u/PerceptionAsleep2697

▲ 2 r/energy

Rosenow vor den 27 EU Energieministern: "Europa steht am Scheideweg". Und in Deutschland warten wir auf MiSpeL. Warum tun wir uns so schwer?

Hab letzten Monat zufällig mitbekommen, dass Jan Rosenow (Oxford, Environmental Change Institute) am 20.10. vor dem EU Energierat in Luxemburg gesprochen hat. Eingeladen von der dänischen Präsidentschaft, vor allen 27 Energieministern. Sowas passiert eigentlich nie, dass ein Akademiker da direkt reinkommt.

Hab mir dann seinen Medium Artikel dazu durchgelesen und das Video gesucht. Was er sagt ist nicht radikal neu, aber die Zuspitzung hat es in sich. Vier Punkte, die er den Ministern vor die Füße gelegt hat:

  1. Strompreis Strukturen, die saubere Energie systematisch teurer machen als Gas
  2. Netzanschluss Zeiten von 18 bis 36 Monaten für industrielle Anlagen
  3. Investitionszyklen, die mit jeder neuen Gasanlage die Elektrifizierung um eine Dekade verschieben
  4. Fehlende Fachkräfte

Sein Vergleich war: während wir uns hier mit Pipelineverträgen und LNG Terminals beschäftigen, baut China gerade den ersten Elektrostaat der Welt. Heißt massive Investitionen in Netze, Speicher, E Mobilität, elektrifizierte Industrieprozesse. Wenn wir nicht in den nächsten paar Jahren aufholen, sind wir industriepolitisch raus.

Was mich umtreibt: diese Botschaft kommt nicht von Greenpeace oder irgendwelchen Klima Aktivisten. Das ist ein Oxford Professor, der von der EU eingeladen wird und dem die Energieminister zuhören. Und seine Forderungen sind ja eigentlich nüchtern. Steuerreform, schnellere Netzanschlüsse, Förderung industrieller Speicher. Nichts davon ist ideologisch.

Genau beim letzten Punkt, Speicher, wird es interessant. Rosenow hat den Ministern explizit gesagt "support for industrial storage" als eine der vier Sofortmaßnahmen. Parallel dazu ist in Deutschland gerade die MiSpeL Festlegung der BNetzA in der Konsultation. Die löst genau ein Problem, das den Industriespeicher Markt seit Jahren ausbremst. Bisher durftest du keinen Graustrom in einen geförderten Speicher laden, sonst fiel die Marktprämie weg. Damit war für die Industrie Schluss mit Arbitrage und Multi Use.

Mit MiSpeL und der sogenannten Abgrenzungsoption wird das nach mathematisch eindeutigen Formeln getrennt. Heißt Industriespeicher können künftig wirtschaftlich tragfähig betrieben werden. Eigenverbrauchsoptimierung plus Lastspitzenkappung plus Stromhandel im selben System.

Was mich verwundert: in Deutschland sind aktuell 1,4 GWh Industriespeicher installiert. Zum Vergleich, 20,8 GWh Heimspeicher. Das ist das industriestärkste Land Europas und wir haben weniger Industriespeicher als deutsche Privathaushalte zusammen. Bis 2030 brauchen wir laut Fraunhofer ISE über 100 GWh über alle Segmente hinweg.

Und gleichzeitig liegt der Industriestrompreis bei 27,5 ct/kWh, dreimal so hoch wie in den USA. Die Wirtschaftlichkeit für Industriespeicher ist da. Amortisationszeiten von drei bis vier Jahren sind realistisch (eigene Beobachtung aus Projekten, die ich aus der Branche mitbekomme). Trotzdem zögert die Industrie.

Frage in die Runde: warum eigentlich? Liegt es wirklich nur an MiSpeL und den unsicheren Netzentgelten? Oder ist es eher ein Kapital oder Risiko Thema? Wer hier hat konkrete Erfahrung mit Industriespeicher Projekten, also keine Heimspeicher, sondern 500 kWh aufwärts? Vor allem die Netzanschluss Zeiten würden mich interessieren. Stimmen die 18 bis 36 Monate? Oder ist das je nach Netzbetreiber sehr unterschiedlich? Ich höre von Projekten in NRW ganz andere Zahlen als in BaWü.

