetzt ist das nicht ganz sauber gerechnet, weil ein Teil der Gas- und Kohleimportkosten sich auch in den Strombeschaffungskosten wiederfindet (es gibt hier also eine Doppelzählung), andererseits fehlen in der obigen Summe auch noch die etwa 11 Milliarden jährlichen Kosten für das Gasnetz. Das dürfte sich etwa gegenseitig aufheben, sodass die 200 Milliarden Euro Energiekosten für Deutschland im Großen und Ganzen schon stimmen.

Wir erinnern uns: Der Hauptbeleg für Katherina Reiches Netzpaket, das den Erneuerbaren-Zubau massiv verhindern wird, waren 3 Milliarden Redispatch-Kosten. Das sind 1,5 Prozent der Gesamtenergiekosten, oben in dem Diagramm als kleine hellblaue Fläche markiert. Einsparen kann man davon bestenfalls einen kleinen dreistelligen Millionenbetrag, wenn man nicht die deutsche Strompreiszone teilen will. Mit anderen Worten: Katherina Reiche kümmert sich aktuell mit ihrem Gesetzespaket um eine Einsparung im Bereich der Redispatch-Kosten, die im Promille-Bereich der Gesamtkosten liegt — und treibt damit die Strombeschaffungskosten, wo Deutschland eigentlich viele Milliarden Euro sparen könnte.

Wie bitte? Warum treibt Reiches Politik die Stromkosten?

Ganz einfach: Weil teures Gas nicht nur die Energiekosten für die Gasverbraucher (übrigens ein großer Teil in der Industrie!) steigert, sondern auch für alle Stromkunden — und zwar heftig. Hierfür lohnt sich ein Blick auf die europäische Landkarte der Strombörsenpreise seit Anfang diesen Jahres.

Die niedrigsten Strompreise in Europa haben Spanien und Portugal mit gut 40 Euro pro Megawattstunde, gefolgt von Frankreich und den nördlichen Strompreiszonen in Norwegen und Schweden mit 50 bis 60 Euro. Am anderen Ende mit den höchsten Strompreisen liegen Italien und Irland mit über 120 Euro. Deutschland und Benelux liegen mit etwa 95 Euro pro Megawattstunde im oberen Mittelfeld, Osteuropa mit über 100 Euro noch darüber.

Warum ist Strom in Spanien so günstig und in Italien so teuer — wo doch beides von der Sonne verwöhnte Sehnsuchtsorte für deutsche Urlauberinnen und Urlauber sind? Es liegt, wie Sie schon vermuten werden, am Gas: Während in Spanien Erneuerbare Energien den Strommarkt dominieren, sind es in Italien Gaskraftwerke.

Ökonomisch gesprochen liegt das am Merit-Order-Prinzip des Strommarkts. (Wer es genauer wissen will: Hier wird es erklärt.) Kurz gesagt ist dessen Folge: Je öfter ein Kohle- oder Gaskraftwerk mit seinen hohen Brennstoffkosten gebraucht wird, um die Stromnachfrage zu decken, desto teurer der Strompreis an der Börse. Umgekehrt gilt: Je öfter Erneuerbare und Atomkraftwerke mit ihren sehr niedrigen Betriebskosten die Stromnachfrage decken, desto billiger. Seit Beginn des Jahres hat in Italien in knapp 90% aller Stunden ein Gaskraftwerk den Strompreis gesetzt, in Deutschland in 40% der Stunden — und in Spanien waren Gaskraftwerke nur in 15% der Stunden relevant (siehe Abbildung).

(Wer sich an dieser Stelle wundert, warum die Strompreise von Frankreich über denen von Spanien liegen, schließlich liegt der Atomstrom-plus-Erneuerbaren-Anteil in Frankreich 2026 bis dato bei über 90%: Der Grund sind die vielen grenzüberschreitenden Stromleitungen, die Frankreich mit Italien und Deutschland verbindet. Der europäische Stromhandel führt dann dazu, dass der Strompreis in Frankreich von den italienischen und deutschen Gaskraftwerken “infiziert” wird. Gleiches gilt für die skandinavischen Länder und ihren Stromhandel mit Großbritannien und Deutschland.)

