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Ist diese Beziehung noch zu retten?

Hallo zusammen

Ich weiss nicht mehr weiter und bin seit Wochen mental in einem Ausnahmezustand. Ich merke selbst, dass mich das inzwischen blind für viele Entscheidungen macht. Mal denke ich, ich weiss genau, was richtig wäre, und ein paar Stunden später zweifle ich wieder an allem. Deshalb möchte ich euch meine Geschichte erzählen und hoffe auf ehrliche Einschätzungen von Menschen, die nicht emotional in der Situation stecken.

Meine Partnerin und ich kamen damals sehr romantisch zusammen. Ich war 23, sie 24, heute sind wir 27 und 28 Jahre alt.

Schon sehr früh merkte ich, dass sie unglaublich verliebt in mich war. Sie zeigte extrem viel Zuneigung und liess mich immer spüren, wie wichtig ich ihr bin. Ich selbst war am Anfang etwas vorsichtiger. Nicht wegen ihr, sondern weil ich mich nicht einfach von Gefühlen mitreissen lassen wollte. Mir war wichtig, sie als Person wirklich kennenzulernen.

Relativ schnell merkte ich aber, dass sie eine sehr liebevolle und anständige Frau ist. Gleichzeitig hatte sie auch diese starke Seite, bei der man merkt, dass sie weiss, was sie will. Durch ihre Art ging ich nie durch diese klassische Verliebtheitsphase, die man oft kennt. Stattdessen entwickelte sich bei mir sehr schnell etwas Tieferes. Durch ihre Zuneigung und ihre liebevolle Art fühlte ich mich unglaublich wohl bei ihr. Ich spürte nicht dieses verrückte Kribbeln, sondern eher diese ruhige und gesunde Liebe, dieses Gefühl von Wärme, Sicherheit und Zuhause.

In unseren vier Jahren haben wir unglaublich viel erlebt. Wir sind zusammen gereist, unsere Familien verstehen sich sehr gut, wir haben gemeinsame Freunde aufgebaut und grundsätzlich ein schönes Leben geführt.

Beruflich waren wir immer etwas unterschiedlich unterwegs. Ich arbeite eher klassisch, während sie im Gastrobereich tätig ist und dadurch oft andere Arbeitszeiten hatte, teilweise auch an Wochenenden. Das war für uns aber nie wirklich ein Problem. Wir haben immer einen Weg gefunden, das passend zu organisieren.

Bevor ich weiter erzähle, möchte ich etwas Wichtiges sagen. Es geht mir hier nicht darum, dass ihr auf meiner Seite steht oder mir bestätigt, wie toll ich bin. Ich versuche einfach möglichst ehrlich zu schildern, wie die Beziehung aus meiner Sicht war und wie ich die ganze Situation heute einordnen soll.

Zu mir selbst:

Ich bin ein sehr liebevoller Partner.

Ich bin aber auch ein sehr disziplinierter Mensch. Ich trainiere viel und hart, habe zwei Unternehmen, doziere in Fachgebieten und sitze im Vorstand meiner Branche. Für mein Alter habe ich bereits einiges erreicht und befinde mich oft in Situationen oder Gesprächen mit Menschen, die 20 oder 30 Jahre älter sind als ich.

Trotzdem würde ich mich als bodenständig bezeichnen. Mir reicht grundsätzlich nicht viel. Natürlich gönne ich mir hin und wieder etwas Schönes. Mal eine Uhr, die mir gefällt, oder in den Ferien ein etwas besseres Hotel. Aber nicht aus Prestigegründen, sondern weil ich Freude daran habe.

In einer Beziehung bin ich sehr aufmerksam und liebevoll. Ich zeige Zuneigung, gehe stark auf die Gefühle meiner Partnerin ein, plane Dates, koche, putze, schenke Blumen, höre zu und versuche grundsätzlich, für den anderen da zu sein.

Kommunikativ war ich immer eher ruhig. Ich werde nicht aggressiv. Ich kann bestimmt sein, aber nicht beleidigend oder laut. Ich gehe wichtigen Gesprächen auch nicht aus dem Weg, selbst wenn es dabei um meine eigenen Fehler geht. Ich weiss, dass auch ich nicht perfekt bin und immer dazulernen kann – besonders wenn es darum geht, wie meine Partnerin geliebt werden möchte.

Für mich war meine Partnerin immer die wichtigste Person. Ich habe ihr nie das Gefühl gegeben, nicht genug zu sein. Ich schaue keinen anderen Frauen hinterher und habe immer versucht, ihr zu zeigen, dass ich sie liebe und dass sie sich auf mich verlassen kann – egal was passiert.

Sie hatte am Anfang viele Vertrauensprobleme. Das wusste ich auch. Aber mit der Zeit sagte sie immer wieder, dass sie sich bei mir so wohl fühle wie noch nie zuvor. Dass sie bei mir Sicherheit gefunden habe und ihre Eifersucht praktisch komplett verschwunden sei.

Und genau deshalb habe ich auch vieles für sie gemacht.

