

Nochmal: Wert?
Hier im Sub wurde neulich die Frage gestellt:
>"Ich habe angefangen Marx zu lesen und fast direkt ein Verständnis Problem. Es gibt ja den Tauschwert und den Gebrauchswert. So weit so gut. Dann wird aber noch der Wert genannt. Also ein dritter Wert. Wie steht dieser in Zusammenhang mit den anderen Werten und der Arbeitskraft? Sorry an alle falls die Frage dumm wirkt ich steh auf dem Schlauch."
Da meine Antwort nicht in einen Kommentar passt, poste ich hier. Es ist nicht ganz rund geworden, weil ich immer wieder was eingefügt hab, aber ich halte es inhaltlich für richtig so - also im doppelten Sinne, dass Marx das so analysiert und es wirklich so ist. Gerne kritisieren, wenn was verkehrt ist. Einwände sind willkommen. 💕
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Kurze Antwort:
Wenn man festhält, dass ein Tisch drei Paar Schuhe wert ist, dann ist "drei paar Schuhe" der Tauschwert des Tisches.
Wenn man fragt, was hier das Gemeinsame von Tisch und Schuhen ist, das sich im Tauschwert darstellt, dann ist die Antwort: Wert.
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Lange Antwort:
In den Vorarbeiten zum "Kapital" hat Marx noch Tauschwert und Wert synonym verwendet. Also in den "Grundrissen" und "Zur Kritik der politischen Ökonomie". Erst im "Kapital" differenziert er da nochmal, allerdings nicht immer konsequent. Auch im Brief an Kugelmann nicht.
Aber ich versuche die Differenzierung zu erläutern:
Vorher aber kurz zum Gebrauchswert:
„Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. (...) Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion. Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des – Tauschwerts.“
Also, in jeder (!) Gesellschaftsform bilden die Gebrauchswerte (Güter, also nützliche Dinge) den stofflichen Inhalt des Reichtums und die Nützlichkeit der Dinge macht sie zu nützlichen Dingen (Tautologie!), also Gebrauchswerten.
Die Gebrauchswerte (Güter) sind normalerweise Resultat von Verarbeitung von Natur(stoffen). Für einen bestimmten Gebrauchswert muss eine bestimmte, konkrete Arbeit stattfinden. Tische aus Bäumen herzustellen, ist was anderes als Schuhe aus Tierhaut herzustellen.
Soweit, so völlig easy. Im Kapitalismus ist das also auch so, nur dass die Gebrauchswerte zugleich stoffliche Träger des Tauschwerts sind.
„Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen, ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Relatives, (...) . Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem verschiedener Qualität, als Tauschwerte können sie nur verschiedener Quantität sein, (...). Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. (...) Diese Dinge stellen nur noch dar, dass in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt (...) ist. Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen gesellschaftlichen Substanz sind sie Werte – Warenwerte. (...) Das Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis oder Tauschwert der Ware darstellt, ist also ihr Wert.“
Den Tauschwert eines Gebrauchswerts (Gebrauchsgegenstand, Gut, nützliches Ding) ist an diesem Gebrauchswert selbst nicht bestimmbar, nicht zu finden. Man kann einen Tisch drehen und wenden wie man will, aber wird niemals seinen Tauschwert herausbekommen.
Wenn man den Gebrauchswert Tisch untersucht, findet man nur Gebrauchswert-Qualitäten. Man kann an ihm sitzen, sein Bier draufstellen, Essen anrichten, ein Brettspiel spielen, er ist aus Holz, hat eine bestimmte Höhe, usw. Man findet nur physikalische, chemische, technische, etc. Eigenschaften, die ihn nützlich machen und kann seine Nützlichkeit beurteilen. Aber Nützlichkeit ist kein Tauschwert. Wenn ich alleine auf einer einsamen Insel hocke, ist mein Tisch nützlich, aber hat keinen Tauschwert, weil er nicht getauscht wird. Es wäre auch unsinnig zu sagen, der Tisch sei nützlicher als meine Schuhe. Zum Schutz meiner Füße ist der Tisch gar nicht nützlich und als Tisch taugen die Schuhe nicht.
Den Tauschwert kann man nur in anderem Gebrauchswert in bestimmter Menge ausdrücken, gegen den er sich tauschen lässt, also beispielsweise 1 Tisch = 3 Paar Schuhe.