Falls jemand das Originalvideo vom EU Rat sucht, ist auf der Consilium Website verfügbar. Sein Medium Artikel heißt "My case to the 27 EU energy ministers".

reddit.com
u/PerceptionAsleep2697 — 18 hours ago

Rosenow vor den 27 EU Energieministern: "Europa steht am Scheideweg". Und in Deutschland warten wir auf MiSpeL. Warum tun wir uns so schwer?

Hab letzten Monat zufällig mitbekommen, dass Jan Rosenow (Oxford, Environmental Change Institute) am 20.10. vor dem EU Energierat in Luxemburg gesprochen hat. Eingeladen von der dänischen Präsidentschaft, vor allen 27 Energieministern. Sowas passiert eigentlich nie, dass ein Akademiker da direkt reinkommt.

Hab mir dann seinen Medium Artikel dazu durchgelesen und das Video gesucht. Was er sagt ist nicht radikal neu, aber die Zuspitzung hat es in sich. Vier Punkte, die er den Ministern vor die Füße gelegt hat:

  1. Strompreis Strukturen, die saubere Energie systematisch teurer machen als Gas
  2. Netzanschluss Zeiten von 18 bis 36 Monaten für industrielle Anlagen
  3. Investitionszyklen, die mit jeder neuen Gasanlage die Elektrifizierung um eine Dekade verschieben
  4. Fehlende Fachkräfte

Sein Vergleich war: während wir uns hier mit Pipelineverträgen und LNG Terminals beschäftigen, baut China gerade den ersten Elektrostaat der Welt. Heißt massive Investitionen in Netze, Speicher, E Mobilität, elektrifizierte Industrieprozesse. Wenn wir nicht in den nächsten paar Jahren aufholen, sind wir industriepolitisch raus.

Was mich umtreibt: diese Botschaft kommt nicht von Greenpeace oder irgendwelchen Klima Aktivisten. Das ist ein Oxford Professor, der von der EU eingeladen wird und dem die Energieminister zuhören. Und seine Forderungen sind ja eigentlich nüchtern. Steuerreform, schnellere Netzanschlüsse, Förderung industrieller Speicher. Nichts davon ist ideologisch.

Genau beim letzten Punkt, Speicher, wird es interessant. Rosenow hat den Ministern explizit gesagt "support for industrial storage" als eine der vier Sofortmaßnahmen. Parallel dazu ist in Deutschland gerade die MiSpeL Festlegung der BNetzA in der Konsultation. Die löst genau ein Problem, das den Industriespeicher Markt seit Jahren ausbremst. Bisher durftest du keinen Graustrom in einen geförderten Speicher laden, sonst fiel die Marktprämie weg. Damit war für die Industrie Schluss mit Arbitrage und Multi Use.

Mit MiSpeL und der sogenannten Abgrenzungsoption wird das nach mathematisch eindeutigen Formeln getrennt. Heißt Industriespeicher können künftig wirtschaftlich tragfähig betrieben werden. Eigenverbrauchsoptimierung plus Lastspitzenkappung plus Stromhandel im selben System.

Was mich verwundert: in Deutschland sind aktuell 1,4 GWh Industriespeicher installiert. Zum Vergleich, 20,8 GWh Heimspeicher. Das ist das industriestärkste Land Europas und wir haben weniger Industriespeicher als deutsche Privathaushalte zusammen. Bis 2030 brauchen wir laut Fraunhofer ISE über 100 GWh über alle Segmente hinweg.

Und gleichzeitig liegt der Industriestrompreis bei 27,5 ct/kWh, dreimal so hoch wie in den USA. Die Wirtschaftlichkeit für Industriespeicher ist da. Amortisationszeiten von drei bis vier Jahren sind realistisch (eigene Beobachtung aus Projekten, die ich aus der Branche mitbekomme). Trotzdem zögert die Industrie.

Frage in die Runde: warum eigentlich? Liegt es wirklich nur an MiSpeL und den unsicheren Netzentgelten? Oder ist es eher ein Kapital oder Risiko Thema? Wer hier hat konkrete Erfahrung mit Industriespeicher Projekten, also keine Heimspeicher, sondern 500 kWh aufwärts? Vor allem die Netzanschluss Zeiten würden mich interessieren. Stimmen die 18 bis 36 Monate? Oder ist das je nach Netzbetreiber sehr unterschiedlich? Ich höre von Projekten in NRW ganz andere Zahlen als in BaWü.