Ich habe sie nachts um vier Uhr nach dem Ausgang abgeholt. Ich habe für sie gekocht. Ihr Geschichten vorgelesen, wenn sie wegen Albträumen nicht einschlafen konnte. Ich habe sie zur Schule gefahren, wenn sie zu müde war. Ich habe ihre Termine mitgeplant, Einkäufe erledigt, bei ihren Unterlagen geholfen und mehr im Haushalt gemacht als sie.

Wenn sie Ängste hatte, habe ich versucht, ihr diese zu nehmen. Selbst wenn sie für mich manchmal irrational wirkten, habe ich sie nie ausgelacht, sondern versucht zu verstehen.

Ich habe ihr regelmässig Blumen gekauft. Jeden Morgen einen Red Bull in den Kühlschrank gestellt, damit sie direkt einen bereit hat. Ich habe ihrer Familie beim Umbau geholfen, ein neues Bett organisiert, weil meines zu hart war, mich um Versicherungen gekümmert und vieles mehr.

Nicht, weil ich sie abhängig machen wollte.

Sondern weil sie mir unglaublich viel bedeutet hat.

Trotz allem hatte ich dabei nie das Gefühl, mich selbst zu verlieren. Meine Unternehmen, mein Studium, mein Sport und meine Ziele liefen immer weiter. Ich habe nie alles stehen und liegen gelassen, nur um für meine Partnerin da zu sein. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass ich einen guten Ausgleich gefunden habe. Ich war sehr liebevoll und fürsorglich, konnte aber gleichzeitig auch Grenzen setzen und meine eigenen Dinge verfolgen.

Genau diese Balance fand ich immer wichtig.

Zu meiner Partnerin muss ich auch sagen, dass sie mir während unserer Beziehung immer wieder gezeigt hat, wie wichtig ich ihr bin. Sie sagte oft, ich sei der schönste Mann für sie, machte mir Komplimente, zeigte Zuneigung und kochte auch für mich. Sie war verspielt mit mir, fühlte sich wohl in meiner Nähe und hörte mir oft zu. Deshalb möchte ich sie hier nicht als schlechten Menschen darstellen, denn das wäre schlicht nicht fair.

Trotzdem gab es Eigenschaften, die mich über die Jahre immer stärker belasteten.

Sie hatte die Angewohnheit, wegen Kleinigkeiten sehr schnell wütend oder genervt zu werden. Nicht im Sinne von körperlicher Aggression, aber dieses plötzliche Fluchen, Sachen an die Wand werfen oder komplett überreagieren wegen Dingen, die objektiv betrachtet gar nicht so dramatisch waren.

Ich habe sie oft darauf angesprochen, weil mich das störte. Für mich war es einfach schwer nachvollziehbar, wie man wegen einer Kleinigkeit so stark reagieren kann.

Ein Beispiel ist mir bis heute geblieben.

Wir wollten gemeinsam Pizza machen. Sie wollte den Teig alleine ausrollen. Ich bot ihr meine Hilfe an, weil ich das schon öfter gemacht hatte. Sie meinte aber, sie könne das selbst. Als es dann nicht funktionierte, wurde sie plötzlich wütend und machte mir Vorwürfe, warum ich ihr nicht geholfen hätte und nur daneben gestanden sei.

Aus dieser Situation entstand tatsächlich ein mehrstündiger Streit.

Damals lief ich ihr meistens noch hinterher, versuchte alles zu erklären, Verständnis zu zeigen und den Konflikt aufzulösen. Selbst wenn ich innerlich oft dachte, dass die Reaktion überhaupt nicht verhältnismässig war.

Irgendwann bemerkte ich aber, dass ich wichtige Themen immer weniger ansprechen konnte. Nicht weil ich Angst vor einem Streit hatte, sondern weil ich wusste, dass sie vieles sofort als persönlichen Angriff verstehen würde.

Ein Beispiel dafür war etwas, das mir persönlich eigentlich sehr wichtig war.

Ich habe, wie bereits erwähnt, sehr viele Kleinigkeiten für sie gemacht. Ich stellte ihr morgens Dinge bereit, schrieb Briefe, organisierte vieles im Alltag und versuchte ihr regelmässig eine Freude zu machen.

Irgendwann sagte ich einmal ganz ruhig zu ihr:

„Schatz, weisst du, worüber ich mich freuen würde? Wenn du mir vielleicht ab und zu meine Lieblingssache, die ich jeden Morgen mitnehme, am Vorabend bereitstellen würdest oder mir gelegentlich einen kleinen Zettel mit einem schönen Tag wünschen würdest. Das würde mich wirklich freuen, weil ich solche Kleinigkeiten sehr schätze.“

Für mich war das keine Forderung. Ich wollte ihr nicht sagen, dass sie zu wenig macht. Ich wollte ihr einfach mitteilen, worüber ich mich freuen würde.

Ihre Reaktion traf mich völlig unerwartet.

Stattdessen durfte ich mir über Stunden anhören, dass ich offenbar finde, sie sei eine schlechte Freundin und dass sie ständig etwas leisten müsse, damit sie für mich genug sei.

