Bin ich ein Versager, weil ich beruflich eine Talfahrt hingelegt habe? Sollte ich mehr aus meinem Leben machen?
Das wird ein langer Text, ich möchte einfach etwas loswerden und euch etwas erzählen was mir widerfahren ist.
Ich habe Bauingenieurwesen (Bachelor) studiert und bin darauf eigentlich sehr stolz, weil ich unteranderem nach der 10. Klasse nur einen Hauptschulabschluss hatte und ganz knapp mein Real nicht geschafft habe. Daraufhin habe ich die Realschule nachgeholt, Fachabitur und dann studiert etc.
Als motivierter Absolvent habe ich während der Corona Zeit meinen ersten Job als Junior-Bauleiter bekommen. Ich ging davon aus, dass ich nun endlich gutes Geld verdienen würde. Außerdem erhielt ich einen Firmenwagen, einen Laptop und ein iPhone. Das hörte sich alles sehr gut an dachte ich mir. Auch als ich gehört habe, dass ich auf Montage arbeiten musste, also war ich von Montag bis Freitag von zuhause weg und schlief in einem Wohncontainer. Ich dachte mir in jungen Jahren kann man das mal in Kauf nehmen.
Irgendwann kam mir ein unwohles Gefühl, ich habe mich in der Zeit sehr einsam gefühlt. Ich kam mit meinen Arbeitskollegen nicht wirklich zu recht und wir übernachteten sogar alle im selben Wohncontainer (Aber jeder hat sein eigenes Zimmer gehabt). Dadurch verbrachte man zwangsläufig viel Zeit miteinander. Jedenfalls mochten mich die Kollegen nicht, ich war denen zu nett und die Tatsache, dass ich vor meinem Studium keine handwerkliche Ausbildung absolviert hatte, machte mich bei ihnen noch unbeliebter. Die haben mir nicht mal abgekauft das ich mein Grundpraktikum auf der Baustelle gemacht habe, das ist ein must have fürs Studium.
Irgendwann bin ich in der Mittagspause zum Rewe gefahren, als ich links abbog trifft mich ein Auto von der Hauptstraße. "Mein" (Firmenwagen) Auto war ein wirtschaftlicher Totalschaden, alle Airbags sind aufgegangen, hinten rechts war die Tür komplett demoliert und ich war sogar Schuld. Vor mir fuhr ein LKW und ich konnte nicht wirklich weit sehen. Für mich sah damals alles irgendwie frei aus. Mein erster Gedanke war, scheiße ich hab den Firmenwagen geschrottet und jetzt glotzen mich alle Leute auf dem Rewe Parkplatz an.
Ein Kollege hat mich abgeholt, wir haben das Auto erstmal weggefahren und wir sind dann zurück zu unseren Bürocontainern gefahren. Ich war ganz perplex und dachte mir was mache ich jetzt? Ich habe mich erstmal an meinem Schreibtisch gesetzt und versucht weiter zu arbeiten. Ich habe mit einem Kumpel geschrieben und er fragte mich, wieso ich nicht ins Krankenhaus gefahren werde? Stimmt eigentlich, sagte ich und daraufhin fragte ich meine Kollegen, ob sie mich bitte ins Krankenhaus fahren würden. Die hat das aber nicht wirklich interessiert. Sie fragten genervt "Willst du wirklich ins Krankenhaus?", ich bin weggegangen und habe dann kurze Zeit später nochmal gefragt, dann schrie ein Kollege mich an "Ja, dann fahr doch!" Ich bin wieder zurück zu meinem Schreibtisch.
Einige Zeit später bin ich rausgegangen und fragte einen unserer Handwerker ob er mich vielleicht fahren würde, er hatte leider kein Auto aber er redet nochmal mit meinen Bauleiterkollegen, dass die mich fahren sollen. Jeder von denen hat ja ein eigenen Firmenwagen. Irgendwann hat er es geschafft sie zu überreden und ein Kollege hat sich bereit erklärt mich ins nächste Krankenhaus zu fahren. Bevor wir losgefahren sind sagte, der eine Kollege der auf Baustelle blieb, "Hoffentlich wirst du eingeschläfert". Ich habe darauf nichts geantwortet, in dem Moment dachte ich mir einfach nur, ich will einfach nur weg hier, lasst mich einfach in Ruhe.
Ich wurde eine Woche krank geschrieben, es war nichts schlimmes, ich hatte Gott sei Dank nur Nacken- und Kopfschmerzen. Als ich wieder zurück auf mein Zimmer kam habe ich meine Kollegen gemieden. Ich saß einfach nur in meinem Zimmer, Tür verschlossen und habe einfach geweint bis zum nächsten Morgen. Am nächsten Tag hat mich zum Glück mein Vater abgeholt. Ich habe die Kündigung sofort eingereicht und wollte das alles nur noch vergessen.
Ich habe schon sehr viel geschrieben, ich hoffe das war alles verständlich. Ich bin nicht der beste Schreiber. Den Rest werde ich kurzfassen.
Danach habe ich als Junior-Bauleiter im Architekturbüro angefangen, das hat mir aber auch keinen Spaß gemacht. Ich wollte aber die 6 Monate Probezeit durchziehen um wirklich sicher zu gehen. Aber mit der Zeit habe ich schlampig gearbeitet und dann irgendwann krachte es einmal bei dem Projekt wofür ich zuständig war. Nach 5 Monaten habe ich einfach das Handtuch geworfen.
Daraufhin habe ich viele Jahre einige Minijobs ausgeübt, z. B. als Auslieferungsfahrer für Essen auf Räder, als Bauhelfer, als Kurier für Pflegehilfsmittel und jetzt arbeite ich seit einigen Monaten Vollzeit im Lager.
Was ist nur passiert? So habe ich mir das alles nicht vorgestellt. Was mache ich nur falsch? 😞
Ich versuche nach vorne zu blicken und alles aber manchmal will ich einfach nur allein sein und fange dann an zu weinen.
Ich wollte das einfach mal loswerden.