Der Tauschwert von einem Tisch ist also drei Paar Schuhe. Der Tisch ist drei Paar Schuhe wert.
Nur, was sind diese drei Paar Schuhe?
Oder: Was ist das Gemeinsame von Tisch und Schuhen?
Das ist der Wert.
Wie gesagt: Was den Gebrauchswert Tisch ausmacht, hat der Schuh nicht und umgekehrt. Wie die VWL zu sagen, dass der Tisch genauso nützlich sei wie drei Paar Schuhe ist unsinnig. Für das Bedürfnis, das ein Tisch befriedigt, sind hundert Schuhe nicht nützlich.
Also was drückt der Tauschwert des Tisches ("drei Paar Schuhe", "zwei Stühle", "ein Regal", usw.) aus? Eine Proportionalität im Tausch, das ist klar - nur warum und wie?
In einer warenproduzierenden Gesellschaftsform werden Gebrauchswerte produziert, um sie zu veräußern, zu tauschen und so werden die Privatprodukte (die Privateigentum sind) vergesellschaftet (zum Privateigentum andrer).
Das ist eine Art gesamtgesellschaftlicher Arbeitsteilung: Einer fängt Fische, der nächste baut Tische, ein anderer Schuhe, usw. und dann werden Fische gegen Tische und Tische gegen Schuhe ausgetauscht (Marx abstrahiert hier noch von Geld, Kapital, Lohnarbeit, Kredit, usw.).
Was da im Tausch gleichgesetzt wird, sind Resultate unterschiedlicher und voneinander unabhängiger privater Teilarbeiten der gesellschaftlichen Gesamtarbeit.
In dieser Gleichsetzung wird von ihrem Gebrauchswert 'realabstrahiert', also wirklich praktisch abgesehen von all ihren Besonderheiten. Es ist gleichgültig, ob ich den Tauschwert des Tisches in Schuhen, Stühlen, Brot oder sonstwas ausdrücke. Sie zählen nur als Resultate von Arbeit, also Produziertes. Das war mit diesem Zitat oben gemeint:
>"Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. (...) Diese Dinge stellen nur noch dar, dass in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt (...) ist."
Vom konkreten nützlichen Charakter der individuellen nützlichen Privatarbeiten wird im Tausch abstrahiert, deshalb nennt Marx das "abstrakte Arbeit", sie werden also reduziert auf allgemein menschliche Arbeit überhaupt - auf einen Anteil des gesellschaftlichen Gesamtaufwandes. Das ist die Wertsubstanz. Marx schreibt von gemeinschaftlich gesellschaftlicher Substanz. Dazu, dass die Wertsubstanz "gesellschaftlich" ist, wurde ja schon grob was gesagt. "Gemeinschaftlich" meint hier, dass sie nur in der Beziehung aller Waren zueinander Wert besitzt.
Wert ist dementsprechend nicht etwas, das eine Ware isoliert "haben" kann, sondern kommt den Waren als Mitgliedern der Gemeinschaft aller Waren zu, als Teil der Warenwelt.
Dazu nochmal das Zitat von oben:
>"Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen gesellschaftlichen Substanz sind sie Werte – Warenwerte. (...) Das Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis oder Tauschwert der Ware darstellt, ist also ihr Wert.“
Die Wertgröße eines Gebrauchswerts bestimmt sich nach der Arbeit, die drin steckt, also die insgesamt für ihn verausgabt wird, also bemisst sie sich nach der Arbeitszeit (viel oder wenig Arbeit), aber nicht als die Arbeitszeit, die der einzelne Privatproduzent benötigt hat, sondern eben - das sollte nun klargeworden sein - wie viel der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit für diese Sorte Gebrauchswert notwendig ist und dass (und wie viel) es überhaupt eine Nachfrage danach gibt.
Da im verallgemeinerten Tausch alle individuellen Teilarbeitszeiten vergesellschaftet in diese gesellschaftliche Gesamtarbeitszeit eingehen und gleichgesetzt werden, messen sich die konkurrierenden Produzenten der gleichen Ware aneinander, im praktischen Vergleich, sodass insgesamt ein Durchschnitt gebildet wird. Wer länger braucht als der Durchschnitt, hat Pech gehabt und wer schneller ist, ist im Vorteil. Wenn viele produktiver werden, verschiebt das den Durchschnitt entsprechend nach unten. Aber nochmal: Jeder einzelne Warenproduzent bildet den Durchschnitt mit.