Ich erklärte immer wieder, dass ich das nie gesagt habe. Dass ich ihr lediglich erzählt habe, worüber ich mich freuen würde.

Aber irgendwie kam meine eigentliche Botschaft nie bei ihr an.

Mit der Zeit gab es mehrere solcher Situationen.

Wenn sie mich massierte, musste es irgendwann mehr sein. Wenn sie etwas Liebes machte, reichte es später oft nicht mehr aus. Gleichzeitig waren Dinge, die mir wichtig waren, häufig nach kurzer Zeit wieder verschwunden.

Sie schrieb mir beispielsweise einmal einen wunderschönen Weihnachtsbrief. Ich habe ihr danach oft gesagt, wie sehr ich mich über solche Dinge freue. Trotzdem blieb es meistens bei diesem einen Mal. Wenn ich später danach fragte, hiess es oft, sie habe keine Energie oder keine Zeit dafür.

Und genau das habe ich nie richtig verstanden.

Nicht, weil ich glaubte, sie würde mich nicht lieben. Im Gegenteil. Ich wusste, dass sie mich liebt.

Aber ich verstand nicht, warum manche Kleinigkeiten, die mir so viel bedeutet hätten, scheinbar nie dauerhaft möglich waren.

Dabei hat sie durchaus auch schöne Dinge für mich gemacht. Sie brachte mir manchmal etwas zu trinken, kaufte mir Blumen oder überraschte mich mit Kleinigkeiten.

Nur hatte ich oft das Gefühl, dass vieles, was ich tat, mit der Zeit selbstverständlich wurde.

Ich erinnere mich an Situationen, in denen ich sie stundenlang gekrault oder massiert hatte und wenn ich mir später selbst einmal etwas Ähnliches gewünscht hätte, bekam ich zu hören:

„Ja, aber letztes Mal wollte ich es anders machen.“

Oder es blieb ganz aus.

Das klingt vielleicht nach Kleinigkeiten, aber über Jahre hinweg summieren sich solche Dinge.

Irgendwann begann ich mich zu fragen, warum ich so oft Verständnis für ihre Bedürfnisse aufbringe, während meine eigenen Bedürfnisse immer wieder zu Diskussionen führen.

Und genau an diesem Punkt begannen die ersten grösseren Zweifel in mir.

Nicht daran, ob sie mich liebt.

Sondern daran, ob sie mich wirklich versteht.

Irgendwann machte sie eine Weiterbildung und war dafür rund drei Monate zuhause. Eines Tages kam sie auf mich zu und sagte, dass sie aktuell sehr viel zu tun habe und ob ich während dieser Zeit etwas mehr im Haushalt übernehmen könnte, weil ihr alles zu viel werde.

Wenn ich ehrlich bin, verstand ich das zuerst nicht ganz. Sie war ja grösstenteils zuhause und ich arbeitete weiterhin, führte meine Unternehmen, studierte nebenbei und hatte meinen normalen Alltag. Trotzdem sagte ich sofort ja. Nicht weil ich es logisch fand, sondern weil ich wollte, dass sie sich auf ihre Weiterbildung konzentrieren kann.

Also übernahm ich noch mehr.

Ich erledigte den Haushalt, kümmerte mich um viele alltägliche Dinge und versuchte ihr möglichst viel abzunehmen. Gleichzeitig lief mein eigenes Leben aber unverändert weiter. Meine Arbeit wurde nicht weniger, mein Studium nicht einfacher und meine Verpflichtungen verschwanden auch nicht.

Was mich dabei manchmal irritierte war, dass sie zwar zuhause war, aber oft trotzdem vieles liegen blieb. Sie lernte natürlich, aber gleichzeitig wurde ferngesehen, am Handy gesessen oder einfach entspannt. Und manchmal fragte ich mich dann schon, ob es wirklich zu viel verlangt wäre, morgens kurz den Geschirrspüler auszuräumen, eine Waschmaschine anzustellen oder einmal einkaufen zu gehen.

Einige Zeit später bekam ich selbst noch zusätzliche berufliche Verpflichtungen. Das bedeutete für mich teilweise Vollgas bis spät in die Nacht. Ich kommunizierte das auch offen. Sie wusste genau, was bei mir gerade lief.

Trotzdem machte ich zuhause nicht weniger als vorher.

Wenn sie Zeit mit mir verbringen wollte, versuchte ich immer, ihr entgegenzukommen. Ich machte ihr einen Tee, stellte einen Film an und sagte: „Gib mir noch eine Stunde, dann komme ich dazu, aber jetzt muss ich diese Arbeit noch fertig machen.“

Teilweise sass ich sogar einen Teil des Films mit ihr auf dem Sofa, brachte sie später ins Bett und arbeitete danach noch zwei Stunden weiter, während sie bereits schlief.

Was man dazu wissen muss: Sie hatte schon immer eine recht klassische Vorstellung von einer Beziehung. Ihr Wunsch war irgendwann eine Art traditionelles Rollenmodell. Der Mann arbeitet, die Frau ist zuhause und kümmert sich um Familie und Haushalt.

