u/Easy_Willow9433

1,5 Jahre Investieren in Österreich - Erfahrungen

Hallo Reddit,

Ich hab vor 1.5 Jahren mit ETFs angefangen mit 0€ Startkapital. Ich möchte meine Erkenntnisse mit euch teilen. Einerseits um die Österreich-Spezifika zu beleuchten, die einem bei Online-Recherche vielleicht nicht unterkommen. Andererseits, um meine Entscheidungen along the way zu erklären, weil viele andere sicher die selben Dinge erleben werden. 

Ziel: 

Freunde mit vergleichbarem Lebenslauf haben mit 60 ihren Job verloren. Ich möchte in dieser Situation nicht verzweifeln und möchte dafür vorsorgen.

Ausgangslage: 

32, Kontostand auf 0€, neuer stabiler Job. 

Die ersten Schritte: 

* "Fang einfach an" liest man oft auf reddit: hab ich gemacht. MSCI world, flatex, passt schon. 

* Klassisch hab ich mir dann gedacht ich bin schlau, habe sparpläne erweitert: emerging markets, rüstung, clean energy, goldmining, ein dividenden etf, eurostoxx. 

Learnings im ersten Jahr: 

• Schmerzhaft: ETFs aus den Niederlanden wollen 15% Quellensteuer auf Gewinne, voll einfach vermeidbar mit Irland oder Luxenburg als Auflageland. 

• nervig: KeSt auf ausschüttungsgleiche Erträge muss man ggf aufs Depotkonto nachschiessen. 

• interessant: nach einem Jahr habe ich alles einmal erlebt: Ausschüttungen, Steuern, käufe, verkäufe, sparpläne, einzelaktien... Ich hab erst jetzt das Gefühl alle Mechaniken zu verstehen, und das ist Ok so. Meine "Fehler" haben mich ca 100€ gekostet. Verkraftbar.

• Stressig: Branchen-ETFs stressen mich. Man hat immer im Hinterkopf "soll ich die strategie ändern?" - bei Welt-ETF stellt sich diese Frage nicht. Bin aus allen Branchen raus, hatte Glück bei clean energy und gold, pech bei rüstung. Schlafe jetzt ruhiger. 

• Anders: ich hab mir mit 100€ P2P Lending angeschaut, monefit. Fühlt sich Sketchy an. Werde ich nicht weiter verfolgen. 

• Die rendite in Jahr 1 war leicht über IMI. Meine Empfehlung ist, die Rendite jährlich/monatlich via einem Excel zu beobachten, die %-Anzeige im Depot bringt dafür nix. 

Situation jetzt: 

Nur noch 2 Sparpläne: 70% in IMI-ETF, 30% in L&G quality dividend. 

Sind Dividenden Ideal? Nein. Aber es gibt mir folgendes: 

• Einen Kick wenn cash 1x im Monat kommt und das immer ein bisschen mehr wird

• Cashpolster für Steuerzahlung

• Erträge lasse ich auf dem Verechnungskonto und reinvestiere wenn ich mit 13. Und 14. Gehalt sowieso mehr Geld ins Depot gebe. 

• mit der Besteuerung von Thesaurierern in AUT halte ich eine Dividendenstrategie machbar, aber ich bleib bei diesen 30%, bzw reduziere im nächsten Jahr vielleicht auf 20-25. 

Blick in die Zukunft: 

• Ich glaube es crasht bald, und freu mich auf billigere Stocks in meinem Weltportfolio. Anlagehorizont ist >20 Jahre, mein Mindset passt dazu. Es hat Überwindung gekostet in den "scary times" im letzten Jahr die Sparpläne laufen zu lassen, aber hat sich voll ausgezahlt. Nur Mut! 

• Meine Sparrate ist mit 30% sehr hoch, und ich hab den Aufbau von Notgroschen vernachlässigt. Mal schauen ob das so hält. 

• FIRE scheint nicht leicht zu sein in Österreich, aber ein paar Jahre Puffer zu haben scheint, laut meinem Excelsheet, zu gehn. 

Ich beantworte gerne Fragen und hoffe dass keine alten Hasen hier wegen irgendeinem Denkfehler die Hände überm Kopf zusammenschlagen. 

Ich danke auch allen Contributoren hier, habe in FinanzenAT viel gelernt und Hilfe erhalten.

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u/Easy_Willow9433 — 8 days ago