Wie viel der Warenproduzent also für seine Ware eintauschen kann, hängt davon ab, wie viel Arbeitszeit gesellschaftlich durchschnittlich notwendig ist, um diese Ware mit Durchschnitts-Arbeitskraft und in normaler Qualität zu (re)produzieren, im Umfang, der "nachgefragt" wird.
In jeder Gesellschaftsform müssen insgesamt irgendwie die verschiedenen konkreten Arbeiten proportional zu den Bedürfnissen passen. Selbst eine mesolithische Wildbeutergemeinschaft hatte gemeinsam eine Vielzahl an konkreten Arbeiten zu verrichten. Da mussten Pfeile gebaut werden und für diese musste Birkenpech gewonnen und Federn und Feuerstein gesammelt und bearbeitet werden, sowie aus Bäumen die Schäfte hergestellt werden. Man kann nicht jeden Tag bloß Birkenpech herstellen, man muss auch Federn sammeln, usw. Und man kann auch nicht alle Arbeitszeit oder zu viel für Pfeilproduktion aufwenden, man muss auch Bögen bauen und mit beidem Jagen gehen.
Was für so einen Stamm einfach eine Sache von erfahrungsbasiert-bewusster Planung ist, ist bei einer gesamtgesellschaftlichen Arbeitsteilung von dezentral, voneinander unabhängig produzierenden, "spezialisierten" privaten Warenproduzenten eben anders. Die wissen eben nicht, was wovon und wie viel produziert werden muss. Die planen auch, aber eben ihre Produktion. Irgendein Gesamtplan der Gesellschaft existiert nicht.
>"Und die Form, worin sich diese proportionelle Verteilung der Arbeit durchsetzt in einem Gesellschaftszustand, worin der Zusammenhang der gesellschaftlichen Arbeit sich als Privataustausch der individuellen Arbeitsprodukte geltendmacht, ist eben der Tauschwert der Produkte."
Das Wertgesetz, das die gesellschaftliche Arbeitsteilung koordiniert, die Arbeitszeit den Bedürfnissen entsprechend proportional verteilt, wirkt "hinter dem Rücken" der Privatproduzenten, „ohne den Beteiligten zum Bewusstsein zu kommen“.
Hier lobt die VWL, die das Wertgesetz bestreitet, mit ihm gern "Preismechanismus und Markt", also das, was Marx in der Werttheorie als Kritik formulierte, als Irrationalität und "Verrücktheit", wird zum Lob. Wie? Dass der Privataustausch von Gebrauchswerten den Tauschenden Gebrauchswerte verschafft, halten sie - "interessiert" am Lob - für einen Beleg, dass die Warenproduktion ein einziger Dienst am Bedürfnis sei. Selbst unter Abstraktion von Geld und Kapital lässt sich aber schon erkennen, dass das Bedürfnis der Anderen auszunutzendes Mittel (!) ist, das eigene zu befriedigen und gar nichts zählt, solange es dafür nicht taugt - also auch nicht für es produziert wird. Jeder hängt mit seiner Bedürfnisbefriedigung - also existenziell - davon ab, ob er Bedürfnisse anderer für sich ausnutzen kann. Und ob das gelingt, kann er weder wissen noch entscheiden. Marx spricht hier vom "Verhältnis", das zum drohenden "Verhängnis" wird, denn die Beteiligten machen (alle zusammen) dieses Verhältnis, aber beherrschen es nicht, sondern werden von ihm beherrscht. Sie sind von den Sachen beherrscht, die sie produzieren: Warenfetisch. Dies scheint ihnen ganz natürlich (falsches Bewusstsein).
Der Reichtum - so viel lässt sich hier schon sagen - ist im Kapitalismus also nicht in Gütern bemessen, sondern in der Zugriffsmacht auf sie bzw. in der Verfügungsmacht über sie, die durch den gesamtgesellschaftlichen Aufwand ihrer Produktion bestimmt ist. Vernünftig ist das nicht. Vernünftigerweise gilt der Güterreichtum als gesellschaftlicher Reichtum und sein Maß bzw. das Weniger an Aufwand (Freizeit), um diesen herzustellen. Im Kapitalismus umgekehrt.