Für mich war das nie ein Muss, aber ich fand die Vorstellung grundsätzlich schön. Genau deshalb arbeitete ich ja auch so viel, weil ich dachte, dass wir uns dadurch irgendwann genau dieses Leben aufbauen können.

Trotzdem bekam ich immer wieder zu hören, dass ich zu viel arbeite.

Das war etwas, das ich nie ganz verstand.

Wenn sie mir Häuser zeigte, die ihr gefielen, oder von einem bestimmten Lebensstil sprach, dachte ich mir oft: „Ja, das gefällt mir auch. Aber all das fällt nicht einfach vom Himmel. Dafür muss ich arbeiten.“

Für mich gehörten diese beiden Dinge zusammen. Für sie schienen sie oft getrennt zu sein.

In dieser Zeit fiel mir ausserdem etwas anderes auf.

Es war eigentlich schon früher so gewesen, aber jetzt bemerkte ich es noch stärker.

Sie begann viele Dinge mit grosser Begeisterung, brachte sie aber selten zu Ende.

Ich kaufte ihr einmal ein Ausmalbild, weil sie unbedingt eines wollte. Vier Abende lang war sie voller Begeisterung dabei. Danach lag es monatelang in einer Ecke.

Sie wollte basteln. Die Sachen lagen wochenlang herum.

Sie wollte unbedingt ein Puzzle machen. Nach wenigen Tagen lag es für Monate halb fertig in meinem Büro.

Unser Balkon war irgendwann komplett überwuchert und wurde immer wieder auf später verschoben.

Wenn ich sie darauf ansprach, sagte sie meistens, ich solle sie nicht stressen, sie habe gerade genug um die Ohren.

Also wartete ich.

Nach Wochen oder Monaten fragte ich erneut nach. Wieder hiess es, ich solle keinen Druck machen.

Oft passierte dann lange nichts.

Und irgendwann wurde es erst erledigt, weil ich nochmals etwas sagte oder weil es mich selbst störte.

Irgendwann sprach ich sie deshalb vorsichtig auf etwas an.

Ich sagte ungefähr:

„Schatz, mir fällt auf, dass viele Dinge, die du unbedingt machen möchtest, nach kurzer Zeit liegen bleiben. Das Ausmalbild, das Puzzle, Bastelprojekte oder auch andere Sachen. Gleichzeitig erzählst du mir oft, wie sehr du dich darauf freust, irgendwann Hausfrau und Mutter zu sein. Ich frage mich manchmal, ob du das wirklich möchtest oder ob die Vorstellung davon vielleicht schöner ist als die Realität.“

Für mich war das keine Kritik.

Es war eine ehrliche Beobachtung.

Wenn jemand Hausfrau werden möchte und ich derjenige sein soll, der das finanziell ermöglicht, dann ist es für mich doch normal, mir Gedanken darüber zu machen, wie realistisch diese Vorstellung tatsächlich ist.

Leider eskalierte auch dieses Gespräch komplett.

Plötzlich warf sie mir vor, ich hätte gesagt, sie sei eine schlechte Hausfrau. Danach wurde daraus, dass ich sie für eine schlechte Mutter halten würde.

Ich sass völlig fassungslos da.

Denn nichts davon hatte ich gesagt.

Wieder versuchte ich ruhig zu erklären, was ich eigentlich gemeint hatte.

Wieder erklärte ich mich gefühlt stundenlang.

Und wieder hatte ich am Ende das Gefühl, dass sie gar nicht hört, was ich wirklich sage.

Sie hörte nur die Verletzung.

Nicht die eigentliche Aussage.

Genau das wurde mit der Zeit eines meiner grössten Probleme.

Ich konnte Dinge ruhig, respektvoll und sachlich ansprechen und trotzdem kamen sie auf der anderen Seite oft völlig anders an.

Dadurch begann ich irgendwann, wichtige Themen immer weniger anzusprechen.

Nicht weil ich Konflikten aus dem Weg gehen wollte.

Sondern weil ich schlicht keine Energie mehr hatte, mich jedes Mal stundenlang erklären zu müssen, obwohl ich eigentlich nur ein Bedürfnis, eine Beobachtung oder eine Sorge geäussert hatte.

Und genau in dieser Phase passierte dann etwas, das unsere Beziehung endgültig verändern sollte.

Und genau in dieser Phase passierte etwas, das unsere Beziehung nachhaltig verändern sollte.

Eines Abends kam sie von der Arbeit nach Hause und ich merkte sofort, dass etwas nicht stimmt. Es war eines dieser Gefühle, die man nicht erklären kann. Sie kam zur Tür herein und noch bevor sie etwas sagte, hatte ich dieses unangenehme Gefühl im Bauch.

Ich fragte sie, was los sei.

Nach längerem Zögern sagte sie mir, dass es bei der Arbeit jemanden gibt. Nicht jemanden, in den sie verliebt sei, wie sie betonte, sondern jemanden, der ihr ein Gefühl gebe, das ihr fehle. Sie beschrieb es als das Gefühl, begehrt zu werden.

