Stress & Darm
Hallo zusammen
Ich war letztes Jahr im Sommer zwei Wochen in Afrika in den Ferien. Dort haben meine Darmprobleme angefangen. Alles, was ich tagsüber gegessen habe, kam spätestens am Morgen wieder raus. Glück im Unglück war Durchfall mein einziges Problem.
Nach dieser Reise gingen die Symptome nie ganz weg. Jeden Morgen hatte ich zwei bis drei dünne Stuhlgänge und manchmal zwei Stunden später nochmals einen. Schmerzen oder Krämpfe hatte ich keine. Ich war auch beim Arzt wegen des Verdachts auf eine Infektion oder Parasiten, wurde aber negativ getestet.
Auf jeden Fall lebe ich jetzt schon seit drei Vierteljahren damit und muss sagen, ich hätte so damit leben können, aber es sollte nicht so bleiben. Wenn ich diesen Beitrag schreibe, ist Ende Mai. Ich habe vor zwei Jahren eine neue Arbeitsstelle angefangen und bekam von Anfang an sehr viele Aufgaben zugeteilt. Das meiste musste ich mir auch noch selbst beibringen. Vor einem halben Jahr wurden dann plötzlich vier Kolleginnen schwanger und zusätzlich gab es noch Kündigungen. Dadurch war ich sehr gestresst und angespannt. Ich merkte gar nicht, wie gestresst ich eigentlich war. Ich bin eine Person, die jede Aufgabe gut erledigen möchte und allen helfen will – ausser sich selbst.
Ende März fing es an, dass ich Kreislaufprobleme entwickelte. Ich hatte wie Watte im Kopf, konnte mich nicht konzentrieren und fühlte mich wie in einem Film. Das ging nach einer Woche wieder weg. Ende April spitzte sich die Lage dann zu und die Symptome waren wieder da. Eines Tages bin ich aufgewacht und wusste sofort, dass etwas nicht stimmt. Ich war total erschöpft, hatte Übelkeit, Zittern und war kraftlos – aber natürlich bin ich trotzdem arbeiten gegangen. Naja, ich war zwei Minuten dort und bin direkt wieder gegangen. Danach habe ich so geweint wie noch nie zuvor. Anschliessend beruhigte ich mich wieder, fühlte mich aber einfach nur leer. Deshalb war ich vier Tage zu Hause und habe absolut nichts gemacht. Ich habe es versucht, wurde aber zu erschöpft. Natürlich bin ich danach wieder arbeiten gegangen und die Symptome waren wieder da, aber nie so schlimm, dass ich eingesehen hätte, nach Hause zu gehen. Einmal hatte ich sogar einen richtigen Kreislaufzusammenbruch. Da hatte ich einen Blutdruck von 82/64. Mein Blutdruck war schon immer eher tief, aber nicht so.
Nach zwei Wochen war es dann so weit und meine Reise stand an: vier Wochen Indonesien mit zwei Kolleginnen. Eigentlich perfekt zum Erholen, sollte man meinen. Ich hatte mir schon länger Sorgen gemacht, weil ich körperlich nicht fit war. Ich war inzwischen auch beim Hausarzt wegen der Kreislaufprobleme, aber auch dort wurde nichts gefunden. Bluttests – alles super, und „Gehen Sie in die Ferien“, meinte er nur.
Am Abend vor dem Abflug habe ich kaum geschlafen und konnte am Morgen auch nichts essen. Ich musste wieder extrem weinen und meine Eltern haben mir Mut gemacht. So bin ich dann zwölf Stunden geflogen und konnte weder richtig essen noch schlafen. Im Hotel angekommen habe ich mich ausgeruht und bis am Abend gelesen. Ich war extrem müde und ging früh schlafen. Nach zwei Stunden war ich jedoch wieder hellwach. Meine Kolleginnen kamen von ihrem Ausflug zurück und wir wollten kurz aus dem Hotelzimmer gehen, damit ich mich ablenken kann. Ich konnte es aber nicht. Nach zwei Metern musste ich wieder zurück und bekam eine Panikattacke. Ein Arzt kam vorbei und verabreichte mir eine Beruhigungsspritze. Danach konnte ich immerhin sechs Stunden schlafen.
Die nächsten Tage waren geprägt von Angst, Schlaflosigkeit und fehlendem Appetit. Deshalb habe ich mich entschieden, nach Hause zu fliegen. Nach drei Tagen bin ich alleine zurückgeflogen und es geht mir inzwischen schon viel besser. Trotzdem begleiten mich immer noch Ängste in Situationen mit vielen Menschen, lauten Geräuschen oder engen Räumen.
Ich war danach wieder beim Hausarzt, der die Situation überhaupt nicht verstanden hat und mich fragte, was er denn machen solle. Ich antwortete ihm darauf, dass er mir bitte eine psychiatrische Überweisung ausstellen soll. Zum Glück habe ich auch schnell jemanden gefunden, den ich in wenigen Tagen besuchen darf.
Da ich jetzt noch zwei Wochen Ferien habe, habe ich Folgendes beobachtet:
- Ich habe morgens normalen Stuhlgang, aber bei Anspannung oder Stress bekomme ich plötzlich Durchfall und Krämpfe.
- Mit dem Essen scheint es keinen direkten Zusammenhang zu geben. Ich esse zwar nicht besonders scharf und vermeide viel Laktose, aber grundsätzlich schränke ich mich nicht stark ein. Da ich ja auch normalen Stuhlgang haben kann – egal, was ich esse.
Ich habe auch das Gefühl, dass mich die Angst inzwischen stark begleitet und alles schlimmer macht. Ich habe ständig Gedanken wie: „Was ist, wenn ich Durchfall bekomme?“ oder „Wo ist die nächste Toilette?“
Okay wow, das ist ein sehr langer Text geworden. Aber ich danke euch im Voraus für eure Unterstützung und vielleicht suche ich auf diesem Weg auch einfach etwas Verständnis. Es hat mir auch gutgetan es mal zu Auszuschreiben und bitte Leute überarbeitet euch nicht. Meine Erfahrung wünsche ich keinem, es ist ein stilles Leiden.
(Bitte bedenkt, dass meine Familie und meine Freunde ihr Bestes gegeben haben und ich dafür unglaublich dankbar bin. Sie sind unbezahlbar.)