u/Due_Concentrate_7530

Ehekrise nach 16 Jahren... ich tue doch alles!?

Hallo zusammen... es wird ein längerer Text und ich brauche Rat, weil ich niemanden zum Sprechen habe.

TL;DR Ich versuche, meiner Frau der beste Ehemann zu sein, doch es genügt ihr nicht und wir haben uns durch anstrengende Elternschaft mit der Zeit als Paar distanziert, obwohl wir immer noch gut zusammen lachen und den Familienalltag organisieren und gute Eltern für unsere tolle Tochter sind. Streitpunkte sind emotionale Verbindung zwischen uns, aber auch Finanzen und mental load.

UPDATE 1: Ich danke euch erstmal für die verschiedenen Ansichten. Ich werde mich bemühen, in ein paar Wochen oder Monaten nochmal ein Update zu geben. Aktuell ist vieles unklar, aber vielleicht lässt es sich noch verbessern.

Ausgangssituation:

Meine Frau und ich sind Ende 30 und schon seit rund 16 Jahren zusammen, seit 9 davon verheiratet. Wir haben eine gemeinsame Tochter, die bald 7 wird. Insgesamt sind wir ein gutes Team als Eltern und wir sind auch an sich im Alltag harmonisch unterwegs. Aber unter der Oberfläche brodelt es und dieses Wochenende kam es zu einem Gefühlsausbruch, der mich kaum noch schlafen oder essen lässt, weil ich Angst habe, dass meine ganze Familie auseinanderbricht.

Wir haben ein Kind, das von uns sehr viel fordert, schon von Anfang an. Schreibaby, super anhänglich und gefühlsstark. Sie schläft noch immer im Familienbett und fordert unsere ganze Zeit, nur abends kann mal jeder was für sich machen.

Wir teilen uns bei den Aufgaben gut rein, und ich habe in den letzten Jahren bei immer mehr Themen auch Verantwortung übernommen. Um den Haushalt kümmere ich mich in großen Teilen, vor allem Aufräumen, Putzen, Wäsche etc. ist vor allem mein Gebiet. Einkaufen machen wir gleichberechtigt. Ich koche auch, wenngleich meine Frau es etwas öfter macht.

Wir machen 50/50 bei Abholen und bringen von der Schule, beim zu-Bett-gehen und auch bei der Nachmittagsbetreuung. Es ist insgesamt eigentlich gerecht aufgeteilt.

Auch was mental load Themen angeht, bemühe ich mich immer mehr, so habe ich dafür gesorgt, dass unsere Tochter in die sehr nachgefragte Privatschule aufgenommen wird, ich gehe zu Elternabenden, Probeessen, bereite Schulfeste mit vor und mache Salate dafür. Ich bin in der WhatsApp-Gruppe der Klasse und stimme mich mit anderen Eltern ab.

Ich gehe mit der Kleinen zum Zahnarzt, zu Impfterminen, betreue sie daheim wenn sie krank ist, ich leiste also auch Care-Arbeit. Gleichzeitig gibt es sicherlich noch einige Dinge, in denen ich besser werden kann, also die unsichtbaren Planungsaufgaben, die wichtig sind.

Zudem bin ich aber auch Hauptverdiener der Familie und habe rund 75% des Haushaltseinkommens und stemme auch so viel oder sogar mehr Anteile der Ausgaben. Sie zahlt seit Jahren schon keinen Cent Miete, keine Kosten für beide Autos (außer Kraftstoff), muss sich nicht um Steuern oder sonstige Finanzen kümmern.

Ich habe 3-4 verschiedene Einnahmequellen für mich erarbeitet, die ich trotzdem irgendwie clever in ca. 45-50 Wochenstunden quetsche. Sie arbeitet 30 Stunden und hat fast jeden Freitag frei, und trotzdem 30 Urlaubstage im Jahr. Also fast doppelt so viel frei im Jahr wie ich.