Das traf mich ehrlich gesagt ziemlich hart.

Nicht weil ich dachte, dass zwischen uns körperlich etwas nicht stimmt. Ganz im Gegenteil. Unser Sexualleben war immer sehr gut. Sie sagte selbst immer wieder, dass sie mich attraktiv findet, dass ich der perfekte Mann für sie sei und dass sie mit unserem Liebesleben sehr glücklich ist.

Deshalb verstand ich ihre Aussage überhaupt nicht.

Für mich war Begehren nie ein Problem in unserer Beziehung gewesen.

Mit etwas Abstand begann ich aber darüber nachzudenken. Und wenn ich ehrlich bin, hatte sich bei mir tatsächlich etwas verändert.

Nicht weil sie weniger attraktiv geworden wäre. Im Gegenteil. Ich fand sie nach wie vor wunderschön.

Aber über die Jahre hatten ihre Wutausbrüche, ihre Art mit Kritik umzugehen und das Gefühl, mit meinen Bedürfnissen oft nicht wirklich gehört zu werden, etwas in mir verändert.

Wenn ich sie ansah, sah ich zwar immer noch eine attraktive Frau, aber ich sah eben auch die vielen Situationen, in denen ich mich unverstanden gefühlt hatte.

Ich erklärte ihr das auch.

Ich sagte ihr, dass es mir helfen würde, wenn sie meine Bedürfnisse ernster nimmt, mir mehr zuhört und Konflikte anders angeht. Dass genau diese Dinge Einfluss darauf haben, wie viel Nähe und Anziehung ich empfinden kann.

Sie verstand das zwar teilweise, aber irgendwie auch wieder nicht.

Sie wollte dieses Gefühl von Begehren zurück, wusste aber gleichzeitig nicht wirklich, wie sie selbst dazu beitragen könnte.

In dieser Zeit plante ich weiterhin unsere gemeinsamen Unternehmungen. Ich organisierte Dates, Ausflüge und gemeinsame Zeit. Das hatte ich eigentlich fast immer gemacht.

Irgendwann sagte ich ihr einmal, dass sie doch auch einmal etwas planen könne. Nicht weil ich keine Lust mehr hatte, sondern weil ich mich freuen würde, wenn die Initiative auch einmal von ihr käme.

Sie sagte oft, sie wolle das machen.

Passiert ist es allerdings nie wirklich.

Und wenn ich irgendwann nichts plante, hiess es später oft, dass wir ja nichts unternehmen würden.

Kurz darauf erzählte sie mir von einem Gespräch mit diesem Arbeitskollegen.

Er hatte sie offenbar gefragt, ob sie mit ihm auf ein Date gehen würde.

Sie sagte ihm nein und erklärte, dass sie vergeben sei.

Trotzdem erzählte sie mir anschliessend von dem Gespräch.

Sie sagte, er hätte Dinge vorgeschlagen wie Klettern oder andere spannende Unternehmungen.

Und ich sass da und dachte mir nur:

Moment mal.

Wir waren gemeinsam im Europapark, im Kino, essen, auf Ausflügen und hatten in vier Jahren unzählige Unternehmungen gemacht. Wenn sie unbedingt einmal klettern wollte, hätte sie das doch jederzeit sagen oder selbst organisieren können.

Ich bin offen für fast alles. Fallschirmspringen, Paragliding, Abenteueraktivitäten – sie wusste das.

Deshalb hatte ich das Gefühl, dass es gar nicht wirklich um das Klettern ging.

Es ging um etwas anderes.

Ein paar Tage vergingen und seit diesem Gespräch lag ständig etwas in der Luft.

Es war schwer zu beschreiben.

Diese unangenehme, unterschwellige Distanz.

Ich besuchte sie früher oft bei der Arbeit. Mein Training war in der Nähe, viele ihrer Arbeitskollegen kannte ich mittlerweile selbst. Ich kam manchmal vorbei, trank kurz etwas mit ihnen und fuhr wieder.

Vier Jahre lang war das nie ein Problem gewesen.

Plötzlich sollte ich nicht mehr so oft vorbeikommen.

Auf einmal hiess es, ich würde sie kontrollieren.

Einmal erschien ich spontan und ihre Reaktion war völlig anders als früher. Statt sich zu freuen, wurde sie richtig genervt und fragte mich, was ich denn hier mache.

Das verwirrte mich.

Denn über Jahre hinweg war das vollkommen normal gewesen.

Trotzdem versicherte sie mir immer wieder, dass zwischen ihr und diesem Mann nichts läuft. Sie sagte, sie habe mich und wolle mich.

Ich versuchte ihr zu glauben.

Dann kam unser vierter Jahrestag.

In dieser Nacht kam sie gegen vier Uhr morgens nach Hause. Das war grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, da sie manchmal nach der Arbeit noch mit Kollegen zusammensass.

Deshalb machte ich mir zunächst keine Gedanken.

Dann setzte sie sich zu mir und sagte:

„Ich habe Mist gebaut.“

Mein Herz rutschte sofort in die Hose.