Die Werttheorie beweist weiterhin die Notwendigkeit des Geldes - der allgemeinen Verfügungsmacht über den Güterreichtum (abstrakter Reichtum). Der Wert braucht eine eigenständige Form, emanzipiert von den Gebrauchswerten, sodass sich der innere Widerspruch der Ware (Einheit des Gegensatzes von Gebrauchswert und Tauschwert) auflösen muss in den äußeren Widerspruch von Ware und Geld - und dieser wiederum in Kapital und Lohnarbeit (Mehrwerttheorie).
Es gibt keine Lohn-Preis-Spirale
Es gibt keine Lohn-Preis-Spirale
Diskussionen unter der Überschrift „gestiegene Lebenshaltungskosten” drehen sich um die Belastungen von Lohnabhängigen, deren Gehälter nicht mit der Inflation Schritt halten. Nun könnte mensch denken, dass der Lebensunterhalt der Lohnabhängigen als Sorgegegenstand gesehen wird, wenn die Inflation hoch ist. Tatsächlich trifft das Gegenteil zu: Kommentator*innen warnen vor einer Lohn-Preis-Spirale, bei der höhere Löhne zu weiterer Inflation führen und deswegen am besten vermieden werden müssen...
https://gegen-kapital-und-nation.org/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale/
Peter Decker über Rosa Luxemburgs Imperialismustheorie: Imperialismus ist kein Notbehelf für wachstumsunfähiges Kapital
contradictio.deRosa Luxemburg 1911 über Antimilitarismus
Was haltet ihr von Luxemburgs Text aus 1911?
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Voranmerkung: Luxemburg spricht hier von Sozialdemokratie und meint natürlich die SPD von 1911, zu der sie gehörte.
Damals hatte die SPD noch nicht ganz die Nationalisierung und Spaltung durchgemacht, die dann im Ersten Weltkrieg ab 1914 erfolgte. Der linke Flügel der SPD war 1911 noch marxistisch bzw. kommunistisch. Die Spaltung in MSPD und USPD (und KPD) stand erst noch bevor:
Die Bewilligung von Kriegskrediten für den Ersten Weltkrieg [Burgfrieden] hatte schon 1914 innerhalb der SPD zu großen Auseinandersetzungen geführt. Der linke Flügel der SPD lehnte dann eine erneute Zustimmung für Kriegskredite entschieden ab.
Nachdem im Dezember 1915 mehrere SPD-Abgeordnete im Reichstag gegen weitere Kredite gestimmt hatten, wurden diese am 24. März 1916 aus der SPD-Reichstagsfraktion ausgeschlossen.
Sie setzten ihre politische Arbeit in der Fraktionsgemeinschaft SAG fort. Am 18. Januar 1917 schloss der SPD-Vorstand diese aus der Partei aus.
Auf einer Oppositionskonferenz vom 6. bis zum 8. April 1917 in Gotha ging aus dieser Abspaltung die Gründung der USPD hervor. Seitdem wurden ihre Gegner als MSPD bezeichnet.
Rosa Luxemburg gründete lange zuvor die "Gruppe Internationale", eine entschlossen antimilitaristische kommunistische Gruppe innerhalb der SPD, die sich ab 1916 „Spartakusgruppe“ nannte und sich 1917 der von der SPD abgespaltenen Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) als linker Flügel anschloss.
In der Novemberrevolution 1918 gründete sich der Bund neu als deutschlandweite, parteiunabhängige Organisation mit dem Namen „Spartakusbund“ und dem Ziel einer gesamtdeutschen Räterepublik.
Am 1. Januar 1919 ging er in der neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) auf. Ihr Ziel war die Errichtung des Kommunismus in Deutschland. Der im Zeichen linksradikaler Strömungen stehende Gründungsparteitag vom 30. Dezember 1918 bis zum 1. Januar 1919 lehnte die Beteiligung der Partei an den Wahlen zur deutschen Nationalversammlung ab.
Nach dem Januaraufstand 1919 ermordeten Regierungstruppen die KPD-Führer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg und kurz darauf das Gründungsmitglied Leo Jogiches.
Im Dezember 1920 schloss sich die KPD mit der linken Mehrheit der USPD zusammen und nahm vorübergehend den Namen Vereinigte KPD an. Die KPD verstand sich von Anfang an als revolutionäre Alternative zur SPD und versuchte während der Weimarer Republik, auf sozialistische Produktionsverhältnisse und eine Diktatur des Proletariats nach dem Vorbild der Sowjetunion hinzuwirken.