Das Problem:

Sie ist trotzdem permanent nur gestresst und das wirkt sich negativ auf unsere Beziehung aus. Wir sind seit Zeugung dieses Kindes nicht mehr intim miteinander gewesen, ich habe diesbezüglich auch nie Druck aufgebaut, aber in den letzten Jahren ist es sogar soweit gegangen, dass sie mich nicht mal mehr von selber umarmt, und wann unser letzter Kuss war, kann ich nicht mal sagen.

Sie hat sich in den letzten zwei Jahren mehr Freiraum gewünscht, und ich habe ihre neu gesteckte Grenze auch respektiert. Sie macht ihr Hobby vor allem zu Hause, denn sie näht, und das dann abends, wenn ich die Kleine ins Bett bringe. Oder an ihrem freien Freitag.

An Wochenenden ist es oft noch so, dass ich dann mit dem Kind in die Natur gehe oder anderweitige Ausflüge mache, an denen Sie nicht teilnimmt, sondern zu Hause näht. Ich sehe dann immer die anderen "kompletten" Familien und bin nur traurig, dass wir kaum Erinnerungen zu dritt machen. Sie ist nicht so abenteuerlich, was ok ist, aber ein Spaziergang im Wald oder so das haben wir früher als Paar ständig gemacht.

Neulich war ich mit der Kleinen fünf Tage in Italien, und sie sagte, das war für sie die schönste Zeit, weil sie einfach mal frei war. Und ich frage mich... ob sie überhaupt noch Mutter oder Ehefrau sein will? Wir haben uns doch nun mal dafür entschieden, und ja mich fuckt es auch ab wie anstrengend es ist, aber es ist nun mal so.

Ich denke immer, ich verschaffe ihr mit den Pausen am Wochenende auch ein wenig Freizeit, denn ihr Job mit den Problemkids ist auch emotional anstrengend.

Sie sagt auch, dass ihr dadurch am Ende des Tages einfach die Energie fehlt, sich dann mit noch mehr Themen und Problemen anderer Menschen zu befassen. Ich frage mich, wie wäre es andersrum, wenn ich jeden Tag schlecht gelaunt wegen meines Jobs wäre? Und ich kann nun mal nicht verhindern, dass unsere Tochter bei Problemen auch zu ihr geht. Sie kümmert sich dann natürlich darum, denn sie ist eine aufopferungsvolle Mutter.

Ihr Wunsch war es zum Beispiel, abends dann wirklich allein zu sein. Also stehe ich gar nicht mehr auf und bleibe einfach gleich liegen. Wir sehen uns de facto gar nicht mehr ohne Kind, kein gemeinsames TV schauen oder quatschen oder ich massiere sie zur Entspannung wie früher.

Inzwischen will sie seit einigen Wochen, dass immer der, der die Kleine ins Bett bringt, im Schlafzimmer schläft. Und der andere dann im Gästebett. Wir verbringen also nicht mal die Nächte zusammen. Ich verstehe es auch, denn sie hat einen leichten Schlaf und die Kleine bewegt sich im Bett viel, da reichen nicht mal die 2,70 x 2,00 Meter Betfläche aus, um "kontaktlos" zu pennen. Trotzdem fühlt es sich komisch an.

Und das war ihr Wunsch! Ich komme im Prinzip die ganze Zeit dem nach, was sie möchte. Sie kommuniziert ihre Bedürfnisse und ich handele entsprechend. So bin ich in den letzten Jahren immer ein Stück besser geworden, denn ich möchte nicht nur ein guter Papa, sondern auch ein verlässlicher Partner sein. Dafür tue ich buchstäblich alles.

Der Streit:

Doch genau das wirft sie mir jetzt vor. Sie empfindet es als Last, wenn mein Glück von ihrem abhängig ist. Ich sagte, ich will, dass es ihr gut geht und dass sie alles hat und das macht mich glücklich. Das ist eigentlich mein Verständnis einer Beziehung, dass man das gegenseitig so macht.

Stattdessen sagt sie zu mir Dinge wie "ein Junge erfüllt Aufträge, ein Mann übernimmt Verantwortung." Ich denke, es geht hier um mental load, aber wie beschrieben arbeite ich dahingehend an mir, sie stellt es aber so hin, als ob ich auf irgendeiner Stufe "steckengeblieben" wäre, so wie viele Männer, während die Millenial-Moms auf einem ganz anderen Level seien. Sie bezieht sich dabei auf irgendwelche Studien, die sie mir aber weder zeigt noch nennt, weil ich soll halt selber recherchieren.