Es lohnt sich, den spanischen Fall etwas genauer anzuschauen, denn dort ist es innerhalb der kurzen Zeit von nur 5 Jahren gelungen, den Strompreis von Gas und Kohle zu entkoppeln. Hatte Deutschland 2019 noch mit die niedrigsten Börsenstrompreise in Europa — unter denen von Spanien! — ist es jetzt genau andersherum (siehe Grafik). Damals haben wir noch von den günstigen Gaspreisen profitiert, deswegen hatte unsere Wirtschaft auch billigen Strom — nur diese Zeit ist halt endgültig vorbei.

Entscheidend hierfür: Während der gemeinsame Anteil von Atom und Erneuerbaren an Spaniens Stromproduktion 2019 noch bei 59% lag, beträgt er heute 84% — und das lag ausschließlich am Wachstum der Erneuerbaren. Zwischen 2019 und 2025 hat Spanien mehr als 40 Gigawatt Wind und Solar zugebaut — soviel wie wir Deutsche, aber bei einem halb so großen Markt. Die Empirie zeigt: Jede zusätzliche Kilowattstunde aus Erneuerbaren Energien drückt den Börsenstrompreis; und wenn man die 80%-Marke überspringt, dann hat man es geschafft.

Was müsste man also tun, wenn man die Energiekosten in Deutschland senken will? Den Anteil der Erneuerbaren Energien von heute 57% möglichst rasch auf über 80% steigern. Dass das geht, hat Spanien bewiesen. Das Praktische ist: Die Voraussetzungen dafür sind gegeben, denn der 80%-Anteil ist bereits als Ziel bis 2030 im EEG formuliert, die Wind-Genehmigungen sind erteilt, die Investoren stehen Schlange und warten auf nur auf die Ausschreibungen, und 2028 werden auch die Hochspannungsgleichstromtrassen endlich fertig sein, die den vielen Windstrom dann vom Norden in den Süden transferieren, was auch die berühmt-berüchtigten Redispatchkosten senken wird …wenn, ja wenn man nur jetzt nicht mit dem Netzpaket wieder alles gegen die Wand fahren würde.

Nun kann man dagegen einwenden, dass mehr Erneuerbare Energien bei sinkenden Börsenstrompreisen bedeutet, dass die EEG-Kosten steigen. Das stimmt zwar. Aber: Wenn wir die Energiebeschaffungskosten für Wirtschaft und Verbraucher um die Hälfte reduzieren, weil wir Gas aus der Merit Order drängen — dann spart das 20 Milliarden Euro. Die EEG-Mehrkosten hingegen betragen bestenfalls 5-8 Milliarden Euro, weil neue Wind- und Solaranlagen halt richtig günstig sind und die alten, teuren Anlagen jetzt verstärkt ans Ende ihrer 20jährigen Förderperiode kommen. Und wenn man dann noch endlich viele Gigawatt Speicher in den Markt lässt, dann senken sie die Systemkosten für alle und bringen bei hohen Wind- und Solarangebot (wie jetzt am Wochenende des 1. Mai) die günstigen Strompreise vom Tag auch in die derzeit noch teuren Abendstunden, das hat Kalifornien gerade vorgemacht. Unter dem Strich bleibt eine Entlastung von mehr als 10 Milliarden Euro Energiekosten für Deutschland.

