Lüge
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Rote Abendsonne und eine leichte Briese.
Doch deine Augen haften allein auf dem kleinen Stand geradeaus. Geraume Zeit ist vergangen, bevor du dich hier wiederfandest. Der süß duftende Grund ist dir nun so nah wie noch nie.
Ihre Farbe zieht jeden heran, der es wagt nur lang genug hinzusehen. Ein dunkles Blau umhüllt die Oberfläche in leicht mattem Ton. Gerade undurchsichtig genug für einen Vorgeschmack auf die nächste purpurfarbene Schicht. Gut geschützt mit der dicken reichhaltigen Haut, spielt sie dir einen Blick auf das Innere vor.
Doch jeder weiß, so ein Äußeres einer Pflaume ist ganz anders, als was sich dahinter verbirgt. Du kennst diese Frucht und weißt, um das wartende orangene Fruchtfleisch. In Erinnerung, fühlst du deine Zähne, mit Rückständen von Schale und Fleisch, auf den Kern stoßen. Löchrig und rau, gerät er in Vergessenheit bei dem Gedanken an das bevorstehende zartbitter-süße Erlebnis.
Den ganzen Weg besetzt nichts anderes deinen Verstand als die Pflaume, sicher in deiner Hand. Dein Herz schlägt schneller, das Rauschen in deinen Ohren plötzlich bemerkbar, kurz bevor sich dein Mund öffnet.
Diese Frucht ist ganz besonders. Sie hat dich ausgesucht. Du schließt die Augen, beißt ab. Dein Körper entspannt und dein Mund erfüllt mit dem lieblichen Geschmack -
von Erde? Ja Erde. Weiche Krümel auf der Zunge. So schmierig scharf. Reizt deinen Körper und bringt dich zum Husten. Du hustest und würgst und spuckst, doch es haftet noch immer. Du kannst es nicht fassen. Verdorben. Überall kleine Haare, in weiß und grau.
Schimmel! Endlich findest du ein Wort für deinen Betrug. Die Erkenntnis trifft dich wie Porzellan auf Beton. Nicht schlimm denkt man sich jetzt. Passiert eben, denkst du dir nicht. Nein. Angelockt hat sie dich, angelogen hat sie dich. Versprach dir den Regenbogen doch brach nie die Wolken. Listiges Biest, hinterging dich. Verschimmelte längst von innen. Verdarb still und leise hinter einer Schale so glatt.