Wie oben beschrieben, trage ich für viele Dinge in der Familie Verantwortung, und da muss sie sich gar nicht drum kümmern. Ihr Spezialgebiet ist aber eben Kleidung, weil sie näht viel für die Kleine und kennt alle Größen und so weiter.

Sie behauptete auch im Streit, ich säße nun da wie ein kleiner Junge, weil ich weinend dasaß angesichts all der Dinge, die sie mir an den Kopf geknallt hat. Und ich würde angeblich nur eine Mutter suchen. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, woher diese Boshaftigkeit kommt. Ich wünsche mir einfach emotionale Stabilität in der Beziehung, und ich finde, das hat nichts mit Mutterersatz zu tun. Sie will doch dasselbe auch von mir, da sag ich doch auch nicht sie sucht nur einen Vater-Ersatz... (dazu gleich mehr)

Die Krönung ist, sie betitelt mich als klassischen "Good Guy", und sagte sogar selbst, dass wahrscheinlich viele Frauen mich mit Kusshand nehmen würden. Aber fügte hinzu, dass sie mehr vom Leben wolle, als das. Ich versuche hier, der perfekte Vater und Ehemann zu sein, und sie sagt mir buchstäblich, das würde nicht reichen...

Und meinte auch, sie gibt mir keinen Applaus für Dinge, die normal sind, die zu erledigen sind. Wobei ich nie von ihr irgendeine Gegenleistung verlangt habe, nur weil ich halt täglich die Küche aufräume oder dies und das was anfällt. Ich will einfach nur nicht ständig kritisiert werden dafür, wie ich bin!

Ihr ging es in dem Streit vor allem um die emotionale Unterstützung, die ihr fehle. Aber früher hatten wir deep talk, und konnten immer über alles reden. Uns fehlt nur einfach die Zeit und die Chance, das mal zu tun. Wir haben kein großes Supportsystem, unser Kind hat in all der Zeit noch keine einzige Nacht ohne uns verbracht.

Gleichzeitig höre ich ihr jeden Tag zu, wenn sie von der Arbeit kommt und ihren Stress von der Seele redet. Und ich stelle auch Fragen dazu. Aber nun warf sie mir vor, ich würde nie fragen, wie es ihr denn gehe emotional... ich kann aber auch keine Gedanken lesen und sie versteckt ihre Traurigkeit leider auch sehr gut. Ich selbst erzähle vom Stress meiner Arbeit, wo ich täglich auch viel Druck habe, aber kaum irgendwas. Sie spielt meinen Job immer so runter, weil ich ja nur am PC sitze, und nicht face to face mit den Menschen Kontakt habe.

Sie sagte, dass wir eigentlich schon seit zwei Jahren nur noch "Mitbewohner" seien. Und fragt mich, was denn eigentlich Liebe für mich ist... dabei ist sie es, die sich selbst so abgegrenzt hat von mir und keinen Körperkontakt mehr zulässt. Ich wünsche mir das alles zurück, aber ich weiß nicht mehr was ich noch on top tun soll. Ich reiße mir buchstäblich den Arsch auf für unsere Familie. Für mich ist Liebe eben auch der Alltag, das zusammen lachen oder einfach zusammen Abendessen. Oder eben im Garten Zeit verbringen.

