mittag
ein fenster atmet schindelwald
es kippt den blick zum
hof
der sonne
auf dem spielplatz fängt
ein kind ein lachen
und schleudert es
dem fenster
ins gesicht
ein fenster atmet schindelwald
es kippt den blick zum
hof
der sonne
auf dem spielplatz fängt
ein kind ein lachen
und schleudert es
dem fenster
ins gesicht
Ein Taktstock zeigt - und plötzlich lebt ein Ton,
der seinen Atem in den Saal ergießt,
sich dann zu einem Bogen spannt und schon
in einen neuen Körper überfließt -
dort wird er Feuer, wächst und lodert weiter
und tanzt im Funkenflug auf seiner Leiter -
er findet zwei, dann drei und vier Begleiter -
mal schnell, mal langsam, traurig oder heiter -
ein Winden, Wähnen, Wenden, Wiederholen -
Flüstern, Fluchen - auf zu Kapriolen! -
Suchen, Finden - und Zusammensingen -
Ringen - Schwingen - Sieg - Verlust - ein Klingen,
das steht und fleht und nachhallt und vergeht -
und plötzlich anders von den Rängen weht.
das ringlicht
leuchtet dich aus
und du machst
leeres futter
für die meute
als appetizer
dein gestellter blick
dahinter angetrieben
ausgebrannt
tausenden schmeckt
es
denken sie und
scrollen
weiter
Anlehnung an „Die Beständigkeit der Erinnerung“ (Salvador Dalí, 1931)
^(An mich)
Und wähnst Du Dich in ungetrübten Stunden,
bedenke, dass Dein Fühlen stets mäandert
und dass der Zeiger Deiner Tagesrunden
auf zahlenlosen Ziffernblättern wandert,
die sich, ganz anders als auf Uhrenwerken,
verwinden, überlagern und verzahnen.
Du kannst Dir seine wirre Spur nicht merken
und seine Wanderwege nicht erahnen,
schon gar nicht wenn er ohne Klarheit gleitet.
Doch folgst Du seinem unbestimmten Wandeln,
entdeckst Du einen Pfad, den er beschreitet
und siehst Beständigkeit in seinem Handeln:
Er zeigt was war, dann bleibt er staunend stehen -
und findet sich sofort im Weitergehen.
abend tropft
als kerzenwachs
des abgebrannten
tags
auf straßen
schmilzt asphalt
zu trägem fluss
und
wachsgaleeren
hissen ihre segel
ich kenne diesen wind, der mich entstellt,
weil er den cool geglaubten look zerzaust -
den wind, der lachend durch die flure saust
und smileys auf papyrusrollen paust,
der türen zuschlägt und ins offen stößt
und wie es ihm beliebt mein selbst entblößt;
der jedes schöngedacht im mund verdreht,
beständig wächst und wieder neu entsteht.
vielleicht hörst du ihn auch, wenn du dich traust,
um ecken und durch kirchenfenster schaust,
dir wege für ein weiterkommen baust -
dich aus dem harren in ein streifen löst,
mir trotzdem nicht in unschärfe vergehst.
im rauschen windet sich, was wirklich fleht,
was längst im schweigen zwischen worten steht,
und stürmt es wieder, wackelt meine welt.
Zerstäubte Blässe zieht aus Waldestiefen
und kriecht auf graue Hänge, die im Sinken
kein Halten finden. Sie verschwinden, wo
Maronenbäume Morgenröte trinken.
Die Vögel, die in ihren Kronen schliefen,
erwachen: ein Gesang aus tausend Wipfeln
schwillt an und hallt von kargen Felsen wider.
Ein Adler schweigt und zeigt die Flügel so,
als prüfe er sein schwarzes Prachtgefieder -
dann schießt er hoch zu kühlen Bergesgipfeln.
müde finger tasten flieder, streifen
blüten – wie sie atemlos zerfließen.
kelche, die ihr letztes blau ergießen,
hängen. hände werden nichts ergreifen -
kein entkerntes obst und keine reifen
späterblühten, die aus augen sprießen;
weiße äpfel, die sich fallenließen,
spüren blicke über wiesen schweifen.
ein licht, ein radio, ein wecker schellt -
ein hund, der unten in den morgen bellt:
ein tagesanbruch und ein weiteraltern.
auf einem teller trocknet bienenstich -
zu viel für mich. der frühherbst findet sich
in auberginen und zitronenfaltern.
Sie lehnt an einem Safransamtcarreau
und hält ein Büchlein in der rechten Hand.