1911 war also "Sozialdemokratie", "Sozialismus" und "Kommunismus" ziemlich synonym.
Ok, und nun zum Text:
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Der Marxismus und der Antimilitarismus bürgerlicher Friedensfreunde
"Die Beantwortung dieser Frage hängt ganz davon ab, welche Seite man in unsrer Stellung zum Militarismus als die wichtigste und ausschlaggebende betrachtet. Würde der Standpunkt der Sozialdemokratie sich darin erschöpfen, der Welt bei jeder Gelegenheit vorzudemonstrieren, das unsre Partei eine unbedingte Anhängerin des Friedens und glühende Gegnerin militärischer Rüstungen ist, während die Regierung die Schuld an dem militärischen Wettrüsten trägt, dann könnten wir mit unsrer Leistung bei der jüngsten Reichstagsdebatte vollauf zufrieden sein. Allein das wäre kaum ein genügendes Resultat der großen und wichtigen Aktion.
Unsre Aufgabe besteht nicht bloß darin, die Friedensliebe der Sozialdemokratie jederzeit kräftig zu demonstrieren, sondern in erster Linie darin, die Volksmassen über das Wesen des Militarismus aufzuklären und den prinzipiellen Unterschied zwischen der Stellung der Sozialdemokratie und derjenigen der bürgerlichen Friedensschwärmer scharf und klar herauszuheben.
Worin besteht aber dieser Unterschied? Gewiß nicht darin allein, das die bürgerlichen Friedensapostel auf die Einwirkung schöner Worte lauern, während wir uns auf Worte allein nicht verlassen. Unser ganzer Ausgangspunkt ist ein diametral entgegengesetzter:
Die Friedensfreunde aus bürgerlichen Kreisen glauben, das sich Weltfriede und Abrüstung im Rahmen der heutigen Gesellschaftsordnung verwirklichen lassen, wir aber (...) sind der Überzeugung, das der Militarismus erst mit dem kapitalistischen Klassenstaate zusammen aus der Welt geschafft werden kann.
Daraus ergibt sich auch die entgegengesetzte Taktik bei der Propagierung der Friedensidee. Die bürgerlichen Friedensfreunde sind bemüht – und das ist von ihrem Standpunkte ganz logisch und erklärlich –, allerlei „praktische“ Projekte zur allmählichen Eindämmung des Militarismus zu ersinnen, sowie sie naturgemäß geneigt sind, jedes äußere scheinbare Anzeichen einer Tendenz zum Frieden für bare Münze zu nehmen, jede Äußerung der herrschenden Diplomatie nach dieser Richtung beim Wort zu fassen und zum Ausgangspunkt einer ernsten Aktion aufzubauschen.
Die Sozialdemokratie kann umgekehrt hier, wie in allen Stücken der sozialen Kritik, ihren Beruf nur darin erblicken, die bürgerlichen Anläufe zur Eindämmung des Militarismus als jämmerliche Halbheiten, die Äußerungen in diesem Sinne, namentlich aus Regierungskreisen, als diplomatisches Schattenspiel zu entlarven und dem bürgerlichen Wort und Schein die rücksichtslose Analyse der kapitalistischen Wirklichkeit entgegenzustellen."
