u/Diskurs95

Diskurs Rententhematik

Hallo zusammen,

aus gegebenem Anlass habe ich mich in den letzten Wochen etwas intensiver mit der Rentenproblematik beschäftigt, auch wenn dieses Thema erst in einigen Jahrzehnten für mich so richtig relevant werden wird. Ich stelle mir nun einige Fragen und vertrete Standpunkte, zu denen mich andere Meinungen interessieren würden.

Durch den demographischen Wandel funktioniert der Generationenvertrag nicht mehr so wie in der Vergangenheit. Das Verhältnis zwischen den Rentenbeziehern und Einzahlenden verschiebt sich zunehmend in Richtung der Bezieher. Bisher wurde darauf, laut meiner Wahrnehmung, immer mit Maßnahmen reagiert, die in verschiedenster Weise die Bevölkerung im Allgemeinen belasten (z.b. Erhöhung der Beiträge oder des Renteneintrittsalters, Verwendung von Steuergeldern, etc.), um das Rentenniveau stabil zu halten. Maßnahmen, die Durchschnittsbürger und Menschen mit geringerem Einkommen tendenziell stärker treffen als Reiche oder Besserverdiener. Mögliche Bestrebungen, wie ein Ausgleich der Finanzierungslücke erfolgen kann, ohne große Teil der Bevölkerung auf kurz oder lang zu belasten, gab es dem Anschein nach wenige bis keine. Das vom Bund finanzierte Generationenkapital ist laut meiner Recherche noch nicht vollständig beschlossen. Dieses soll scheinbar allerdings auch mit Steuermitteln getragen werden. Also mit Geld, das dann an anderer Stelle fehlen sollte. Laut mehreren Aussagen sorgt diese Lösung allerdings, selbst im Falle eines finalen Beschlusses, nur für geringe Entlastung.

Allerdings gibt es meiner Meinung nach schon Alternativmöglichkeiten, um mit der Problematik fertig zu werden. Man muss sich nur innerhalb Europas umsehen. Einige Länder setzen zusätzlich zum Umlageverfahren erfolgreich auf eine kapitalgedeckte Rente (Aktienrente). Dieses Thema ist wohl bis auf Weiteres vom Tisch. Stattdessen wird immer wieder an den klassischen „Schräubchen“ gedreht. Ein Argument dagegen wäre das Kapitalmarktrisiko. Um eine merkliche Entlastung zu erreichen, müsste man meiner Meinung nach aber gar nicht so eine starke Gewichtung wählen, wie es beispielsweise beim Norwegischen Staatsfond der Fall ist. Außerdem bin ich nicht sicher, wie viel Verwaltungsaufwand und Kosten dieses Modell verursachen würde.

Laut meiner Recherche hat beispielsweise die Schweiz deutlich weniger Probleme mit dem Thema Rente. Aus dem 3-Säulen-Prinzip finde ich vor allem die AHV interessant, die scheinbar sehr strikt auf einen Betrag von 2.520 CHF gedeckelt ist. Selbst abgeschwächte Formen dieser Alternative werden in Deutschland nahezu gar nicht debattiert. In den Sinn kam mir eine schrittweise Deckelung z.b. bei Menschen mit Rentenauszahlungen von mehr als 10.000€ monatlich. Die Höhe ist in dem Gedankenspiel willkürlich gewählt. Hier könnte statt jedem weiteren gezahlten Euro, der über die 10.000€ hinausgeht, nur die Hälfte ausgezahlt werden. Der Rest bleibt im Steuertopf, womit die Rentenbezüge für andere Gesellschaftsschichten mit weniger Rentenanspruch gesichert werden. Weitere, kleinschrittige Staffelungen wären auch denkbar. Z.b. zwischen Nettorentenhöhe von 5.000€ und 6.000€ werden 10% eingespart bzw. im Steuertopf gelassen. Zwischen 6.001€ und 7.000€ 15% usw. Also eher ein „dynamisches Modell“. Wie viel mehr Kapital in so einem Fall den Rentenkassen zur Verfügung stünde, kann ich nicht einschätzen oder nachvollziehen. Ich gehe aber davon aus, dass einiges zusammen kommen würde und dies die Lage zumindest vorübergehend etwas entspannen könnte.  Mir ist klar, dass dieser Vorschlag vor allem bei Menschen mit ehemals sehr hohem Einkommen auf Widerstand stößt. Allerdings glaube ich auch, dass manche vor dem Hintergrund der unsicheren Renten für Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt haben, einsichtig reagieren würden. Außerdem ist es sehr unwahrscheinlich, dass diese Deckelung bei jemandem mit einem monatlichen Rentenniveau von mehr als 10.000€, Existenzängste hervorruft. Für viele alternde Menschen ist dies in den letzten Jahren und Jahrzehnten zur Realität geworden. Die Möglichkeit der Deckelung der Rentenbezüge kam im aktuellen politischen Diskurs meiner Empfindung nach überhaupt nicht vor.

Diese Beispiele sind gewiss keine Weltneuheiten. Trotzdem ist es mir nicht klar, weshalb man bei einem so gesellschaftlich relevanten Thema nicht deutlich mehr über konkrete Maßnahmen und mögliche Alternativen zu den klassischen Mechanismen spricht. Sämtliche Auftritte von Entscheidungsträgern sind meiner Meinung nach geprägt, von einer Vielzahl von Worten, die nur sehr bedingt zu einer Lösungsfindung beitragen.

Von den Menschen zu erwarten, dass sie ihre Rente selbst durch Risikokapitalanlagen absichern, halte ich für ein Armutszeugnis gesellschaftlicher Problemlösungsfähigkeit. Auch wenn langfristiges Vorsorgen meiner Meinung nach das Sinnvollste ist, was man machen kann.

Ich bin auf eure Meinungen und Eindrücke zu dem Thema sehr gespannt. In meinem Text kommen viele Annahmen vor. Über konstruktive Kritik oder fachliche Verbesserungen freue ich mich natürlich auch.

Haltet euch munter!

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u/Diskurs95 — 11 days ago