Sie erzählte mir, dass sie diesen Mann nach Hause gefahren hatte. Danach sei sie noch mit in seine Wohnung gegangen und habe dort ungefähr zwei Stunden mit ihm geredet.

Passiert sei angeblich nichts.

Aber am Ende habe er versucht, sie zu küssen.

Sie habe ihn abgeblockt und sei direkt zu mir gekommen, um mir alles zu erzählen.

Sie wirkte ehrlich.

Sie wirkte aufrichtig.

Sie schämte sich offensichtlich für das Ganze.

Und genau deshalb glaubte ich ihr.

Sie sagte immer wieder, dass es nicht um ihn gehe. Dass sie ihn als Person gar nicht besonders interessant finde. Es gehe nur um dieses Gefühl, begehrt zu werden.

Und obwohl ich nicht verstand, wie man überhaupt in eine solche Situation geraten kann, glaubte ich ihr damals tatsächlich.

Heute weiss ich, dass genau dieser Abend der Punkt war, an dem etwas zwischen uns zerbrochen ist.

Nicht komplett.

Aber zum ersten Mal bekam unser Vertrauen einen Riss.

Und dieser Riss sollte in den Wochen danach noch deutlich grösser werden.

Nach diesem Abend war etwas anders.

Nicht sofort sichtbar, aber spürbar.

Wir waren weiterhin zusammen. Wir verbrachten Zeit miteinander, gingen auf Dates und versuchten irgendwie, zur Normalität zurückzufinden. Nach aussen hätte wahrscheinlich niemand etwas bemerkt. Aber innerlich war da plötzlich etwas, das vorher nie da gewesen war.

Zum ersten Mal in vier Jahren hatte ich Zweifel.

Nicht daran, ob sie mich liebt.

Sondern daran, ob sie wirklich versteht, was sie da gerade riskiert.

Was mich damals verwirrte war, dass sie nach diesem Vorfall sogar noch anhänglicher wurde. Sie suchte meine Nähe, wollte oft mit mir schlafen, war körperlich sehr präsent und wirkte teilweise fast verliebter als zuvor.

Trotzdem verschwand dieses unangenehme Gefühl in meinem Bauch nicht.

Die Stimmung war besser, aber gleichzeitig auch nicht.

Es war, als würde ständig etwas Ungesagtes zwischen uns stehen.

Ich sprach das Thema natürlich wieder an. Für mich war klar, dass gewisse Grenzen eingehalten werden müssen. Nicht weil ich sie kontrollieren wollte, sondern weil ich die Situation einfach nicht mehr angenehm fand.

Ich sagte ihr, dass ich nicht möchte, dass ausserhalb der Arbeit Kontakt mit diesem Mann besteht. Keine privaten Treffen, kein bewusstes Zeitverbringen und keine Situationen, die wieder in dieselbe Richtung führen könnten.

Für mich waren das eigentlich Selbstverständlichkeiten.

Sie verstand es teilweise, setzte es aber nicht wirklich so um, wie ich gehofft hatte.

Es gab immer wieder Situationen, in denen sie noch auf ihn wartete, er sie zum Parkplatz begleitete oder sie bewusst Zeit miteinander verbrachten.

Nichts Grosses.

Aber genug, dass mein ungutes Gefühl blieb.

Das Verrückte war, dass ich mich selbst in dieser Rolle überhaupt nicht wiedererkannte.

Ich war nie ein eifersüchtiger Mensch.

In vier Jahren hatte ich ihr praktisch alles erlaubt, weil ich nie das Bedürfnis hatte, sie zu kontrollieren. Ich dachte immer, wenn jemand gehen möchte, wird ihn sowieso niemand aufhalten können.

Deshalb war mir dieses Gefühl selbst unangenehm.

Oft dachte ich mir sogar:

„Mach doch, was du möchtest. Ich weiss, wer ich bin. Ich weiss, was ich in diese Beziehung eingebracht habe.“

Trotzdem störte es mich.

Und genau das machte mir Angst.

Denn zum ersten Mal musste ich Grenzen einfordern, die ich vorher nie gebraucht hatte.

Ein paar Wochen später kam sie eines Abends nach Hause.

Sie sagte mir, sie sei im Gym gewesen.

Als sie zur Tür hereinkam, sah ich sofort, dass etwas nicht stimmt.

Dann fiel sie mir weinend in die Arme.

Und in diesem Moment wusste ich eigentlich schon, was jetzt kommt.

Sie erzählte mir, dass sie diesen Mann wieder getroffen hatte.

Sie hatte ihn zum Bahnhof gefahren.

Dort hätten sie geredet.

Sie hätten sich umarmt.

Und dann habe er sie geküsst.

Sie sagte, sie habe ihn sofort weggedrückt.

Gleichzeitig sagte sie aber auch, dass sie den Moment zugelassen habe.

Sie brach komplett zusammen.

Sie weinte, zitterte und verstand selbst nicht, warum sie das getan hatte.