Rosa Luxemburg
Islamismus und dschihadistischer Terrorismus - gute Artikel rund ums Thema
Der islamische Fundamentalismus (1995)
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/islamischer-fundamentalismus
Amerikas Feinde (2001)
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Ein Anschlag verändert die Welt – oder doch nicht? (2001)
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Der amerikanische Anti-Terror-Krieg an der Heimatfront (2003)
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Terroranschläge in Madrid (2004)
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Umsturz von oben beim saudi-arabischen Vasallen (2005)
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34-Tage-Krieg im Libanon (2006)
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/israels-libanon-krieg
Weltmarkt und Weltmacht: Von der globalisierten Zivilgesellschaft und ihrer antiterroristischen Kriegskultur (2006)
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Viel Lärm um ein paar Zeichnungen zum Thema ‚Mohammed‘ und ein
Kreuzzug für die Meinungsfreiheit (2006)
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/mohammed-karikaturen-vs-meinungsfreiheit
Der Bruch zwischen Hamas und Fatah (2007)
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/hamas-gegen-fatah
Antiterroristische Landeskunde, diesmal: Jemen (2010)
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Wieder viel Lärm um eine Schmähung des Heiligen Propheten (2012)
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/wieder-viel-laerm-schmaehung-heiligen-propheten
Ägypten: Der Kampf zwischen religiösen Sanierern und militärisch-säkularen Bewahrern eines unhaltbar gewordenen Staatsprojektes (2013)
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Die Bundesrepublik Nigeria (2014)
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Luftschläge und eine neue Allianz-Politik der USA gegen den Heiligen Krieg des Islamischen Staates (2014)
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Anschläge in Paris (Charlie Hebdo) (2015)
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Wie sich der islamistische Krieg gegen die Kultur die Antwort der abendländischen Kultur des Krieges verdient (2015)
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/frevel-mossul
Der Staat des Islamischen Kalifats (IS) (2016)
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Prävention gegen islamistische Radikalisierung von Jugendlichen (2016)
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/praevention-gegen-islamistische-radikalisierung-jugendlichen
Israel 2019 - Imperialistische Musterdemokratie in zionistischer Mission (2019)
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/israel-2019
Putsch in Niger (2024)
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„Al-Aqsa-Flut“ und „Eiserne Schwerter“ (2024)
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/al-aqsa-flut-eiserne-schwerter-zwischenbilanz
Kriegsgegner Islamische Republik (2026)
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/kriegsgegner-islamische-republik
Resolution der Kommunarden
Gedichte aus der Geschichte der Arbeiterbewegung:
Die „Resolution der Kommunarden“ ist ein bekanntes Gedicht von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1934, das sich auf die Pariser Kommune von 1871 bezieht.
Gemeinsam mit der Vertonung durch Hanns Eisler fand das Stück Eingang in den Liedschatz der Arbeiterbewegung und wird bis heute von zahlreichen Künstlern interpretiert – wie etwa als Punk-Version von der Band Dritte Wahl oder als historisches Arbeiterlied durch Gruppen wie Die Grenzgänger.
Text von Bertolt Brecht:
In Erwägung unsrer Schwäche machtet
Ihr Gesetze, die uns knechten solln.
Die Gesetze seien künftig nicht beachtet
In Erwägung, daß wir nicht mehr Knecht sein wolln.
In Erwägung, daß ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.
In Erwägung, daß wir hungrig bleiben
Wenn wir dulden, daß ihr uns bestehlt
Wollen wir mal feststelln, daß nur Fensterscheiben
Uns vom guten Brote trennen, das uns fehlt.
In Erwägung, daß ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.
In Erwägung, daß da Häuser stehen
Während ihr uns ohne Bleibe laßt
Haben wir beschlossen, jetzt dort einzuziehen
Weil es uns in unsern Löchern nicht mehr paßt.
In Erwägung, daß ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.
In Erwägung: es gibt zuviel Kohlen
Während es uns ohne Kohlen friert
Haben wir beschlossen, sie uns jetzt zu holen
In Erwägung, daß es uns dann warm sein wird.
In Erwägung, daß ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.
In Erwägung: es will euch nicht glücken
Uns zu schaffen einen guten Lohn
Übernehmen wir jetzt selber die Fabriken
In Erwägung: ohne euch reicht's für uns schon.
In Erwägung, daß ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.
In Erwägung, daß wir der Regierung
Was sie immer auch verspricht, nicht traun
Haben wir beschlossen, unter eigner Führung
Uns nunmehr ein gutes Leben aufzubaun.
In Erwägung: ihr hört auf Kanonen -
Andre Sprache könnt ihr nicht verstehn -
Müssen wir dann eben, ja, das wird sich lohnen
Die Kanonen auf euch drehn!
(Der Post dient nur Bildungszwecken und soll natürlich kein Aufruf zu illegaler Gewalt oder Märtyrertum sein.)
Vortrag und Diskussion in Wien zum Buch "Arbeit und Reichtum"
Hat zwar schon angefangen, aber scheint eine Reihe zu sein. Vielleicht kann man da ja noch einsteigen? Ansonsten: Lese-Empfehlung fürs Buch!