Falls jemand das Originalvideo vom EU Rat sucht, ist auf der Consilium Website verfügbar. Sein Medium Artikel heißt "My case to the 27 EU energy ministers".

reddit.com
u/PerceptionAsleep2697 — 18 hours ago

Rosenow vor den 27 EU-Energieministern: "Europa steht am Scheideweg". Hat jemand seinen Vortrag verfolgt?

Hab letzten Monat zufällig mitbekommen, dass Jan Rosenow (Oxford, Environmental Change Institute) am 20.10. vor dem EU Energierat in Luxemburg gesprochen hat. Eingeladen von der dänischen Präsidentschaft, vor allen 27 Energieministern. Sowas passiert eigentlich nie, dass ein Akademiker da direkt reinkommt.

Hab mir dann seinen Medium Artikel dazu durchgelesen und das Video gesucht. Was er sagt ist nicht radikal neu, aber die Zuspitzung hat es in sich. Vier Punkte, die er den Ministern vor die Füße gelegt hat:

  1. Strompreis Strukturen, die saubere Energie systematisch teurer machen als Gas
  2. Netzanschluss Zeiten von 18 bis 36 Monaten für industrielle Anlagen
  3. Investitionszyklen, die mit jeder neuen Gasanlage die Elektrifizierung um eine Dekade verschieben
  4. Fehlende Fachkräfte

Sein Vergleich war: während wir uns hier mit Pipelineverträgen und LNG Terminals beschäftigen, baut China gerade den ersten Elektrostaat der Welt. Heißt massive Investitionen in Netze, Speicher, E Mobilität, elektrifizierte Industrieprozesse. Wenn wir nicht in den nächsten paar Jahren aufholen, sind wir industriepolitisch raus.

Was mich umtreibt: diese Botschaft kommt nicht von Greenpeace oder irgendwelchen Klima Aktivisten. Das ist ein Oxford Professor, der von der EU eingeladen wird und dem die Energieminister zuhören. Und seine Forderungen sind ja eigentlich nüchtern. Steuerreform, schnellere Netzanschlüsse, Förderung industrieller Speicher. Nichts davon ist ideologisch.

Genau beim letzten Punkt, Speicher, wird es interessant. Rosenow hat den Ministern explizit gesagt "support for industrial storage" als eine der vier Sofortmaßnahmen. Parallel dazu ist in Deutschland gerade die MiSpeL Festlegung der BNetzA in der Konsultation. Die löst genau ein Problem, das den Industriespeicher Markt seit Jahren ausbremst. Bisher durftest du keinen Graustrom in einen geförderten Speicher laden, sonst fiel die Marktprämie weg. Damit war für die Industrie Schluss mit Arbitrage und Multi Use.

Mit MiSpeL und der sogenannten Abgrenzungsoption wird das nach mathematisch eindeutigen Formeln getrennt. Heißt Industriespeicher können künftig wirtschaftlich tragfähig betrieben werden. Eigenverbrauchsoptimierung plus Lastspitzenkappung plus Stromhandel im selben System.

Was mich verwundert: in Deutschland sind aktuell 1,4 GWh Industriespeicher installiert. Zum Vergleich, 20,8 GWh Heimspeicher. Das ist das industriestärkste Land Europas und wir haben weniger Industriespeicher als deutsche Privathaushalte zusammen. Bis 2030 brauchen wir laut Fraunhofer ISE über 100 GWh über alle Segmente hinweg.

Und gleichzeitig liegt der Industriestrompreis bei 27,5 ct/kWh, dreimal so hoch wie in den USA. Die Wirtschaftlichkeit für Industriespeicher ist da. Amortisationszeiten von drei bis vier Jahren sind realistisch (eigene Beobachtung aus Projekten, die ich aus der Branche mitbekomme). Trotzdem zögert die Industrie.

Frage in die Runde: warum eigentlich? Liegt es wirklich nur an MiSpeL und den unsicheren Netzentgelten? Oder ist es eher ein Kapital oder Risiko Thema? Wer hier hat konkrete Erfahrung mit Industriespeicher Projekten, also keine Heimspeicher, sondern 500 kWh aufwärts? Vor allem die Netzanschluss Zeiten würden mich interessieren. Stimmen die 18 bis 36 Monate? Oder ist das je nach Netzbetreiber sehr unterschiedlich? Ich höre von Projekten in NRW ganz andere Zahlen als in BaWü.