Immer wieder sagte sie:

„Ich weiss nicht, was mit mir los ist.“

„Ich verstehe nicht, warum ich das mache.“

„Du bist der perfekte Mann.“

„Ich zerstöre gerade alles.“

Wenn ich ehrlich bin, glaube ich bis heute, dass ihre Reue echt war.

Ich glaube nicht, dass sie mich bewusst verletzen wollte.

Ich glaube auch nicht, dass sie sich in diesen Mann verliebt hatte.

Aber ich verstand trotzdem nicht, wie man jemanden, den man angeblich so liebt, immer wieder in genau dieselbe Situation bringt.

Das war etwas, das ich nie nachvollziehen konnte.

Denn für mich wäre allein die Möglichkeit, meine Partnerin zu verlieren, Grund genug gewesen, niemals so weit zu gehen.

Trotzdem vergab ich ihr erneut.

Und genau dort begann sich etwas in mir zu verändern.

Nicht nur mein Vertrauen.

Sondern auch meine Anziehung.

Sie war immer noch dieselbe schöne Frau.

Aber ich merkte plötzlich, dass mich Dinge störten, die ich früher ausgeblendet hatte.

Die Wutausbrüche.

Die fehlende Bereitschaft, Kritik anzunehmen.

Die ständige Suche nach Bestätigung.

Die Tatsache, dass sie immer wieder von mir begehrt werden wollte, aber gleichzeitig oft nicht bereit war, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen, die genau dieses Begehren bei mir schwächten.

Wenn ich ihr sagte, dass sie wunderschön ist, antwortete sie irgendwann oft einfach:

„Ja, ich weiss.“

Und obwohl das vielleicht harmlos klingt, turnte mich genau das immer mehr ab.

Es wirkte auf mich nicht selbstbewusst.

Es wirkte eher wie jemand, der ständig Bestätigung braucht und trotzdem nie genug davon bekommt.

Gleichzeitig störte es sie immer wieder, dass ich nicht eifersüchtig wurde.

Sie sagte oft, dass ihr meine Gelassenheit manchmal fehle.

Ich erklärte ihr immer wieder:

„Ich weiss, wer ich bin. Ich weiss, was ich kann. Wenn dir das nicht reicht, kann ich daran nichts ändern. Ich kontrolliere dich nicht.“

Auf eine seltsame Art gefiel ihr genau das.

Und gleichzeitig schien es sie zu stören.

Je länger das alles dauerte, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass wir beide etwas suchten, das wir gegenseitig nicht mehr richtig geben konnten.

Und genau das sollte kurze Zeit später in den Streit führen, der letztendlich unsere Trennung auslöste.

Irgendwann kam dann der Punkt, an dem alles endgültig zu viel wurde.

Wir waren gemeinsam essen gewesen. Eigentlich war es ein schöner Abend. Die Stimmung war gut, sie schrieb wieder mit mehr Herz, benutzte wieder Emojis, war offener und suchte meine Nähe. Es fühlte sich fast so an, als würden wir langsam wieder zueinander finden.

Nach dem Essen gingen wir nach Hause und wollten einen Film schauen.

Vorher gingen wir noch gemeinsam duschen. Sie wollte Nähe und ich liess mich darauf ein. Währenddessen passierte etwas völlig Banales. Ich wusch sie gerade ein und irgendetwas passte ihr nicht. Ich weiss heute nicht einmal mehr genau, was es war. Irgendetwas mit dem Schwamm oder dem Schaum.

Plötzlich wurde sie wieder genervt, riss mir den Schwamm aus der Hand und reagierte gereizt.

Für viele Menschen klingt das wahrscheinlich nach einer Kleinigkeit. Für mich war es aber nicht diese einzelne Situation. Es war die hundertste ähnliche Situation in vier Jahren.

Ich stieg aus der Dusche und sagte ihr ruhig, dass mich genau dieses Verhalten stört. Dass man Dinge auch normal sagen kann, ohne sofort genervt, respektlos oder aggressiv zu werden.

Für mich war das keine grosse Diskussion. Ich wollte einfach sagen, dass ich so nicht behandelt werden möchte.

Was sie nicht verstand war, dass genau solche Situationen mir über die Jahre immer mehr von meinem Begehren für sie genommen hatten.

Sie fragte mich später, warum ich nun keine Lust mehr auf Nähe oder Sex hätte.

Und genau dort lag das Problem.

Sie wollte die Nähe von mir. Sie wollte begehrt werden. Sie wollte Leidenschaft.

Aber die Dinge, die genau dieses Gefühl bei mir zerstörten, wollte sie oft nicht wirklich anschauen.

Nach der Dusche schauten wir den Film. Ich war emotional distanzierter als sonst. Nicht aus Bosheit, sondern weil ich ehrlich gesagt einfach müde war.

Müde vom Erklären.

Müde vom Diskutieren.

Müde davon, ständig Verständnis aufzubringen.

Gleichzeitig war es auch nie richtig.

Wenn ich ihr viel Nähe gab, sagte sie manchmal, ich würde sie erdrücken.

Wenn ich mich etwas zurückzog, fragte sie plötzlich, warum ich sie nicht mehr liebe.