9-2-5
9 bis 5
Aus dem Bett wälzen
Und ich stolpere in die Küche
Gieße mir eine Tasse Motivation ein
Und gähne und strecke mich
Und versuche, zum Leben zu erwachen
Springe unter die Dusche
Und das Blut beginnt langsam zu pumpen
Draußen auf der Straße
Der Verkehr fängt an zu rasen
Leute wie ich, die von 9 bis 5 arbeiten
Arbeiten von 9 bis 5 Uhr
Was für eine Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen
Man kommt gerade so über die Runden
Es ist immer nur ein Nehmen und nie ein Geben
Sie benutzen deinen Verstand
Und es wird dir nicht gedankt
Es ist genug, um dich verrückt zu machen
Wenn du es zulässt
9 bis 5, für Dienst und Hingabe
Du würdest denken, dass ich
Eine Beförderung verdiene
Ich möchte weiterkommen
Aber der Chef scheint mich nicht zu lassen
Ich schwöre, manchmal ist dieser Mann hinter mir her
Sie lassen dich träumen
Nur um sie zerplatzen zu sehen
Du bist nur eine Stufe
Auf der Leiter deines Chefs
Aber du hast Träume
Er wird sie dir nie nehmen
Du sitzt im selben Boot
Mit vielen deiner Freunde
Wartest auf den Tag, an dem dein Schiff anlegt
Und die Gezeiten sich endlich wenden
Und alles würde sich zu deinen Gunsten ändern
Arbeite von 9 bis 5
Was für eine Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen
Gerade so über die Runden zu kommen
Es ist immer nur ein Nehmen und nie ein Geben
Sie benutzen deinen Verstand
Und es wird dir nicht gedankt
Es ist genug, um dich verrückt zu machen
Wenn du es zulässt
9 bis 5, ja
Sie haben dich genau da, wo sie dich haben wollen
Es gibt ein besseres Leben
Und du denkst darüber nach, nicht wahr?
Es ist ein Spiel für reiche Männer
Egal, wie sie es nennen
Und du verbringst dein Leben damit
Geld in deren Brieftasche zu stecken
9 bis 5, whoa
Was für eine Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen
Kaum über die Runden zu kommen
Es ist immer nur ein Nehmen und nie ein Geben
Sie benutzen deinen Verstand
Und es wird dir nicht gedankt
Es ist genug, um dich verrückt zu machen
Wenn du es zulässt
9 bis 5, ja
Sie haben dich da, wo sie dich haben wollen
Es gibt ein besseres Leben
Und du träumst davon, stimmt's?
Es ist ein Spiel für reiche Männer
Egal, wie sie es nennen
Und du verbringst dein Leben damit
Deinem Chef die Taschen zu füllen
Arbeiten von 9 bis 5
Zitat der Woche
"Allerdings muß der kleine Mensch - und ebenso der große -, der sich unbedingt als Sieger behaupten und darüber den besonderen Wert seiner Person unterstreichen will, dieses Motiv erst einmal bei sich ausgebildet, den Komplex an darin enthaltenen falschen Urteilen akzeptiert und zur Gewohnheit gemacht haben.
Er muß bis zum Rand abgefüllt sein mit falschen Urteilen über die Welt, in der er lebt, seine eigene Stellung in ihr, über ihre Macher und Mitmacher, deren aufgegangene oder nicht aufgegangene Zwecke, also über Erfolg und Mißerfolg.
Es muß ihm völlig geläufig sein, erstens jedes Urteil über die eigene Person ganz von dem Vergleich mit anderen abhängig zu machen; dabei zweitens die Frage der eigenen Befindlichkeit ganz in die Anerkennung zu verlagern, die man von anderen erfährt; und schließlich drittens das Leben über weite Strecken ganz danach auszurichten, daß man sich als anerkennungswürdiges Individuum präsentiert.
Diese falschen Urteile folgen einer eigenen Logik, die es nachzuzeichnen, also zu kritisieren gilt.
Der Grad ihrer Durchsetzung verweist darauf, daß sie keineswegs zufällig ist, sondern sich einer interessierten, auf das Einrichten in Verhältnissen, wie sie jeder kapitalistischen Gesellschaft eigen sind, zielenden Auseinandersetzung verdankt.
Das bürgerliche Subjekt relativiert auf diese Weise im Geiste und mit den daraus folgenden praktischen Taten seinen Willen an den gesellschaftlich vorgefundenen Hindernissen, die seinen Interessen im Wege stehen. Es deutet alle Schwierigkeiten fehl und leitet konsequent falsche Schlußfolgerungen ab, die an den Schranken, die seinem Interesse entgegenstehen, nichts ändern, also - das läßt sich vorweg sagen - als Anpassungsleistungen erwünscht sind."
In: Freerk Huisken (1996): Jugendgewalt.