Falls jemand das Originalvideo vom EU Rat sucht, ist auf der Consilium Website verfügbar. Sein Medium Artikel heißt "My case to the 27 EU energy ministers".

reddit.com
u/PerceptionAsleep2697 — 18 hours ago
▲ 107 r/DeutschePhotovoltaik+1 crossposts

💰 12 Millionen € an einem Wochenende verschenkt. Deutschland hat ein Speicherproblem.

Am 25. und 26. April hat Deutschland das europäische Ausland dafür bezahlt, unseren Strom abzunehmen, mit bis zu 414 € pro MWh. Ganze 14 Stunden lang.

Die bequeme Ausrede lautet oft: „Zu viel Solarstrom am Wochenende.“ Doch das ist falsch. Wir haben kein Erzeugungsproblem.

Während wir am Sonntag Millionen zahlen, um Strom loszuwerden, muss die deutsche Industrie ihn an Werktagen teuer einkaufen. Der Preisunterschied liegt bei über 600 €/MWh innerhalb von nur 48 Stunden.

Die bittere Wahrheit: Diese extremen Kosten lassen sich durch den Ausbau des Speichernetzwerkes vermeiden.

Die 95.659 MWh, die wir am Wochenende teuer exportiert haben, landeten in den Batterieparks unserer Nachbarn. Aus deutschem Negativpreis-Strom wird so direkt ein ausländischer Wettbewerbsvorteil.

https://preview.redd.it/yntzfzbgb22h1.png?width=1090&format=png&auto=webp&s=c76faa5c04220eb67cc942704211aa9552d38562

reddit.com
u/PerceptionAsleep2697 — 3 days ago

Australien halbiert Strompreisschwankungen in zwei Jahren, während sie in Deutschland weiter steigen. Das liegt vor allem an einem Unterschied: Batteriespeicher (wer hätte es gedacht)

https://preview.redd.it/5dsg3sbjya1h1.png?width=1056&format=png&auto=webp&s=b514c5a5e6b48a8218b33efc748488dc9e615cd6

Australien hat in den letzten Jahren massiv in Großspeicher investiert. Über die letzten 24 Monate hat sich die installierte Speicherkapazität dort verdreifacht. Allein im ersten Quartal 2026 sind 4,4 Gigawattstunden neue Kapazität ans Netz gegangen. In einem einzigen Quartal. Der durchschnittliche Tagesspread an der Strombörse ist im selben Zeitraum von 248 auf 121 Australische Dollar pro Megawattstunde gefallen.

Das Ergebnis des Ausbaus sehen wir heute klar in den Marktdaten:
📉 Strompreise schwanken deutlich weniger (-52%)
🔋 Gaskraftwerke werden Schritt für Schritt verdrängt (niedrigsten Stand seit 1999)
🏭 Die Industrie kann wieder verlässlich planen (-87% Hochpreis-Events)

In Deutschland passiert das Gegenteil: 2025 hatten wir 573 Stunden mit negativen Strompreisen. Das ist ein neuer Rekord und +25% gegenüber dem Vorjahr. 2026 setzt sich der Trend fort: Erst letzte Woche, am 1. Mai, fiel der Intraday-Preis kurzzeitig auf minus 855 Euro pro Megawattstunde. Der niedrigste Wert, der jemals im deutschen Stromsystem gemessen wurde.
Wir produzieren immer mehr grünen Strom, mittlerweile über 117 Gigawatt installierte Photovoltaik-Leistung. Und werfen ihn periodisch weg, weil uns die Speicher fehlen, die ihn auffangen könnten.

Diese Volatilität trifft am Ende den Mittelstand. Über Netzentgelte, über Umlagen, über Strompreise, die kaum noch planbar sind. Die gute Nachricht: Die Technologie funktioniert. Den Anfang machte 2017 die Hornsdale Power Reserve in Südaustralien. Eine Studie hat damals gezeigt, dass der Speicher die Kosten zur Stabilisierung des Stromnetzes in der Region um 91 Prozent gesenkt hat. Allein 2019 wurden 116 Millionen Australische Dollar Netzkosten eingespart. Heute zählt der Kontinent zu den dynamischsten Speichermärkten der Welt.

Andere Länder zeigen, dass es geht. Wir sollten anfangen.
#Energiewende #Batteriespeicher #Mittelstand #Voltvera

reddit.com
u/PerceptionAsleep2697 — 7 days ago