Wenn ich nicht Volkswirt, sondern Industriekapitän wäre, dann würde mich aber primär die Netto-Betrachtung der Energiekosten meines Unternehmens interessieren. Die kommt komplett ohne die Gegenrechnung aus, denn da würde mir auffallen, dass die EEG-Mehrkosten ja aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden und eben nicht auf der Stromrechnung landen. Ich würde zudem noch darauf drängen, dass die Verteilnetze nicht 10 Jahre (!) Zeit bekommen, das Netz auszubauen, sondern sehr schnell bereit stehen müssen für Erneuerbare und die Elektrifizierung meiner Produktionsanlagen, damit ich teures Gas durch billigen Erneuerbaren-Strom ersetzen kann. Ranglisten, wer bitteschön als erster ans Stromnetz darf (wie aktuell im Gesetzentwurf vorgesehen), sind sowas von wachstumshinderlich — was der Standort Deutschland braucht, sind Netzanschlüsse für alle und Verteilnetzbetreiber, die das hinkriegen!

Und was ist jetzt mit den Stromsystemkosten? Ja, die Netzkosten sind ein Mega-Thema und an die muss man ran. Die drohen tatsächlich aus dem Ruder zu laufen. Das wird das Thema für einen der nächsten Blog-Texte, Stichworte hier sind z.B. Digitalisierung, eine Speicher-Offensive, die gemeinsame Nutzung der Netzanschlüsse, eine Reduktion der Kapitalkosten durch staatliche Beteiligungen, oder mehr Wettbewerb beim Netzausbau. Der Punkt ist nur: Dieses Netzpaket geht das Thema Netzkosteneinsparung gar nicht an, es arbeitet sich allein an den Entschädigungen für die Abregelung der Erneuerbaren Energien ab und verhindert mit den geplanten Regelungen den Ausbau von Wind und Solar — was volkswirtschaftlich und industriepolitisch komplett falsch ist. So fährt man den Standort Deutschland gegen die Wand und fordert die energieintensive Industrie geradezu auf, nach Spanien auszuwandern. Das ist dann der Effekt, wenn Energiepolitik ideologisch getrieben ist.

Soviel für heute — Sie merken, mir geht der Puls. Der Text und die Grafiken enthielten dieses Mal sehr viele Zahlen und ich hoffe, es ist mir dennoch gelungen, das Ganze halbwegs verständlich aufzuschreiben. Vielleicht ist Ihnen aufgefallen: Dieser Text ist komplett ohne Klimaschutz ausgekommen, und das Hohelied auf die Wachstumschancen der Erneuerbare-Energien-Branche tauchte auch nicht auf. Denn auch wenn mich das persönlich durchaus bewegt — aus Sicht der deutschen Wirtschaft ist das nicht das vordringlichste. Da geht es vor allem um die Energiekosten. Eben deswegen ärgert mich das, was da aktuell auf dem Tisch liegt, besonders. Vielleicht haben Sie ja einen Industriekapitän Ihres Vertrauens, dem (oder einem seiner Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterin) Sie den Text weiterleiten mögen — noch sind Netzpaket und EEG nur Entwürfe, sie müssen noch durchs Kabinett und werden anschließend im Parlament beraten. Vielleicht lässt sich das Ganze ja doch noch zum Guten wenden und die Industrie muss nicht aus Energiekostengründen nach Spanien abwandern. Zum Ausgleich könnten wir da ja vielleicht mal wieder in den Urlaub hinfahren. Ich wäre dabei.

u/Chaotic_Good_BW — 3 days ago

Gesetzesentwurf für Kapazitätsmarkt = noch eine Umlage auf den Strompreis ab 2031

Bei einer durchschnittlichen Summe von 2 Mrd. € pro Jahr würde das den Strompreis für Privathaushalte zusätzlich um etwa 0,4 bis 0,5 ct/kWh erhöhen.

Eine gesicherte Kapazität an sich ist ja erstmal nichts verkehrtes. Ob man für Unternehmen wohl Entlastungen vorsieht? Das Gesetz soll ja schließlich ein "klares Signal für den Industriestandort Deutschland" sein...

Ob für private Haushalte zusätzliche Belastungen zur Finanzierung von Gaskraftwerken aktuell der richtige Weg sind!?