Irgendwann sass ich da und wusste selbst nicht mehr, was eigentlich richtig sein soll.

An diesem Abend eskalierte das Ganze wieder.

Wir stritten.

Und am Ende trennten wir uns.

Es war keine kalte Trennung. Keine von diesen Trennungen, bei denen man sich anschreit, die Sachen packt und nie wieder miteinander spricht.

Es war unglaublich emotional.

Kurz bevor wir schlafen gingen, sagte sie mir sogar noch, dass es ihr leid tue und dass sie das Gefühl habe, mich nicht so geliebt zu haben, wie ich es gebraucht hätte.

Ich sagte ihr, dass ich wahrscheinlich dasselbe über mich sagen könnte.

Danach beschlossen wir Abstand zu nehmen.

Nicht weil wir uns hassten.

Sondern weil wir beide das Gefühl hatten, dass wir nicht mehr klar denken können.

Von Anfang an war für mich klar, dass dieser Abstand nicht bedeutet, dass wir plötzlich mit anderen Menschen schlafen oder neue Beziehungen anfangen.

Für mich war es eine Zeit, um herauszufinden, ob wir uns wirklich verlieren wollen oder ob wir einen Weg zurück zueinander finden können.

Als ich das ansprach, sagte sie mir, dass sie mir vieles versprechen könne.

Beim Thema des anderen Mannes wurde sie allerdings vorsichtiger.

Das machte mich stutzig.

Vor allem deshalb, weil wir seit dem Kuss eigentlich gar nicht mehr gross über ihn gesprochen hatten. Nach meinem Wissen hatte sie den Kontakt stark reduziert. Wenn er ihr schrieb, zeigte sie mir die Nachrichten sogar oft.

Trotzdem blieb dieses ungute Gefühl.

Heute befinden wir uns in einer sehr seltsamen Situation.

Offiziell sind wir getrennt.

Praktisch aber irgendwie auch nicht.

Mal schläft einer bei mir, mal ich bei ihr.

Wir telefonieren.

Wir sehen uns.

Wir verbringen Zeit miteinander.

Vor Kurzem verbrachten wir sogar einen ganzen Tag zusammen. An diesem Tag schaute sie mich wieder an wie früher. Sie suchte ständig meine Nähe, hielt meine Hand, himmelte mich förmlich an und wollte mir nahe sein.

Ich selbst war deutlich distanzierter.

Nicht weil ich sie nicht liebe.

Sondern weil ich Angst habe.

Angst davor, wieder dieselben Fehler zu machen.

Angst davor, wieder alles zu geben und am Ende wieder verletzt zu werden.

Was mir dabei auffällt: Immer wenn ich distanziert bin, sucht sie meine Nähe.

Sobald ich mich öffne und diese Nähe wieder zulasse, wird sie oft etwas kälter.

Nicht extrem.

Aber spürbar.

Fast so, als würde etwas in ihr wieder zur Ruhe kommen, sobald sie sicher ist, dass ich noch da bin.

Vielleicht bilde ich mir das auch ein.

Aber genau so fühlt es sich an.

Heute Morgen kam sie spontan bei mir vorbei.

Sie umarmte mich kurz.

Zog sich vor mir um.

Fragte mich, ob ihr Outfit zusammenpasst.

Sie hatte sogar noch immer unser gemeinsames Foto in ihrer Handyhülle.

Bevor sie ging, lächelte sie noch.

Kurz darauf rief sie mich an und fragte, wie es mir geht.

Sie fragte sogar, ob ich zuhause geschlafen habe und ob alles noch so sei, wie sie es die letzten Tage hinterlassen hatte. Sogar der Duschkopf fiel ihr auf, weil er noch genauso eingestellt war wie bei ihr.

Und genau deshalb weiss ich heute nicht mehr weiter.

Wenn ich nur die negativen Dinge aufzähle, wirkt die Situation wahrscheinlich klar.

Die Wahrheit ist aber, dass diese vier Jahre nicht nur aus Streit, Enttäuschung und Vertrauensbrüchen bestanden haben.

Wir hatten unglaublich viele schöne Momente.

Wir haben ähnliche Werte.

Unsere Familien verstehen sich gut.

Wir haben gemeinsame Freunde.

Wir lachen über dieselben Dinge.

Wir essen gerne dieselben Sachen.

Wir hatten über viele Jahre Vertrauen.

Und trotz allem liebe ich sie wahrscheinlich noch immer.

Genau deshalb fällt mir diese Entscheidung so schwer.

Ich weiss nicht, ob wir einfach in einer Krise gelandet sind, die man gemeinsam überwinden kann.

Oder ob der Vertrauensbruch, die wiederkehrenden Konflikte und die Entwicklungen der letzten Monate bereits zu viel Schaden angerichtet haben.

Deshalb hoffe ich auf ehrliche Meinungen von Menschen, die von aussen auf die Situation schauen können.

Vielen Dank an jeden, der sich die Zeit genommen hat, das alles zu lesen.

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u/Direct_Weekend_9671 — 5 days ago