Amateurgedicht "Vanitas" sucht Feedback
Hallo! Ich habe ein Gedicht verfasst und suche Gedanken, Anregungen und Kritik. Ohne viel Vorgeplänkel trage ich es einmal vor:
Vanitas
Zu einem dunklen Winterabend
nebst den Mauern grauer Zeit,
sich an frischer Luft gar labend,
durch die Straßen ich fort schreit‘.
In den Tiefen kalter Gassen,
streckend zwischen den Gemäuern
Unter Firmament erlassen,
ganz aus Pech, den Tagen träuern’
Dieses Ich das Mondlicht blickend
Schweifend denkt, sich Mumm anschickend.
Wie es dunkelt immer schwärzer,
rau und rasch des Jahres Ende
Werk umschlingt mich, greift mich, weiter,
zieht mich näher beider Hände.
Da, die Bäume hauchen Atem,
blickend voller Ächtlichkeit.
Breite Nebelarme greifen,
winden sich als man sich freit.
Ich, in Bange dieses Wesens,
denk‘, so dunkel es schon ist!
Du doch eben noch gewesen,
bei des Tages Antlitz bist!
Triebs den Schauder, jener Abend.
Tief gedeckt in Schutz mich nehme.
Schnell geschritt‘ und Folgschaft ahnend,
mich nach dem Vergang‘nen sehne.
So, ach Lise, wolltest du es?
Nun, dass ich das Heim verließ?
Nur zu deiner ew‘gen Gnade
ich mich dir vollkomm‘ entschließ‘.
Und welch Pein und ew‘ger Herzkrieg
doch du immer mit mir mimst!
Und wie ich nun hier verwand’re!
Und mein Herz doch nimmer glimmst!
In Erinnerung mich schwelgend,
ich dort wanke wie ein Trinker.
Und, um wegzurennen dieser,
schneller laufe, flinker, flinker!
Gegenwärt’ ich tret’ gen Heime,
doch zu dieser dunklen Zeit
diese Tat vollkomm‘ unmöglich,
lief man nimmer doch recht weit.
Ach, die kühle Luft geworden
eine Wand aus scharfen Streben!
Eisig und gar unersättlich
Netze der Entsinnung weben!
Denkst du, Lise, seh‘ ich‘s nicht?
– Irr‘ ich doch schon hundert Nächte –
Diese Bleiche dein‘s Gesicht?
– Wo ich doch dein Bestes dächte –
Und so dreschend meiner Panik
blick’ herab ich da zu mir;
ich seh’ dort, ja!, meine Hände,
gleich Methus’lmes der Manier!
Schon in weilender Bewegung
zitternd seh’ ich mein Gesicht.
Alt und mager ich geworden,
Jüngling war ich! War ich nicht?
Trügen mich gar meine Sinne!
Ruhe, Ruhe ist‘s, die‘s braucht.
Diese teuflische Nachtskälte,
die das Hirn mir so zuschmaucht!
Immer älter und vermattet
werden meine dürren Haare,
wie in einem Augenblinzeln
streicht man mir die Lebensjahre.
Ach, noch dunkler, immer schwärzer,
totenstill die Welt gleich sei.
Halten gibt’s nicht, Betteln, Beten,
niemals mehr komme ich frei!
Und so müde und zermürbet
rege ich die schweren Glieder.
Immer mehr die alten Geister
schänden mich, erneut und wieder!
Und das Totenläuten dringet
laut und dröhnend auf‘s Gemüt,
und ich seh‘ sie da, ach Lise,
wie sie vor dem Grabe glüht!
Und die Tränen nicht erspart sind!
Ach! Nie wollt’ ich‘s! Niemals so!
Bitte, Lise, bitte hör doch!
Komm, sei doch nun endlich froh!
Dann! In einem Bruch Sekunde
Ewigkeit vergangen ward.
Und mich weit im tiefen Osten
jener Stern so zu sich bat.
Und Verwirrung aus Erhofftem
sich von nun auf ewig lege.
Ich das Dach des trauten Heimes
seh, die Glieder heftig rege!
Endlich, endlich ist’s gewonnen!
Endlich ist der Büßer frei!
Heim bin ich zum Schluss gekommen!
Heim, wo ich da ewig sei.
Anmerkung und kleine Randfrage: Da meine Texte immer sehr verstrickt sind lohnen sich vielleicht Fußnoten zu einzelnen Wörtern? (Siehe z. B. "Methus'lems" oder "zuschmaucht")