u/Complex_Brilliant680

Wenn deine Therapeutin (F64) mit dir befreundet sein möchte

Aus irgendeinem Grund wird mein Beitrag gefiltert, also neuer Versuch.

Hey, das ist mein allererster Beitrag, den ich auf Reddit poste. Ich muss diese Story einfach mal loswerden, um die Meinung von anderen, vielleicht auch Personen dieser Berufsgruppe, zu hören. Falls das das falsche Forum ist, korrigiert mich, ich kenne mich nur gar nicht mit Reddit aus. Das Ganze ist schon vor einiger Zeit passiert. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich nach einer schweren körperlichen Erkrankung eine PTBS und S****dgedanken entwickelt. Zugleich war meine familiäre Situation kompliziert.

Ich brauchte eine Therapeutin, jedoch waren meine Eltern, nachdem ich meine ersten probatorischen Sitzungen hatte, gegen eine Weiterführung der Therapie, weil sie meinten, diese würde eine potenzielle Beamtenlaufbahn gefährden (nicht, dass ich jemals eine angestrebt hätte). Die Therapeutin (KiJu) bot mir an, dass sie die Therapie kostenlos und mit mir im Geheimen weiterführen würde, was ich total nett fand. Alles verlief normal, bis ich diese Therapie nach 2 Jahren On/Off-Therapie abbrechen wollte. Ich hatte das Gefühl, dass wir einfach nichts bearbeiteten. Ich saß da und erzählte und erzählte, und sie gab mir weder Input noch Anleitungen für Übungen (zur Bewältigung meiner Ängste) oder sonst was.

Ich schrieb ihr deswegen eine Whatsapp-Nachricht und es kam eine sehr wütende Nachricht zurück, dass sie es nicht gut von mir finde, dass ich ohne richtige Verabschiedung gehe, weil man das so nicht macht, wenn einem jemand wichtig ist. Also kam ich gegen 21 Uhr zu ihrer Praxis. In diesem Abschlussgespräch meinte sie zu mir, dass ich etwas ganz Besonderes sei, anders als die anderen und dass sie gerne mit mir befreundet wäre. Sie hat mich auch umarmt. Habe ich mich deswegen geschmeichelt gefühlt - absolut, keine Frage, wer würde das nicht.

Danach gab es erstmal ein paar Wochen keinen Kontakt, bis sie mich nochmal wegen einer privaten Rechnung angeschrieben hatte (ich hatte ihr versprochen, dass ich ihr wenigstens ein bisschen Geld zurückgebe). In dem Kontext meinte sie auch zu mir, dass ich ihr gerne auch mal Bilder aus meinem Privatleben schicken könne. Sie schickte mir auch einen Link zu einem Youtube-Video, wo es irgendwie um philosophische Zitate ging, die alle sehr depressiv klangen. Es war irgendwie schräg und ich fragte sie "Oh, falscher Chat?", weil ich davon ausging, dass sie das nicht an mich schicken wollte - aber wollte sie.

Mit der Zeit entwickelte sich eine Freundschaft und wir trafen uns privat. Dabei initiierte explizit sie zu Anfang diese Treffen. Sie erzählte viel Privates, wie sich ihre Freundin das Leben genommen hatte, wie gemein all ihre Ex-Männer zu ihr waren (sie verglich sich mit Belle von die Schöne und das Biest), diese Ex-Männer würden immer vor ihrer Tür stehen, weil niemand würde je so richtig von ihr loskommen, wie sie sich s****dieren wollte, falls Russland in Deutschland einmaschiere. Manchmal kam da aber auch der ein oder andere se**elle Witz, wo ich zwar verlegen gelacht habe, aber es war mir sehr unangenehm.

Nun veränderte sich mit der Zeit der Ton in unserer Freundschaft. Sie wurde unglaublich unfreundlich und gereizt. Und mit jedem Mal, wo sie mich angegangen ist, wurde ich immer unsicherer. Ich habe mich für Gott und die Welt entschuldigt (z.B. habe ich mich dafür entschuldigt, dass ich bei ihr geklingelt habe, um mit ihrem Hund Gassi zu gehen, und dabei in eine Therapiesitzung reingeplatz war - sie hatte mir eine falsche Uhrzeit genannt). Ich dachte, die Arme hat Burnout, weil sie auch meinte, sie arbeite nur noch und ihr ganzes Leben würde keinen Sinn mehr machen und sie wollte nicht mehr weiterl****. Ich versuchte also krampfhaft, alles für sie perfekt zu machen und sie zu unterstützen. Das ging so 1 Jahr.

