Dauerhafte emotionale Belastung, finanzielle Differenzen und eine verfahrene Zukunftsplanung. Bin ich ein Empathieloser Drecksack?
Teschuligt den langen Text.
Vorab eine kurze Richtigstellung: Ich hatte vor ca. einer Woche schon einmal einen Post zu den finanziellen Entscheidungen meiner Freundin verfasst. Darin wurde sie leider durch meine etwas ungeschickte Formulierung als "Geldsaugerin" dargestellt. Das ist sie nicht und das möchte ich hier korrigieren, sie gibt ihr ganzes Geld für Richtig unnötigen scheiß aus, alltags dinge sollen dann halb aber von mir kommen.
Die Ausgangslage: Wir (ich M23, Student; sie W29, hat ihr Studium schon vor Jahren beendet) führen seit drei Jahren eine Fernbeziehung. Uns trennen ca. 500 km und eine Landesgrenze. Sie kommt ursprünglich aus einem Drittland und hat dort, wo sie jetzt wohnt, keine Familie. Die Distanz nimmt sie deutlich mehr mit als mich.
Das emotionale & berufliche Problem: Sie leidet enorm darunter, dass ich nicht da bin, wenn es ihr schlecht geht. Wenn ich dann aber da bin, geht es ihr oft trotzdem schlecht. Ein Hauptgrund ist ihre Arbeit. Ihr Chef hat ihr bei der Einstellung scheinbar einiges beschönigt (was Freiheiten, Home-Office und Selbstständigkeit angeht). Das ist natürlich ärgerlich, aber aus meiner Sicht beschreibt sie eigentlich ein ganz normales Angestelltenverhältnis, wie es die meisten von uns kennen. Nichts, woran man völlig verzweifeln müsste. Das Problem: Obwohl sie in ihrem Bereich in ihrer Großstadt zu den Besten gehört und extrem viel Verhandlungsspielraum hätte, weigert sie sich, für sich einzustehen. Sie will nicht "ihre Frau stehen" und mit dem Chef Tacheles reden. Stattdessen endet alles in Weinen und Panikattacken, und all meine gut gemeinten Ratschläge prallen an einer Wand ab. (Zur Info: Sie arbeitet in einem eher schlecht bezahlten Ingenieursumfeld).
Die finanzielle Situation: Sie ist Ende 20 und privilegiert genug, bereits eine eigene Wohnung abzubezahlen (was ich im letzten Post fälschlicherweise nicht als solide Geldanlage gewertet hatte). Sie hat zudem etwas Geld geerbt. Anstatt das aber als Puffer zu nutzen, hat sie sich einen Sportwagen für ca. 25.000 € gekauft. Den Rest des Geldes brauchte sie für eine (gesundheitlich notwendige) unsichtbare Zahnspange. Was mich jedoch stört, ist ihr Konsumverhalten im Kontrast zu ihren Panikattacken: Sie kauft sich gerne teure Klamotten. In den drei Jahren unserer Beziehung hat sie sich z.B. Balenciaga schuhe für insgesamt 1.800 € gekauft, dann hier mal ein neues Teil fürs Auto, da mal wasn neues fürs Auto (Ich bin auch absoluter autofanatiker, aber ich bin halt der Dodo der das dann einbauen darf und finde es Finaziel halt auch nicht Smart weil das Auto so schon wirklich gut genug finde. Oft kommen Pakete mit teurer (wenn auch nicht immer Designer-) Kleidung an, begleitet von Sätzen wie: "Ups, hab die Jacke aus Versehen bestellt, wollte sie nur in den Warenkorb legen." Wenn dann aber unerwartet 300 € Steuernachzahlung anfallen, bricht für sie eine Welt zusammen, sie weint und bekommt Panik. Ich halte das für finanzielle Ungebildetheit und es macht mir Sorgen das sie es nicht schafft Geld beiseite zu haben das man sagen kann "Ok scheiße ich muss jetzt 300€ zahlen aber fuck it" es muss immer ans maximum konsum eskalieren um dann Panik zu bekommen.
Ein aktuelles Beispiel (Nürburgring): Sie wollte dieses Wochenende unbedingt mit mir zum 24h-Rennen an den Nürburgring. Ich finde das Event auch extrem geil, aber sie erwartete, dass ich alles zahle (140 € für Tickets + 150 € Sprit). Dazu kam das Wetterrisiko. Ich war nicht bereit, so viel Geld auszugeben, um dann 1,5 Stunden entfernt im Matsch zu parken, durch den Wald zu laufen und 5 Stunden im strömenden Regen an der Strecke zu stehen. Ich wollte zumindest den Wetterbericht abwarten. In der Zwischenzeit waren die Tickets ausverkauft. Sie war extrem sauer auf mich, weil ich nicht einfach auf Spekulation gekauft habe. Letztendlich stellte sich heraus: Sie muss am Montag ohnehin wieder ins Büro und hätte am Sonntag viel zu früh abreisen müssen. Das Resultat: Heute Morgen wurde wieder nur geweint.
Die Auswirkungen auf die Beziehung: Mich kotzt diese dauerhaft schlechte Laune mittlerweile wirklich an. Es raubt mir die Energie. Durch diese permanente Negativität und das ständige Jammern verliere ich jegliches Interesse an Sex. Das wiederum gibt ihr das Gefühl, nicht begehrenswert zu sein, was ihre Laune noch weiter in den Keller zieht. Wir stecken in einem absoluten Teufelskreis.
Wie soll es weitergehen? Umziehen ist extrem kompliziert. Sie kann wegen ihrer Nationalität nicht einfach in mein Land ziehen. Dafür müssten wir heiraten, da sie sonst ihre jetzige Aufenthaltserlaubnis verliert. Angesichts ihrer finanziellen Entscheidungen möchte ich eine Heirat aktuell aber dringendst vermeiden. Ein Umzug meinerseits wäre theoretisch machbar. Ich bin in Gesprächen mit einem großen Automobilhersteller in ihrer Stadt für einen Job nach meinem Studium. Aber: Ich brauche zwingend mehr Platz (was eine neue, teurere Wohnung in ihrer Stadt bedeuten würde) und ich hasse eigentlich Großstädte.
Vieles davon musste ich mir jetzt einfach von der Seele schreiben. Aber ich weiß wirklich nicht mehr weiter.