Bis noch der Krieg beginnt
Hallo Reddit, ich hab- vor dem Hintergrund alltäglicher Situationen- dieses Gedicht verfasst. Ich würde mich mal über ein Feedback freuen!
Ich hab mit meinem Onkel erst vor Kurzem diskutiert,
dass Ausländer auch Menschen sind und Klimawandel existiert,
dass Frauen nachts nicht voller Angst nach Hause gehen sollten,
dass jeder lieben darf, wie er es mag
und dass es den linken Adolf Hitler in Wirklichkeit nie gab
Doch selbst jedes noch so gute Argument, jeder nicht widerlegbare Beweis
entfernte uns nur voneinander und wir drehten uns im Kreis.
Ich packte harte Fakten aus, unsere Stimmen wurden kalt,
dann kam von ihm nur noch “linke Zecke” und Bereitschaft zur Gewalt.
In seinem Kopf stand er da wohl mit dem Rücken an der Wand
und ich stand vor ihm, bedrohlich mit Gewehr in meiner Hand
kein Wunder also, dass er den Abzug vor mir zieht
dabei war ich nie sein Feind, nur jemand, der es anders sieht.
Danach sprach ich mit 'ner Freundin, sie meinte, ich sei keinen Stück besser,
denn ich selbst wär auch nichts weiter als ein heuchlerischer Leichenfresser,
brutal ermordet in KZ- artigen Fleischfabriken,
mit für jedes Lebewesen unwürdigsten Methodiken.
Mein Auto verbraucht Diesel, das ist auch doppelmoralalisch
und das Gefühl von Überlegenheit stünde mir nicht zu, ich lebe selbst patriarchalisch
denn Frauenrechte nur zuzulassen bedeutet lang nicht feministisch
und schon der Gedanke, dass der Ausländer an der Kasse ein Messer zückt ist schon krass rassistisch
Ich wurde richtig wütend, weil ich es übertrieben fand
ich kann schließlich nicht alles ändern in diesem gottverlassnen Land
Mein Verzicht auf Fleisch ändert doch nie dieses kranke System,
und Bus und Bahn statt Auto fahr'n löst kein globales Co2- Problem
In meinem Kopf stand ich da wohl mit dem Rücken an der Wand
und sie stand vor ihm, mit bedrohlichem Gewehr in ihrer Hand
ich hatte Angst, dass sie den Abzug vor mir zieht,
dabei war sie nie mein Feind, nur jemand, der es anders sieht.
Alle schauen auf den Horizont, wo der Donner langsam näher zieht.
Sie fürchten, was vielleicht noch kommt, doch keiner sieht, was längst geschieht.
Denn Krieg beginnt nicht erst im Feuer, nicht dort, wo Häuser untergehn.
Er wächst leise zwischen Menschen, die verlernt haben, den Mensch zu sehn.
Sollte es wirklich so weiter gehen, müssen Menschen vielleicht wirklich wieder Waffen tragen,
sollte ich dann auch in den Krieg ziehen müssen dann würde ich mich fragen:
Wie schießt man auf Erinnerungen, wie zielt man auf ein Lachen- ich habs ja nie gekannt
Wie könne ich ganze Welten löschen, mit nur einem Finger an der Hand.
Und wenn man mich auch dafür begraben muss
ich bleibe fester Überzeugung: Menschen sind mehr als ihre Meinung
und Gewalt gibts schon im Überfluss