Irgendwann hatte ich so eine Art Aversion ihr gegenüber entwickelt, ich habe mich richtig vor ihr geekelt. Eigentlich wollte ich nicht mit ihr befreundet sein, aber ich konnte auch nicht gehen, denn diese Freundschaft hatte mir irgendwie Sinn für die ganzen schlimmen Dinge gegeben, die geschehen sind. So nach dem Motto: Ok, ich bin traumatisiert und mein ganzes Leben steht in Schutt und Asche, ABER ich habe eine Freundschaft geschlossen, die etwas wert ist. Es war nicht einmal so, als hätte ich damals keine Freunde gehabt, im Gegenteil, ich hatte eine sich gut verstehende und unterstützende Freundesgruppe sowie eine beste Freundin, die mich bei jedem Krankenhausbesuch begleitete.

Es kam zu dem Zeitpunkt, wo ich bei ihren Beschimpfungen einmal gegengehalten habe, woraufhin sie unglaublich verletztende Dinge zu mir sagte, z.B. dass sie als meine Psychoanalytikerin sich mit einer Person wie mir nie hätte befreunden sollen, das hätte sie schon damals im Institut gelernt. Kurz gesagt: Sie ist die professionelle Therapeutin und ich nur die psychisch Kranke, von ihr abhängige Patientin. Auf meine Anmerkung, dass sie diese Freundschaft wollte und dass sie das sogar im Chat nachlesen konnte, leugnete sie alles, das wäre so nie geschehen.

Irgendwie unfair. Sie durfte mich kritisieren, ich sie aber nicht, ansonsten wurde ich an meine Rolle als Patientin erinnert. Das war der Punkt, wo ich die Freundschaft beendet habe. Damals habe ich versucht, das alles krankhaft positiv zu sehen. Ja, Menschen leben sich halt auseinander blabla......, aber das Ganze war doch gut und hat mir einen Sinn für diese schlimme Zeit gegeben....blabla. Hätte ich das nicht gemacht, ich glaube, ich wäre komplett zusammengebrochen.

Ich bin dann noch einmal zu ihr, um mich zu verabschieden (vor allem, um einen Abschluss für mich zu finden). Bei diesem Gespräch habe ich gemerkt, wie sehr sie mich eigentlich hasst und wie sehr ich mich zugleich vor ihr als Mensch ekel. Als ich dann aus der Tür raus bin, meinte sie "Bis dann, es kommen eh alle zu mir zurück" (eine Anspielung auf ihre Ex-Männer). Das hat mir einen Grund gegeben, sie definitiv nie wieder zu kontaktieren. Mir ist aber aufgefallen, dass sie meine Storys schaut. Also habe ich mich letztens dazu entschieden, sie zu blockieren, mit diesem Kapitel endgültig abzuschließen.

Achso, ich habe übrigens meine PTBS überwunden und studiere Psychologie. Vor ein paar Wochen erzählte ein Kollege in der Klinik von einer Therapeutin aus dem Ort, wo ich herkomme, die dafür bekannt sei, sich mit Patientinnen anzufreunden. Da hatte ich überlegt, ob sie das vielleicht ist. Irgendwie ist das Ganze absurd. Wenn ich meine jungen Patienten ansehe, die in dem Alter sind, wie ich es damals war, für mich sind das Kinder. Und wir liegen nur ca. 10 Jahre auseinander. Die Therapeutin arbeitet nun übrigens im Institut als Dozentin und hält Vorträge, u.a. zur Therapieethik. Ganz mein Humor.

Ich war am überlegen, der Psychotherapeutenkammer alle Chats und Bilder vorzulegen und offiziell Beschwerde einzureichen. Zugleich denke ich mir, sie ist kurz davor, in Rente zu gehen. Sie wird ihre Probleme haben und ich muss ja kein Leben zerstören. Was ist eure Meinung dazu?

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