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Jura abbrechen? Und dann?

Ich hoffe ich bin hier im richtigen Subreddit und würde mich sehr über eure Einschätzungen oder Erfahrungen freuen.

Ich weiss ehrlich gesagt gerade nicht mehr so richtig weiter und hoffe deshalb auf Erfahrungsberichte oder Rat von Leuten, die vielleicht mal in einer ähnlichen Situation waren.

Ich studiere seit 2022 Jura in Hamburg. Eigentlich habe ich schon relativ früh gemerkt, dass mir das Studium extrem schwerfällt, aber ich habe mir immer eingeredet, dass es irgendwann besser wird, wenn ich nur disziplinierter bin oder noch mehr Zeit investiere. Meine Leistungen waren meistens eher grenzwertig. Ich habe viele Klausuren erst im Zweitversuch bestanden und ständig Rückstände mitgeschleppt.

Zwischendurch war ich auch im Ausland und hatte gehofft, danach irgendwie motivierter oder klarer zurückzukommen, aber das Gegenteil war eher der Fall. Durch das sehr eng getaktete Studium hatte ich während der Vorlesungszeit dauerhaft Nachschreibeklausuren aus alten Semestern und gleichzeitig in der Prüfungsphase die regulären Klausuren. Ich war eigentlich permanent im Prüfungsmodus und hatte nie das Gefühl, einmal wirklich aufholen zu können.

Letztes Jahr habe ich mich dann für ein Jahr beurlauben lassen, um meine Rückstände abzubauen. Auch hat sich das Studium durch den dauerhaften Stress leider negativ auf meine chronische Krankheit ausgewirkt und ich dachte, ich nutze das Jahr, um alles zu fixen. Seit Januar studiere ich wieder regulär weiter, aber gerade seitdem merke ich immer deutlicher, wie sehr mir dieses Studium einfach nicht liegt und zunehmend belastet.

Aktuell fehlt mir noch der fortgeschrittene Nachweis für die Examszulassung. Dafür muss ich eine von zwei Klausuren bestehen und habe jeweils nur noch einen Versuch offen. Allein dieser Druck belastet mich mittlerweile extrem. Ich merke inzwischen jeden Tag, wie sehr mich das Studium mental mitnimmt. Mir graut es oft schon davor, morgens aufzustehen und wieder in die Uni zu müssen.

Das Schwierige ist, dass ich wirklich nicht sagen kann, ich hätte es nicht versucht. Ich habe im Studium immer mein Bestes gegeben und immer viel gelernt. Es lag nie an mangelnder Disziplin, Faulheit oder daran, dass ich nichts getan hätte. Gerade für diese fortgeschrittenen Klausuren habe ich wirklich alles hinten angestellt. Ich habe praktisch nur gelernt, kaum Freizeit gehabt und mein komplettes Leben danach ausgerichtet und bin trotzdem durchgefallen. Irgendwann muss man sich vielleicht auch eingestehen, dass etwas einfach nicht das Richtige für einen ist.

Was mir zusätzlich zu schaffen macht, ist die Erkenntnis, dass dieser Dauerzustand eigentlich nicht normal ist. Im Gespräch mit Freunden aus anderen Studiengängen habe ich erst richtig gemerkt, wie sehr mich das Studium mittlerweile emotional einschränkt und kaputtmacht. Ich habe die letzten Jahre ständig versucht, mich zusammenzureissen und einfach weiterzumachen. Genau deshalb helfen mir Kommentare in die Richtung ehrlich gesagt nicht weiter.

Was mich bei dem Gedanken abzubrechen zusätzlich extrem belastet, ist, dass ich mich damals für ein privates Studium entschieden habe und mittlerweile fast 60k an Studiengebühren hineingeflossen sind. Das Gefühl, so viel Zeit, Energie und Geld investiert zu haben, macht die Entscheidung natürlich noch schwerer. Andererseits denke ich mir mittlerweile auch, dass man vielleicht wirklich etwas ändern sollte, wenn einen ein Studium dauerhaft so unglücklich macht.

Im Moment denke ich deshalb darüber nach, mir meine bisherigen Leistungen anerkennen zu lassen und stattdessen einen Bachelor zu machen, vielleicht einen Bachelor of Laws oder auch etwas anderes. Wenn ich im jetzigen Studium weitermache, würde sich alles noch ewig ziehen. Mindestens noch ein Jahr bis zum Bachelor, dann kurz darauf direkt der Freischuss, eventuell danach noch der reguläre Versuch, Referendariat usw. Und ich merke immer mehr, dass ich diesen Weg wahrscheinlich gar nicht mehr gehen möchte.

Deshalb wollte ich fragen, ob es hier Leute gibt, die ihr Studium spät abgebrochen oder die Richtung gewechselt haben. Vielleicht auch speziell aus Jura.
Hat jemand einen Bachelor of Laws gemacht und kann erzählen, wie der weitere Karriereweg aussah? Oder generell Erfahrungen damit gemacht, irgendwann einzusehen, dass ein Studium einen mehr zerstört als weiterbringt?

Ich würde mich einfach über ehrliche Erfahrungsberichte oder ein paar aufmunternde Worte freuen.

Und sorry für die lange Nachricht.

TLDR: ich hab nach 4 Jahren gecheckt wie unglücklich mich Jura macht und bin jetzt in einer quarter life crises.

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u/Expert-Bathroom-2591 — 7 days ago