Gibt es schon weitere Infos dazu und wie seht Ihr das Thema?

rgc-news.de
u/_LuLee — 3 days ago

Energiewende: Riesigen Offshore-Projekten droht das Aus

Ich will jetzt nicht wie ein Verschwörungstheoretiker rüberkommen, aber wenn man sich vor Auge führt was Ölfirmen in der Vergangenheit schon alles abgeliefert haben frage ich mich ob diese Aktion nicht vllt auch schon von Anfang an so geplant war.
Was denkt ihr dazu?

tagesschau.de
u/getgetgogo — 3 days ago

Marktforschungsstudie Cargo-Bikes

Hey zusammen 👋

wir sind Studierende und führen aktuell eine Marktforschungsstudie zum Thema nachhaltige Mobilität durch – konkret zu Cargo-Bikes im Kontext unseres Projekts für RaysRide.

Uns würde extrem helfen, wenn ihr euch 5-7 Minuten Zeit nehmt, um unsere kurze Umfrage auszufüllen. Damit helft ihr uns enorm dabei, die echte Zielgruppe besser zu verstehen und nachhaltige Mobilitätslösungen sinnvoll weiterzuentwickeln 🙌

Hier geht’s zur Umfrage:

https://heilbronn-university.limesurvey.net/428356?lang=de

Vielen Dank euch – jede Antwort zählt wirklich sehr! 🚲

reddit.com
u/Flaky_Astronomer_954 — 2 days ago

GEIG - Verstöße

Seit 18. März 2021 gibt es das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz, welches unter anderem vorschreibt, dass "Für jedes Nichtwohngebäude, das über mehr als 20 Stellplätze innerhalb des Gebäudes oder über mehr als 20 an das Gebäude angrenzende Stellplätze verfügt, hat der Eigentümer dafür zu sorgen, dass nach dem 1. Januar 2025 ein Ladepunkt errichtet wird." Für Neubauten und Renovierungen gelten noch deutlich strengere Regeln.

Dennoch gibt es heute immer noch wahnsinnig viele "Nichtwohngebäude" wie Supermärkte, Möbelhäuser, Firmen usw. an denen kaum bis gar keine Ladeinfrastruktur vorhanden ist.

Ist das Gesetz einfach ein zahnloser Tiger und wird in der Praxis überhaupt nicht verfolgt? Oder kennt ihr Fälle in denen hier bereits Prüfungen erfolgt sind oder sogar Bußgelder verhängt wurden?

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u/FinaLNoonE — 2 days ago

Donut Lab’s 'Miracle Battery': Are they building a product, or just selling a beautiful story?

Donut Lab seems to be a textbook example of the 'Hype Cycle' in the tech world. Their marketing is brilliant, but industrial and engineering realities are completely deflating this story.

We need to look past YouTube videos and analyze global automotive strategies. If Donut Lab’s tech—promising 5-minute charging, no liquid cooling, and 35% more capacity—was actually ready for production, European giants like Volkswagen, Nissan, or Stellantis wouldn’t be offloading or leasing their massive gigafactories to Chinese competitors like BYD, Chery, or XPeng right now. If Donut actually had this technology, European legacy makers would have immediately retooled those factories and built their entire future strategies around it.

While industry giants like CATL are putting out real-world products that charge to 98% in 6.5 minutes and meet strict global safety regulations, Donut Lab is just buying time with small 'demonstrator' packs and forced ambiguity. It’s turning into a classic 'Boy Who Cried Wolf' scenario.

We don't want to see more lab reports or weekly video uploads anymore; we want a real litmus test. Put two vehicles side-by-side and prove that this battery can maintain at least 90% State of Health (SoH) after 1,000 hyper-charge cycles (5C-10C). Until they show that, it’s not a revolutionary technology—it’s just a marketing bubble designed to hunt for investors.

At the end of the day, are they building a real product, or are they just selling a beautiful story?

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u/AutomaticProperty981 — 2 days ago