Das Thema Geld war auch ein Streitpunkt. Wie bereits erwähnt trage ich fast alles an Kosten. Die letzten zwei Jahre habe ich mal richtig fette Ausschüttungen bekommen, und das war endlich mal die Chance, für unser Alter in Form von ETFs anzulegen. Aber sie tut so, als wäre ich jetzt der Big Spender und sie ist finanziell total abhängig von mir. Ja, sie verdient vergleichsweise wenig, aber selbst wenn ich ihre monatlichen Fixkosten sehr großzügig zusammenrechne, müssten ihr jeden Monat immer noch 400-500 Euro zur freien Verfügung stehen. Und es kommen übrigens auch jede Woche 3-4 Pakete hier an. Davon sind auch einige Dinge für die Kleine, also mal Schuhe etc. Aber auch ihr Hobby. Ich weiß nicht wie sie die Kohle jedes Mal alle bekommen soll. Und noch dazu haben wir ein Sparkonto, auf das nur sie zugreift. Da lag immer genug Puffer drauf, und sie konnte sich was holen, wenn das Konto mal wieder gegen null geht. Ich werde ihr jetzt eine Zweitkarte für mein Konto geben, mit der sie dann Einkäufe und Tanken bezahlen kann. Durch mein Nebengewerbe muss ich nur halt auch einiges an Geld auf dem Konto griffbereit haben, um z. B. die massiven Steuervoraus- und Nachzahlungen decken zu können. Oder halt die ganzen anderen großen Rechnungen und die 1.500 Euro Miete jeden Monat für unsere sehr große Wohnung.

Die finanzielle Abhängigkeit "kotze sie an" und sie könne nicht mal alleinerziehend sein aus diesem Grund. Das klingt für mich so, als wäre sie es am liebsten.

Da ich selbst Trennungskind bin (sie auch) und sich meine Eltern ständig gestritten haben, ist für mich einfach jeder Streit auch traumatisch und ich reagiere schwer körperlich, wenn die Harmonie nicht mehr da ist. In den letzten vier Tagen habe ich 4-5 Kilogramm verloren und liege meiste ab 2 / 3 Uhr wach und weine. Ich habe viele wichtige Streitgespräche zu lange aufgeschoben, das sehe ich ein. Ich vermeide das genau wegen dieses höllischen Zustandes, in dem ich dann immer bin.

Früher war ich total egoistisch und ein schlechter Partner, aber trotzdem hat sie mich bedingungslos geliebt. Heute bin ich ein komplett anderer Mensch, aber halt nur ein "Good Guy" und nicht mehr. Tausende Bedingungen daran geknüpft.

Ich weiß, das klingt wirklich alles nach Untergang. Und es fühlt sich auch genauso an. Ich verstehe nicht, wie sie unsere Familie, die wir uns mühsam von null an aufgebaut haben, so aufs Spiel setzen kann. Ich möchte in jedem Fall weiter an mir arbeiten und kämpfen, aber ich weiß nicht mehr, ob ich ihr jemals genug sein kann.

Für meine Tochter würde ich auch weitere 10 Jahre auf Intimität oder alles ander verzichten, ich könnte es niemals verkraften, sie nicht mehr jeden Tag zu sehen. Ich liebe sie einfach so sehr, und ich könnte derzeit jedes Mal nur heulen, wenn ich ihr süßes Gesicht anschaue, aus Angst das zu verlieren. Das ist eine Abhängigkeit, die meine Frau irgendwie nicht sieht. Sie könnte von heute auf morgen entscheiden, dass Schluss ist, und ich würde alles verlieren. Ihr Teil der Familie ist für mich auch viel wichtiger als meiner. Zu meiner Mutter habe ich selten Kontakt, meine Großeltern sind noch da. Aber mein Schwager und seine Frau habe ich so ins Herz geschlossen und auch alle anderen von ihrer Familie. Das wäre alles vorbei.

Tut mir leid, falls das zu viel ist, ich musste mir das mal von der Seele schreiben, ich hab einfach niemanden außer ihr. Es ist etwas durcheinander.

Selbstverletzendes Verhalten zeige ich schon seit meiner Jugend nicht mehr, aber die Gedanken kommen gerade wieder hoch. Der Gedanke an meine Tochter überdeckt das aber alles zum Glück. Ich werde heute mal bei der Telefonseelsorge oder beim Fürstenberg-Institut anrufen, um professionelle Hilfe zu bekommen.

Hinweis: Wegwerf-Account. Ich versuche aber auf alles zu antworten. Danke für eure Aufmerksamkeit.

reddit.com
u/Due_Concentrate_7530 — 4 days ago