Ihr gelbes Kleid mit Fliederschleifenband
besticht für sich und niemand im tableau-
vivant gleicht ihr im Ockerlichtchateau,
denn sie ist jeder Geltung abgewandt.
Sie liest genau, entrückt, doch bei Verstand
und wähnt sich in den Zeilen irgendwo -
Millionen Augen stehen ihr Spalier.
Doch sie, sie folgt den Versen und verfällt
dem Flüstersog der Phantasie und ihr
entgleitet fast das Büchlein, das sie hält.
Sie spürt nicht mehr die Röte vor plaisir,
und lehnt und liest und träumt sich aus der Welt.
^(15.05.2026)
Müll
Stinkt
Auf Halde -;...
Blinkt
Im Autolichtgewitter /
Schrottkran packt zu
2026
Nocturne I
Die Sonne sinkt. Die letzten Strahlen fassen
die Farben, die den Alltag überschatten.
Als würden Blau und Flieder sich begatten
zerfließen sie auf düsteren Terrassen.
Der Garten schweigt im stetigen Verblassen
und dunkel überdecken weiche Matten,
die Orte, die noch Licht und Schatten hatten;
am Ende liegt er finster und verlassen
im Nirgendwo der Nacht, die sich verbreitet:
Sie wächst und greift mit gieriger Gebärde
nach Dämmergrau und wandelt es in Stille;
und nur das zage Zirpen einer Grille
belebt die Spanne zwischen Nacht und Erde;
der Ton, der sie ins Morgenrot begleitet.
^(13.12.2014)
II
Sektempfang
- die Reduktion -
April 2026
Im Garten stehen Seidenstatuetten
und streiten über ihre Lieblingsthemen
als böten sie komplexesten Problemen
die Stirn - beim Flechten ihrer Logikketten.
Sie rühmen sich besuchter Bildungsstätten,
dann gehen sie, wie Trommler auf Triremen,
zum reich gedeckten Tisch im Haus und nehmen
sich Sekt und Häppchen ihrer Marionetten:
ein Blick, das Rümpfen brillenschwerer Rüssel,
ein „Bitte sehr“ mit leicht gequältem Lächeln.
Am späten Abend rumpelts im Gedärme.
Es drängt nach draußen; sie mit viel Gelärme
zum Klo und unter Schweiß und Luftzufächeln
bescheißen sie die Villeroy’sche Schüssel.
Sonnenaufgang
Ein Windhauch lässt das Asternmeer erzittern,
goldbraune Blätter treiben auf dem Weiher.
Vereinsamt schärft ein dunkelblauer Reiher
den stumpfen Fuß an giftig grünen Gittern,
dass Efeuranken an den Stäben zittern.
Im blassen Kleid erscheint ein Nebelschleier;
verloren sucht er seine Hochzeitsfeier -
schon schwindet er an Felsen, die verwittern.
Ein Schimmer bricht in düsteres Gewebe,
das Taubengrau hängt fahrig in der Schwebe;
doch schließlich zieht es fort zu frommen Festen,
wenn rote Nachtgedanken längst verglühten.
Im Lichterkranz erstrahlen weiße Blüten
und Birnen hängen, gelb, an schweren Ästen.
^(16.04.2009)
flieh in welten wo gefühle
keine relevanz entfalten
um mit rationaler kühle
lebensräume zu gestalten
die allein gedankenketten
rechnung schulden. emotionen
Halt! benutze die pipetten
ungeschmiedeter versionen
mit bedacht. am besten leere
sie ins füllhorn des verhärmten.
doch wie funken ohne schwere
in die stille nacht entschwärmten
habe ich noch nicht vergessen -
so verdrängt Tristesse Ermessen.
04.05.2026
Der Park
Vergilbte Seiten singen leise Lieder,
ich lausche ihren totgeglaubten Klängen -
und Gärten, die an Wolkenbergen hängen
verlieren sich im steten Auf und Nieder,
wie sommermüder, blassgetünchter Flieder.
Da spüre ich ein dunkelblaues Drängen
und sehe, dass die Farben sich vermengen:
Verlassenheit und Stille kehren wieder.
Ich liebe diesen Ort von Lust und Trauer;
den Park, in dem schon manche Purpurschauer
durch meine kargen Seelenhöfe wehten.
Er prangt und steht in immervoller Blüte,
als ob des Daseins Last ihn niemals mühte -
und lacht mich an mit seinen Blumenbeeten.
09.05.2012