u/Candid_Ebb5542

Hundeschulen, wo seid ihr falsch abgebogen?

Ich schaue mir alle paar Monate mal an, was die Hundeschulen so im Angebot haben. Teils aus echtem Interesse, teils weil ich gern sehe, was es wieder für neue "Innovationen" gibt. Und diesmal bin ich über etwas gestolpert, an dem sich für mich ziemlich gut zeigt, wohin die Reise geht: einen Feuerschalenabend. 35 Euro pro Person, zwei Stunden, maximal 15 Teilnehmer.

Was da passiert, steht sinngemäß direkt in der Ankündigung: Man will "über Themen im Hundetraining quatschen", gemütlich an der Feuerschale, die Sommerabende gemeinsam verbringen. Und der eigene Beitrag der Teilnehmer? Man "gesellt sich dazu" und "lauscht den Gesprächen". Das ist der Kurs. Kein Trainingsplan, kein Konzept, kein Ergebnis. Man sitzt am Feuer und hört zu.

Rechnen wir das mal durch. 15 Leute à 35 Euro sind 525 Euro für einen Abend. Was steht dem gegenüber? Die Feuerschale steht auf dem eigenen Hundeplatz - kostet nichts. Das Holz? Steht wörtlich in der Beschreibung: "Wir sammeln Holz". Also sammeln sie es selbst - kostet auch nichts. Location: der eigene Platz, ebenfalls kostenlos. Wenn's hochkommt, Tee und ein paar Kekse. Unterm Strich bleiben von den 525 Euro fast die kompletten 525 Euro - für zwei Stunden Beisammensein.

Und da liegt für mich der Punkt. Ich hab überhaupt nichts gegen Hundeschulen, und ich hab auch nichts dagegen, dass gute Arbeit gutes Geld kostet. Ein durchdachter Trainingskurs, bei dem jemand mit echtem Fachwissen an einem konkreten Problem mit meinem Hund arbeitet. Dafür zahle ich gern und habe schon so manche gute Bewertung geschrieben. Da bekomme ich eine Leistung.

Aber ein Lagerfeuerabend, bei dem man laut Beschreibung auch "einfach nur dazukommen" und lauschen kann, ist keine Leistung, das ist Geselligkeit. Und Geselligkeit hat man früher einfach organisiert: nach dem Kurs noch zusammen was trinken, sich mit den Leuten aus der Welpengruppe zum Spazieren verabreden oder samstags im Verein am Feuer sitzen. Niemand hat dafür je eine Teilnahmegebühr verlangt.

Was mich stört, ist dieser Mechanismus, dass jede menschliche Grundaktivität in ein buchbares Produkt mit Anmeldung und Preisschild umgewandelt wird. Erst war es Training, dann Gruppenspaziergänge, jetzt eben das gemeinsame "Plaudern" am Feuer. Keine Themenvorgabe, es wird geplaudert.

Der eigentliche Wert, den man verkauft, ist Community - nur wird die jetzt eingezäunt und pro Kopf abgerechnet. Und weil viele Hundehalter sozial isoliert sind, gerade Ersthundebesitzer, funktioniert das auch. Man zahlt am Ende Eintritt für Anschluss.

Vielleicht bin ich zu kritisch und für manche ist das ein fairer Deal: man lernt Leute kennen, kommt raus, hat einen netten Abend. Aber 35 Euro dafür, dass ich um ein Feuer sitze und den "Gesprächen lausche", mit einem Wort "Hund" drübergeschrieben, damit es nach Kurs klingt? Das fühlt sich für mich einfach nur noch falsch an.

Wie seht ihr das? Zahlt ihr für sowas, oder ist das nur noch geschickt verpacktes Abkassieren?

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u/Candid_Ebb5542 — 4 days ago