Ben, Höcke und Amann - These: Ben ist Teil des rechten Vorfelds und merkt es nicht
Ich habe mir das über vierstündige Interview von Ben ungeskriptet mit Höcke komplett angehört und habe mir jetzt auch bis ungefähr zur Hälfte das Interview mit Melanie Amann angehört, die ihn dafür kritisiert. Aber ich finde, ihre Kritik läuft am Kernproblem vorbei und geht Ben in seinem Narrativ dabei sogar auf den Leim.
Sie sagt, dass Ben schauen soll, wem er ohne Einordnung so eine Millionenreichweite gibt. Ben entgegnet, dass das ja genau das Problem sei und die Menschen eine Einordnung gar nicht wollen, sondern sich selbst ihre Meinung bilden wollen, was sich auch in den Kommentaren widerspiegelt.
Dabei tut Ben so, als wäre er ganz neutral und würde Höcke nur nicht so kritisch einordnen, weil er so „harmonierbedürftig“ ist und das bei keinem Gast macht. Aber das ist ja nicht der Fall. Ich habe mir auch Interviews von ihm mit Linken wie Wolfgang M. Schmitt angehört, wo er sehr viele kritische Fragen stellt und die ganze Zeit dessen Einstellung hinterfragt.
Bei Höcke dagegen stellt er sehr viele Suggestivfragen, die schon vorwegnehmen, dass Höcke ja dämonisiert wird, aber eigentlich nicht so schlimm ist. Ich habe nochmal nachgeschaut: Erst bei Stunde 4:20 stellt er die erste Frage zu seinen Skandalen, und nach gut zehn Minuten ist das Thema schon wieder vorbei. Genau das ist für mich der zentrale Punkt: Ben ist nicht neutral, sondern selbst stark biased und checkt es nicht.
Wenn Ben bei Amann sagt, eines der zwei größten Probleme am Journalismus sei, dass er seinen eigenen Bias nicht erkennt, beschreibt er damit ziemlich genau sein eigenes Problem. Die ganzen Leute, die das in den Kommentaren als super neutralen Journalismus abfeiern, haben oft einfach selbst ein rechtes Framing der Welt. Deshalb kommt ihnen diese Herangehensweise „normal“ oder „neutral“ vor.
Dabei finde ich Ben menschlich recht sympathisch. Ich glaube aber, dass er dem Ganzen auch intellektuell nicht gewachsen ist. Teilweise versucht er, Aussagen von Höcke zusammenzufassen, bekommt es aber nicht wirklich hin, sodass Höcke ihn korrigieren muss.
Und wenn bei Aussagen wie „Andere Länder waren eigentlich viel mehr schuld am Zweiten Weltkrieg als Deutschland“ oder am Ende, wo Höcke durch die Blume eine Besetzung der Ministerien durch das Volk bei einer Machtübernahme der AfD in Thüringen fordert, um angebliches Aktenschreddern zu verhindern, einfach keine wirkliche Nachfrage kommt, finde ich das schon unglaublich. Das ist entweder Taktik oder einfach naiv, und ich glaube, es ist Letzteres.
Ich halte das für super gefährlich. Man kann sich nur vorstellen, wie sehr sich Höcke über so einen „useful idiot“ freut, der vermutlich selbst nicht versteht, was er da tut und dadurch Teil des rechten Vorfelds wird. Es ist ja auch kein Wunder, dass vor allem Schwurbler, Rechte und auch Rechtsextreme seine Sendung besuchen.